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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Der Opal gehörte einem anderen Reisenden – dem mysteriösen Indianer namens Otterzahn. Einem Indianer, dessen Schädel Zähne mit Silberplomben enthalten hatte; einem Indianer, der des Englischen mächtig gewesen zu sein schien. Er hatte diesen Stein seine »Rückfahrkarte« genannt – daher sah es so aus, als ob Geilies Duncan nicht die Einzige war, die glaubte, dass Edelsteine eine gewisse Macht besaßen, dort, an jenem furchtbaren Ort … dazwischen.

»Fünf, hat die Hexe gesagt«, sagte Jamie nachdenklich. »Sie hat doch gesagt, man braucht fünf Steine, oder?«

»Das hat sie geglaubt, ja.« Es war ein warmer Abend, doch der Haarflaum auf meinem Kinn prickelte, als ich an Geilies Duncan dachte, an die Steine – und an den Indianer, dem ich im Dunklen auf einem Berghang begegnet war und dessen Gesicht schwarz bemalt war, weil er dem Tod geweiht war. Kurz darauf hatte ich den Opal gefunden und den Schädel, der mit ihm zusammen vergraben war. War der Schädel mit den Silberfüllungen, den wir begraben hatten, der seine gewesen?

»War es wichtig, dass die Steine poliert oder geschliffen sind?«

»Ich weiß es nicht. Ich glaube, sie hat gesagt, geschliffene Steine sind besser – aber ich weiß nicht, was sie darauf gebracht hat oder ob sie Recht hatte.« Das war immer der Haken; wir wussten so wenig mit Gewissheit.

Er machte ein leises Hmf-Geräusch und rieb sich langsam mit dem Fingerknöchel über den Nasenrücken.

»Nun, wir haben diese drei und den Rubin meines Vaters. Sie sind geschliffen und poliert, und es sind vier. Dann diesen kleinen Klunker da –«, er warf einen Blick auf den Opal, »und den Stein in deinem Amulett, beides rohe Steine.« Wichtig hierbei war, dass die geschliffenen oder polierten Steine sehr viel mehr Bargeld einbringen würden als der grobe Opal oder der Rohsaphir in meinem Medizinbeutel. Und doch – konnten wir das Risiko eingehen, einen Stein zu verlieren, der eines Tages für Brianna oder Roger über Leben und Tod entscheiden konnte?

»Dazu wird es kaum kommen«, antwortete ich, nicht auf seine Worte, sondern auf seinen Gedanken. »Brianna wird mit Sicherheit bleiben, bis Jemmy groß ist; vielleicht für immer.« Denn wie konnte man schließlich ein Kind im Stich lassen, mögliche Enkel? Und doch: Ich hatte es getan. Ich rieb geistesabwesend mit einem Finger über das glatte Metall meines Goldrings.

»Aye. Aber was ist mit dem Jungen?« Er sah mit hochgezogener Augenbraue zu mir auf. Der Kerzenschein spiegelte sich klar in seinen Augen, die blau waren wie geschliffene, polierte Saphire.

»Das würde er nicht tun«, sagte ich. »Er würde Brianna und Jemmy nicht verlassen.« Ich sprach mit fester Stimme, aber tief im Herzen spürte ich eine Spur des Zweifels, und sie spiegelte sich in meiner Stimme wider.

»Noch nicht«, sagte Jamie leise.

Ich holte tief Luft, antwortete aber nicht. Ich wusste sehr gut, was er meinte. In sein Schweigen gehüllt, schien sich Roger täglich mehr zurückzuziehen.

Seine Finger waren verheilt; ich hatte Brianna gegenüber die Hoffnung geäußert, dass er Trost in seinem Bodhran finden würde. Sie hatte zweifelnd genickt. Ich wusste nicht, ob sie es ihm gegenüber erwähnt hatte oder nicht – doch das Bodhran hing an der Wand ihrer Blockhütte, stumm wie sein Besitzer.

Er lächelte nach wie vor; er spielte mit Jemmy und ließ Brianna jede denkbare Aufmerksamkeit angedeihen – doch der Schatten wich nie aus seinem Blick, und wenn man ihn nicht brauchte, verschwand er stundenlang, manchmal den ganzen Tag, um in den Bergen umherzuwandern und erst nach Anbruch der Dunkelheit zurückzukehren, erschöpft, schmutzig – und stumm.

»Er hat nicht mehr mit ihr geschlafen, oder? Seit es passiert ist?«

Ich seufzte und strich mir eine Haarsträhne aus der Stirn.

