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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Nun gut«, räumte er ein. »Behalte den Honig. Kann ich die Seife verkaufen?«

Ich nickte zufrieden. Nach vielen vorsichtigen Experimenten war es mir gelungen, eine Seife herzustellen, die nicht nach laugengetränktem, totem Schwein roch und dem Benutzer nicht die Oberhaut abzog. Doch anstelle von Talg benötigte ich dazu Sonnenblumenöl oder Olivenöl; beides war sehr teuer.

Ich hatte vor, meinen restlichen Honig bei den Cherokeefrauen gegen Sonnenblumenöl einzutauschen, das ich zur Herstellung von Shampoo und weiterer Seife benutzen wollte. Diese wiederum ließ sich überall zu exzellenten Preisen verkaufen – in Cross Creek, Wilmington, New Bern – sogar Charleston, falls wir uns je so weit vorwagen sollten. So dachte ich jedenfalls. Allerdings war ich mir nicht sicher, ob Jamie bereit sein würde, auf dieses Vorhaben zu bauen; es würde Monate dauern, bis es Früchte trug, während er mit dem Verkauf des Honigs unmittelbar Profit erzielen konnte. Doch wenn er einsah, dass die Seife mehr bringen würde als der rohe Honig, würde ich keine Schwierigkeiten haben, meinen Willen zu bekommen.

Bevor ich meine Pläne weiter erläutern konnte, hörten wir leise Schritte im Flur, und es klopfte sacht an der Tür.

»Herein«, sagte Jamie und richtete sich auf. Mr. Wemyss steckte den Kopf ins Zimmer, zögerte jedoch und machte angesichts der blutigen Flecken an meinen Händen ein leicht alarmiertes Gesicht. Jamie winkte ihn mit seiner Feder kameradschaftlich herein.

»Aye, Joseph?«

»Wenn ich ein Wort mit Euch sprechen dürfte, Sir?« Mr. Wemyss war ganz alltäglich mit Hemd und Hose bekleidet, hatte jedoch sein feines, helles Haar mit Wasser geglättet, was darauf hindeutete, dass es einen formellen Anlass für seine Bitte gab.

Ich schob meinen Sessel zurück und streckte die Hände aus, um meine Sachen an mich zu nehmen, doch Mr. Wemyss gebot mir mit einer kurzen Geste Einhalt.

»Oh, nein, Ma’am. Wenn es Euch nichts ausmacht, wäre es mir sehr lieb, wenn Ihr auch bleiben könntet. Es geht um Lizzie, und die Meinung einer Frau würde mir in dieser Angelegenheit viel bedeuten.«

»Natürlich.« Ich lehnte mich zurück und zog neugierig die Augenbrauen hoch.

»Lizzie? Dann habt Ihr also einen Ehemann für unsere Kleine gefunden, Joseph?« Jamie stellte seine Feder in das Glas auf seinem Schreibtisch, beugte sich interessiert vor und wies auf einen leeren Hocker.

Mr. Wemyss nickte. Im Schein der Kerze stachen die Knochen seines hageren Gesichtes hervor. Er akzeptierte die ihm angebotene Sitzgelegenheit mit einer gewissen Würde, die so gar nicht zu seiner sonstigen, leicht verwirrten Ausstrahlung passen wollte.

»Ich glaube schon, Mr. Fraser. Robin McGillivray hat mich heute Morgen besucht, um mir vorzuschlagen, dass sich meine Elizabeth mit seinem Jungen, Manfred, verlobt.«

Meine Augenbrauen hoben sich noch mehr. Soweit mir bekannt war, hatten sich Manfred und Lizzie bislang weniger als ein Dutzend Mal gesehen, und er hatte nicht mehr als die allerkürzesten Höflichkeiten mit ihr ausgetauscht. Es war nicht unmöglich, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte; Lizzie war zu einem zarten, hübschen Mädchen herangewachsen, und wenn sie auch immer noch sehr schüchtern war, besaß sie doch angenehme Umgangsformen. Doch dies schien mir kaum die rechte Basis für einen Heiratsantrag zu sein.

Als Mr. Wemyss uns die Sache jetzt erläuterte, wurde sie mir etwas klarer. Jamie hatte Lizzie eine Mitgift versprochen, die aus einem Stück besten Landes bestand, und als frei gekaufter Zwangsarbeiter hatte auch Mr. Wemyss Anspruch auf fünfzig Acres – die Lizzie erben würde. Das Land der Wemyss’ grenzte an das der McGillivrays an, und beides zusammen würde eine ausgesprochen respektable Farm ergeben. Da ihre drei Töchter jetzt verheiratet oder angemessen verlobt waren, war Manfreds Verheiratung der nächste Punkt in Ute McGillivrays Generalplan. Nach eingehender Betrachtung aller heiratsfähigen Mädchen im Umkreis von zwanzig Meilen war ihre Wahl auf Lizzie gefallen, die die beste Partie zu sein schien, und sie hatte Robin losgeschickt, um die Verhandlungen zu eröffnen.

