Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Русская классическая проза » Aufzeichnungen aus einem toten Hause

Электронная книга - «Aufzeichnungen aus einem toten Hause». Краткое содержание книги:

Aufzeichnungen aus einem toten Hause
1 ... 25 26 27 28 29 30 31 32 33 ... 96
Перейти на страницу:

»Ist das ein ekelhafter Kerl,« brummte der neben mir gehende Kleinrusse, indem er ihn mit gehässiger Verachtung von der Seite ansah.

»Ein unnützer Mensch!« bemerkte ein anderer in entschiedenem und ernstem Tone.

Ich konnte unmöglich begreifen, warum man Skutarow so sehr zürnte und warum alle lustigen Leute, wie ich es schon in den ersten Tagen bemerkte, eine gewisse Verachtung genossen. Ich glaubte, daß der Zorn des Kleinrussen und der andern auf persönlichen Gründen beruhe. Es waren aber keine persönlichen Gründe, sondern sie waren böse, weil Skuratow keine Haltung hatte, weil er keine geheuchelte Würde zeigte, mit der das ganze Zuchthaus bis zur Pedanterie angesteckt war, kurz, weil er, wie sie sich ausdrückten, ein »unnützer« Mensch war. Aber nicht alle Lustigen wurden so böse behandelt wie Skutarow und seinesgleichen. Es kam ganz darauf an, ob man sich diese Behandlung gefallen ließ. Ein gutmütiger Mensch wurde, selbst wenn er keine Späße trieb, verachtet. Das setzte mich sogar in Erstaunen. Es gab aber unter den Lustigen auch solche, die es verstanden, sich zu wehren, und die sich nichts gefallen ließen: solche mußte man achten. Auch in dieser Gruppe befand sich so ein scharfer Kerl, der im Grunde genommen ein sehr lieber und lustiger Mensch war, den ich aber von dieser Seite erst später kennenlernte, ein langer, stattlicher Bursche mit einer großen Warze auf der Wange und einem höchst komischen Ausdruck in seinem übrigens recht hübschen und intelligenten Gesicht. Man nannte ihn »Pionier«, weil er früher einmal bei den Pionieren gedient hatte; jetzt befand er sich in der Besonderen Abteilung. Über ihn werde ich noch viel zu erzählen haben.

Übrigens waren auch nicht alle »Ernsthafte« so temperamentvoll wie der Kleinrusse, der sich über die Heiterkeit entrüstete. Im Zuchthause befanden sich einige Leute, die immer danach strebten, die Ersten zu sein, und Anspruch auf Wissen jeder Art, auf Findigkeit, Charakterfestigkeit und Verstand erhoben. Viele von ihnen waren wirklich kluge Menschen mit starkem Charakter, und sie erreichten wirklich das, wonach sie strebten, d. h. eine gewisse Machtstellung und einen erheblichen moralischen Einfluß auf ihre Genossen. Unter sich waren diese Klugen oft arg verfeindet, und ein jeder von ihnen hatte viele Hasser. Auf die übrigen Arrestanten sahen sie mit großer Würde und sogar einer gewissen Nachsicht herab; sie begannen keinen unnützen Streit, waren bei den Vorgesetzten gut angeschrieben und traten bei der Arbeit als eigenmächtige Aufseher auf; keiner von ihnen hatte sich z. B. über das Singen geärgert; zu solcher Kleinlichkeit erniedrigten sie sich niemals. Gegen mich waren sie alle während meines ganzen Zuchthauslebens ungewöhnlich höflich, aber wenig gesprächig, wohl auch aus Würde. Auch von ihnen werde ich noch ausführlicher sprechen müssen.

Wir kamen ans Ufer. Unten auf dem Flusse lag die im Wasser eingefrorene alte Barke, die man abbrechen mußte. Jenseits des Flusses blaute die Steppe; der Anblick war düster und öde. Ich erwartete, daß alle sich auf die Arbeit stürzen würden; aber sie dachten gar nicht daran. Die einen setzten sich auf die am Ufer herumliegenden Balken; fast alle zogen aus ihren Stiefeln Beutel mit sibirischem Blättertabak, der auf dem Markte zu drei Kopeken das Pfund zu haben war, und kurze Pfeifenrohre aus Weidenholz mit selbstgemachten kleinen hölzernen Köpfen. Die Pfeifen wurden angezündet; die Begleitsoldaten bildeten eine Kette um uns herum und begannen uns mit höchst gelangweilten Mienen zu bewachen.

»Wem ist es bloß eingefallen, diese Barke abbrechen zu lassen?« sagte einer wie vor sich hin, ohne sich an jemand Bestimmten zu wenden. »Sie brauchen wohl Späne.«

»Das ist einem solchen Menschen eingefallen, der uns nicht fürchtet,« bemerkte ein anderer.

