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Indiana Jones Die Gefiederte Schlange

Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:

Als Indiana Jones einen verschollenen Freund in einem Andendorf endlich findet, ist dieser dem Tod nahe und übergibt ihm ein mysteriöses goldenes Amulett. Bald stellt sich heraus, daß dieser Anhänger zum rituellen Schmuck des Oberpriesters der Maya gehört und seinem Träger gewaltige magische Kräfte verleihen kann. Doch das Geschenk bringt Indiana Jones kein Glück: Einige Indios heften sich an seine Fersen, die zu allem entschlossen scheinen …
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«Bitte Joana«, sagte er.»Hör auf damit. Es ist alles auch so schon schlimm genug.«

«Ich verstehe. «Joanas Stimme klang plötzlich hart.

«Nein, du verstehst überhaupt nichts«, fauchte Indiana. Wütend riß er die Tür auf, sprang aus der Maschine und watete durch das knietiefe Wasser ans Ufer. Joana rief ihm irgend etwas nach, das er nicht verstand — was vermutlich auch besser war —, aber er achtete auch gar nicht darauf, sondern entfernte sich ein gutes Stück von der Maschine, ehe er stehenblieb und, zornig auf sich selbst, auf Joana und überhaupt auf die ganze Welt, die Hände in die Jackentaschen rammte.

Was war nur mit ihm los? Es fiel ihm doch sonst nicht schwer, mit unerwarteten Situationen fertigzuwerden? Wieso brachte ihn dieses dumme Kind so aus dem Gleichgewicht? Situationen wie diese waren ihm nicht einmal fremd: An seiner Universität in Cincinatti gab es mehr als eine Studentin, die ein Auge auf den gutaussehenden Professor geworfen hatte, dem nicht nur der Ruf vorauseilte, ein ebenso leidenschaftlicher Abenteurer wie brillanter Wissenschaftler zu sein, sondern der auch als besonders charmant galt. Er hatte sich schon mehr als einmal aus Situationen wie diesen herauswinden müssen, wobei er jedesmal ein erstaunliches Geschick und ein großes Maß an Diplomatie an den Tag gelegt hatte. Jetzt …

Nein, er begriff es nicht ganz. Joana verwirrte ihn mehr, als ihm bisher klar gewesen war. Er mochte sie. Bisher hatte er sich eingeredet, daß die tiefe Sympathie, die er ihr gegenüber verspürte, einzig auf der Tatsache beruhte, daß sie Gregs Tochter war, aber vielleicht stimmte das gar nicht, vielleicht war da mehr — und wenn das so war, dann war es ein Gefühl, das einfach nicht sein durfte. Ihr Vater war praktisch in seinen Armen gestorben, und sein letzter Gedanke hatte seiner Tochter gegolten, und indem Indiana ihm versprochen hatte, seinen letzten Wunsch zu erfüllen, hatte er auch gleichzeitig — und sei es nur sich selbst gegenüber — das Versprechen abgelegt, auf seine Tochter aufzupassen. Er hoffte nur, daß der Eid, den er sich selbst gegenüber geschworen hatte, stärker war als seine Gefühle.

Es dauerte lange, bis Indiana sich wieder soweit in der Gewalt hatte, daß er sich herumdrehte und zum Flugzeug zurückging. Als er wieder in die Kabine stieg, war die Sonne längst untergegangen. Als er am nächsten Morgen erwachte, war Joana nicht mehr da. Er hatte auch in dieser Nacht nicht besonders gut geschlafen; die Kabine war eng, und die unbequemen Sitze waren nicht dazu gedacht, darauf zu übernachten. Im ersten Moment fühlte er sich benommen und hatte Mühe, überhaupt wach zu werden. Blinzelnd und heftig gähnend sah er sich um, starrte den leeren Sitz neben sich volle zehn Sekunden lang an, ehe er begriff, daß er allein war. Dann fuhr er mit einem so jähen Ruck hoch, daß er mit der Stirn gegen die Metallverstrebung des Fensters prallte und benommen wieder zurücksank.

Alle möglichen Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Die Tatsache, daß Joana nicht da war, konnte ein Dutzend verschiedene Gründe haben — aber so, wie sie sich am vergangenen Abend benommen hatte, war ihr durchaus zuzutrauen, daß sie sich einfach entschlossen hatte, den Spieß herumzudrehen und ihn allein hier zurückzulassen, um auf eigene Faust weiterzuforschen.

Hastig riß er die Kabinentür auf, sprang ins Freie und lief um das Flugzeug herum. Der Strand war leer. Indiana rief ein paarmal laut Joanas Namen, bekam keine Antwort und rannte mit wachsender Sorge über den schmalen Sandstreifen den angrenzenden Hügel hinauf. Oben angekommen, blieb er abermals stehen und rief wieder nach Joana.

Er bekam auch diesmal keine Antwort. Aber dann entdeckte er sie doch: Sie schwamm gute hundert, wenn nicht hundertfünfzig Meter vom Ufer entfernt im Meer. Nur noch ein kleiner, auf und ab hüpfender Punkt mit blondem Haar im glasklaren Wasser.

