Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Euer ergb. Diener
William Ransome, Lord Ellesmere,
Hauptmann der 9ten Welsh-Dragoner
»William Ransome?« Brianna war aufgestanden, um über Jamies Schulter hinweg mitzulesen. Sie sah mich stirnrunzelnd an. »Er sagt, Lord John ist sein Vater – aber ist Lord Johns Sohn nicht noch ein kleiner Junge?«
»Er ist fünfzehn.« Jamies Stimme hatte einen seltsamen Unterton, und ich sah, wie Roger abrupt von dem Astrolabium in seinen Händen aufblickte und seine grünen Augen plötzlich einen gebannten Ausdruck annahmen. Dann richtete er den Blick mit jenem Ausdruck auf mich, den er in letzter Zeit entwickelt hatte, als lauschte er auf etwas, das niemand sonst hören konnte. Ich wandte meine Augen ab.
»… nicht Grey«, sagte Brianna gerade.
»Nein.« Jamie betrachtete nach wie vor den Brief in seiner Hand und klang leicht abwesend. Er schüttelte kurz den Kopf, als wollte er einen Gedanken verwerfen, und wandte sich wieder dem Thema zu.
»Nein«, wiederholte er und legte den Brief weg. »Der Junge ist Lord Johns Stiefsohn – sein Vater war der Graf von Ellesmere; der Junge ist der neunte Träger dieses Titels. Ransome ist Ellesmeres Familienname.«
Ich hielt meinen Blick geflissentlich auf den Tisch und die leere Kiste gerichtet, weil ich befürchtete, dass mein transparentes Gesicht sonst etwas preisgeben könnte – und wenn es nur die Tatsache war, dass ich etwas preiszugeben hatte.
William Ransomes Vater war nämlich nicht der achte Graf von Ellesmere. James Fraser war sein Vater, und ich konnte die Anspannung in seinem Bein spüren, das unter dem Tisch das meine berührte, auch wenn sein Gesicht jetzt nur noch einen schwach entnervten Ausdruck trug.
»Offensichtlich hat man dem Jungen ein Patent gekauft«, sagte er, während er den Brief ordentlich zusammenfaltete und ihn wieder in die Kiste steckte. »Also ist er nach London gefahren und hat dort auf Johns Anweisung das Instrument gekauft. Aber für einen Jungen seiner Herkunft ist ›bestmöglich‹ wohl gleichbedeutend mit ›vergoldet‹!«
Er streckte die Hand aus, und Mr. Wainwright, der gerade in der polierten Goldfläche sein Spiegelbild bewunderte, rückte das Astrolabium widerstrebend heraus.
Jamie untersuchte es kritisch und ließ mit dem Zeigefinger den silbernen Aalzeiger kreisen.
»Aye, nun ja«, sagte er beinahe widerstrebend. »Was das Handwerkliche angeht, ist es ein sehr gutes Instrument.«
»Hübsch.« Mr. Bug nickte beifällig und griff nach einem der heißen Teilchen, die seine Frau herumreichte. »Landvermessung?«
»Aye, so ist es.«
»Vermessung?« Brianna nahm sich zwei der kleinen Kartoffelklößchen, setzte sich neben Roger und gab ihm automatisch eins davon. »Es ist ein Vermessungsinstrument?«
»Unter anderem.« Jamie drehte das Astrolabium um und schob vorsichtig den flachen Balken an, so dass sich die Visierkerben drehten. »Dieser Teil – man benutzt ihn als Transit. Du weißt, was das ist?«
Brianna nickte interessiert.
»Sicher. Ich kenne verschiedene Vermessungsmethoden, aber wir haben immer mit …«
Ich sah, wie Roger beim Schlucken eine Grimasse zog, weil ihm der Bissen im Hals stecken blieb. Ich hob meine Hand an den Wasserkrug, doch er fing meinen Blick auf und schüttelte beinahe unmerklich den Kopf. Er schluckte erneut, diesmal ungehinderter, und hustete.
»Ich wusste doch, dass du gesagt hast, du kannst vermessen.« Jamie betrachtete seine Tochter beifällig. »Darum wollte ich das Astrolabium –« Er hob den Gegenstand in seiner Hand hoch. »Obwohl ich eigentlich an etwas weniger Prunkvolles gedacht hatte. Zinn wäre praktischer gewesen. Aber so lange ich es nicht bezahlen muss …«
»Zeig her.« Brianna streckte die Hand aus, ergriff das Instrument und runzelte gebannt die Stirn, während sie die innere Skala bewegte.
»Kannst du mit einem Astrolabium umgehen?«, fragte ich sie skeptisch.
»Ich kann damit umgehen«, sagte Jamie mit einer gewissen Genugtuung. »Ich habe es in Frankreich gelernt.« Er stand auf und wies mit einem Ruck seines Kinns zur Tür. »Bring es mit nach draußen, Kleine. Ich zeige dir, wie man die Zeit bestimmt.«
»… aye, genau da.« Jamie beugte sich konzentriert über Briannas Schulter und zeigte auf einen Punkt auf der äußeren Skala. Sie brachte die innere Skala vorsichtig in Übereinstimmung mit dieser Stelle, spähte zur Sonne empor und schob den Zeiger um den Bruchteil eines Zentimeters weiter.
