Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
«Zufrieden?«fragte sie zornig.
Indiana verstand nicht einmal genau, was sie mit dieser Frage meinte. Er wollte es auch gar nicht wissen.
«So geht das nicht weiter, Mädchen«, sagte er.
Joanas Gesichtsausdruck verfinsterte sich schon wieder, und Indiana beeilte sich, rasch und mit erhobener Stimme fortzufahren:»Ich wollte dich wirklich nicht beleidigen, gestern abend. Du gefällst mir, wirklich! Du gefällst mir sogar ein bißchen zu gut, weißt du das?«
«Was meinst du damit?«erkundigte sich Joana mißtrauisch.
«Verdammt — ich habe es dir schon einmal gesagt — ich bin nicht aus Holz!«antwortete Indiana.»Natürlich sehe ich, daß du eine Frau bist, sogar eine verdammt hübsche Frau. Aber ich … ich. «Er seufzte, suchte einen Moment krampfhaft nach Worten und sagte schließlich:»Du bist Gregs Tochter. Und außerdem zu jung.«
«So?«sagte Joana spitz.»Wie alt muß eine Frau denn sein, bis der berühmte Indiana Jones sich mit ihr einläßt?«
Indiana gab auf. Er begriff, daß er mit Vernunftsargumenten bei Joana nicht weiterkommen würde.
«Mindestens volljährig«, sagte er verärgert. Dann drehte er sich mit einem Ruck herum, trat auf die Straße hinaus und wartete auf einen Wagen, der auf dem Weg nach Havanna war und den er aufhalten konnte.
HAVANNA
Die Straße befand sich in einem heruntergekommenen Viertel Havannas; einem jener Viertel, in dem die Straßen breit, aber nicht asphaltiert waren, so daß sie sich bei jedem Regen in einen schlammigen Pfad verwandelten, an dem die meisten Häuser klein und aus Holz erbaut waren und mehr von den Gebeten ihrer Bewohner als von der handwerklichen Kunst ihrer Erbauer (die meist identisch waren) zusammengehalten wurden und früher einmal vielleicht weiß gewesen waren, im Laufe der Jahre aber die gleiche Farbe angenommen hatten wie die Menschen, die sie bewohnten: schwarz. Es war eine jener Straßen, die man nach Dunkelwerden mied; und am liebsten auch am Tage. Obwohl die Häuser zu beiden Seiten dicht an dicht standen, sahen sie nur wenige Menschen — hier und da lugte ein Gesicht aus einem Fenster, manchmal blitzte ein hellblaues Augenpaar in einem ebenholzschwarzen Gesicht auf, das ansonsten mit den Schatten verschmolz, aus denen es sie beobachtete.
Das Gebäude stand ganz am Ende dieser Straße, und es paßte so wenig in diesen Teil der Stadt, wie eine der ärmlichen Bretterbuden ringsum ins Herz von Manhattan gepaßt hätte. Mit seinen weißen Arkaden, den mannsdicken Säulen beiderseits des Eingangs und den großen, bleigefaßten Fenstern sah es eher aus wie eines jener luxuriösen Hotels der Kolonialzeit als ein Museum. Trotzdem war es genau das — jedenfalls behauptete das das kleine Messingschildchen neben der Tür.
«Was suchen wir hier überhaupt?«fragte Indiana. Nachdem der Wagen sie bis in die Stadt mitgenommen hatte, waren sie noch eine gute Dreiviertelstunde zu Fuß gegangen, und Joana hatte sich mehrmals an Passanten und Polizisten gewandt, um nach dem Weg zu fragen; offensichtlich war auch sie nie zuvor selbst hier gewesen. Seine Überzeugung, daß es richtig gewesen war, sich Joanas Führung anzuvertrauen, war im gleichen Maße geschwunden, wie der Ausdruck von Unsicherheit auf ihrem Gesicht zugenommen hatte. Und Indiana war auch das erleichterte Aufatmen Joanas nicht entgangen, als das Gebäude schließlich vor ihnen auftauchte. Obwohl sie sich Mühe gab, sich nichts anmerken zu lassen, spürte Indiana deutlich, daß sie sich in dieser Gegend ebenso unwohl fühlte wie er.
«Das werden Sie schon noch sehen, Dr. Jones«, antwortete sie nervös und erst nach einigen Sekunden.
Allmählich reichte es Indiana. Joana wollte auf die Tür zugehen, aber er streckte rasch den Arm aus und hielt sie mit einer groben Bewegung zurück.
«Jetzt langt’s, mein Kind!«sagte er streng. Joana wollte sich losreißen, aber Indiana hielt sie eisern fest.
