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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Sehr effizient«, sagte ich belustigt. »Ich hoffe, sie räuchern die Sklaven nicht gleich mit aus.«

»Was?« Er hielt mit dem Kämmen inne.

»Schwarze Teufel«, sagte ich, »oder etwas in der Art.« Ich erzählte ihm, was ich über die Ansiedlung – wenn es denn eine Ansiedlung war – entlaufener Sklaven erfahren hatte – wenn sie denn entlaufene Sklaven waren.

»Nun, ich gehe nicht davon aus, dass sie Dämonen sind«, sagte er trocken und setzte sich vor mich, so dass ich ihm das Haar ordentlich zu einem Zopf flechten konnte. »Aber ich glaube nicht, dass sie gefährdet sind. Sie müssen am anderen Ende des Röhrichts leben, am anderen Flussufer. Aber ich werde mich danach erkundigen. Wir haben noch Zeit; es dauert noch drei oder vier Tage, bis die Jäger aus Kanu’gala’yi eintreffen.«

»Oh, gut«, sagte ich und band den Riemen zu einer ordentlichen Schleife zusammen. »Dann habt ihr ja noch Zeit, um die restliche Taubenleber zu essen.«

Die nächsten Tage verstrichen sehr angenehm, wenn sich auch die Spannung immer weiter steigerte und schließlich in der Ankunft der Jäger aus Kanu’gala’yi gipfelte – was, wie man mir sagte, Wildrosendorf bedeutete. Ich fragte mich, ob man sie wohl aufgrund ihrer besonderen Erfahrung mit dornigem Territorium eingeladen hatte, verkniff es mir jedoch, die Frage laut zu stellen. Jamie, der wie üblich die Eigenschaften eines Schwammes an den Tag legte, schnappte Cherokeevokabeln auf wie Kopfläuse, aber ich wollte seine Fähigkeiten doch noch nicht mit der Übersetzung von Wortspielen auf die Probe stellen.

Jemmy, der das Sprachtalent seines Großvaters geerbt zu haben schien, hatte in der Woche seit unserer Ankunft sein Vokabular gut verdoppelt. Sein Wortschatz bestand jetzt zur Hälfte aus englischen, zur anderen aus Cherokeewörtern, was zur Folge hatte, dass ihn außer seiner Mutter niemand verstand. Mein Vokabular hatte sich um die Begriffe für »Wasser«, »Feuer«, »Essen« und »Hilfe« erweitert – ansonsten war ich auf die Gnade jener Cherokee angewiesen, die des Englischen mächtig waren.

Nach den angemessenen Zeremonien und einem großen Willkommensfest – bei dem es geräucherte Taubenleber mit Bratäpfeln gab –, brachen die Jäger in großer Zahl in der Morgendämmerung auf. Zusätzlich zu ihren Bogen, Musketen und Gewehren nahmen sie Kiefernfackeln und Tongefäße mit Feuer mit. Nachdem wir sie mit einem zünftigen Frühstück verabschiedet hatten – Maismehlbrei mit Taubenleber und frischen Äpfeln –, zogen wir anderen uns in die Häuser zurück, um uns die Zeit mit Korbflechten, Nähen und Reden zu vertreiben.

Der Tag war heiß, schwül und windstill. Kein Lüftchen regte sich in den Feldern, wo die abgeernteten Mais- und Sonnenblumenstängel wie Cocktailpicker verstreut lagen. Kein Lufthauch bewegte den Staub auf der Dorfstraße. Wenn man etwas in Brand setzen wollte, so dachte ich, war es ein guter Tag dazu. Ich dagegen gab mich gern damit zufrieden, mich in das kühle, schattige Innere von Sungis Hütte zurückzuziehen.

Im Verlauf der Gespräche kam mir der Gedanke, mich nach den Bestandteilen des Amuletts zu erkundigen, das Nayawenne für mich gemacht hatte. Zwar war sie eine Tuscaroramedizinfrau gewesen, daher war der zugrunde liegende Glaube möglicherweise nicht derselbe – aber ich war neugierig, was es mit der Fledermaus auf sich hatte.

»Es gibt eine Geschichte über Fledermäuse«, begann Sungi, und ich lächelte insgeheim. Die Cherokee waren den Highlandschotten wirklich sehr ähnlich, besonders, was ihre Vorliebe für Geschichten anging. In den wenigen Tagen unseres Aufenthalts im Dorf hatte ich schon eine ganze Reihe davon gehört.

»Die Tiere und die Vögel beschlossen, Ball zu spielen«, sagte Anna, die Sungis Worte nahtlos übersetzte. »Damals gingen die Fledermäuse noch auf vier Beinen, genau wie die anderen Tiere. Doch als sie bei dem Ballspiel mitspielen wollten, sagten die anderen Tiere, nein, das ginge nicht; sie seien zu klein und würden doch nur zerquetscht. Das hörten die Fledermäuse gar nicht gern.« Sungi runzelte die Stirn und zog eine Grimasse, die eine aufgebrachte Fledermaus darstellte.

