Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Русская классическая проза » Aufzeichnungen aus einem toten Hause

Электронная книга - «Aufzeichnungen aus einem toten Hause». Краткое содержание книги:

Aufzeichnungen aus einem toten Hause
1 ... 23 24 25 26 27 28 29 30 31 ... 96
Перейти на страницу:

Obwohl ich also beim Eintritt ins Zuchthaus nicht viel Geld besaß, konnte ich mich doch nicht ernsthaft über die Zuchthäusler ärgern, die mich schon fast in den ersten Stunden meines Zuchthauslebens, nachdem sie mich schon einmal betrogen hatten, auf die naivste Weise zum zweiten, zum dritten und sogar zum vierten Male anzupumpen versuchten. Aber eines muß ich aufrichtig gestehen: es war mir sehr ärgerlich, daß mich alle diese Leute mit allen ihren naiven Listen, wie ich glaubte, unbedingt für einen Einfaltspinsel und Narren halten und sich über mich lustig machen mußten, weil ich ihnen auch zum fünften Male Geld gab. Sie mußten doch sicher glauben, daß ich auf ihre Betrugsversuche hereinfalle, und ich bin überzeugt, daß sie unvergleichlich mehr Achtung vor mir hätten, wenn ich ihnen das Geld verweigert hätte. Aber so sehr ich mich auch ärgerte, konnte ich ihnen ihre Bitten doch nicht abschlagen. Mein Ärger beruhte eigentlich darauf, daß ich mir in diesen ersten Tagen ernste Gedanken darüber machte, auf welchem Fuße ich mit ihnen stehen müsse. Ich fühlte und sah wohl ein, daß diese ganze Umgebung für mich völlig neu war, daß ich mich gleichsam im Finstern befand, daß man aber im Finstern unmöglich so viele Jahre leben könne. Also mußte ich mich darauf vorbereiten. Natürlich sagte ich mir, daß ich vor allem meiner inneren Stimme und meinem Gewissen folgen müsse. Aber ich wußte auch, daß dies nur schöne Worte sind, während mir in der Praxis manches Unerwartete bevorstand.

Darum quälte mich, trotz all der kleinen Sorgen um meine Einrichtung in der Kaserne, von denen ich schon berichtete und in die mich vorwiegend Akim Akimytsch hereinzog, trotz der Ablenkung, die ich darin fand, immer mehr und mehr ein schrecklicher, zehrender Gram. »Ein totes Haus!« sagte ich zu mir selbst, wenn ich zuweilen in der Morgendämmerung, von den Stufen unserer Kaserne aus die Arrestanten betrachtete, die sich eben anschickten, zur Arbeit zu gehen, und träge auf dem Zuchthaushofe aus der Kaserne in die Küche und zurück schlenderten. Ich beobachtete ihre Gesichter und ihre Bewegungen und bemühte mich, zu erraten, was sie wohl für Menschen seien und was sie für Charaktere haben. Sie aber trieben sich vor meinen Augen mit gerunzelten Stirnen oder übertrieben lustigen Mienen (diese beiden Kategorien kommen am häufigsten vor und sind für das Zuchthaus charakteristisch) herum, fluchten oder unterhielten sich einfach oder gingen schließlich einsam, gleichsam in Gedanken versunken, still und ruhig hin und her, die einen mit müdem, apathischem Ausdruck, die anderen (sogar hier!) mit dem Ausdrucke einer frechen Selbstüberhebung, die Mützen auf ein Ohr geschoben, die Pelze lose über die Schultern geworfen, mit herausfordernden, verschlagenen Blicken und einem unverschämten Lächeln. »Das ist nun meine Umgebung, meine jetzige Welt«, dachte ich mir, »mit der ich, ob ich will oder nicht, leben muß...« Ich versuchte, mich über die Leute bei Akim Akimytsch zu erkundigen, in dessen Gesellschaft ich gern Tee trank, um nicht allein zu sein. Nebenbei bemerkt war der Tee in der ersten Zeit fast meine einzige Nahrung. Akim Akimytsch lehnte den Tee niemals ab und setzte selbst unsern komischen, selbstverfertigten kleinen Samovar aus Blech auf, den mir M. geliehen hatte. Akim Akimytsch trank gewöhnlich nur ein Glas (er besaß sogar Teegläser), trank es schweigend und sittsam aus, bedankte sich und begann wieder an meiner Bettdecke zu nähen. Aber das, was ich von ihm erfahren wollte, konnte er mir gar nicht mitteilen, und er verstand sogar nicht, warum ich mich so sehr für die Charaktere der uns umgebenden und in unserer nächsten Nähe lebenden Zuchthäusler interessierte; er hörte mir mit einem eigentümlichen schlauen Lächeln zu, an das ich mich gut erinnere. »Nein, offenbar muß man hier alles selbst erproben und nicht erfragen,« sagte ich mir.

