Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Sagt es mir!«
Ihre Finger bohrten sich fest in seinen Arm. Ihre Augen waren blutunterlaufen vom Qualm, doch das Braune darin glühte wie Kohlen. Er schüttelte hustend den Kopf.
Der Einäugige schob die Frau beiseite und packte Roger am Hemd. Etwas Stumpfes glänzte vor Rogers Augen auf, zu nah, als dass er es deutlich hätte sehen können, und inmitten des Brandgeruches fing er den Gestank verfaulender Zähne auf.
»Sag es ihr, Mann, oder ich bring dich um!«
Roger schob seinen Unterarm zwischen sich und den Mann und schubste ihn mit aller Kraft von sich, so dass er zurückstolperte.
»Nein«, sagte er hartnäckig. »Ihr bringt mich … hier weg. Dann sage ich es.«
Der Mann zögerte gebückt, und die Messerklinge beschrieb einen kleinen, unsicheren Bogen. Sein Auge huschte zu der Frau hinüber.
»Bist du sicher, dass er weiß?«
Die Frau hatte den Blick nicht von Rogers Gesicht abgewandt. Sie nickte langsam, ohne wegzusehen.
»Er weiff.«
»Es war … ein Mädchen.« Roger sah sie unverwandt an und unterdrückte das Bedürfnis zu blinzeln. »Das wisst Ihr … ja sicher … selbst.«
»Lebt sie noch?«
»Lasst mich … frei.«
Sie war weder eine kräftige noch eine große Frau, doch ihre Not schien die ganze Hütte zu erfüllen. Sie zitterte regelrecht, und ihre Hände hingen zu Fäusten geballt an ihren Seiten. Sie funkelte Roger eine weitere, lange Minute an, dann fuhr sie herum und sagte in der seltsamen, afrikanischen Sprache einige heftige Worte zu dem Mann.
Er versuchte zu widersprechen, doch es war fruchtlos; ihr Wortschwall traf ihn wie das Wasser aus einem Feuerwehrschlauch. Er ergab sich mit einer frustrierten Geste, dann streckte er die Hand nach dem Kopftuch der Frau aus. Er öffnete die Knoten mit seinen flinken, langen Fingern und faltete es murrend zu einer Augenbinde zusammen.
Das Letzte, was Roger sah, bevor der Mann ihm das Tuch um die Augen band, war Fanny Beardsley. Das Haar fiel ihr in vielen kleinen, fettigen Zöpfen um die Schultern, und ihre Augen hingen immer noch glühend wie Kohlen an ihm. Ihre abgebrochenen Zähne waren entblößt, und wenn sie gekonnt hätte, so dachte er, hätte sie ihn gebissen.
Man ließ sie nicht widerspruchslos ziehen; ein Chor aufgebrachter Stimmen umringte sie ein Stück weit, und Hände rupften an seinen Kleidern, seinen Armen und seinen Beinen.
Doch der Einäugige hatte sein Messer immer noch in der Hand. Roger hörte einen Ausruf, die Geräusche eines Handgemenges und einen Aufschrei. Die Stimmen wurden leiser, und niemand zerrte mehr an ihm.
Sie gingen weiter. Er hatte seine Hand auf Fanny Beardsleys Schulter gelegt, und sie führte ihn. Er hatte den Eindruck, dass die Siedlung sehr klein war; zumindest dauerte es nicht lange, bis er spürte, dass ihn Bäume umschlossen. Laub streifte sein Gesicht, und der Harzgeruch wurde durch die heiße, rauchige Luft noch verstärkt. Es regnete kräftig, doch der Rauchgeruch war überall. Der Untergrund war uneben; verrottendes Laub, das mit scharfkantigen Steinen durchsetzt war, mit Baumstümpfen und zu Boden gefallenen Ästen.
Der Mann und die Frau wechselten gelegentlich ein paar Worte, verstummten dann aber. Seine Kleidung wurde allmählich nass und klebte ihm am Körper, und die Säume seiner Hose scheuerten ihn beim Gehen. Die Augenbinde war zu fest, als dass er irgendetwas hätte sehen können, doch unter ihrem Rand drang ein wenig Licht herein, und daran konnte er erkennen, wie sich die Tageszeit veränderte. Seinem Eindruck nach war es später Nachmittag gewesen, als sie die Hütte verließen; als sie endlich stehen blieben, war das Licht fast völlig verblasst.
Er blinzelte, als ihm die Augenbinde abgenommen wurde, denn die plötzliche Menge des Lichtes machte seine mangelnde Leuchtkraft wieder wett. Es herrschte fortgeschrittenes Zwielicht. Sie standen in einer Mulde, die sich schon zur Hälfte mit Dunkelheit gefüllt hatte. Er blickte auf und sah, dass der Himmel über den Bergen in Orange- und Rottönen glühte und der rauchige Dunst erleuchtet war, als stünde die ganze Welt in Flammen. Über ihnen waren die Wolken aufgerissen; ein Stück klaren, blauen Himmels schien durch die Lücke, von den Abendsternen sanft erleuchtet.
