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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Jamie warf einen raschen Blick auf Brianna und verkündete, dass er mit ihr die erste Wache übernehmen würde; Josiah und ich die nächste, Peter und Kezzie die letzte Wache der Nacht. Bis jetzt hatten wir keine Wachen gehabt, doch es gab keine Einwände gegen diesen Vorschlag.

Ein langer Tag im Sattel ist eines der besten Schlafmittel, und als ich mich jetzt neben Jamie ausstreckte, empfand ich jene grenzenlose Dankbarkeit dafür, mich in der Horizontalen zu befinden, die selbst das härteste Bett erträglich macht. Jamies Hand ruhte sanft auf meinem Kopf; ich drehte mich, küsste seine Handfläche und fühlte mich sicher und geschützt.

Peter und die Beardsleyzwillinge schliefen innerhalb von Sekunden ein; ich konnte sie auf der anderen Seite des Feuers schnarchen hören. Eingelullt durch die leise Unterhaltung zwischen Jamie und Brianna, die ich mit halbem Ohr mitbekam, war ich selbst schon fast eingeschlafen, als mir bewusst wurde, dass sich der Tenor ihres Gespräches verändert hatte.

»Machst du dir Sorgen um deinen Mann, a nighean?«, fragte er leise.

Sie lachte leise und unglücklich auf.

»Sorgen mache ich mir schon, seit sie ihn gehängt haben«, sagte sie. »Jetzt habe ich Angst.«

Jamie gab einen leisen Kehllaut von sich, der wohl tröstend gemeint war.

»Er ist heute Nacht nicht in größerer Gefahr als gestern Nacht, Liebes – oder in irgendeiner anderen Nacht seit seinem Aufbruch.«

»Das stimmt«, sagte sie trocken. »Aber nur, weil ich letzte Woche noch nichts von Geisterbären und schwarzen Mördern wusste, heißt das ja nicht, dass keine unterwegs waren.«

»Genau das meine ich«, erwiderte er. »Deine Angst macht ihn auch nicht sicherer, oder?«

»Nein. Und du meinst, deshalb höre ich auf, mir Sorgen zu machen?«

Seine Erwiderung war ein leises, reuiges Glucksen.

»Das meine ich nicht, nein.«

Es folgte ein kurzes Schweigen, bevor Brianna weiter sprach.

»Ich muss nur – ständig nachdenken. Was werde ich tun, wenn etwas geschieht – wenn er … nicht zurückkommt? Tagsüber werde ich ja damit fertig, aber nachts muss ich einfach daran denken …«

»Och, nun«, sagte er leise. Ich sah, wie er den Kopf zu den Sternen hob, die über uns am Himmel flammten. »Wie viele Nächte haben zwanzig Jahre, a nighean? Wie viele Stunden? Denn so lange habe ich mich gefragt, ob meine Frau noch lebte und wie es ihr ging. Sie und mein Kind.«

Seine Hand fuhr sacht über meinen Kopf und streichelte mir das Haar. Brianna erwiderte nichts, sondern gab nur einen leisen, unartikulierten Kehllaut von sich.

»Dazu ist Gott da. Sich zu sorgen, hilft nicht – beten schon. Manchmal«, fügte er aufrichtig hinzu.

»Ja«, sagte sie und klang unsicher. »Aber wenn –«

»Und wenn sie nicht zu mir zurückgekommen wäre –«, unterbrach er sie mit fester Stimme, »– wenn du nicht gekommen wärst – wenn ich es nie erfahren hätte – oder wenn ich mit Sicherheit gewusst hätte, dass ihr beide tot wärt …« Er wandte ihr das Gesicht zu, und ich spürte, wie sich sein Gewicht verlagerte, als er die Hand von meinem Haar hob und die andere Hand ausstreckte, um sie zu berühren. »Dann hätte ich dennoch weitergelebt, a nighean, und getan, was zu tun war. Und das wirst du auch tun.«

Kapitel 82

Der Himmel verdüstert sich

Roger schob sich schwitzend durch ein Dickicht aus Gummibäumen und jungen Eichen. Er befand sich in der Nähe eines Gewässers; er konnte es zwar noch nicht hören, doch er konnte den süßen, harzigen Duft einer bestimmten Pflanze riechen, die an Flussufern wuchs. Er wusste weder, wie sie hieß, noch auch nur, was für eine Pflanze es war, aber er erkannte den Duft.

Der Riemen seines Rucksacks blieb an einem Zweig hängen, und als er ihn losriss, löste er einen Schauer gelber Blätter aus, die ihn wie ein kleiner Schmetterlingsschwarm umflatterten. Er würde froh sein, wenn er den Fluss erreicht hatte, und das nicht nur des Wassers wegen, obwohl er auch das brauchte. Die Nächte wurden langsam kalt, aber die Tage waren immer noch warm, und er hatte seine Feldflasche schon vor zwölf Uhr mittags leer getrunken.

