Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Vor Schreck vergisst Fulvia einen Moment lang, sauertöpfisch zu gucken, doch sie erholt sich schnell wieder. »Na ja, ob sie wirklich so genial ist, weiß ich nicht, aber ich dachte, wir könnten eine Serie von Propos unter dem Titel >In Memoriam< bringen. In jeder Folge kann ein gefallener Tribut im Mittelpunkt stehen. Die kleine Rue aus 11 oder die alte Mags aus 4. So könnten wir jeden Distrikt mit einem ganz persönlichen Beitrag ansprechen.«
»Ein Tribut an unsere Tribute sozusagen«, sagt Plutarch.
»Das ist wirklich genial, Fulvia«, sage ich begeistert. »Besser kann man den Leuten nicht in Erinnerung rufen, wofür sie kämpfen.«
»Es könnte funktionieren«, sagt Fulvia. »Ich dachte mir, Finnick könnte die Intros zu den Spots machen und sie begleitend kommentieren. Wenn Interesse daran besteht.«
»Meiner Meinung nach können wir gar nicht genug solcher >In Memoriam<-Propos haben«, sagt Coin. »Kannst du heute noch damit anfangen?«
»Aber ja«, sagt Fulvia, offenbar besänftigt durch die positive Resonanz.
Die Wogen in der Abteilung der Kreativen haben sich also wieder geglättet. Mit ihrem Lob für Fulvia hat Cressida dafür gesorgt, dass sie mit ihrer eigenen Darstellung des Spotttölpels weitermachen kann. Interessanterweise ist Plutarch nicht darauf aus, an der Anerkennung teilzuhaben. Er will nur, dass der Medienangriff funktioniert. Aber er ist ja auch der Oberste Spielmacher, er gehört nicht zur Crew. Er ist nicht Teil der Spiele. Die Einzelheiten interessieren ihn nicht. Ihm geht es um den Gesamterfolg der Produktion. Erst wenn wir den Krieg gewinnen, wird Plutarch sich bejubeln lassen. Und eine Belohnung erwarten.
Präsidentin Coin schickt alle an die Arbeit und Gale schiebt mich zurück in die Krankenstation. Wir lachen ein bisschen darüber, wie wir Coin hinters Licht geführt haben. Gale meint, sie wollten einfach nicht zugeben, dass sie nicht gut genug auf uns aufgepasst haben. Ich bin etwas gnädiger und sage, sie wollten nicht riskieren, dass wir kaltgestellt werden, jetzt, wo sie endlich brauchbare Aufnahmen haben. Vermutlich kommt beides zusammen. Gale muss nach unten zu den Geheimwaffen, wo er sich mit Beetee trifft, also schlafe ich ein bisschen.
Es kommt mir so vor, als hätte ich die Augen nur ganz kurz geschlossen. Als ich sie wieder öffne, zucke ich zusammen - da sitzt Haymitch, nur einen halben Meter von meinem Bett entfernt. Er wartet. Möglicherweise schon seit Stunden, wenn die Uhr richtig geht. Ich überlege, ob ich nach einem Zeugen rufen soll, aber früher oder später muss ich mich Haymitch doch stellen.
Er beugt sich vor und lässt etwas an einem dünnen weißen Kabel vor meiner Nase baumeln. Ich kann es nicht richtig erkennen, aber ich glaube, ich weiß, was es ist. Er lässt es aufs Bett fallen. »Das ist dein Headset. Ich gebe dir noch eine allerletzte Chance, es zu tragen. Wenn du es noch mal absetzt, lasse ich dir das hier verpassen.« Er hält etwas hoch, das so aussieht wie eine kieferorthopädische Apparatur aus Metall. Ich bezeichne es im Stillen als Kopffessel. »Das ist ein akustisches Gerät, das um deinen Schädel befestigt und unter dem Kinn verschlossen wird. Es lässt sich nur mit einem Schlüssel öffnen. Und den einzigen Schlüssel habe ich. Falls es dir irgendwie gelingt, das Gerät auszuschalten«, Haymitch wirft die Kopffessel aufs Bett und zückt einen winzigen silbernen Chip, »werde ich Anweisung geben, dir diesen Sender ins Ohr zu implantieren, damit ich vierundzwanzig Stunden am Tag mit dir sprechen kann.«
Haymitch rund um die Uhr in meinem Ohr. Der absolute Horror. »Ich werde das Headset aufbehalten«, murmele ich.
»Wie bitte?«, fragt er.
»Ich werde das Headset aufbehalten!«, sage ich so laut, dass wahrscheinlich die halbe Krankenstation aufwacht.
»Bestimmt? Mir ist es nämlich egal, für welche der drei Möglichkeiten du dich entscheidest«, erwidert er.
