Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
Das Innere des Gebäude bestätigte den ersten Eindruck, den Indiana gehabt hatte: Hinter der Tür erstreckte sich eine weitläufige, in schwarzweißem Schachbrettmuster geflieste Halle, von der mehrere Türen und eine gewaltige Treppe aus weißem Marmor abgingen. Zur Linken gab es sogar noch die alte Rezeption. Hinter der Theke befanden sich jedoch jetzt keine Schlüsselbretter und Postfächer mehr, sondern zwei große Glasvitrinen, in denen Handwerks- und Kunstgegenstände ausgestellt waren. Mehrere andere Vitrinen erhoben sich dort, wo früher, als dieses Haus wirklich ein Hotel gewesen war, kleine Sessel und Tische gestanden haben mochten.
Indiana sah sich neugierig um. Die Halle war völlig leer, und im Haus herrschte ein so vollkommenes Schweigen, daß es ihm im ersten Moment fast unheimlich vorkam.»Scheint niemand da zu sein«, sagte er enttäuscht.
«Das macht nichts«, antwortete Joana.»Ich weiß, wo Nortens Zimmer ist. «Sie deutete mit einer Kopfbewegung auf die Treppe.
«Du warst schon einmal hier?«
Joana schüttelte den Kopf.»Nein. Aber der Professor hat mir Bilder gezeigt und mir alles erklärt. Er ist sehr stolz auf dieses Museum. Ich glaube, er hat es fast ganz allein aufgebaut. Das hier war einmal ein Hotel, weißt du? Es ging pleite und hat jahrelang leergestanden und war in einem erbärmlichen Zustand, als Norten es gekauft hat.«
Indiana hörte kaum hin.
Die Stille gefiel ihm nicht. Er kannte Orte wie diesen. Er war in Museen praktisch aufgewachsen und hatte mehr Zeit darin verbracht als andere in ihrem ganzen Leben. Aber es war nicht die ehrfürchtige Ruhe eines Museums, die ihnen hier entgegenschlug. Irgend etwas … fehlte. Dieses ganze Gebäude schien ausgestorben, tot. Ohne ein weiteres Wort folgte er Joana, die bereits die Treppe erreicht hatte, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, nach oben lief.
Die unheimliche Stille, die das Gebäude erfüllte, setzte sich auch hier oben fort. Aus den Hotelzimmern waren, indem man immer vier, fünf der ehemals kleinen Räume zusammengefaßt hatte, drei lichtdurchflutete Säle geworden, die das gesamte obere Geschoß des Gebäudes einnahmen und mit Schränken und gläsernen Vitrinen angefüllt waren. Unter normalen Umständen wäre Indiana vermutlich hier und da einmal stehengeblieben, um einen Blick auf eine Auslage oder ein besonders interessantes Stück zu werfen. Aber jetzt verschwendete er nicht einmal einen Gedanken daran, sondern lief mit weit ausgreifenden Schritten hinter Joana her. Er spürte einfach, daß hier irgend etwas … nicht stimmte. Er wollte so schnell wie möglich hier wieder hinaus. Das allein war alles, was ihn im Moment interessierte.
Am Ende des dritten Saales blieb Joana stehen und öffnete eine Tür, die zwischen zwei Vitrinen verborgen war. Für jemanden, der angeblich noch nie hiergewesen war, kannte sie sich verdammt gut aus, fand Indiana. Aber er behielt auch das für sich und trat rasch hinter ihr in den angrenzenden Raum.
Und blieb überrascht stehen.
Das Zimmer war sehr viel kleiner als die davorliegenden Säle, und es war eine Mischung aus Büro, Salon und Museum. Aber die Ausstellungsstücke unterschieden sich total von denen, die sie draußen gesehen hatten.
Jedes einzelne Stück war sorgsam hinter Glas verborgen. Da gab es gewaltige, in grellen Farben schimmernde Federkopfschmucke, Dolche und kurze Schwerter aus rasiermesserscharf geschliffenem Obsidian, die in kunstvoll gearbeiteten Lederscheiden steckten; sonderbar geformte Streitäxte mit gebogenen Enden, die an die Schnäbel großer Vögel erinnerten; eine gewaltige Anzahl von Schmuckstücken, die fast allesamt aus Gold gefertigt waren; Tonscherben und Krüge; geflochtene Bastkörbe und buntbemalte Totenmasken. An der Wand über dem Schreibtisch hing eine originalgroße Kopie des berühmten Maya-Kalenders, und neben dem Fenster stand eine Schaufensterpuppe, die einen bunten Kopfschmuck und einen prachtvollen, rot und grün gemusterten Federmantel trug: Das Zeremoniengewand eines Maya-Priesters.
