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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Die Luft ringsum war heiß und versengte ihm die Lungen. Er stopfte die Ledertasche in das feuchte Loch, das er gegraben hatte und zog mit weit ausgestreckten Armen den Schmutz zu sich hin, der ihm beim Schaufeln angenehm die Haut kühlte.

Er hielt keuchend inne. Eigentlich hätte er schwitzen sollen, doch der Schweiß trocknete schon, bevor er die Oberfläche seiner Haut erreichte. Das Feuer war nah. Steine, er brauchte Steine, um die Stelle zu markieren – sie würden nicht verbrennen. Er planschte in den Bach zurück, fasste unter die Oberfläche, o Gott, es war kalt, es war nass, Gott sei Dank, packte einen dicken Stein, voll glitschig-grünem Schleim, und warf ihn ans Ufer. Noch einen, eine Hand voll kleinerer Steine, die er aus lauter Verzweiflung nahm, noch einen großen, einen flachen, noch einen – genug, es musste genug sein, das Feuer war im Anmarsch.

Er stapelte seine Steine hastig zu einer Markierung auf, befahl seine Seele der Gnade Gottes an, stürzte sich wieder in den Fluss und floh. Er stolperte und rang nach Luft, unter seinen Füßen rollten die Steine beiseite, er floh, so lange ihn seine zitternden Beine trugen, bis ihn der Rauch an der Kehle packte, ihm Kopf, Nase und Brust füllte, und ihm den Atem nahm, die breite Narbe eine Würgehand, die Luft und Leben aus ihm herauspresste und nichts als Schwärze hinter seinen Augen hinterließ, beleuchtet von der flackernden Röte des Feuers.

Er kämpfte. Kämpfte mit der Henkersschlinge, kämpfte mit den Fesseln an seinen Handgelenken, kämpfte vor allem mit der schwarzen Leere, die ihm die Brust eindrückte und die Kehle versiegelte, kämpfte um einen letzten, kostbaren Atemzug. Er bäumte sich auf, wehrte sich mit der letzten Unze seiner Kraft, und dann rollte er über den Boden, und seine Arme waren frei.

Seine um sich schlagende Hand traf auf etwas Weiches, das überrascht aufjaulte.

Dann waren Hände auf seinen Schultern, seinen Beinen, und er saß aufrecht, sah verschwommen, und seine Brust hob sich mit aller Macht, um zu atmen. Ein fester Schlag traf ihn mitten auf den Rücken. Er würgte, hustete, schluckte genug Luft, um tief in seinem verkohlten Inneren zu husten, und eine große Masse schwarzen Schleims rollte aus seiner Brust hoch, warm und schleimig wie eine faulige Auster auf seiner Zunge.

Er spuckte unter heftigem Würgen aus, denn der Schleim brannte sich seinen Weg durch den engen Kanal seiner Kehle. Dann spuckte er erneut aus, schluckte, und setzte sich keuchend auf.

Er hatte für nichts anderes Augen und Ohren als für das Wunder der Atemluft. Ringsum erklangen Stimmen, und er sah vage Gesichter in der Dunkelheit; alles roch verbrannt. Doch das Einzige, was zählte, war der Sauerstoff, der seine Brust durchflutete und seine verschrumpelten Zellen aufquellen ließ wie in Wasser getränkte Rosinen.

Wasser berührte seinen Mund, und er blickte auf und bemühte sich mit blinzelnden, tränenden Augen, etwas zu sehen. Seine Augäpfel fühlten sich versengt an; Licht und Schatten verschwammen, und er kniff die Augen fest zu, die warmen Tränen Balsam auf seinen wunden Augen, bevor sie ihm kühlend über die Wangen liefen. Jemand hielt ihm einen Becher an die Lippen; eine Frau mit rußgeschwärztem Gesicht. Nein, kein Ruß. Er kniff die Augen zu, blinzelte, kniff sie zu. Ihre Haut war schwarz. Sklavin?

Obwohl es ihm widerstrebte, selbst für die Wohltat der Kühle in seiner gequälten Kehle das Atmen zu unterbrechen, trank er einen winzigen Schluck Wasser. Doch es tat gut – sehr gut. Seine Hände hoben sich und umfassten den Becher, und er war überrascht. Er hatte mit dem Schmerz gebrochener Finger gerechnet, mit einem Taubheitsgefühl … doch seine Hände waren gesund und brauchbar. Er griff sich automatisch an die Kehle, erwartete Schmerzen und pfeifenden Bernstein – und betastete ungläubig die gesunde Haut. Er atmete ein, und die Luft pfiff durch seine Nase und an der Rückseite seines Halses entlang. Die Welt um ihn schob sich mit einem Ruck wieder zurecht.

