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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Die Sonne schlug goldene Funken auf seinem Kopf, als er aufblickte. Er wies kopfnickend auf die dunkle Bergreihe, die von einem herrlichen Wolkenfeld in Rosa und Gold umrahmt war, aber an dem fernen Ausdruck in seinen Augen konnte ich erkennen, dass er etwas ganz anderes sah.

»Lallybroch – wir haben es durch eine Erburkunde gerettet. Und der Junge Simon – Lovats Sohn – hat nach Culloden um sein Land gekämpft und es immerhin zum Großteil zurückbekommen. Aber nur, weil er die nötigen Papiere hatte, um zu beweisen, was einmal sein gewesen war. Also.«

Er klappte das Kästchen auf, das er mit ins Freie gebracht hatte, und legte den Samtbeutel sanft hinein. »Ich werde mir Papiere beschaffen. Und ob nun der eine oder der andere George regiert – dieses Land wird uns gehören. Und dir«, fügte er leise hinzu und sah Brianna in die Augen. »Und nach dir deinen Kindern.«

Ich legte meine Hand auf die seine, die auf dem Kästchen ruhte. Seine Haut war von der Arbeit und der Tageshitze gewärmt, und er roch nach sauberem Schweiß. Die Haare auf seinem Unterarm glänzten rot und golden in der Sonne, und in diesem Moment verstand ich sehr gut, warum die Menschen die Zeit messen. Sie möchten den Augenblick fixieren, weil sie die vergebliche Hoffnung hegen, damit verhindern zu können, dass er vergeht.

Kapitel 78

Keine Kleinigkeit

Brianna war ins Herrenhaus gekommen, um sich ein Buch auszuleihen. Sie ließ Jemmy bei Mrs. Bug in der Küche und ging durch den Flur zum Studierzimmer ihres Vaters. Er war nicht da, das Zimmer leer, wenn es auch schwach nach ihm roch – ein undefinierbarer, männlicher Geruch, der sich aus Leder, Sägemehl, Schweiß, Whisky, Dung … und Tinte zusammensetzte.

Sie rieb sich mit dem Finger unter der Nase entlang. Ihre Nasenlöcher zuckten, und sie musste lächeln. Roger roch auch nach diesen Dingen – und doch hatte er darunter seinen eigenen Geruch. Was war es nur?, fragte sie sich. Seine Hände hatten immer schwach nach Firnis und Metall gerochen, als er noch eine Gitarre hatte. Doch das war lange her und weit fort.

Sie schob diesen Gedanken beiseite und richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Bücher im Regal. Fergus hatte von seinem letzten Ausflug nach Wilmington drei neue Bücher mitgebracht: eine Essaysammlung von Michel de Montaigne – auf Französisch, also nichts für sie –, ein abgenutztes Exemplar von Daniel Defoes Moll Flanders und eine ganz dünne, in Papier gebundene Abhandlung von B. Franklin, The Means and Manner of Obtaining Virtue.

Keine Konkurrenz, dachte sie und zog Moll Flanders hervor. Das Buch hatte schon harte Zeiten hinter sich; der Buchrücken war durchgebrochen, und die Seiten waren lose. Sie hoffte, dass sie vollzählig waren; nichts, was schlimmer war, als eine interessante Stelle in der Geschichte zu erreichen und festzustellen, dass die nächsten zwanzig Seiten fehlten. Sie blätterte es vorsichtig durch, um nachzusehen, doch es schienen alle Seiten da zu sein, wenn auch dann und wann ein Blatt zerknittert oder mit Essen befleckt war. Das Buch roch sehr merkwürdig, als hätte es jemand in Talg getaucht.

Ein plötzliches Scheppern im Sprechzimmer ihrer Mutter riss sie aus ihrer Betrachtung der Bücher. Sie sah sich instinktiv nach Jemmy um – doch natürlich war er nicht hier. Sie schob das Buch hastig wieder an seinen Platz und lief aus dem Studierzimmer – um im Flur auf ihre Mutter zu treffen, die aus der Küche geeilt kam.

Sie schlug ihre Mutter im Wettrennen zur Sprechzimmertür um eine Sekunde.

»Jemmy!«

Die Tür des hohen Schrankes stand offen, und es roch kräftig nach Honig. Eine zerbrochene Keramikflasche lag in einer klebrigen, goldenen Pfütze am Boden, und Jemmy saß in ihrer Mitte. Er war über und über mit Honig beschmiert, seine blauen Augen waren kreisrund, und sein Mund stand schuldbewusst und erschrocken offen.

Das Blut stieg ihr ins Gesicht. Ohne darauf zu achten, dass er überall klebte, packte sie ihn am Arm und stellte ihn hin.