Am vierten Tage stellten sich die Arrestanten genau wie damals, als man mir die Fesseln umgeschmiedet hatte, am frühen Morgen in zwei Reihen auf dem Platze vor der Hauptwache am Zuchthaustore auf. Vor ihnen, mit dem Gesicht zu ihnen, und hinter ihnen stellten sich Soldaten mit geladenen Gewehren und aufgepflanzten Bajonetten auf. Der Soldat hat das Recht, auf den Arrestanten zu schießen, wenn es diesem einfällt, zu entfliehen; zugleich wird er aber zur Verantwortung gezogen, wenn er den Schuß nicht im äußersten Notfalle abgegeben hat; dasselbe gilt im Falle einer offenen Meuterei der Zuchthäusler. Aber wem wird es einfallen, vor den Augen des Wachtsoldaten davonzulaufen? Es erschienen der Ingenieur-Offizier, der Zugführer, dann die Ingenieur-Unteroffiziere und Soldaten, die uns bei der Arbeit zu beaufsichtigen hatten. Man nahm einen Appell vor; eine Anzahl Arrestanten, die in den Nähstuben beschäftigt wurden, gingen zuerst ab; die Ingenieur-Behörde hatte mit ihnen nichts zu tun; sie arbeiteten für das Zuchthaus und nähten für die Sträflinge Kleider. Dann wurden die in den andern Werkstätten beschäftigten Arrestanten weggeschickt und zuletzt die, die mit gewöhnlichen groben Arbeiten beschäftigt wurden. Zu den letzteren wurde ich mit etwa zwanzig andern Arrestanten kommandiert. Auf dem zugefrorenen Flusse hinter der Festung lagen zwei dem Staate gehörende Barken, die man infolge ihrer Unbrauchbarkeit auseinandernehmen mußte, damit wenigstens das alte Holz erhalten bleibe. Dieses ganze alte Material hatte übrigens, wie ich glaube, einen sehr geringen oder auch gar keinen Wert. Brennholz war in der Stadt zu einem sehr geringen Preis zu haben, und Wald gab es ringsum genug. Man schickte uns zu dieser Arbeit, nur damit die Arrestanten irgendeine Beschäftigung hätten, was sie auch selbst wußten. Eine solche Arbeit machten sie immer apathisch und lustlos, während es bei einer richtigen, vernünftigen Arbeit ganz anders zuging, besonders wenn man ein bestimmtes Pensum zugewiesen bekam. Bei einer solchen Arbeit gerieten sie fast in Begeisterung, und ich sah oft, wie sie, obwohl sie selbst gar keinen Nutzen davon hatten, alle Kräfte aufwandten, um die Arbeit so schnell und so gut wie möglich zu erledigen; sogar ihr Ehrgeiz war dabei im Spiele. Aber bei dieser Arbeit, die mehr pro forma als aus wirklicher Notwendigkeit getan wurde, war es schwer, ein bestimmtes Pensum zu erwirken, arbeiten mußte man aber bis zum Trommelschlag, der um elf Uhr vormittags als Signal zum Heimgehen ertönte. Der Tag war warm und neblig; der Schnee schmolz beinahe. Unsere ganze Gruppe begab sich hinter die Festung ans Ufer, leicht mit den Ketten klirrend, die zwar unter den Kleidern verborgen waren, aber dennoch bei jedem Schritt einen scharfen metallischen Klang gaben. Zwei oder drei Mann trennten sich von uns, um aus dem Zeughause die nötigen Werkzeuge zu holen. Ich ging mit den anderen und empfand sogar eine gewisse Aufregung: ich wollte schneller sehen und erfahren, was es für eine Arbeit sei. Wie mag die Zwangsarbeit aussehen? Und wie werde ich selbst zum ersten Mal im Leben arbeiten?

1 ... 23 24 25 26 27 28 29 30 31 ... 96
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)