»Ein paar Mal. Ich habe sie gefragt. In letzter Zeit aber nicht mehr, glaube ich.«

Brianna tat ihr Bestes, um ihn dicht bei sich zu halten, ihn den Tiefen seiner zunehmenden Depression zu entreißen – doch mir war ebenso wie Jamie bewusst, dass sie im Begriff war, ihren Kampf zu verlieren, und dass sie es wusste. Auch sie wurde immer stiller und hatte Schatten unter den Augen.

»Wenn er … zurückginge … könnte es Heilung für seine Stimme geben? Dort, in eurer eigenen Zeit?« Bei diesen Worten fuhr Jamie mit dem Finger über den Opal, und sein Blick folgte der Spirale, während seine Finger sie nachzeichneten.

Ich seufzte erneut und setzte mich.

»Ich weiß es nicht. Es gäbe Hilfe – vielleicht operativ, mit Sicherheit durch Sprachtherapie. Ich kann nicht sagen, wie hilfreich das wäre; niemand kann das. Allerdings … ist es möglich, dass er seine Stimme weitgehend allein zurückerlangt, wenn er nur daran arbeitet. Aber das wird er nicht tun. Und natürlich«, musste ich ehrlich zugeben, »ist es möglich, dass er sie nicht zurückerlangt, ganz gleich, wie hart er arbeitet.«

Jamie nickte schweigend. Egal, ob die Möglichkeit medizinischer Hilfe bestand oder nicht, das eine stand fest: Wenn die Ehe zwischen Roger und Brianna zerbrach, gab es nichts mehr, was ihn hier hielt. Ob er sich dann entschließen würde zurückzugehen …

Jamie setzte sich in seinem Sessel auf und pustete die Kerze aus.

»Noch nicht«, sagte er mit fester Stimme in der Dunkelheit. »Uns bleiben noch ein paar Wochen, bis ich Geld nach Schottland schicken muss; wir werden sehen, was sich sonst noch ergibt. Fürs Erste behalten wir die Steine.«

Letzte Nacht habe ich geträumt, ich würde Brot backen. Oder zumindest habe ich versucht, Brot zu backen. Ich habe den Teig gemischt und plötzlich gemerkt, dass ich kein Mehl hatte. Dann habe ich das Brot in Formen gefüllt und es in den Ofen gestellt und plötzlich gemerkt, dass es nicht aufgegangen war. Ich habe es wieder herausgeholt. Ich habe es geknetet und geknetet, und dann habe ich es in einer Schüssel unter einem Tuch herumgetragen und nach einem warmen Ort gesucht, an den ich es stellen konnte, weil man es warm stellen muss, denn sonst stirbt die Hefe, und ich bin ganz hektisch geworden, weil ich keine warme Stelle finden konnte; es wehte ein kalter Wind, und die Schüssel war schwer und rutschig, und ich dachte schon, ich würde sie fallen lassen; meine Hände und Füße waren kalt und wurden langsam taub.

Dann bin ich aufgewacht, und mir war tatsächlich kalt. Roger hatte mir sämtliche Decken weggezogen und sie um sich gewickelt, und unter der Tür kam ein fürchterlicher Zug herein. Ich habe ihn angestoßen und an den Decken gezerrt, aber ich bekam sie nicht lose, und ich wollte keinen großen Lärm machen, weil ich Jemmy nicht wecken wollte. Schließlich bin ich aufgestanden, habe mir meinen Umhang vom Kleiderhaken geholt und darunter geschlafen.

Heute Morgen ist Roger vor mir aufgestanden und gegangen; ich glaube nicht, dass ihm aufgefallen ist, dass er mich in der Kälte liegen gelassen hat.

Kapitel 77

Ein Päckchen aus London

Das Päckchen traf im August ein. Der freundliche Postbote war Jeffrey Wainwright, einer der wenigen fahrenden Händler, deren Unternehmergeist ausreichte, um die gewundenen Steilpfade nach Fraser’s Ridge zu erklimmen. Feuerrot im Gesicht und keuchend von seiner Klettertour und dem Abladen seines Packesels, reichte mir Mr. Wainwright das Päckchen mit einem Kopfnicken und stolperte auf meine Einladung hin dankbar in Richtung Küche davon. Seinen Esel ließ er auf dem Hof grasen.

Es war ein kleines Päckchen, ein Kästchen, das sorgsam in Ölhaut eingenäht und obendrein mit Zwirn verschnürt war. Es war schwer. Ich schüttelte es, doch das einzige Geräusch war ein gedämpftes Klopfen, so als sei der Inhalt mit einem dämmenden Material verpackt. Auf dem Etikett stand schlicht: »An Mr. James Fraser, Esq., Fraser’s Ridge, Carolina.«

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