Alles hier drinnen hatte irgendwie mit den Mayas zu tun. Es mußte eine der größten — und vermutlich auch wertvollsten — Sammlungen sein, die es auf diesem Gebiet gab. In einer Stadt wie Mexico City zum Beispiel hätte der Anblick Indiana zwar beeindruckt, aber kaum überrascht — aber hier?
«Was ist das?«fragte er erstaunt.
«Professor Nortens Privatsammlung«, antwortete Joana. Sie war wie er stehengeblieben und sah sich staunend um, wirkte aber gleichzeitig auch ein wenig enttäuscht; vermutlich, weil sie Norten nicht hinter dem Schreibtisch vorgefunden hatte, wie sie wohl erwartet hatte.
«Die Mayas sind sein Hobby. Genau wie das meines Vaters. Die beiden haben nächtelang zusammengehockt und über nichts anderes geredet.«
Indiana blieb skeptisch. Das hier war mehr als ein Hobby. Was Norten hier zusammengetragen hatte, das mußte nicht nur die Ausbeute ganzer Generationen von Archäologen und Schatzsuchern sein, es war auch unvorstellbar wertvoll. Der Großteil des Schmuckes hier war zweifellos echt. Allein der rein materielle Wert des Goldes mußte in die Millionen gehen, vom wissenschaftlichen Wert der Sammlung ganz zu schweigen.
«Beeindruckend«, sagte Indiana. Seine Stimme war zu einem fast ehrfurchtsvollen Flüstern herabgesunken. Das, was er hier sah, das ließ sein Archäologenherz höher schlagen; aber er begriff auch im gleichen Moment, daß hier irgend etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Es war nicht so, daß er auch nur eine Sekunde an der Echtheit der ausgestellten Objekte zweifelte — ganz im Gegenteiclass="underline" Er wußte einfach, daß jedes einzelne dieser Teile echt und einmalig war, daß jedes der ausgestellten Schmuckstük-ke unermeßlich wertvoll, daß jedes der sorgsam drapierten Kleidungsstücke vor tausend Jahren wirklich von einem Maya-Priester getragen, daß jede der Waffen wirklich benutzt worden war.
Aber sie gehörten nicht hierher. Nicht in dieses unscheinbare, winzige Privatmuseum, von dessen Existenz so gut wie niemand wußte und das jedem Kunsträuber der Welt wie eine Eintrittskarte ins Paradies vorkommen mußte.
Nichts hier war irgendwie gesichert. Die Vitrinen bestanden aus normalem Glas, und Indianas kundiges Auge entdeckte nirgendwo Spuren einer Alarmanlage. Einige der Waffen und Zeremoniengeräte — obschon zum Teil aus purem Gold! — lagen offen auf blauen und roten Samtkissen. Jeder, der hier hereinkam, brauchte nur die Hand auszustrecken und sich zu bedienen!
«Das ist … unfaßbar«, murmelte Indiana.
Joana nickte ein paarmal. Ihre Augen leuchteten.»Ja«, sagte sie.»Es ist phantastisch, nicht?«
Indiana sah sie einen Herzschlag lang verwirrt an, ehe er überhaupt begriff, was sie meinte. Dann schüttelte er den Kopf.»Ich meine nicht die Sammlung«, sagte er.»Oder doch — aber nicht nur. Sie ist phantastisch, aber wieso … liegt das Zeug einfach so hier herum?«Er sah sich demonstrativ in der Runde um.»Und wieso ist hier niemand?«
Joana zuckte mit den Achseln.»Das verstehe ich auch nicht«, sagte sie.»Normalerweise sind immer ein oder zwei Museumsangestellte hier.«
«Und eine ganze Armee von Wächtern«, vermutete Indiana.
Joana nickte erneut.»Norten hat einen alten Mann, der abends kommt und auf einem Feldbett unten in der Halle schläft.«
Indiana riß ungläubig die Augen auf.»Einen Nachtwächter?«
«Sicher«, antwortete Joana in leicht verwirrtem Tonfall.»Jedes Museum hat einen Nachtwächter, oder?«
Indiana starrte sie eine Sekunde lang ungläubig an, dann drehte er sich noch einmal im Kreis und blickte fassungslos auf die ausgestellten Stücke.»Und hier ist … noch nie etwas gestohlen worden?«fragte er.
«Soviel ich weiß, nicht«, antwortete Joana.»Aber jetzt, wo du es sagst …«Sie schwieg einen Moment und zuckte schließlich mit den Achseln.»Vielleicht weiß einfach niemand von diesem Museum.«
Diese Erklärung überzeugte Indiana nicht im mindesten. Aber sie klang auch kein bißchen weniger unlogisch als alle anderen, die er hätte finden können.