Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ganz schön zielsicher, nicht wahr?«, merkte Brianna an, während sie ein Schweißrinnsal zwischen ihren Brüsten betupfte.
»Nun, mit Zielsicherheit kommt man ziemlich weit«, murmelte Claire geistesabwesend und runzelte leicht die Stirn, während sie eine Lösung umrührte, die sich über einer Alkohollampe erwärmte. »Findest du, das sieht fertig aus?«
»Das weißt du doch besser als ich.« Dennoch beugte sie sich gehorsam darüber und roch daran. »Ich glaube schon; es riecht ziemlich kräftig.«
Claire tauchte rasch ihren Finger in die Schale und probierte die Flüssigkeit.
»Mm, ja, ich glaube schon.« Sie nahm die Schale von der Flamme und goss die dunkle, grünliche Flüssigkeit durch einen Gazefilter in eine Flasche. Auf der Arbeitsplatte standen schon mehrere andere Glasflaschen aufgereiht, und das Sonnenlicht, das ihren Inhalt durchleuchtete, verlieh ihnen das Aussehen roter, grüner und gelber Juwelen.
»Hast du immer schon gewusst, dass es dir bestimmt war, Ärztin zu werden?«, fragte Brianna neugierig. Ihre Mutter schüttelte den Kopf und zerhackte mit einem scharfen Messer gekonnt eine Hand voll Hartriegelrinde.
»Als ich klein war, wäre ich nie auf die Idee gekommen. An so etwas hat man damals als Mädchen natürlich kaum gedacht. Als ich groß wurde, bin ich davon ausgegangen, dass ich heiraten, Kinder bekommen und einen Haushalt führen würde … Findest du, dass Lizzie gut aussieht? Ich hatte gestern Abend das Gefühl, dass sie ein bisschen gelblich aussah, aber das kann auch nur am Kerzenlicht gelegen haben.«
»Ich glaube nicht, dass sie etwas hat. Meinst du, sie ist wirklich in Manfred verliebt?« Sie hatten gestern Abend Lizzies Verlobung mit Manfred McGillivray gefeiert, und die ganze McGillivray-Sippe war zu einem üppigen Abendessen angereist. Mrs. Bug, die Lizzie sehr ins Herz geschlossen hatte, hatte ihr Bestes gegeben; kein Wunder, dass sie heute schlief.
»Nein«, sagte Claire unverblümt. »Aber solange sie sich nicht in einen anderen verliebt, ist wohl nichts dabei. Er ist ein lieber Junge und sieht gut aus. Und Lizzie mag seine Mutter, was unter den Umständen auch nicht unwichtig ist.« Sie lächelte bei dem Gedanken an Ute McGillivray, die Lizzie auf der Stelle unter ihre ausladenden, mütterlichen Flügel genommen hatte, ihr die köstlichsten Bissen herausgepickt hatte und sie ihr unverdrossen in den Hals gestopft hatte wie ein Rotkehlchen, das ein schwächliches Küken fütterte.
»Ich habe das Gefühl, dass sie Ute McGillivray lieber hat als Manfred. Sie war noch ziemlich klein, als ihre Mutter gestorben ist; es ist schön für sie, sozusagen wieder eine zu haben.« Brianna musterte ihre Mutter aus dem Augenwinkel heraus. Sie konnte sich nur zu gut daran erinnern, wie es war, keine Mutter mehr zu haben – und an die schiere Glückseligkeit, wieder bemuttert zu werden. Sie warf automatisch einen Blick auf Jemmy, der in eine lebhafte, wenn auch größtenteils unverständliche Unterhaltung mit Adso, dem Kater, vertieft war.
Claire nickte und rieb die gehackte Rinde zwischen ihren Händen in ein kleines, rundes Glas mit Alkohol.
»Ja. Aber ich bin trotzdem froh, dass sie noch etwas warten – Lizzie und Manfred, meine ich – und sich erst aneinander gewöhnen.« Man war übereingekommen, dass die Hochzeit im nächsten Sommer stattfinden würde, wenn Manfred sein Geschäft in Woolam’s Creek fertig eingerichtet hatte. »Ich hoffe, das wirkt.«
»Was?«
»Die Hartriegelrinde.« Claire verkorkte das Gefäß und stellte es in den Schrank. »In Dr. Rawlings’ Notizbuch steht, dass man sie als Ersatz für Chinarinde benutzen kann – Chinin, du weißt schon. Und sie ist eindeutig leichter zu beschaffen, ganz zu schweigen davon, dass sie billiger ist.«
»Toll – ich hoffe sehr, dass sie wirkt.« Lizzies Malaria hatte sich seit mehreren Monaten nicht mehr gemeldet – doch die Gefahr eines Rückfalls bestand immer, und Chinarinde war furchtbar teuer.