»Nun ja, die McGillivrays sind eine anständige Familie«, sagte Jamie umsichtig. Er tauchte einen Finger in meine Schüssel mit den Blutwurzraspeln und tupfte ihn nachdenklich auf sein Löschpapier, wo er eine Reihe roter Fingerabdrücke hinterließ. »Sie haben nicht viel Land, aber nach allem, was ich höre, kommt Robin gut zurecht, und Manfred ist ein fleißiger Arbeiter.« Robin war Büchsenmacher und hatte ein kleines Geschäft in Cross Creek. Manfred war bei einem anderen Büchsenmacher in Hillsborough in die Lehre gegangen und war jetzt Geselle.

»Würde er mit ihr nach Hillsborough ziehen?«, fragte ich. Das würde schwer auf Joseph Wemyss lasten. Er hätte zwar alles getan, um seiner Tochter eine gute Zukunft zu sichern, doch er liebte Lizzie von ganzem Herzen, und ich wusste, dass ihr Verlust ihn tief treffen würde.

Er schüttelte den Kopf. Sein Haar war jetzt getrocknet und begann sich wieder in den üblichen, hellen Strähnen aufzurichten.

»Robin sagt nein. Er sagt, der Junge hat vor, sich in Woolam’s Creek ansässig zu machen, vorausgesetzt, er kann dort ein kleines Geschäft eröffnen. Sie würden auf der Farm leben.« Er bedachte Jamie mit einem Seitenblick, dann wandte er sich ab, und das Blut stieg ihm in sein blasses Gesicht.

Jamie senkte den Kopf, und ich sah, wie sich sein Mundwinkel verzog. Das war also der Punkt, an dem er ins Spiel kam. Woolam’s Creek war eine kleine, aber wachsende Siedlung am Fuß unseres Berges. Zwar befanden sich die dortige Mühle und das Land am anderen Bachufer im Besitz der Woolams, einer ortsansässigen Quäkerfamilie, doch das gesamte Land auf der uns zugewandten Seite gehörte Jamie.

Er hatte bereits Ronnie Sinclair, Theo Frye und Bob O’Neill jeweils mit Land, Werkzeugen und Arbeitsmaterial zur Errichtung einer Küferwerkstatt, einer – noch im Bau befindlichen – Schmiede und eines kleinen Gemischtwarenladens ausgeholfen; zu Bedingungen, die uns zwar einen Anteil an ihren zukünftigen Gewinnen garantierten, jedoch keine unmittelbaren Einkünfte.

Jamie und ich mochten zwar Pläne für die Zukunft haben, doch galt dies für Ute McGillivray nicht minder. Sie wusste natürlich, dass Lizzie und ihr Vater Jamies besondere Wertschätzung genossen und dass er sich mit großer Wahrscheinlichkeit dazu hinreißen lassen würde, für sie zu tun, was er konnte; würde Jamie Manfred als Teil der Übereinkunft eine Werkstatt in Woolam’s Creek zur Verfügung stellen?

Jamie sah mich aus dem Augenwinkel an, und ich zog kaum merklich eine Schulter hoch. Ich fragte mich, ob Lizzies Zerbrechlichkeit wohl eine Rolle in Ute McGillivrays Berechnungen spielte. Es gab genug Mädchen, die kräftiger als Lizzie waren und damit bessere Voraussetzungen für die Mutterschaft mitbrachten. Doch falls Lizzie im Kindbett starb, würden die McGillivrays um ihre Mitgift und das Grundstück in Woolam’s Creek reicher sein – und neue Ehefrauen waren nicht so schwer zu finden.

»Ich denke, dass sich da etwas einrichten lässt«, sagte Jamie vorsichtig. Ich sah, wie sein Blick erst zu dem geöffneten Kontobuch mit seinen deprimierenden Zahlensäulen wanderte und sich dann spekulierend auf mich richtete. Land war kein Problem; Werkzeuge und Materialien würden eines sein, da wir kein Geld und herzlich wenig Kredit hatten. Ich presste die Lippen aufeinander und erwiderte seinen Blick; nein, meinen Honig bekam er nicht!

Er seufzte, lehnte sich zurück und klopfte sacht mit seinen rot gefärbten Fingern auf den Tintenlöscher.

»Das bekommen wir schon hin«, sagte er. »Was sagt die Kleine denn dazu? Will sie Manfred haben?«

Mr. Wemyss setzte eine etwas skeptische Miene auf.

»Sie sagt, ja. Er ist ein ganz lieber Junge, obwohl seine Mutter … eine großartige Frau«, fügte er hastig hinzu. »Wirklich großartig. Wenn auch ein bisschen … ähm. Aber …« Er wandte sich an mich, und Falten durchzogen seine schmale Stirn. »Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher, ob Elizabeth weiß, was sie will, Ma’am. Sie weiß, dass es eine gute Partie wäre und dass sie in meiner Nähe bleiben könnte …« Bei diesem Gedanken wurde sein Ausdruck sanfter, dann verhärtete er sich wieder. »Aber ich möchte nicht, dass sie diese Partie nur eingeht, weil sie denkt, dass es mir lieb wäre.« Er richtete seinen schüchternen Blick auf Jamie, dann auf mich.

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