Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
Aber alle Rechnerenergie des Universums gab ihm keine Sicherheit gegenüber den Problemen, die er nicht vorhersehen konnte — gegen die Albträume, die noch nicht geboren waren.
Die goldenen Schmetterlinge
Trotz des hellen Sonnenlichts und der unvergleichlichen Aussichten, die von allen Seiten auf ihn einstürmten, war Morgan fest eingeschlafen, bevor der Wagen tiefergelegene Gegenden erreichte. Selbst die zahllosen Haarnadelkurven hielten ihn nicht wach. Er kam erst wieder zu sich, als sein Chauffeur hart auf die Bremse trat und er in seinem Sitz nach vorn gerissen wurde, bis der Sicherheitsgurt ihm gegen die Rippen drückte.
Im Augenblick der ersten Verwirrung meinte er, er sei immer noch am Träumen. Die Luft, die durch die halboffenen Fenster strich, war so warm und feucht, als käme sie aus einem türkischen Bad. Und dennoch hatte das Auto offenbar inmitten eines wilden Schneesturms angehalten.
Morgan schüttelte den Kopf, um die Verwirrung loszuwerden, und sah sich um. Zum ersten Mal in seinem Leben sah er goldenen Schnee …
Ein dichter Schwarm von Schmetterlingen überquerte die Straße und bewegte sich offenbar zielbewusst ostwärts. Ein paar der Tiere hatten sich ins Innere des Wagens verirrt und flatterten hilflos umher, bis Morgan sie hinauswedelte. Weitaus mehr waren an der Windschutzscheibe zuschanden geworden. Der Chauffeur kletterte fluchend aus dem Wagen und machte sich daran, die Scheibe zu wischen. Als er fertig war, bewegten sich eben die letzten Nachzügler des Schmetterlingsschwarms über die Straße.
»Hat man Ihnen von der Legende erzählt?«, fragte er und blickte seinen Fahrgast dabei über die Schulter an.
»Nein«, antwortete Morgan kurz. Legenden interessierten ihn nicht. Er wollte weiterschlafen.
»Die Goldenen Schmetterlinge — sie sind die Seelen der Krieger des Königs Kalidasa — die Armee, die er am Jakkagala verlor.«
Morgan gab ein uninteressiertes Grunzen von sich und hoffte, der Fahrer werde das Signal verstehen; dieser aber fuhr erbarmungslos fort:
»Jedes Jahr um diese Zeit fliegen sie auf den Berg zu. Sie gehen alle auf den unteren Hängen zugrunde. Manchmal begegnet man ihnen auf der halben Strecke der Seilbahn; aber weiter sind sie noch nie gekommen. Das ist gut für den Tempel.«
»Den Tempel?«, fragte Morgan schläfrig.
»Ja. Wenn sie ihn jemals erreichen, dann siegt Kalidasa, und die Mönche müssen ausziehen. Das ist die Prophezeiung. Sie steht auf einer Steintafel im Museum von Ranapura. Ich kann sie Ihnen zeigen.«
»Ein andermal«, sagte Morgan hastig, während er es sich in seinem gepolsterten Sitz wieder bequem machte. Es vergingen allerdings noch ein paar Kilometer, bis er wieder einschlief. Die Erzählung des Chauffeurs hatte etwas Gespenstisches an sich.
In den Monaten, die vor ihm lagen, würde er sich noch oft daran erinnern — beim Aufwachen und in Augenblicken der Krise. Er würde den goldenen Schneesturm wiedererleben, der in Wirklichkeit aus Millionen von Schmetterlingen bestand, die ihre Energie und ihr Leben in einem vergeblichen Ansturm auf den Berg und all die Dinge opferten, für die der Berg ein Symbol war.
Selbst in diesem Augenblick, am Beginn seines Vorhabens, war der Gedanke, den das Bild vermittelte, alles andere als erhebend.