«Du hast jetzt genau zwei Möglichkeiten«, sagte er ernst und deutete auf die Tür.»Entweder, du hörst mit dem Unsinn auf und erzählst mir jetzt, was das alles wirklich zu bedeuten hat, oder du kannst allein dort hineingehen und sehen, wieweit du kommst.«
«Ohne mich …«
«Suche ich mir ein gemütliches Hotel, in dem ich die nächsten beiden Tage verbringe und darauf warte, daß Josés Schiff einläuft«, unterbrach sie Indiana, ruhig, aber in einem Tonfall, der klarmachte, wie ernst er seine Worte meinte.»Ich werde schon herausfinden, was das alles zu bedeuten hat. Glaub mir, Kleines. Ich habe eine gewisse Erfahrung in solchen Dingen.«
Joana sah ihn abschätzend an. Ihre Augen funkelten noch immer zornig, aber sie hatte begriffen, daß er diesmal nicht nachgeben würde.»Das tun Sie ja doch nicht«, sagte sie schließlich. Aber es klang nur noch trotzig, nicht mehr überzeugt.
«Und ob ich das tue«, erwiderte Indiana grimmig.»Ich bin es nämlich allmählich leid, immer tiefer in eine Geschichte hineingezogen zu werden, von der ich nicht einmal weiß, worum es geht, und mit der ich vermutlich überhaupt nichts zu tun habe. Meinetwegen geh dort hinein und spiel allein Räuber und Gendarm. Ich fürchte nur, du wirst nicht allzulange allein bleiben«, fügte er nach einer winzigen, genau bemessenen Pause hinzu.
«Die beiden Herrschaften, denen wir das Flugzeug geklaut haben, versuchen garantiert nicht, den Weg bis hierher zu schwimmen. Und sie dürften alles andere als guter Laune sein, wenn sie dich wiedersehen.«
Diesmal fuhr Joana sichtlich betroffen zusammen und sah rasch nach rechts und links, als erwartete sie, die beiden Indios wie auf ein Stichwort hinter der nächsten Ecke auftauchen zu sehen.
«Also?«
Joana zögerte noch einen Moment, aber schließlich nickte sie abgehackt und biß sich wieder auf die Unterlippe.»Ich suche … Professor Norten«, sagte sie schließlich.»Er ist der Leiter dieses Museums. Er war ein Freund meines Vaters.«
«Und?«fragte Indiana barsch.
«Er wird uns … weiterhelfen«, antwortete Joana stockend, wobei sie weiter auf ihrer Unterlippe herumkaute und Indiana abschätzend ansah. Offenbar überlegte sie, wieviel sie ihm erzählen mußte, um seine Neugier zu befriedigen; gleichzeitig aber auch, wie wenig, um nicht mehr als unbedingt nötig zu verraten.
«Und weiter?«fragte Indiana, mühsam beherrscht.
«Er hat auch einen dieser Anhänger«, rückte Joana schließlich mit der Sprache heraus.
«Eine Kette mit einem Quetzalcoatl-Anhänger?«vergewisserte sich Indiana.»Es gibt noch mehr davon?«
«Ja«, sagte Joana einsilbig.
«Wie viele gibt es insgesamt?«wollte Indiana wissen.
«Das weiß ich nicht«, antwortete Joana.»Wirklich. Das ist die Wahrheit. Ich hab’ keine Ahnung«, fügte sie hastig hinzu.»Aber Norten weiß es. Ich habe ihn einmal mit Vater über die Kette reden hören. Ich konnte nicht genau verstehen, worum es ging. Wenn ich ehrlich sein sollte, interessierte es mich damals auch nicht besonders. Aber es klang sehr wichtig. Die beiden taten ungeheuer geheimnisvoll. Und ich glaube, daß … José wahrscheinlich zu ihm will.«
Indiana zögerte. Er hatte immer noch das Gefühl, daß das Mädchen ihm nicht ganz die Wahrheit sagte, aber er spürte auch, daß er im Moment nicht mehr aus ihr herausbekommen würde.
Er ließ ihren Arm los und unterdrückte den Impuls, sich zu entschuldigen, als er sah, wie sie die Hand hob und sich ihr schmerzendes Gelenk rieb. Sein Griff war fester gewesen als nötig. Es tat ihm leid, daß er so grob zu Joana gewesen war — aber sie mußte allmählich begreifen, daß vielleicht ihr beider Leben davon abhing, daß er die ganze Geschichte kannte.
«Also gut«, sagte er, noch immer im gleichen, bewußt unfreundlichen Tonfall.»Dann gehen wir und unterhalten uns mit diesem Professor Norten.«
Joana schenkte ihm noch einen feindseligen Blick, aber sie sagte nichts mehr, sondern drehte sich mit einem Ruck herum und stieß die Museumstür auf.