Ihr vorheriges Gesprächthema ging Brianna nicht aus dem Sinn, und sie nahm es wieder auf, während sie jetzt ihren Mörser mit einer frischen Hand voll Salbeiblätter füllte, deren Poren sie sorgfältig öffnete, bevor sie sie ziehen ließ.
»Du hast gesagt, als du klein warst, hattest du nicht vor, Ärztin zu werden. Aber später scheinst du es doch sehr zielstrebig angegangen zu sein.« Sie konnte sich bruchstückhaft, aber lebhaft an Claires medizinische Ausbildung erinnern; sie konnte immer noch die Krankenhausgerüche riechen, die sich in den Kleidern und Haaren ihrer Mutter verfangen hatten, und die sanfte, kühle Berührung der grünen Kittel spüren, die ihre Mutter manchmal trug, wenn sie spät von der Arbeit heim kam und ihr einen Gutenachtkuss gab.
Claire antwortete nicht sofort, sondern konzentrierte sich auf die getrockneten Maisfäden, die sie reinigte, indem sie verrottete Stellen herausriss und sie aus dem offenen Fenster warf.
»Nun«, sagte sie schließlich, ohne die Augen von ihrer Arbeit abzuwenden. »Menschen – und das gilt ganz und gar nicht nur für Frauen – Menschen, die wissen, wer sie sind und wozu sie da sind … sie finden einen Weg. Dein Vater – Frank, meine ich –« Sie hob die gereinigten Seidenfäden auf und legte sie in einen kleinen, geflochtenen Korb. Dabei verstreute sie winzige Fragmente auf der ganzen Arbeitsfläche. »Er war ein sehr guter Historiker. Er hatte Spaß an dem Thema, und er besaß die Gaben der Disziplin und der Konzentration, die ihm zum Erfolg verholfen haben, aber es war keine echte – keine Berufung für ihn. Er hat es mir selbst gesagt – er hätte genauso gut einen anderen Beruf ausüben können, und es hätte ihm nicht viel ausgemacht. Doch manchen Menschen bedeutet eine Sache alles. Und wenn das so ist … nun, die Medizin hat mir viel bedeutet. Anfangs wusste ich das nicht, aber dann ist mir klar geworden, dass es einfach meine Bestimmung war. Und als ich das einmal wusste …« Sie zuckte mit den Achseln, schüttelte ihre Hände aus und bedeckte den Korb mit einem Stück Leinen, das sie mit Zwirn festband.
»Ja, aber … man kann nicht immer das tun, wozu man bestimmt ist, oder?«, sagte sie und dachte an die schartige Narbe an Rogers Hals.
»Nun ja, manchmal zwingt einem das Leben natürlich gewisse Dinge auf«, murmelte ihre Mutter. Sie blickte auf und sah Brianna in die Augen, und ihr Mund verzog sich zu einem kleinen, ironischen Lächeln. »Und was den Durchschnittsmenschen angeht – er führt so oft einfach das Leben, das er vorfindet. Marsali zum Beispiel. Ich glaube nicht, dass es ihr je in den Sinn gekommen ist, etwas anderes zu tun als das, was sie tut. Ihre Mutter hat einen Haushalt geführt und Kinder aufgezogen; sie sieht keinen Grund, es anders zu machen. Und doch –« Claire zuckte mit einer Schulter und streckte die Hand nach dem anderen Mörser aus. »Sie hatte eine große Leidenschaft – für Fergus. Und das hat ausgereicht, um sie aus dem Sumpf zu reißen, der ihr Leben gewesen wäre –«
»Und in ein anderes hinein, das genauso ist?«
Claire senkte den Kopf zu einem halben Nicken, ohne aufzublicken.
»Das genauso ist – nur, dass sie in Amerika ist, nicht in Schottland. Und dass sie Fergus hat.«
»So wie du Jamie hast?« Brianna benutzte seinen Vornamen nur selten, und Claire blickte überrascht auf.
»Ja«, sagte sie. »Jamie ist ein Teil von mir. Genau wie du.« Sie berührte Briannas Gesicht, rasch und sacht, dann wandte sie sich halb zur Seite, um der Kräutersammlung, die über dem Kamin an einem Balken hing, ein Bündel Majoran zu entnehmen. »Aber keiner von euch macht mich ganz aus«, sagte sie leise mit dem Rücken zu Brianna. »Ich bin … was ich bin. Ärztin, Krankenschwester, Heilerin, Hexe – ganz gleich, wie die Leute es nennen, die Bezeichnung spielt keine Rolle. Ich bin dazu geboren; ich werde es sein, bis ich sterbe. Wenn ich dich verlöre – oder Jamie – wäre ich kein vollständiger Mensch mehr, aber das bliebe mir immer noch. Eine kurze Zeit lang«, fuhr sie so leise fort, dass Brianna sich anstrengen musste, um sie zu hören, »nachdem ich … zurückgegangen war … bevor du gekommen bist … war es alles, was ich hatte. Nur dieses Wissen.«