»Also gingen die Fledermäuse zu den Vögeln und boten ihnen an, stattdessen auf ihrer Seite mitzuspielen. Die Vögel nahmen das Angebot an und bauten den Fledermäusen Flügel aus Blättern und Stöckchen. Die Vögel gewannen das Spiel, und den Fledermäusen gefielen ihre Flügel so gut, dass sie –«

Sungi verstummte abrupt. Sie hob den Kopf und schnupperte. Ringsum stellten die Frauen ihre Gespräche ein. Sungi erhob sich rasch und ging zur Tür. Sie stützte sich mit der Hand auf den Türrahmen und blickte hinaus.

Ich konnte Rauch riechen – ich roch ihn schon seit einer Stunde, weil der Wind in unsere Richtung wehte –, doch ich begriff, dass der Brandgeruch viel stärker geworden war. Sungi trat ins Freie; ich stand auf und folgte ihr gemeinsam mit den anderen Frauen. In meinen Kniekehlen begann es unangenehm zu kribbeln.

Regenwolken begannen, den Himmel zu verdunkeln, doch die Rauchwolke war noch dunkler, ein brodelnder, schwarzer Fleck, der sich in der Ferne über den Bäumen erhob. Es war Wind aufgekommen, der dem herannahenden Sturm vorauseilte, und trockenes Laub wirbelte mit einem Geräusch an uns vorbei, das wie winzige, trippelnde Füße klang.

In den meisten Sprachen gibt es ein paar einsilbige Wörter für Situationen plötzlicher Bestürzung, und Cherokee bildet da keine Ausnahme. Sungi sagte etwas, das ich nicht verstand, dessen Bedeutung jedoch klar war. Eine der jüngeren Frauen leckte sich den Finger und hielt ihn in die Luft, doch die Geste war überflüssig – ich konnte den Wind in meinem Gesicht spüren. Er war kräftig genug, um mir das Haar von den Schultern zu heben, und kühlte mir den Hals. Er wehte geradewegs auf das Dorf zu.

Anna atmete in einem tiefen, langen Zug ein; ich konnte sehen, wie sie sich aufblies und ihre Schultern gerade richtete, um die Dinge in die Hand zu nehmen. Dann waren plötzlich alle Frauen in Bewegung. Sie eilten über die Straße zu ihren Häusern, riefen Kindernamen, blieben kurz stehen, um den Inhalt eines Gestells mit Trockenfleisch in ihrem Rock verschwinden zu lassen oder im Vorübergehen eine Schnur mit Zwiebeln oder Zwergkürbissen von einem Dachvorsprung mitzunehmen.

Ich wusste nicht genau, wo Jemmy war; eines der älteren Indianermädchen hatte ihn zum Spielen mitgenommen, doch in dem Gewimmel war ich mir nicht ganz sicher, welches. Ich raffte meine Röcke, eilte die Straße entlang und warf uneingeladen in jeden Hauseingang einen suchenden Blick. Große Eile lag spürbar in der Luft, jedoch keine Panik. Doch das Geräusch der trockenen Blätter ließ nicht nach, ein leises Rascheln, das mir auf dem Fuße folgte.

Ich fand ihn im fünften Haus, wo er gemeinsam mit einer Reihe anderer Kinder unterschiedlichen Alters tief und fest schlief. Sie hatten sich wie die Welpen in die Falten eines Büffelumhangs gekuschelt. Ich hätte ihn nie gesehen, wenn sein helles Haar im Dämmerlicht nicht wie ein Leuchtturm gestrahlt hätte. Ich weckte sie so sanft wie möglich und zog Jemmy heraus. Er wachte sofort auf und sah sich verwirrt blinzelnd um.

»Komm mit Omi, Schätzchen«, sagte ich. »Wir gehen jetzt.«

»Pferdchen gehen?«, fragte er, und sein Gesicht leuchtete schlagartig auf.

»Eine hervorragende Idee«, erwiderte ich und setzte ihn auf meine Hüfte. »Wir wollen das Pferdchen suchen, ja?«

Der Qualmgeruch war stärker geworden, als wir jetzt auf die Straße traten. Jemmy hustete, und ich konnte beim Einatmen etwas Ätzendes, Bitteres schmecken. Die Evakuierung war in vollem Gange; die Leute – zum Großteil Frauen – huschten in ihre Häuser und wieder heraus, schoben Kinder vor sich her und schleppten ihre Habseligkeiten in hastig gepackten Bündeln mit. Dennoch lief dieser Exodus ganz ohne Panik oder Alarm ab; jedermann schien besorgt, aber nicht übermäßig beunruhigt zu sein. Ich begriff, dass ein Holzdorf mitten im Wald sich zwangsläufig dann und wann dem Risiko eines Brandes ausgesetzt sehen musste. Die Bewohner sahen sich mit Sicherheit nicht zum ersten Mal mit der Möglichkeit eines Waldbrandes konfrontiert und waren darauf vorbereitet.

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