Aufzeichnungen aus einem toten Hause
- Автор: Достоевский Федор Михайлович
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Aufzeichnungen aus einem toten Hause». Краткое содержание книги:
Diese ersten drei Tage trieb ich mich tief niedergeschlagen im Zuchthause herum, lag auf meiner Pritsche, ließ mir von einem zuverlässigen Arrestanten, den mir Akim Akimytsch empfohlen hatte, aus der mir ausgefolgten Kommißleinwand Hemden nähen, natürlich gegen Bezahlung (für einige Kopeken pro Stück), und schaffte mir auf dringenden Rat Akim Akymitschs eine zusammenlegbare Matratze (aus Filz mit Leinenüberzug), so dünn wie ein Pfannkuchen, und ein mit Wolle gefülltes Kissen an, das mir, bevor ich mich daran gewöhnte, furchtbar hart vorkam. Akim Akymitsch war um die Anschaffung aller dieser Gegenstände sehr besorgt und beteiligte sich auch selbst daran. Er nähte mir eigenhändig eine Bettdecke aus Fetzen alten Kommißtuches, die von abgetragenen Hosen und Jacken herrührten und die ich bei den anderen Arrestanten gekauft hatte. Die Kommißsachen gingen nach einer festgesetzten Frist in den Besitz der Arrestanten über und wurden sofort im Zuchthause selbst verkauft; wie abgetragen ein Gegenstand auch war, hatte er doch Aussicht, für einen gewissen Preis verkauft zu werden. Über dies alles mußte ich mich anfangs sehr wundern. Es war überhaupt die Zeit meiner ersten Berührung mit dem einfachen Volke. Plötzlich war ich selbst ein Mann aus dem Volke, der gleiche Arrestant geworden wie sie. Ihre Gewohnheiten, Begriffe, Ansichten und Sitten wurden gleichsam auch die meinigen, jedenfalls der Form und dem Gesetze nach, obwohl ich sie, im Grunde genommen, nicht teilte. Ich war erstaunt und verblüfft, als hätte ich früher nichts davon geahnt oder gehört, obwohl ich es in Wirklichkeit wohl gehört und gewußt hatte. Aber die Wirklichkeit wirkt immer ganz anders als das Wissen und Hören. Hätte ich mir z.B. früher vorstellen können, daß solche Gegenstände wie alte abgetragene Lumpen überhaupt noch als Gegenstände gelten können? Nun ließ ich mir aber aus diesen Lumpen eine Bettdecke nähen! Man konnte sich auch schwer vorstellen, aus was für einer Sorte Tuch die Arrestantenkleider gemacht wurden. Von außen sah es wirklich wie Tuch, sogar wie dickes Soldatentuch aus; kaum hatte man es aber eine Weile getragen, so verwandelte es sich in ein netzartiges Gewebe und zerriß auf die gemeinste Weise. Die Tuchkleider wurden übrigens nur für ein Jahr geliefert, aber es war schwer, mit ihnen auch diese Frist auszukommen. Der Arrestant arbeitet ja und trägt Lasten, darum wetzt sich seine Kleidung schnell ab. Die Schafpelze wurden dagegen für drei Jahre geliefert und dienten gewöhnlich während dieser Zeit als Bekleidung sowohl als auch als Bettdecken und Schlafunterlagen. Aber die Pelze waren dauerhaft, obwohl man gar nicht selten am Ende des dritten Jahres, also vor Ablauf der Frist, solche Schafpelze, mit Flicken aus einfacher Leinwand sehen konnte. Trotzdem wurden sie, wie abgetragen sie auch waren, nach Ablauf der festgesetzten Frist für etwa vierzig Silberkopeken verkauft. Für solche, die besser erhalten waren, bekam man sogar sechzig und siebzig Silberkopeken. Im Zuchthause ist das aber viel Geld.