»Wo geht bloß das Bauernpack hin?« fragte nach einer Pause der erste, der die Antwort auf seine Frage natürlich überhört hatte, auf einen Trupp Bauern hinweisend, die im Gänsemarsch über den noch unbetretenen Schnee zogen. Alle wandten sich träge nach den Bauern um und begannen aus Langerweile über sie zu spotten. Einer von den Bauern, der hinterste, ging ungewöhnlich komisch, die Arme gespreizt und den mit einer hohen kegelförmigen Bauernmütze bekleideten Kopf zur Seite geneigt. Seine ganze Figur hob sich scharf von dem weißen Schnee ab.

»Wie du dich bloß eingemummt hast, Bruder Petrowitsch!« bemerkte einer der Arrestanten, die Bauernsprache nachäffend. Es ist auffallend, daß die Arrestanten die Bauern überhaupt von oben herab ansahen, obwohl sie selbst zur Hälfte aus dem Bauernstande stammten.

»Der hinterste geht so, wie wenn er Rettiche pflanzte.«

»Der hat viele Gedanken im Kopfe, und viel Geld in der Tasche,« bemerkte ein dritter.

Alle lachten, aber träge und ohne besondere Lust. Indessen ging auf uns eine Semmelverkäuferin zu, ein keckes und lustiges junges Weib.

Man kaufte bei ihr für die uns geschenkten fünf Kopeken Semmeln und teilte sie sofort zu gleichen Teilen.

Der junge Bursch, der im Zuchthause mit Semmeln handelte, nahm ihr zwanzig Stück ab und begann mit ihr energisch zu streiten, um drei Semmeln statt der sonst üblichen zwei als Provision zu bekommen. Aber die Verkäuferin wollte darauf nicht eingehen.

»Nun, und das andere gibst du mir auch nicht her?«

»Was denn noch?«

»Was die Mäuse nicht fressen!«

»Daß dich die Pest!« kreischte die Frau auf und begann zu lachen.

Endlich erschien mit einem Stöckchen in der Hand der Unteroffizier, der die Arbeiten zu beaufsichtigen hatte.

»He, ihr! Was sitzt ihr da herum? Anfangen!«

»Ach, Iwan Matwejitsch, geben Sie uns doch ein Pensum auf,« sagte einer von denen, die sich die erste Rolle anmaßten, sich langsam von seinem Platze erhebend.

»Warum habt ihr es nicht vorher, beim Abmarsch verlangt? Ihr sollt eben die Barke abbrechen, das ist euer Pensum.«

Endlich erhob man sich träge von den Balken und schleppte sich langsam zum Fluß. In der Menge traten sofort einige »Führer« auf, die wenigstens zu kommandieren versuchten. Es zeigte sich, daß man die Barke nicht so aufs Geratewohl zerhauen durfte, sondern nach Möglichkeit die Balken ganz erhalten mußte, besonders die Querbalken, die ihrer ganzen Länge nach mit Holzstiften an dem Boden der Barke befestigt waren, – es war eine langwierige und langweilige Arbeit.

»Zuerst müßte man diese Balken da abbrechen. Fangt mal an, Brüder!« sagte ein Arrestant, der weder zu den »Führern« noch zu den Vorgesetzten gehörte, sondern ein ganz gewöhnlicher, wortkarger und stiller Arbeiter war, der bisher geschwiegen hatte. Er bückte sich, umfaßte mit beiden Armen einen dicken Balken und wartete auf Helfer. Aber niemand wollte ihm helfen.

»Ja, so leicht wirst du ihn nicht abbrechen! Weder du kannst ihn abbrechen, noch dein Großvater, der Bär, wenn er herkommt!« brummte einer zwischen den Zähnen.

»Wie sollen wir also anfangen, Brüder? Ich weiß es wirklich nicht...« versetzte der Vorlaute verlegen, indem er den Balken in Ruhe ließ und sich erhob.

»Die ganze Arbeit kriegst du doch nicht fertig... Was drängst du dich vor?«

»Wenn er drei Hühnern Futter geben soll, verrechnet er sich, aber hier will er der Erste sein! So ein Schafskopf!«

»Ich habe es ja nur so gemeint, Brüder,« rechtfertigte sich jener verlegen, »Hab es nur so gesagt...«

»Soll ich euch etwa in Futterale stecken? Oder für den Winter einsalzen?« schrie wieder der Aufseher, ratlos den Trupp von zwanzig Mann anblickend, die nicht wußten, wie mit der Arbeit zu beginnen. »Anfangen! Schneller!«

»Schneller als schnell kann man doch nichts machen, Iwan Malwejitsch!«

»Du tust ja sowieso nichts! He, Ssaweljew! Schwätzer Petrowitsch! Dich meine ich! Was stehst du da und bietest Maulaffen feil!... Anfangen!«

»Was kann ich denn allein machen?«

»Geben Sie uns doch ein Pensum auf, Iwan Matwejitsch.«

1 ... 25 26 27 28 29 30 31 32 33 ... 96
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)