»Bestimmt«, sage ich. Ich schließe die Hand um das Kabel des Headsets. Mit der anderen Hand schmeiße ich Haymitch die Kopffessel ins Gesicht, doch er fängt sie mühelos auf. Wahrscheinlich hatte er schon damit gerechnet. »Sonst noch was?«
Haymitch erhebt sich. »Während ich gewartet habe … hab ich dein Mittagessen gegessen.«
Mein Blick fällt auf die leere Suppenschüssel und das Tablett auf meinem Nachttisch. »Das werde ich melden«, murmele ich in mein Kopfkissen.
»Mach das, Süße.« Unbekümmert verlässt er das Zimmer. Er weiß, dass ich nicht petze.
9
Ich versuche wieder einzuschlafen, aber ich bin zu unruhig. Die Bilder des gestrigen Tages drängen sich in mein Bewusstsein. Die Bombardierung, die Hoverplanes, wie sie abstürzen und in Flammen aufgehen, die Gesichter der Verwundeten, die es nicht mehr gibt. Tod von allen Seiten. Der letzte Moment, bevor die Granate einschlägt, die Tragfläche, die von dem Hoverplane abgerissen wird, der schwindelerregende Senkrechtsturz ins Nichts, das Dach des Lagerhauses, das über mir zusammenbricht, während ich hilflos auf meiner Pritsche liege. Alles, was ich gesehen habe, live oder aufgezeichnet. Alles, was ich mit meinen Pfeilen ausgelöst habe. All das ist für immer in mein Gedächtnis eingebrannt.
Zum Abendessen kommt Finnick mit seinem Tablett zu mir ans Bett, damit wir den neuesten Propo gemeinsam im Fernsehen anschauen können. Er hat ein Quartier auf meiner alten Ebene zugewiesen bekommen, aber er bricht so oft zusammen, dass er immer noch mehr oder weniger auf der Krankenstation lebt. Die Rebellen strahlen Messallas »Ihr wisst, wer sie sind und was sie tun«-Propo aus. Zwischen den einzelnen Aufnahmen werden kurze Studio-Clips eingespielt, in denen Gale, Boggs und Cressida den Vorfall erläutern. Es ist kaum auszuhalten, meinen Empfang im Lazarett von Distrikt 8 anzusehen, mit dem Wissen, was gleich kommt. Als die Bomben auf das Dach niedergehen, vergrabe ich mein Gesicht im Kopfkissen und schaue erst am Schluss wieder hoch. Da sind alle Opfer tot und ich bin noch einmal zu sehen.
Wenigstens klatscht und jubelt Finnick nicht, als der Film zu Ende ist. Er sagt nur: »Die Leute sollen wissen, was passiert ist. Und jetzt wissen sie es.«
»Komm, wir schalten aus, bevor sie es noch mal zeigen«, sage ich. Doch als er nach der Fernbedienung greift, rufe ich: »Warte mal!« Das Kapitol strahlt eine Sondersendung aus und irgendetwas daran kommt mir bekannt vor. Ja, das ist Caesar Flickerman. Und ich ahne schon, wen er zu Gast hat.
Ich bin entsetzt, wie sehr Peeta sich verändert hat. Der gesunde Junge mit dem klaren Blick, den ich noch vor wenigen Tagen gesehen habe, hat mindestens fünf Kilo abgenommen. Seine Hände zittern nervös. Er wirkt immer noch gepflegt. Aber unter dem Make-up, das die Ringe unter seinen Augen nicht kaschieren kann, und den eleganten Kleidern steckt ein schwer angeschlagener Mensch. Man sieht, dass ihm jede Bewegung Schmerzen bereitet.
Meine Gedanken rasen, ich versuche mir einen Reim darauf zu machen. Ich habe ihn doch neulich erst gesehen! Vor vier - nein, fünf Tagen. Wie konnte sein Zustand sich so schnell verschlechtern? Was können sie ihm in so kurzer Zeit angetan haben? Auf einmal kapiere ich es. Ich lasse sein erstes Interview mit Caesar noch einmal Revue passieren und überlege, ob es einen Hinweis auf den Zeitpunkt der Aufnahme gibt. Nein. Theoretisch kann das Interview ein oder zwei Tage nachdem ich die Arena gesprengt habe, geführt worden sein, und seitdem können sie ihm alles Mögliche angetan haben. »Oh, Peeta …«, flüstere ich.
Nachdem Caesar und Peeta ein paar Belanglosigkeiten ausgetauscht haben, kommt Caesar darauf zu sprechen, dass ich angeblich in Propos für die Distrikte auftrete.
»Offenbar benutzen sie Katniss«, sagt Peeta, »um die Rebellen anzustacheln. Ich bezweifle, dass sie überhaupt weiß, was im Krieg genau vor sich geht. Was da auf dem Spiel steht.«