Fanny Beardsley musterte ihn. Unter dem Blätterdach der gigantischen Bäume sah sie kleiner, aber nicht minder entschlossen aus als zuvor in der Hütte.
Er hatte reichlich Zeit zum Nachdenken gehabt. Sollte er ihr sagen, wo das Kind war, oder sollte er behaupten, es nicht zu wissen? Wenn sie es wusste, würde sie dann den Versuch machen, das kleine Mädchen wieder an sich zu bringen? Und wenn ja, was für Konsequenzen konnte das haben – für das Kind, die entflohenen Sklaven oder gar für Jamie und Claire Fraser?
Keiner der beiden hatte irgendetwas über die Dinge erzählt, die sich im Haus der Beardsleys zugetragen hatten, abgesehen von der simplen Tatsache, dass Beardsley an einem Schlaganfall gestorben war. Doch Roger kannte sie beide gut genug, um stillschweigend seine Schlüsse aus Claires sorgenvollem Gesicht und Jamies unbeteiligter Miene zu ziehen. Er wusste nicht, was geschehen war, aber Fanny Beardsley wusste es – und es war gut möglich, dass es etwas war, was die Frasers lieber nicht ans Tageslicht holen wollten. Wenn Mrs. Beardsley wieder in Brownsville auftauchte, um ihre Tochter zurückzuholen, würde man ihr mit Sicherheit Fragen stellen – und die Antworten würden womöglich nur Schaden anrichten.
Doch der flammende Himmel tauchte ihr Gesicht in Glut, und angesichts des Hungers in ihren brennenden Augen musste er einfach die Wahrheit sagen.
»Eurer Tochter … geht es gut«, begann er mit fester Stimme, und sie gab einen erstickten Kehllaut von sich. Als er zu Ende erzählt hatte, liefen ihr die Tränen über das Gesicht und gruben Spuren in den Ruß und Staub auf ihrer Haut, doch sie hielt ihre weit geöffneten Augen unverwandt auf ihn gerichtet, als könnte sie ein wichtiges Wort überhören, wenn sie blinzelte.
Der Mann blieb ein wenig im Hintergrund und hielt argwöhnisch Wache. Seine Aufmerksamkeit galt fast ausnahmslos der Frau, doch dann und wann warf er Roger einen verstohlenen Blick zu, und als dieser seine Erzählung beendet hatte, trat er neben die Frau. Sein einzelnes Auge leuchtete genauso intensiv wie die ihren.
»Sie hat das Geld?«, fragte er. Er hatte den rollenden Akzent der Westindischen Inseln, und seine Haut sah aus wie dunkler Honig. Er wäre ein gut aussehender Mann gewesen, hätte er nicht – unter was für Umständen auch immer – das Auge verloren, an dessen Stelle sich unter einem verzerrten, herabhängenden Lid eine rote Hauttasche befand.
»Ja, sie hat … Aaron Beardsleys ganzen … Besitz geerbt«, versicherte ihm Roger, und der Atem rasselte ihm vom vielen Reden in der Kehle. »Mr. Fraser hat … dafür gesorgt.« Er hatte Jamie zum Waisengericht begleitet, wo Jamie die Identität des Mädchens bezeugt hatte. Man hatte Richard Brown und seiner Frau das Kind – und sein Eigentum – anvertraut. Sie hatten dem kleinen Mädchen den Namen Alicia gegeben – er hatte keine Ahnung, ob Sentimentalität oder Wut der Auslöser dafür gewesen war.
»Nicht schlimm, dass sie schwarz ist?« Er sah, wie der Sklave Fanny Beardsley einen Seitenblick zuwarf und sich dann wieder abwandte. Mrs. Beardsley hörte den zweifelnden Unterton in seiner Stimme und ging auf ihn los wie eine angreifende Viper.
»Sie ifft dein Kind!«, sagte sie. »Sie kann nicht von ihm sein, unmöglich!«
»Ja, sagst du«, erwiderte er mit trotzig gesenktem Gesicht. »Gibt man schwarzen Mädchen Geld?«
Sie stampfte lautlos mit dem Fuß auf und ohrfeigte ihn. Er richtete sich auf und wandte das Gesicht ab, machte aber keinerlei Anstalten, sich ihrer Wut zu entziehen.
»Glaubfft du, ich hätte sie je verlaffen, wenn sie weiff gewesen wäre, wenn sie nur irgendwie weiff gewesen wäre?«, schrie sie. Sie boxte auf ihn ein und übersäte seine Arme und seine Brust mit Hieben. »Es war deine Schuld, dass ich sie verlaffen muffte, deine! Du und deine verdammte, schwarpffe Haut, verflucht –«
Es war Roger, der ihre fliegenden Fäuste ergriff und sie ihrem heftigen Widerstand zum Trotz festhielt. Er ließ sie schreien, bis sie heiser wurde und schließlich tränenüberströmt zusammenbrach.