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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Was meinst du wohl, was das ist?«, fragte ich den Esel. Es war eine rhetorische Frage, doch der Esel, der ein freundliches Geschöpf war, blickte von seiner Mahlzeit auf und ih-ahte als Antwort. Dabei baumelten ihm die Schwingelgrasstängel aus dem Maul.

Das Geräusch provozierte Clarence und die Pferde zu Neugier- und Willkommensrufen, und innerhalb von Sekunden tauchten Jamie und Roger aus der Scheune auf, Brianna kam aus dem Kühlhaus, und Mr. Bug erhob sich in Hemdsärmeln hinter dem Misthaufen wie ein Geier, der von einem Stück Aas aufsteigt. Der Lärm hatte sie alle angelockt.

»Danke«, sagte ich zu dem Esel, der bescheiden mit dem Ohr wackelte und sich erneut dem Gras zuwandte.

»Was ist es denn?« Brianna stellte sich auf die Zehenspitzen, um Jamie über die Schulter zu lugen, als er mir das Päckchen abnahm. »Es ist doch nicht aus Lallybroch, oder?«

»Nein, es ist weder Ians Handschrift … noch die meiner Schwester«, erwiderte Jamie nach kaum merklichen Zögern, obwohl mir nicht entging, dass er zweimal hinsah, um ganz sicherzugehen. »Aber es hat einen langen Weg hinter sich – per Schiff?« Er hielt mir das Päckchen fragend unter die Nase. Ich roch daran und nickte.

»Ja, es riecht ein wenig nach Teer. Sind denn keine Begleitpapiere dabei?«

Er drehte das Päckchen um, dann schüttelte er den Kopf.

»Es war versiegelt, aber das Siegel ist fort.« An der Paketschnur klebten ein paar gräuliche Wachsfragmente, doch das Siegel, das uns Aufschluss über den Absender hätte geben können, war längst den Strapazen der Reise und Mr. Wainwrights Lasttrage zum Opfer gefallen.

»Hmp.« Mr. Bug schüttelte den Kopf und blinzelte das Päckchen skeptisch an. »Keine Hacke.«

»Nein, es ist keine Hacke«, pflichtete Jamie ihm bei und stemmte das kleine Päckchen abschätzend hoch. »Und auch kein Buch, ganz zu schweigen von einem Block Papier. Sonst fällt mir nichts ein, was ich bestellt habe. Meinst du, es könnte vielleicht Saatgut sein, Sassenach? Mr. Stanhope hat dir doch ein paar Dinge aus dem Garten seines Freundes versprochen, aye?«

»Oh, das könnte sein!« Das war eine aufregende Möglichkeit; Mr. Stanhopes Freund Mr. Crossley besaß einen großen Ziergarten mit einer Anzahl exotischer und importierter Gattungen, und Stanhope hatte mir angeboten, sich zu erkundigen, ob Crossley vielleicht zu einem Tausch bereit war; Samen und Setzlinge von einigen der selteneren europäischen und asiatischen Kräuter seiner Sammlung gegen Zwiebeln und Samen aus meiner »Bergfestung«, wie Stanhope es nannte.

Roger und Brianna wechselten einen kurzen Blick. Saaten faszinierten sie sehr viel weniger, als Bücher oder Papier es getan hätten. Dennoch war jeder Brief und jedes Päckchen eine solche Abwechslung, dass niemand vorschlug, es zu öffnen, bevor man nicht die Spekulationen über seinen Inhalt bis zur Neige ausgekostet hatte.

Letztlich blieb das Päckchen ungeöffnet, bis auch der Letzte von uns nach dem Abendessen Gelegenheit gehabt hatte, es in den Händen zu wiegen, es zu befühlen und daran zu riechen und seine Meinung über den möglichen Inhalt kundzutun. Nachdem er seinen leeren Teller beiseitegeschoben hatte, griff Jamie schließlich feierlich nach dem Paket, schüttelte es ein letztes Mal und reichte es mir.

»Der Knoten ist eine Aufgabe für Chirurgenhände, Sassenach«, sagte er grinsend. So war es; wer auch immer das Paket verknotet hatte, war kein Matrose gewesen, sondern hatte Gründlichkeit anstelle von Kenntnis walten lassen. Ich musste mehrere Minuten lang daran herumfummeln, doch schließlich bekam ich den Knoten auf und rollte die Schnur für den zukünftigen Gebrauch ordentlich zusammen.

Dann öffnete Jamie vorsichtig mit der Dolchspitze die Naht, und zog unter den Erstaunenslauten der Anwesenden eine kleine Holzkiste heraus. Sie war schlicht gestaltet, aber elegant ausgeführt, hatte Scharniere und eine Schließe aus Messing, und in den Deckel war eine passende Messingplatte eingelassen.

