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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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»Und es soll natürlich Ihr Projekt sein. Also schön, was genau erwarten Sie von uns?«

»Ich habe nur einen Vorschlag, Herr Präsident — vielleicht haben Sie eine bessere Idee. Bilden Sie ein Konsortium — bestehend zum Beispiel aus der Gibraltar-Brückenbehörde, den Suez- und Panama-Gesellschaften, der Englische-Kanal-A.G., der Bering-Damm-Gesellschaft. Dann wenden Sie sich an die TCC mit der Bitte, eine Durchführbarkeitsanalyse zu erstellen. Die Kosten dafür werden minimal sein.«

»Das heißt?«

»Weniger als eine Million. Besonders, da 90 Prozent der Arbeit schon geleistet ist.«

»Und dann?«

»Danach, Herr Präsident, kann ich mit Ihrem Rückhalt meine Entscheidungen nach Bedarf treffen. Ich kann bei der TCC bleiben — oder dort kündigen und mich dem Konsortium anschließen, als Astroingenieur. Es hinge alles von den Umständen ab. Ich müsste tun, was das Projekt erfordert.«

»Das erscheint mir eine vernünftige Vorgehensweise. Ich glaube, daraus lässt sich etwas machen.«

»Ich danke Ihnen, Herr Präsident«, antwortete Morgan ernst und aufrichtig. »Es gibt da allerdings eine Schwierigkeit, die wir sofort angehen müssen — womöglich noch vor Bildung des Konsortiums. Wir müssen den Weltgerichtshof dazu veranlassen, dass er uns das wertvollste Stück Grund und Boden auf der ganzen Erde zugesteht.«

Die tanzende Brücke

Selbst in diesem Zeitalter der Sofortkommunikation und des erdumspannenden Schnellverkehrs war es nett, ein Plätzchen zu haben, das man sein eigenes Büro nennen konnte. Nicht alles ließ sich in Form elektronischer Ladungsmuster speichern. Es gab Dinge wie zum Beispiel gute, altmodische Bücher, Urkunden, Preise, Trophäen, Ingenieurmodelle, Materialproben, zeichnerische Darstellungen von Bauprojekten (nicht so genau wie eine Computergrafik, aber sehr ornamental) und nicht zuletzt den Teppichboden, der die Klause eines jeden leitenden Angestellten zierte und die Aufgabe hatte, die Geräusche der Wirklichkeit zu dämpfen.

Morgans Büro, das er im Durchschnitt an zehn Tagen pro Monat zu sehen bekam, befand sich auf dem sechsten oder LAND-Geschoss des weitläufigen Hauptgebäudes der Terran Construction Corporation in Nairobi. Die Etage darunter war SEE, die darüber VERWALTUNG — mit anderen Worten Aufsichtsratsvorsitzender Collins und sein Reich. Der Architekt hatte das oberste Geschoss in einem Anflug von naivem Symbolismus der Abteilung RAUM zugedacht. Es gab auf dem Dach sogar ein kleines Observatorium mit einem 30-cm-Teleskop, das ständig außer Betrieb war, weil es nur bei Büropartys verwendet wurde, und zwar zumeist für absolut unastronomische Zwecke. Die oberen Räumlichkeiten des Drei-Planeten-Hotels, nur einen Kilometer entfernt, waren ein beliebtes Beobachtungsziel, da sich in ihnen oft exotische Dinge abspielten.

Da Morgan ständig mit seinen beiden Sekretären — einem menschlichen und einem elektronischen — in Verbindung stand, erwartete er keine Überraschungen, als er nach einem kurzen Flug von der ANAR sein Büro betrat. Gemessen an den Maßstäben einer früheren Zeit war seine Organisation außergewöhnlich klein. Zu ihr gehörten nicht mehr als dreihundert Männer und Frauen. Die Computer- und informationsverarbeitende Kapazität indes, die diesen dreihundert zur Verfügung stand, war gigantisch.

»Also — wie ging's mit dem Scheich?«, fragte Warren Kingsley, sein Stellvertreter, als sie allein waren.

»Sehr gut. Man könnte sagen: Wir haben ein Abkommen. Aber ich kann noch immer nicht glauben, dass uns ein derart blödes Problem aufhält. Was hat die juristische Abteilung dazu zu sagen?«

»Wir brauchen ohne Zweifel eine Entscheidung des Weltgerichtshofs. Wenn das Gericht entscheidet, dass hier ein Fall überwältigenden öffentlichen Interesses vorliegt, dann werden unsere ehrwürdigen Freunde ausziehen müssen — es sei denn, sie stellen sich dickköpfig, und dann haben wir eine ziemlich verfahrene Situation an der Hand. Vielleicht solltest du ihnen ein kleines Erdbeben schicken, damit ihnen die Entscheidung leichter fällt.«

Der Umstand, dass Morgan zum Aufsichtsrat der General Tectonics gehörte, gab des Öfteren Anlass zu Witzeleien zwischen ihm und Kingsley. GT hatte niemals einen Weg gefunden, Erdbeben zu kontrollieren und zu steuern, und erwartete auch nicht, dass dies in der Zukunft gelingen werde. Man konnte nur hoffen, dass sie sich voraussagen lassen würden und ihre Energie vielleicht abgezapft werden könnte, bevor sie größeren Schaden anrichtete. Aber selbst bei diesem Unterfangen hatte die GT in nicht mehr als 75 Prozent aller Fälle Erfolg.

