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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Ich habe ihre Mutter so geliebt«, sagte er und brachte die Worte in einem Schwall heraus, als gestünde er uns ein beschämendes Geheimnis. Er lief knallrot an und sah auf seine schmalen Hände hinunter, die er auf dem Schoß verschränkt hatte.

»Ich verstehe«, sagte ich. Ich wandte taktvoll den Blick ab und strich ein paar Blutwurzschnipsel vom Tisch. »Möchtet Ihr, dass ich mit ihr rede?«

»Oh, ich wäre Euch so dankbar, Ma’am!« Von Erleichterung beflügelt, wäre er beinahe aufgesprungen. Er schüttelte Jamie kräftig die Hand, verbeugte sich mehrfach vor mir und verließ schließlich unter Dankesgemurmel und Verbeugungen den Raum.

Die Tür schloss sich hinter ihm, und Jamie seufzte kopfschüttelnd.

»Der Himmel weiß, wie schwierig es ist, eine Tochter zu verheiraten, wenn sie weiß, was sie will«, sagte er finster, und es war klar, dass er dabei an Marsali und Brianna dachte. »Vielleicht ist es ja einfacher, wenn sie es nicht weiß.«

Die einsame Kerze knisterte und warf flackernde Schatten in das Zimmer. Ich stand auf und ging zum Regal hinüber, wo noch einige neue Kerzen lagen. Zu meiner Überraschung erhob sich Jamie und trat zu mir. Er langte über die Ansammlung halb heruntergebrannter und frischer Kerzen hinweg und zog das dicke Stundenlicht hervor, das dahinter im Schatten stand.

Er stellte es auf den Tisch und zündete es an einer der dünneren Kerzen an. Sein Docht war bereits geschwärzt; die Kerze war bereits benutzt worden, wenn sie auch nicht sehr weit heruntergebrannt war. Er sah mich an, und ich ging leise zur Tür, um sie zu schließen.

»Meinst du, es ist so weit?«, fragte ich leise und trat wieder an seine Seite.

Er schüttelte den Kopf, antwortete jedoch nicht. Er lehnte sich in seinem Sessel zurück. Die Hände auf dem Schoß gefaltet, sah er zu, wie die Flamme des Stundenlichtes den Docht erfasste und zu einem flackernden Licht heranwuchs. Jamie seufzte und streckte eine Hand aus, um mir sein Kontobuch zuzuschieben. Dort konnte ich den Stand der Dinge schwarz auf weiß sehen – trübe, was unsere Barschaft anging.

In der Kolonie wurden nur sehr wenige Geschäfte auf Bargeldbasis abgewickelt – westlich von Asheville so gut wie keine. Die Siedler in den Bergen handelten alle mit Tauschwaren, und was das anging, kamen wir ganz gut zurecht. Wir konnten Milch, Butter und Käse eintauschen; Kartoffeln und Korn, Schweinefleisch und Wild, frisches Gemüse und Trockenfrüchte, ein wenig Wein, den wir im letzten Herbst aus unseren Muscadettrauben gekeltert hatten. Wir hatten Heu und Holz – wie alle anderen auch –, meinen Honig und das Bienenwachs. Und vor allem hatten wir Jamies Whisky.

Doch diese Ressource hatte ihre Grenzen. Wir hatten fünfzehn Acres mit Gerste bepflanzt, die einmal – wenn es keine Hagelstürme, Waldbrände oder sonstigen, göttlichen Fügungen gab – fast hundert Fässer Whisky ergeben würde, und dieser würde, selbst vollkommen roh und ungereift, beim Verkauf oder im Tauschhandel eine ganze Menge einbringen. Doch die Gerste stand noch grün auf den Feldern, und der Whisky war nicht mehr als ein profitables Phantom.

Fürs Erste hatten wir den verfügbaren Alkohol samt und sonders verbraucht oder verkauft. Nun ja, vierzehn kleine Fässer hatten wir noch – in einer kleinen Höhle oberhalb der Whiskyquelle, doch wir konnten sie nicht benutzen. Nach jedem Destilliervorgang schaffte Jamie zwei Fässer beiseite, die er gewissenhaft altern ließ. Das älteste Fass dieses Vorrats war erst zwei Jahre alt; es würde noch zehn weitere Jahre dort verbleiben, um dann, so Gott wollte, das Tageslicht als flüssiges Gold wieder zu erblicken – und beinahe genauso viel wert zu sein wie die feste Variante.

Doch die unmittelbaren, finanziellen Forderungen würden keine zehn Jahre warten. Ganz abgesehen von einem möglichen Büchsenmacherladen für Manfred McGillivray und einer bescheidenen Mitgift für Lizzie, waren da noch die normalen Kosten für den Betrieb der Farm und den Unterhalt des Viehs sowie ein ehrgeiziger Plan, jedem Pächter eine Pflugschar zur Verfügung zu stellen, denn viele von ihnen bereiteten ihren Boden noch von Hand vor.