»Jeremiah Alexander MacKenzie«, sagte Brianna in finsterem Ton, »du bist ein böser Junge!« Sie suchte ihn hastig nach Blut oder Verletzungen ab, fand nichts und versetzte ihm einen so festen Klaps auf den Hintern, dass ihre Handfläche brannte.

Bei dem resultierenden Geschrei bekam sie sofort ein schlechtes Gewissen. Dann sah sie den Rest der Verwüstungen und unterdrückte den Impuls, ihn noch einmal zu schlagen.

»Jeremiah!«

Rosmarin, Schafgarbe und Thymian waren büschelweise aus dem Trockenregal gezogen und zerrissen worden. Einer der Gazeböden des Regals war losgerissen; der Stoff hing in Fetzen. Flaschen und Gläser aus den Schränken lagen umgestürzt da oder rollten herum; aus einigen waren die Korken herausgefallen, so dass sich vielfarbige Pülverchen und Flüssigkeiten über den Boden ergossen. Ein großer Leinenbeutel mit gemahlenem Salz war geplündert, die Kristalle mit vollen Händen verstreut worden.

Das Schlimmste war, dass das Amulett ihrer Mutter auf dem Boden lag; der kleine Lederbeutel war aufgerissen, flach und leer. Getrocknete Pflanzenteile, ein paar kleine Knochen und andere Reste lagen ringsum verstreut.

»Mama – es tut mir so leid. Ich habe nicht aufgepasst – ich hätte ihn besser im Auge behalten –« Sie musste ihre Entschuldigung beinahe brüllen, um sich bei Jemmys Geschrei Gehör zu verschaffen.

Claire, die bei dem Lärm zusammenzuckte, sah sich in ihrem Sprechzimmer um und machte eine flüchtige Bestandsaufnahme. Dann hielt sie inne und hob Jemmy auf, ohne sich an dem Honig zu stören.

»Schhh«, sagte sie und legte ihm sacht die Hand auf den Mund. Da dies keine Wirkung zeigte, klopfte sie leicht mit der Hand auf die klaffende Öffnung und erzeugte damit ein »Wa-wa-wa-wa«-Geräusch, woraufhin Jemmy sein Gebrüll abrupt beendete. Er steckte seinen Daumen in den Mund, lutschte laut schniefend daran und presste seine beschmierte Wange an Claires Schulter.

»Nun, sie können nun einmal ihre Finger nicht bei sich behalten«, sagte sie zu Brianna, und ihre Miene war eher belustigt als aufgeregt. »Keine Sorge, Schatz, es ist nur ein harmloses Durcheinander. Gott sei Dank ist er nicht an die Messer gekommen, und die Gifte bewahre ich auch ganz oben auf.«

Brianna spürte, wie sich ihr Herzschlag allmählich verlangsamte. Ihre Hand fühlte sich heiß an, und das Blut pulsierte darin.

»Aber dein Amulett …« Sie zeigte mit dem Finger darauf und sah, wie ein Schatten über das Gesicht ihrer Mutter huschte, als sie die Bescherung sah.

»Oh.« Claire holte tief Luft, klopfte Jemmy auf den Rücken und setzte ihn ab. Sie bohrte ihre Zähne in ihre Unterlippe, bückte sich und hob den schlaffen Beutel mit den verklebten Federn zaghaft auf.

»Es tut mir so leid«, wiederholte Brianna hilflos.

Sie konnte sehen, welche Mühe es Claire kostete, doch ihre Mutter tat ihre Entschuldigung mit einer kleinen Geste ab, bevor sie sich dann hinhockte, um die Einzelteile vom Boden aufzulesen. Sie hatte ihr lockiges Haar nicht zusammengebunden, und es fiel nach vorn und verbarg ihr Gesicht.

»Ich habe mich immer schon gefragt, was in diesem Beutel war«, sagte Claire. Sie begann behutsam, die winzigen Knochen aufzulesen und sie in ihrer Handfläche zu sammeln. »Was meinst du wohl, woher das hier stammt – von einer Spitzmaus?«

»Ich weiß es nicht.« Brianna, die Jemmy argwöhnisch im Auge behielt, ging in die Hocke und machte sich daran, die Kleinteile aufzulesen. »Ich dachte, sie sind vielleicht von einer Fledermaus.«

Ihre Mutter blickte überrascht zu ihr auf. »Was für ein Schlauberger du bist – sieh mal.« Sie las ein kleines, papiernes, braunes Objekt vom Boden auf und hielt es Brianna hin. Als sie sich darüberbeugte, um es näher zu betrachten, konnte Brianna sehen, dass der Gegenstand, der wie ein verschrumpeltes, getrocknetes Blatt aussah, tatsächlich Teil eines winzigen Fledermausflügels war, dessen zerbrechliches Leder so trocken war, dass es durchscheinend geworden war, und von einem nadeldünnen Knochen durchzogen war, der an die zentrale Rippe eines Blattes erinnerte.

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