»Eine gute Idee«, sagte Morgan. »Ich werde darüber nachdenken. Jetzt aber zu unserem anderen Problem.«

»Alles vorbereitet — willst du es sehen?«

»In Ordnung — führ mir den schlimmsten Fall vor!«

Die Bürofenster verdunkelten sich, und ein Gitter schimmernder Linien erschien mitten im Raum.

»Pass auf, Van«, sagte Kingsley. »So werden wir Ärger bekommen.«

Reihen von Buchstaben und Ziffern materialisierten in der Luft, Geschwindigkeiten, Transportmassen, Beschleunigungen, Fahrtzeiten. Morgan verarbeitete sie mit einem Blick. Die Erdkugel mit eingezeichneten Längen- und Breitenkreisen schwebte unmittelbar über dem Teppich. Von ihr erhob sich zu guter Manneshöhe der leuchtende Faden, der den Standort des Orbitalturms markierte.

»Fünfhundertmal normale Geschwindigkeit, seitliche Abweichung fünfzigfach übertrieben. Und los geht's.«

Eine unsichtbare Kraft hatte an der leuchtenden Linie zu zupfen begonnen und zog sie aus der Vertikalen. Die Störung bewegte sich aufwärts. Sie simulierte, mit Hilfe einer Million Computerberechnungen pro Minute, eine Transportlast, die sich durch das Gravitationsfeld der Erde aufwärtsbewegte.

»Wie hoch ist die Abweichung?«, fragte Morgan, der seine Augen anstrengte, um sich keine Einzelheit der Simulation entgehen zu lassen.

»Jetzt ungefähr zweihundert Kilometer. Wir erreichen drei, bevor …«

Der Faden zerriss. In gemächlicher Zeitlupenbewegung, die in Wirklichkeit Geschwindigkeiten von Tausenden von Kilometern pro Stunde repräsentierte, krümmten sich die beiden Teilstücke des zerschnittenen Turmes voneinander fort, das eine in Richtung zur Erde hin, das andere in den Raum hinauspeitschend. Aber Morgan nahm die imaginäre Katastrophe, die nur in den Rechnungen des Computers existierte, kaum noch war. Er sah ein anderes Bild, ein Bild aus der Wirklichkeit, das ihn schon seit Jahren mit Schrecken erfüllte.

Er hatte sich den zweihundert Jahre alten Filmstreifen mindestens schon fünfzigmal angesehen, und es gab Abschnitte, die er Bild um Bild studiert hatte, bis jedes Detail unauslöschlich in seine Erinnerung eingeprägt war. Es handelte sich immerhin um den teuersten Film, der je gedreht worden war — zu Friedenszeiten wenigstens. Er hatte den Staat Washington mehrere Millionen Dollar pro Minute gekostet.

Da stand die schlanke (zu schlanke!), grazile Brücke, die Schlucht überspannend. Sie trug keinen Verkehr. Lediglich ein einziges Auto war von seinem Fahrer mitten auf der Straße zurückgelassen worden. Und das war kein Wunder, denn die Brücke benahm sich wie keine andere je zuvor in der langen Geschichte der Ingenieurkunst.

Es schien unmöglich, dass Tausende von Tonnen Metall einen solchen Balletttanz aufführen könnten. Man hätte weitaus eher glauben mögen, die Brücke bestehe aus Gummi denn aus Stahl. Weite, langsame Wellenbewegungen, mit Amplituden von etlichen Metern, krochen die Struktur entlang, so dass die zwischen den beiden Pfeilern aufgehängte Fahrstraße wie eine zornige Schlange hin und her zuckte. Der Wind, der die Schlucht herabwehte, brachte ein Geräusch hervor, das viel zu tief war, als dass menschliche Ohren es hätten hören können. Es traf die Eigenfrequenz der schönen, aber zum Untergang verdammten Brücke. Stunde um Stunde waren die Schwingungen immer heftiger geworden; aber niemand wusste, wann das Ende kommen würde. Schon jetzt waren die sich schier endlos hinziehenden Todeszuckungen ein Armutszeugnis für die glücklosen Brückenplaner.

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