Er saß in einer Art zusammengeschusterter Hütte, in der sich mehrere Menschen befanden. Weitere schauten zur Tür herein. Die meisten von ihnen waren Schwarze, alle trugen Lumpen, und keiner von ihnen machte auch nur ein annähernd freundliches Gesicht.

Die Frau, die ihm das Wasser gegeben hatte, sah angstvoll aus. Er versuchte, sie anzulächeln, und hustete erneut. Sie blickte unter dem zerschlissenen Tuch, das sie sich um die Stirn gebunden hatte, zu ihm auf, und er sah, dass das Weiße ihrer Augen scharlachrot war, die Lider rot gerändert und geschwollen. So, wie es sich anfühlte, mussten seine Augen genauso aussehen. Die Luft war immer noch voller Rauch, und in der Ferne konnte er das in der Hitze splitternde Röhricht knacken und knistern hören, hörte er das ersterbende Grollen des Feuers. Irgendwo in der Nähe stieß ein Vogel einen Alarmruf aus und verstummte dann abrupt.

An der Tür war ein Gespräch im Gange, das in zischendem Flüsterton geführt wurde. Die Männer, die sich dort miteinander unterhielten – nein, miteinander stritten –, warfen ihm dann und wann einen Blick zu, ihre Gesichter Masken der Furcht und des Misstrauens. Draußen hatte es zu regnen begonnen; er konnte es zwar nicht riechen, doch traf kühle Luft auf sein Gesicht, und er hörte die Tropfen auf das Dach prasseln, auf die Bäume im Freien.

Er trank den Rest des Wassers, dann hielt er der Frau den Becher wieder hin. Sie fuhr zurück, als könnte er ansteckend sein. Er stellte den Becher auf den Boden, nickte ihr zu und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. Die Haare auf seinem Arm waren versengt; sie zerfielen zu Staub, als er sie berührte.

Er bemühte sich, die Worte zu verstehen, hörte jedoch nichts als Kauderwelsch. Die Männer sprachen weder Englisch noch Französisch oder Gälisch. Er hatte einmal gehört, wie sich einige frisch gefangene Schwarze, die aus Charleston zum Verkauf nach Wilmington gebracht worden waren, in genau dieser heiseren, geheimen Murmelsprache unterhielten. Irgendeine afrikanische Zunge – oder auch mehr als eine.

Er hatte Blasen auf der Haut, die an mehreren Stellen wund war und schmerzte, und die Luft in der Hütte war so schwülwarm, dass ihm der Schweiß zusammen mit dem Wasser aus seinen Augen über das Gesicht rann, doch gleichzeitig lief es ihm kalt über den Rücken: Er war nicht auf einer Plantage – so tief im Gebirge gab es keine. Die isolierten Heimstätten, die es hier oben gab, waren zu arm, um Sklaven zu halten, schon gar nicht eine solche Anzahl. Einige Indianerstämme hielten sich Sklaven – aber keine Schwarzen.

Es gab nur eine mögliche Antwort, und diese wurde durch das Verhalten der Männer bestätigt. Also waren sie Vogelfreie, die Männer, die ihn gefangen genommen hatten – oder gerettet hatten? Entflohene Sklaven, die hier im Verborgenen lebten.

Ihre Freiheit – und möglicherweise ihr Leben – hing davon ab, dass sie verborgen blieben. Und hier saß er als lebende Bedrohung. Sein Inneres krampfte sich zusammen, als er begriff, wie gefährdet er in dieser Situation war. Hatten sie ihn vor dem Feuer gerettet? Wenn ja, dann bedauerten sie es jetzt wohl, zumindest den Blicken der Männer an der Tür nach.

Einer der Streitenden löste sich aus der Gruppe, kam zu ihm herüber und hockte sich vor ihn hin, nachdem er die Frau beiseitegeschoben hatte. Zusammengekniffene, schwarze Augen huschten über ihn hinweg, von seinem Gesicht auf seine Brust und wieder zurück.

»Wer du?«

Er hatte nicht den Eindruck, dass der aggressive Fragesteller seinen Namen wissen wollte. Er wollte vielmehr wissen, wieso Roger hier war. Mehrere Möglichkeiten schossen Roger durch den Kopf – welche Antwort würde ihn wohl am ehesten am Leben erhalten?

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