Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Tsiskwa!«, rief ein Mann in der Menge, und urplötzlich stürzte alles zur Tür.
Während ich aus dem Haus rannte, war mein erster Gedanke, dass ein Sturm über uns hereingebrochen war. Der Himmel war dunkel, die Luft von Donner erfüllt, und ein seltsames, gedämpftes Licht flackerte über alles hinweg. Doch hing keine Feuchtigkeit in der Luft, und mir stieg ein ganz bestimmter Geruch in die Nase – kein Regen. Es war definitiv kein Regen.
»Vögel, mein Gott, es sind Vögel!« Inmitten des Chors erstaunter Ausrufe konnte ich Brianna hinter mir kaum hören. Alles stand auf der Straße und blickte zum Himmel. Mehrere Kinder begannen zu weinen, weil das Geräusch und die Dunkelheit ihnen Angst machten.
Es war beängstigend. So etwas hatte ich noch nie gesehen – und die meisten der Cherokee ihren Reaktionen nach zu schließen auch nicht. Es fühlte sich an, als bebte der Boden; die Luft zitterte buchstäblich und vibrierte unter den Flügelschlägen wie eine Trommel, die von hektischen Händen geschlagen wird. Ich konnte ihr Pulsieren auf meiner Haut spüren, und mein Halstuch fühlte sich an, als wollte es mit dem Wind aufsteigen.
Die Lähmung der Menge hielt nicht lange an. Hier und dort erklangen Rufe, und plötzlich huschten die Leute über die Straße, hasteten in ihre Häuser und kamen mit ihren Bogen wieder ins Freie gerannt. Innerhalb von Sekunden schoss ein regelrechter Hagel von Pfeilen in die Wolken hinauf, und überall plumpsten gefiederte Körper vom Himmel, um als schlaffe, Blut durchtränkte, von Pfeilen durchbohrte Häufchen zu landen.
Doch es plumpsten nicht nur Vogelkörper vom Himmel. Ein saftiger Klecks traf meine Schulter, und ich konnte sehen, wie es überall fallende Partikel regnete, ein unangenehmer Niederschlag aus der donnernden Wolke über unseren Köpfen, der mit kleinen Staubwölkchen auf der Straße auftraf. Daunenfedern der vorüberziehenden Vögel schwebten in der Luft wie Löwenzahnsamen, und hier und dort segelten größere Schwanz- und Flügelfedern wie Miniaturlanzen mit dem Wind zu Boden. Ich trat eilends zurück und suchte mit Brianna und Jemmy unter dem Dachvorsprung eines Hauses Schutz.
Beeindruckt beobachteten wir von unserer Zuflucht aus, wie sich die Dorfbewohner auf der Straße drängten und die Bogenschützen so schnell sie konnten einen Pfeil nach dem anderen abschossen. Jamie, Peter Bewlie und Josiah waren losgelaufen, um ihre Gewehre zu holen, und knallten mitten in der Menge vor sich hin, ohne auch nur zu zielen. Das war gar nicht nötig; man konnte gar nicht daneben treffen. Mit Vogelkot verschmierte Kinder flitzten gebückt durch die Menge, um die abgestürzten Vögel aufzusammeln und sie vor den Schwellen der Häuser aufzutürmen.
Es muss fast eine halbe Stunde gedauert haben. Wir hockten unter dem Dachsims, halb taub vor Lärm, hypnotisiert von dem unablässigen Rauschen über unseren Köpfen. Nach dem ersten Schrecken hörte Jemmy auf zu weinen, kuschelte sich jedoch dicht an seine Mutter und vergrub den Kopf an ihrem drapierten Halstuch.
Es war unmöglich, in dieser heftigen Kaskade einzelne Vögel auszumachen; ein einziger Strom von Federn erfüllte den Himmel von Horizont zu Horizont. Unter dem Donnern der Flügel konnte ich hören, wie die Vögel einander zuriefen, eine unablässige Geräuschkulisse wie ein Sturm, der durch den Wald rauscht.
Schließlich – endlich – war der Schwarm vorübergezogen, und nur einzelne Vögel lösten sich noch aus seinen zerzausten Rändern, als er den Berg überquerte und verschwand.
Das Dorf seufzte auf wie aus einem Munde. Ich sah, wie sich die Leute heftig die Ohren rieben, um das klatschende Echo der Flügel zum Verstummen zu bringen. Inmitten der Menge stand Jackson Jolly, über und über mit Daunenfedern und Vogelkot verklebt, und seine Augen glühten. Er breitete die Arme aus und sagte etwas, das die Umstehenden murmelnd beantworteten.