Und über unsere eigenen Kosten hinaus hatten wir noch eine weitere, außerordentlich belastende Verpflichtung. Laoghaire MacKenzie Fraser, mochte der Teufel sie holen.

Eigentlich war sie gar nicht Jamies Ex-Frau – aber irgendwie war sie es doch. In dem Glauben, ich sei für immer fort, wenn nicht sogar tot, hatte Jamie sie auf Drängen seiner Schwester Jenny geheiratet. Die Eheschließung hatte sich rasch als Fehler erwiesen, und nach meinem Wiederauftauchen war zur Erleichterung – mehr oder minder – aller Beteiligten ihre Annullierung angestrebt worden.

Großzügig ohne Wenn und Aber, hatte Jamie sich jedoch bereit erklärt, ihr eine jährliche Unterhaltszahlung zu leisten sowie jeder ihrer Töchter eine Mitgift zur Verfügung zu stellen. Marsalis Mitgift wurde nach und nach in Land und Whisky ausgezahlt, und was Joan anging, so waren uns keine Hochzeitspläne bekannt. Doch das Geld, das nötig war, um Laoghaire ihren wie auch immer gearteten Lebensstil in Schottland zu gewährleisten, wurde langsam fällig – und wir hatten es nicht.

Ich beobachtete Jamie, der vor sich hinbrütete und die Augen halb geschlossen hatte. Ich versuchte es erst gar nicht mit dem Vorschlag, es einfach darauf ankommen zu lassen, dass Laoghaire eine Gaberlunziemarke beantragte und in der Pfarre betteln ging. Ganz gleich, was er von der Frau hielt, er betrachtete sie als seine Verantwortung, und damit war der Fall erledigt.

Ich vermutete, dass eine Bezahlung der Schuld in gesalzenem Fisch und grober Seife ebenfalls nicht in Frage kam. Damit blieben uns drei Möglichkeiten: Wir konnten unseren Whiskyvorrat verkaufen, was langfristig jedoch ein herber Verlust sein würde. Wir konnten uns Geld von Jocasta leihen; möglich, aber äußerst unangenehm. Oder wir konnten etwas anderes verkaufen. Mehrere Pferde zum Beispiel. Eine größere Anzahl Schweine. Oder einen Edelstein.

Die Kerzenflamme brannte kräftig, und rings um den Docht war das Wachs geschmolzen. Wenn ich in den klaren See aus flüssigem Wachs blickte, konnte ich sie sehen: drei Edelsteine, dunkel vor dem blassen, graugoldenen Hintergrund der Kerze, ihre kräftigen Farben gedämpft, unter dem Wachs jedoch dennoch sichtbar. Ein Smaragd, ein Topas und ein schwarzer Diamant.

Jamie berührte sie nicht, doch er starrte sie konzentriert an und zog seine dichten, roten Augenbrauen zusammen.

Es würde nicht leicht sein, im kolonialen North Carolina einen Edelstein zu verkaufen; sehr wahrscheinlich bedurfte es einer Reise nach Charleston oder Richmond. Möglich war es jedoch, und es würde genug Geld einbringen, um Laoghaire ihr Blutgeld zu bezahlen und die gesammelten, restlichen Kosten zu begleichen. Doch die Edelsteine besaßen einen Wert, der ihren Geldwert weit überstieg – sie waren die Währung für die Reise durch die Steine; sie schützten das Leben des Reisenden.

Das Wenige, was wir über diese gefährliche Reise wussten, basierte zum Großteil auf den Dingen, die Geillis Duncan aufgeschrieben oder mir erzählt hatte; ihrer Überzeugung nach boten Juwelen dem Reisenden nicht nur Schutz vor dem Chaos in jenem grauenhaften Zwischenraum zwischen den Zeitschichten, sondern ermöglichten ihm auch ein gewisses Maß an Navigation – so dass er die Zeit wählen konnte, in der er landete.

Einem Impuls folgend, ging ich zurück zum Regal, stellte mich auf die Zehenspitzen und tastete nach dem lederumwickelten Bündel, das dort im Dunkel versteckt war. Es lag schwer in meiner Hand, und ich wickelte es vorsichtig aus und legte den ovalen Stein neben der Kerze auf den Tisch. Es war ein großer Opal mit einem feurigen Kern unter einer Hülle aus stumpfem Gestein, der durch die Gravur in seiner Oberfläche bloß gelegt wurde – eine Spirale; eine primitive Darstellung der Schlange, die sich in den Schwanz beißt.

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