»Fünf Uhr dreißig!«, rief sie und war ganz rot vor Begeisterung.
»Fünf Uhr fünfunddreißig«, verbesserte Jamie und grinste breit. »Siehst du?« Er wies auf einen der winzigen Flecken am Rand des Instrumentes, der mir aus der Entfernung wie Fliegendreck vorkam.
»Fünf nach halb sechs«, sagte Mrs. Bug in ehrfürchtigem Ton. »Stell dir vor, Arch! Ich habe nicht mehr genau gewusst, wie spät es ist, seit … seit …«
»Edinburgh«, sagte ihr Mann und nickte.
»Aye, richtig! Meine Cousine Jane hatte eine Standuhr, ein hübsches Ding, schlug wie eine Kirchturmuhr und hatte ein Ziffernblatt mit Messingzahlen, auf dem Engelchen schwebten, und –«
»Das ist das erste Mal, dass ich weiß, wie spät es ist, seit wir von den Sherstons abgereist sind.« Brianna beachtete weder Mrs. Bugs Begeisterungsstürme noch das Instrument in ihren Händen. Ich sah, wie ihr Blick Rogers Augen traf und sie lächelte – und gleich darauf lächelte er schief zurück. Wie lange war es für ihn her?
Alle blinzelten in den Sonnenuntergang, wedelten sich die Mückenschwärme aus dem Gesicht und diskutierten darüber, wann sie das letzte Mal genau gewusst hatten, wie spät es war. Wie ausgesprochen merkwürdig, dachte ich ein wenig belustigt. Wozu dieses besessene Messen der Zeit? Und doch war das Phänomen auch mir nicht fremd.
Ich versuchte, mir zu überlegen, wann es für mich das letzte Mal gewesen war. Auf Jocastas Hochzeit? Nein – auf dem Feld am Alamance, unmittelbar vor der Schlacht. Oberst Ashe hatte eine Taschenuhr gehabt, und – ich hielt inne und überlegte. Nein. Es war nach der Schlacht. Und das war sehr wahrscheinlich auch das letzte Mal, dass Roger gewusst hatte, wie spät es war – wenn er denn hinreichend bei Bewusstsein gewesen war, um einen der Militärärzte verkünden zu hören, dass es vier Uhr war – und dass er seiner wohlüberlegten Meinung nach den Glockenschlag fünf nicht mehr erleben würde.
»Was kann man noch damit tun, Pa?«
Brianna reichte Jamie das Astrolabium vorsichtig zurück. Er nahm es entgegen und machte sich sofort daran, mit dem Hemdschoß die Fingerabdrücke wegzupolieren.
»Oh, eine ganze Reihe von Dingen. Man kann seinen Standort bestimmen, an Land wie auf See, die Uhrzeit bestimmen, einen bestimmten Stern am Himmel finden …«
»Sehr nützlich«, merkte ich an. »Wenn auch nicht ganz so praktisch wie eine Uhr. Aber ich nehme an, dir ging es auch nicht hauptsächlich darum zu wissen, wie spät es ist?«
»Nein.« Er schüttelte den Kopf und verstaute das Astrolabium zärtlich in seinem Samtbeutel. »Ich muss die beiden Landvergaben ordentlich vermessen – und zwar bald.«
»Warum denn bald?« Brianna war schon im Begriff gewesen, sich zum Gehen zu wenden, machte jetzt aber kehrt und zog eine Augenbraue hoch.
»Weil die Zeit knapp wird.« Jamie blickte ihr ins Gesicht, und die Freude über seine Errungenschaft verwandelte sich in Ernst. Er sah sich um, doch es war niemand mehr auf der Veranda außer ihm und mir, Brianna und Roger.
Mr. Wainwright, der sich nicht für die Wunderwerke der Wissenschaft interessierte, war auf den Hof gegangen und schleppte jetzt sein Gepäck ins Haus, wobei ihm Mr. Bug behilflich war, während Mrs. Bug den beiden mit ihren pausenlosen Kommentaren im Weg war. Bis zum Morgen würden alle Bewohner von Fraser’s Ridge wissen, dass er hier war, und sie würden zum Haus kommen, um einzukaufen, zu verkaufen und die letzten Neuigkeiten zu hören.
»Ihr wisst doch, was auf uns zukommt, ihr beide.« Jamie blickte von Brianna zu Roger. »Der König mag fallen, aber das Land wird bleiben. Und wenn wir das Land behalten wollen, müssen wir es ordentlich vermessen und registrieren lassen. Wenn es Unruhen gibt, wenn man sein Land verlassen muss oder es womöglich beschlagnahmt wird – dann ist es verteufelt schwierig, es zurückzubekommen, aber wenn man eine ordentliche Besitzurkunde hat, ist es vielleicht möglich.«