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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Der erste Schock über seinen Schrei war verklungen, und die Männer unter dem Baum rappelten sich auf und kamen zu uns. Auch die Findlays kamen vom Weg angerannt, um sich mit den anderen um Roger zu scharen und ihm begeistert ihre Glückwünsche auszusprechen. Roger nickte. Er ergab sich in sein Schicksal, doch während ihm alle Welt die Hand schüttelte und ihm auf den Rücken klopfte, sah er so aus, als wäre er am liebsten weit weg.

»Sagt noch etwas«, bedrängte ihn Hugh Findlay.

»Ja, Sir, Ihr könnt es«, fiel Iain ein, und sein rundes Gesicht strahlte. »Sagt … sagt: ›Fischers Fritz fischt frische Fische!‹«

Dieser Vorschlag wurde grölend abgelehnt, und es hagelte weitere Anregungen. Roger sah allmählich völlig verzweifelt aus und hatte den Mund fest zugepresst. Jamie und ich hatten uns wieder gefangen; ich konnte spüren, wie Jamie sich bereit machte, um einzugreifen.

Da schob sich Brianna durch die aufgeregte Versammlung. Jemmy hockte auf ihrer Hüfte und betrachtete das Geschehen voller Misstrauen. Mit der freien Hand ergriff sie Rogers Hand und lächelte ihm ein wenig zittrig zu.

»Kannst du meinen Namen sagen?«, fragte sie.

Roger lächelte genauso wie sie. Ich konnte die Luft in seiner Kehle rasseln hören, als er Atem holte.

Diesmal sprach er leise; ganz leise, doch alle waren still und beugten sich vor, um ihn zu verstehen. Es war ein raues Flüstern, belegt und schmerzerfüllt, die erste Silbe mit Nachdruck an seinen narbigen Stimmbändern vorbeigezwängt, die letzte kaum hörbar. Doch …

»BRRIIah … nah«, sagte er, und sie brach in Tränen aus.

Kapitel 76

Blutgeld

Fraser’s Ridge

Juni 1771

Ich saß auf dem Besuchersessel in Jamies Studierzimmer und zerkleinerte Blutwurz, während ich ihm Gesellschaft leistete, als er sich durch die Quartalsabrechnung kämpfte. Beides waren zeitraubende und mühselige Beschäftigungen, doch wir konnten gemeinsam das Licht einer einzelnen Kerze nutzen und uns an der Nähe des anderen freuen – und ich konnte mich herrlich damit ablenken, dass ich den erfindungsreichen Bemerkungen lauschte, die er an das Papier unter seiner Feder richtete.

»Eier schlürfender Sohn eines Stachelschweins!«, knurrte er. »Sieh dir das an, Sassenach. Der Mann ist nichts als ein gemeiner Dieb! Zwei Shilling, drei Pence für zwei Barren Zucker und einen Indigoblock!«

Ich schnalzte mitfühlend mit der Zunge und enthielt mich der Bemerkung, dass zwei Shilling mir eine bescheidene Summe für eine Ware zu sein schienen, die auf den Westindischen Inseln produziert und per Schiff nach Charleston transportiert worden war, um von dort auf Wagen, Booten, per Pferd und zu Fuß mehrere hundert Meilen überland geschafft zu werden, bis ein fahrender Händler sie schließlich an unsere Haustür gebracht hatte – ein Händler, der nicht mit einer Bezahlung rechnete, bevor er in drei oder vier Monaten das nächste Mal vorbeikam – und der wahrscheinlich sowieso kein Bargeld bekommen würde, sondern eher sechs Gläser Stachelbeermarmelade oder einen Räucherschinken.

»Jetzt sieh dir das an!«, sagte Jamie rhetorisch, während er mit kratzender Feder an einer Zahlensäule entlangfuhr und sie am unteren Ende wie einen Dolch auf das Papier niedersausen ließ. »Ein Fass Branntwein für zwölf Shilling, zwei Ballen Musselin zu jeweils drei Shilling zehn, Eisenwaren – was in Dreiteufelsnamen will Roger mit Eisenwaren; hat er eine Möglichkeit gefunden, auf einer Harke eine Melodie zu spielen? –, Eisenwaren, zehn Shilling sechs!«

»Ich glaube, das war eine Pflugschar«, versuchte ich ihn friedlich zu stimmen. »Und zwar nicht für uns; Roger hat sie für Geordie Chisholm gekauft.« Pflugscharen waren in der Tat ziemlich teuer. Da sie aus England importiert werden mussten, besaßen nur wenige koloniale Kleinfarmer einen solchen Luxus, während sich viele bei der Bodenvorbereitung stattdessen nur mit Setzhölzern und Spaten, mit einer Axt und vielleicht einer eisernen Hacke behalfen.

Jamie blinzelte missmutig auf sein Zahlenwerk und fuhr sich mit einer Hand durch das Haar.