An den Ufern des Saladin-Sees
Nahezu alle Computersimulationen für Alternative Geschichte weisen darauf hin, dass die Schlacht von Tours im Jahre 732 eine der wegbestimmenden Katastrophen der Menschheit gewesen sei. Wäre Karl Martell besiegt worden, hätte der Islam womöglich die inneren Schwierigkeiten überwinden können, die im Begriff standen, ihn zu zerstückeln, und wäre weitermarschiert, um ganz Europa zu erobern. Auf diese Weise hätten sich Jahrhunderte christlicher Barbarei vermeiden lassen, die Industrielle Revolution hätte fast eintausend Jahre früher eingesetzt, und wir hätten jetzt schon die Sterne erreicht anstatt nur die äußeren Planeten …
Aber das Schicksal entschied anders, und die Armeen des Propheten kehrten nach Afrika zurück. Der Islam bestand als faszinierendes Fossil bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts fort. Dann löste er sich plötzlich in Öl auf …
(Ansprache des Vorsitzenden: Toynbee-Zweihundertjahrsymposium, London, 2089)
»Wussten Sie schon«, sagte Scheich Faruk Abdullah, »dass ich mich zum Großadmiral der Sahara-Flotte ernannt habe?«
»Es hätte mich nicht überrascht, Herr Präsident«, antwortete Morgan, wobei er über die glitzernde, blaue Fläche des Saladin-Sees hinausblickte. »Falls die Geheimhaltungsvorschriften Ihrer Marine eine solche Frage zulassen: Über wie viel Schiffe verfügen Sie?«
»Zehn im Augenblick. Das größte ist ein Dreißig-Meter-Tragflügler, den der Rote Halbmond fährt. An Wochenenden ist er damit beschäftigt, hilflose Segler zu retten. Mein Volk hat sich noch immer nicht an das Wasser gewöhnt — sehen Sie sich den Idioten dort an, wie er versucht zu kreuzen! Zweihundert Jahre sind einfach nicht genug, um von Kamelen auf Boote umzusteigen.«
»In der Zwischenzeit sind Sie Cadillac und Rolls-Royce gefahren. Das hätte die Umstellung ein wenig leichter machen sollen.«
»Wir haben sie noch immer. Der Silver Ghost meines Ur-Ur-Ur-Großvaters ist so gut wie neu. Aber ich muss aufrichtig sein — es sind in Wirklichkeit die Besucher, die Schwierigkeiten haben. Sie kommen mit den Winden nicht zurecht. Nächstes Jahr bekomme ich ein Unterseeboot, von dem man mir garantiert, dass es die größte Seetiefe von 78 Metern erreichen wird.«
»Wozu, um Himmels willen?«
»Jetzt erzählt man uns, das Erg sei voll archäologischer Schätze. Als es noch nicht überflutet war, hat sich kein Teufel darum gekümmert.«
Es war fruchtlos, den Präsidenten der ANAR — Autonome Nordafrikanische Republik — zur Eile zu drängen; Morgan wusste dies und unternahm keinen dementsprechenden Versuch. Wie auch immer die Bestimmungen der Verfassung lauten mochten, Scheich Abdullah besaß mehr Macht und Reichtum als sonst irgendein Individuum auf der Erde. Fast wichtiger noch: Er wusste, beide klug zu gebrauchen.
Er kam aus einer Familie, die sich nicht davor fürchtete, Risiken einzugehen, und selten Anlass fand, ein eingegangenes Risiko zu bedauern. Ihre erste und bekannteste Spekulation, die ihr für die Dauer eines halben Jahrhunderts den Hass der gesamten arabischen Welt eingetragen hatte, war die Investition ihres ungeheuren Ölreichtums in israelische Wissenschaft und Technologie gewesen. Dieser Akt der Weitsichtigkeit hatte unmittelbar zum Erzabbau im Roten Meer und zur Fruchtbarmachung der Wüsten, mittelbar und geraume Zeit später zur Errichtung der Gibraltar-Brücke geführt.
»Ich brauche Ihnen nicht zu erzählen, Van«, kam der Scheich schließlich auf das eigentliche Thema zu sprechen, »wie sehr mich Ihr Projekt fasziniert. Und nach allem, was wir während des Brückenbaus miteinander durchgemacht haben, bin ich überzeugt, dass Sie es zuwege brächten — die entsprechenden Mittel vorausgesetzt.«
»Danke.«
»Aber ich habe ein paar Fragen. Mir ist noch immer nicht klar, warum es eine Station Mitte geben muss und warum sie sich auf einer Höhe von fünfundzwanzigtausend Kilometern befindet.«
»Es gibt mehrere Gründe. Wir brauchen ein leistungsfähiges Kraftwerk etwa in dieser Höhe. Umfangreiche Bauarbeiten fallen also auf jeden Fall an. Dann kam uns in den Sinn, dass eine siebenstündige Fahrt in einer engen Kabine womöglich nicht jedermanns Geschmack sei. Eine Fahrtunterbrechung bringt verschiedene Vorteile mit sich. Wir brauchen keine Mahlzeiten während der Fahrt zu servieren — die Passagiere können sich in der Station Mitte verköstigen und die Beine vertreten. Außerdem sparen wir beim Entwurf der Fahrzeuge. Nur die auf der unteren Strecke brauchen stromlinienförmig zu sein. Die auf der oberen können einfacher und leichter gemacht werden. Die Station Mitte wäre nicht nur ein Umsteigeplatz, sondern gleichzeitig eine Kontrollzentrale — und letztlich, davon sind wir überzeugt, ein Touristenmagnet erster Güte.«