Doch noch dringender als Wasser brauchte er den offenen Himmel. Hier unten im Tal wuchsen die Hartriegel- und Lorbeersträucher so dicht, dass er den Himmel kaum sehen konnte, und dort, wo die Sonne durchkam, wuchs ihm dichtes Gras bis zum Knie, und seine Kleider verfingen sich im Vorbeigehen an den stacheligen Blättern der Ilexsträucher.

Er hatte das Maultier Clarence mitgenommen, da es mit dem schlechten Boden in der Wildnis besser zurechtkam als die Pferde, aber manche Stellen waren selbst für ein Maultier unpassierbar. Er hatte Clarence ein Stück weiter oben mit gefesselten Beinen bei seiner Deckenrolle und seinen Satteltaschen zurückgelassen, um sich zu Fuß durch das Unterholz bis zum nächsten Vermessungspunkt durchzuschlagen.

Eine Waldente schoss zu seinen Füßen aus dem Gebüsch, und er bekam fast einen Herzinfarkt, als sie losflatterte. Er blieb stehen, und sein Herz donnerte ihm in den Ohren. Ein Schwarm leuchtender Sittiche kam plappernd zwischen den Bäumen niedergesegelt, um ihn freundlich und neugierig anzusehen. Dann erschraken sie vor etwas Unsichtbarem und ergriffen pfeilschnell unter großem Gekreische die Flucht.

Es war heiß; er zog seinen Rock aus und band ihn sich mit den Ärmeln um die Taille, dann wischte er sich mit dem Hemdsärmel über das Gesicht und schob sich weiter vorwärts. Das Astrolabium baumelte an einem Lederband um seinen Hals. Wenn er auf dem Gipfel eines Berges stand, konnte er auf die nebligen Talmulden und die bewaldeten Hänge hinunterblicken und dabei eine gewisse, ehrfürchtige Freude darüber empfinden, dass ein solcher Ort ihm gehörte. Wenn er sich hier unten mit wuchernden Ranken, zähen Fuchsschwanzgräsern und diesem dicht wachsenden, bambusähnlichen Röhricht herumschlug, das höher war als er selbst, kam ihm der Gedanke an Besitztum lächerlich vor – wie konnte man so etwas wie diesen … diesen Scheißurwaldsumpf besitzen.

Besitz oder nicht, jedenfalls wollte er mit diesem Dschungel zum Ende kommen und dann wieder an Höhe gewinnen. Zwar kam man sich am Fuß der gigantischen Bäume des jungfräulichen Waldes wie ein Zwerg vor, doch in den Zwischenräumen zu ihren Füßen konnte man wenigstens atmen. Die Äste der riesigen Tulpenbäume und Kastanien bildeten ein Dach, das den Boden in Schatten tauchte, so dass dort nur kleine Pflanzen wuchsen – ganze Matten aus zarten Wildblumen wie Frauenschuh und Trilliumkraut –, und ihr Laub regnete in solchen Massen herab, dass man mit den Füßen zentimetertief in den nachgiebigen Boden einsank.

Unvorstellbar, dass sich ein solcher Ort verändern sollte – und doch würde es geschehen. Er wusste es genau; wusste es – und er wusste es nicht nur, er hatte es selbst gesehen! Er war mit dem Auto auf einer asphaltierten Straße mitten durch das Herz einer solchen Wildnis gefahren. Er wusste, dass es möglich war, sie zu verändern. Und doch – während er sich jetzt durch den wuchernden Sumach und die Waldbeeren kämpfte, war ihm nicht minder bewusst, dass dieser Wald ihn verschlingen konnte, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern.

Dennoch hatten seine schier Furcht erregenden Dimensionen etwas Tröstendes an sich. Inmitten der gigantischen Bäume und der wimmelnden Fauna fand Roger ein wenig Frieden; Frieden vor den aufgestauten Worten in seinem Kopf, vor der unausgesprochenen Sorge in Briannas Augen, vor der Verurteilung in Jamies Miene – einer aufgeschobenen Verurteilung, die aber dennoch über ihm hing wie ein Damoklesschwert. Frieden vor den neugierigen Blicken, vor der beständigen, langsamen, schmerzhaften Mühsal des Sprechens – Frieden vor der Erinnerung an das Singen.

Sie fehlten ihm alle, vor allem Brianna und Jemmy. Er träumte selten etwas Zusammenhängendes; nicht wie Brianna – was schrieb sie wohl gerade in ihr Buch? –, doch heute Morgen war er wach geworden, weil er den lebhaften Eindruck hatte, dass Jemmy auf ihm herumkrabbelte, wie er es so gern tat, und neugierig stochernd Rogers Gesicht betastete, seine Augen und Ohren, seine Nase und seinen Mund erkundete, als suche er nach den fehlenden Worten.

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