»Aye«, sagte er. »Nur, dass Geordie keinen einzigen Penny entbehren kann, bis nächstes Jahr die Ernte verkauft ist. Also bin ich es doch, der die zehn Shilling sechs jetzt bezahlt, oder?« Ohne eine Antwort abzuwarten, stürzte er sich wieder auf seine Berechnungen und knurrte »Fäkalien fressender Sohn einer fliegenden Schildkröte« vor sich hin, ohne näher zu erläutern, ob sich dies auf Roger, Geordie oder die Pflugschar bezog.

Ich hatte meine Wurzel vollständig zerrieben und ließ den Stummel in ein Glas auf dem Tisch fallen. Blutwurz trägt seinen Namen zu Recht; der botanische Name ist Sanguinaria, und der Saft ist rot, beißend und klebrig. Die Schüssel auf meinem Schoß war mit schleimigen, feuchten Raspeln gefüllt, und meine Hände sahen so aus, als hätte ich eine Reihe kleiner Tiere ausgewaidet.

»Ich habe sechs Flaschen Kirschlikör gemacht«, bot ich ihm an und griff nach der nächsten Wurzel. Als ob er das nicht wüsste; das ganze Haus hatte eine Woche lang nach Hustensaft gerochen. »Fergus kann sie nach Salem bringen und verkaufen.«

Jamie nickte geistesabwesend.

»Aye, davon will ich den Saatmais kaufen. Haben wir noch etwas, das er nach Salem mitnehmen kann? Kerzen? Honig?«

Ich warf ihm einen scharfen Blick zu, doch der traf nur die zerzausten Wirbel auf seinem Kopf, den er dienstbeflissen über seine Zahlen gesenkt hatte. Kerzen und Honig waren ein kritisches Thema.

»Ich glaube, zehn Gallonen Honig kann ich entbehren«, sagte ich vorsichtig. »Vielleicht zehn – na gut, zwölf Dutzend Kerzen.«

Er kratzte sich mit der Feder an der Nasenspitze und hinterließ dort einen Tintenfleck.

»Ich dachte, deine Bienenstöcke hätten ein gutes Jahr hinter sich«, sagte er stirnrunzelnd.

Das stimmte; ursprünglich hatte ich einen einzigen Bienenstock gehabt, dann jedoch angebaut, und jetzt war mein Garten von neun Bienenhäusern gesäumt. Ich hatte ihnen fast fünfzig Gallonen Honig und genug Bienenwachs für gute dreißig Dutzend Kerzen entnommen. Andererseits hatte ich damit schon etwas vor.

»Ich brauche einen Teil des Honigs für meine Ausrüstung«, sagte ich. »Er eignet sich gut für antibakterielle Verbände.«

Er zog abrupt eine Augenbraue hoch, hielt den Blick aber weiter auf die krakeligen Buchstaben gerichtet, die er zu Papier brachte.

»Ich könnte mir vorstellen, dass er Fliegen anlockt«, sagte er, »wenn nicht sogar Bären.« Er tat diesen Gedanken mit einer Bewegung seiner Feder ab. »Wie viel brauchst du denn? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Verwundeten so zahlreich in dein Sprechzimmer verirren, dass du vierzig Gallonen Honig brauchst – es sei denn, du kleisterst sie von Kopf bis Fuß damit ein.«

Trotz meines Argwohns lachte ich.

»Nein, zwei oder drei Gallonen sollten für Verbandszwecke reichen – sagen wir fünf, weil ich auch etwas brauche, um Elektrolyte herzustellen.«

Er sah zu mir auf und hatte beide Augenbrauen hochgezogen.

»Elektrisch?« Er sah die Kerze an, deren Flamme im Luftzug des Fensters flackerte, dann wieder mich. »Hat Brianna nicht gesagt, das hat etwas mit Licht zu tun? Oder mit Blitzen?«

»Nein, Elektrolyte«, betonte ich. »Zuckerwasser. Du weißt schon, wenn ein Mensch unter Schock steht oder zu krank ist, um zu essen, oder Durchfall hat – dann unterstützt eine elektrolytische Flüssigkeit den Körper, indem sie ihm die essentiellen Ionen wieder zuführt, die er durch den Blutverlust oder den Durchfall verloren hat – kleine Partikel aus Salz, Zucker und anderen Stoffen – und dadurch zieht das Blut wieder Wasser an, und der Blutdruck wird wiederhergestellt. Du hast doch schon gesehen, wie ich das mache.«

»Oh, so funktioniert das also?« Sein Gesicht erhellte sich interessiert, und er schien schon im Begriff zu sein, mich um eine Erklärung zu bitten. Dann fiel sein Blick auf den Stapel von Quittungen und Briefen, der nach wie vor auf seinem Schreibtisch harrte, und er seufzte und griff erneut zur Feder.

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