»Werkstatt Messrs. Halliburton & Halliburton, Portman Square 14, London«, las Brianna, die sich mit gerecktem Hals über den Tisch gebeugt hatte, laut vor. »Wer in aller Welt sind Halliburton und Halliburton?«

»Ich habe nicht die leiseste Ahnung«, erwiderte Jamie. Er hob mit einem Finger die Schließe und klappte behutsam den Deckel auf. Im Inneren befand sich ein Beutel aus dunkelrotem Samt. Er holte ihn heraus, öffnete die Zugschnur und zog langsam einen … Gegenstand hervor.

Es war eine flache, goldene Scheibe von etwa zehn Zentimetern Durchmesser. Mit vor Staunen weit aufgerissenen Augen konnte ich sehen, dass ihr Rand wie bei einem Teller leicht erhöht und mit winzigen Symbolen verziert war. In die Mitte des Kreises war eine Perforation eingelassen, an der eine silbrige Metallkonstruktion befestigt war. Diese bestand aus einer kleinen, offenen Skala, ähnlich dem Ziffernblatt einer Uhr, doch ihre Außenkante war durch drei Zeiger mit dem Mittelpunkt des Kreises verbunden.

Der kleine Silberkreis war ebenfalls mit eingravierten Symbolen verziert, die so fein waren, dass man sie kaum sehen konnte, und während der eine Zeiger am Ende eine Lyra trug, war der andere gewellt wie ein Aal. Darauf war ein goldener Balken montiert, dessen Enden sich wie eine dicke Kompassnadel verjüngten. Dieser war mit einem Stift in der Mitte der Scheibe befestigt, so dass er sich um sich selbst drehen konnte. In der Mitte des Balkens war in fließenden Buchstaben der Name »James Fraser« eingraviert.

»Oh, was in aller Welt ist das denn?« Mrs. Bug war natürlich die Erste, die sich von ihrer Überraschung erholte.

»Es ist ein planisphärisches Astrolabium«, erwiderte Jamie, der seine Überraschung ebenfalls überwunden hatte und dessen Tonfall jetzt beinahe beiläufig klang.

»Oh, natürlich«, murmelte ich. »Was auch sonst.«

Er drehte es um und gab eine flache Oberfläche preis, in die mehrere konzentrische Kreise eingraviert waren, die wiederum durch Hunderte von kleinen Markierungen und Symbolen unterteilt waren. Auch diese Seite hatte einen Drehzeiger, ähnlich der Kompassnadel auf der anderen Seite, allerdings rechteckig geformt. Die Enden des Zeigers waren umgebogen, flach gedrückt und eingekerbt, so dass die Kerben eine Art Visiereinrichtung bildeten.

Brianna streckte einen Finger aus und berührte ehrfürchtig die glänzende Oberfläche des Instruments.

»Mein Gott«, sagte sie. »Ist das wirklich Gold

»So ist es.« Jamie legte ihr den Gegenstand vorsichtig auf die ausgestreckte Handfläche. »Und was ich gern wüsste ist, warum?«

»Warum Gold, oder warum ein Astrolabium?«, fragte ich.

»Warum Gold«, erwiderte er und sah das Instrument stirnrunzelnd an. »So etwas suche ich schon lange, konnte aber von Albany bis Charleston keines finden. Lord John Grey hatte mir versprochen, mir eins aus London kommen zu lassen, und ich vermute, dass es dies ist. Aber wieso um Himmels willen …«

Wir alle waren noch von dem Astrolabium gefesselt, doch Jamie wandte den Blick ab und griff stattdessen in die Kiste, in der es gekommen war. Und siehe da, am Boden der Kiste lag eine Notiz, die ordentlich zusammengefaltet und mit blauem Wachs versiegelt war. Doch das Siegelwappen zeigte nicht Lord Johns üblichen, lächelnden Halbmond mit Sternen, sondern einen unvertrauten Fisch mit einem Ring im Maul.

Jamie betrachtete es stirnrunzelnd, dann erbrach er das Siegel und faltete den Brief auseinander.

Mr. James Fraser, Esq.

in Fraser’s Ridge

Kronkolonie North Carolina

Mein werter Sir,

Ich habe die Ehre, Euch das Beiliegende mit den Empfehlungen meines Vaters, Lord John Grey, zu übersenden. Bei meiner Abreise nach London gab er mir die Anweisung, das bestmögliche Instrument zu erwerben, und da mir bekannt ist, wie sehr er Eure Freundschaft schätzt, habe ich mir alle erdenkliche Mühe gegeben, dies zu tun. Ich hoffe, dass es Euren Beifall findet.

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