»Wir sind gesegnet«, übersetzte Tsatsa’wis Schwester mit tief beeindruckter Miene für uns. Sie nickte Jamie und den Beardsley-Zwillingen zu. »Der Weiße Alte hat uns ein wunderbares Zeichen gesandt. Sie werden den teuflischen Bären mit Sicherheit finden.«
Ich nickte. Ich fühlte mich immer noch leicht betäubt. Neben mir bückte sich Brianna, um einen toten Vogel aufzuheben, den sie an dem schlanken Pfeil hochhielt, der ihn durchbohrt hatte. Es war ein rundliches, wunderhübsches Tier. Es hatte ein zartes, rauchblaues Köpfchen, braune Brustfedern, und seine Flügel zeigten einen weichen Rostton. Sein Köpfchen hing schlaff herunter, die Augen von dünnen, faltigen, graublauen Lidern bedeckt.
»Ist das etwa …?«, fragte sie leise.
»Ich glaube schon«, antwortete ich genauso leise. Vorsichtig streckte ich einen Finger aus und berührte das weiche Federkleid. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, ob dies ein gutes Vorzeichen war oder nicht. Ich hatte noch nie zuvor ein solches Tier gesehen, denn in der Zeit, aus der ich kam, waren sie längst ausgestorben, doch ich war mir ziemlich sicher, dass der Vogel, den ich in der Hand hielt, eine Wandertaube war.
Die Jäger brachen am nächsten Morgen vor Anbruch der Dämmerung auf. Brianna trennte sich nur widerstrebend von Jemmy, schwang sich jedoch mit einer Leichtigkeit in den Sattel, die nicht den Eindruck erweckte, dass sie sich auf der Jagd vor Gram nach ihm verzehren würde. Und was Jemmy anging, so war er viel zu sehr damit beschäftigt, die Körbe unter der Bettplattform zu plündern, als dass er großartig Notiz vom Aufbruch seiner Mutter genommen hätte.
Die Frauen verbrachten den Tag damit, die Tauben zu rupfen, zu braten, zu räuchern oder mit Holzasche zu pökeln; überall wirbelten Daunenfedern herum, und ein kräftiger Geruch nach gegrillter Taubenleber hing in der Luft, da sich das ganze Dorf an dieser Delikatesse labte. Auch ich half beim Verarbeiten der Tauben und unterhielt mich zwischendurch freundschaftlich mit den Frauen oder führte profitable Tauschgeschäfte durch. Dann und wann hielt ich inne, um einen Blick auf den Berg zu werfen, auf dem die Jäger verschwunden waren, und um stumm für ihr Wohlergehen zu beten – und für Rogers.
Ich hatte fünfundzwanzig Gallonen Honig mitgebracht, dazu einige importierte Kräuter aus Europa und Saatgut aus Wilmington. Mein Geschäft florierte, und bis zum Abend hatte ich meine Vorräte gegen wilden Ginseng, Frauenwurz und – eine echte Seltenheit – einen Chagapilz eingetauscht. Dieses Gewächs, ein großer, warziger Pilz, der an sehr alten Birken wächst, stand in dem Ruf – so sagte man mir –, Krebs, Tuberkulose und Geschwüre zu heilen. Sehr nützlich für einen Arzt, dachte ich.
Was den Honig anging, so hatte ich ihn eins zu eins gegen fünfundzwanzig Gallonen Sonnenblumenöl eingetauscht. Dies wurde mir in zum Bersten gefüllten Lederbeuteln zur Verfügung gestellt, die sich wie ein kleiner Stapel Kanonenkugeln unter dem Dachsims des Hauses türmten, in dem wir übernachteten. Jedes Mal, wenn ich ins Freie trat, blieb ich stehen, um einen zufriedenen Blick darauf zu werfen und mir die zarte, duftende Seife vorzustellen, die ich daraus machen würde – nie wieder Schweinefettgestank an den Händen! Und mit etwas Glück konnte ich den Großteil davon so lukrativ verkaufen, dass es für Laoghaires nächste, verflixte Blutgeldzahlung reichte.
Den nächsten Tag verbrachte ich mit meiner Gastgeberin, einer weiteren Schwester Tsatsa’wis mit Namen Sungi, in den Obstgärten. Sie war eine hochgewachsene Frau mit einem lieblichen Gesicht, etwa dreißig, und sie sprach ein paar Worte Englisch, doch einige ihrer Freundinnen konnten noch etwas mehr – zum Glück, denn meine eigenen Cherokeekenntnisse beschränkten sich auf »hallo«, »gut« und »mehr«.
Trotz der Sprachkenntnisse der Indianerinnen hatte ich Schwierigkeiten herauszubekommen, was genau »Sungi« bedeutete – je nachdem, mit wem ich mich unterhielt, schien es entweder »Zwiebel«, »Minze« oder »Nerz« zu bedeuten. Nach einigem Hin und Her konnte ich jedoch ermitteln, dass das Wort sich auf keinen dieser Begriffe konkret zu beziehen schien, sondern stattdessen auf einen kräftigen Duft.