Indiana bildete mit den Händen einen Trichter vor dem Mund und rief wieder ihren Namen, und diesmal verstand sie ihn. Er sah, wie sie im Schwimmen innehielt und den Kopf wandte.

Aber sie machte keine Anstalten, sofort zurückzukommen, sondern schwamm noch ein gutes Stück weiter hinaus, bis Indiana sie schon fast gar nicht mehr sehen konnte, ehe sie sich dann endlich doch entschied, kehrtzumachen, und mit kraftvollen Schwimmbewegungen wieder auf das Ufer zustrebte.

Indiana lief ihr entgegen. Er erreichte den Strand und die Stelle, an der sie ihre Kleider liegengelassen hatte, fast im gleichen Moment, in dem sie nahe genug herangeschwommen war, um sich im Wasser aufzurichten und den Rest des Weges durch die Brandung watend zurückzulegen.

Sie trug keinen Badeanzug, sondern nur dünne, seidene Unterwäsche, die noch dazu naß war und so an ihrem Körper klebte, daß sie genausogut auch gar nichts hätte anhaben können. Einen Moment lang wußte Indiana nicht so recht, wohin mit seinen Blicken. Dann wandte er sich mit einem Ruck um, vergrub die Hände in den Jackentaschen und begann nervös mit den Füßen im Sand zu scharren, während hinter ihm Joanas Schritte lauter wurden.

«Guten Morgen, Dr. Jones«, sagte sie spitz.»Beobachten Sie immer junge Mädchen beim Baden?«

Indiana räusperte sich verlegen. Er sah immer noch in die entgegengesetzte Richtung, aber ihr Schatten zeichnete sich deutlich vor ihm auf dem weißen Sand ab, während sie hinter ihm in die Knie ging, nach ihren Sachen griff und sich aufreizend langsam anzuziehen begann.

«Du warst nicht da, als ich aufgewacht bin«, sagte er.»Ich habe mir Sorgen um dich gemacht.«

«So?«antwortete Joana.»Sicher, auf kleine Kinder muß man besonders achtgeben, nicht wahr?«

«Joana …«seufzte Indiana.»Bitte versteh doch. Ich …«

«Sparen Sie sich Ihren Atem, Dr. Jones«, unterbrach ihn Joana.»Sie können sich jetzt übrigens wieder umdrehen.«

Indiana gehorchte — und verdrehte eine Sekunde später die Augen. Joana war wieder in Rock, Strümpfe und Schuhe geschlüpft, hatte die Bluse aber nicht zugeknöpft, sondern sie sich nur locker über die Schultern gehängt.

«Laß den Unsinn«, sagte er ärgerlich.»Zieh dich ganz an. Wir müssen weg. «Für einen Moment war er unschlüssig, ob er sich nun über Joanas Benehmen ärgern oder einfach darüber lachen sollte.

Joana schürzte trotzig die Lippen und funkelte ihn unter ihrem nassen Pony hinweg an.»Ich dachte, Sie machen sich nichts aus mir, Dr. Jones?«sagte sie.

Indiana räusperte sich und sah wieder weg.»Ich bin schließlich nicht aus Holz«, antwortete er.

«Gestern abend hatte ich das Gefühl, Sie wären es«, antwortete Joana schnippisch.

Indiana setzte zu einer scharfen Antwort an, besann sich dann aber im letzten Moment eines Besseren und drehte sich wortlos um, um den Hang hinaufzugehen. Nach kurzem Zögern folgte ihm Joana. Indiana ging sehr schnell, und er widerstand auch der Versuchung, sich zu Joana herumzudrehen, um sich davon zu überzeugen, ob sie auch Schritt hielt. Joanas Verhalten ärgerte ihn wirklich; aber zu einem Großteil galt dieser Ärger eigentlich eher ihm selbst. Er bezweifelte mittlerweile, daß Gregs Tochter gestern abend überhaupt gewußt hatte, worauf sie sich da um ein Haar eingelassen hätte. Natürlich hatte er richtig reagiert — aber er hätte es ein wenig diplomatischer tun können. Im Augenblick war es nun einmal so, daß er mehr auf sie als sie auf ihn angewiesen war.

Sie überquerten den Hügel, auf den er vorhin hinaufgestiegen war, um nach Joana Ausschau zu halten, liefen auf der anderen Seite wieder hinab und arbeiteten sich durch einen kaum fünfhundert Meter breiten Streifen dicht wuchernden Dschungels. Dahinter lag die Straße, die nach Havanna führte. Sie hatten sie am vergangenen Abend gesehen, bevor Joana das Flugzeug in der Bucht wasserte.

Als sie das Waldstück hinter sich gebracht hatten, war Indianas Vorsprung auf gut hundert Meter angewachsen. Er blieb stehen, sah nun doch kurz zu Joana zurück und wartete geduldig, bis sie zu ihm aufgeholt hatte. Aber sie tat es nicht ganz, sondern kam nur bis auf etwa zehn Meter heran, ehe auch sie stehenblieb und ihn zornig anfunkelte.

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