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Indiana Jones Die Gefiederte Schlange

Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:

Als Indiana Jones einen verschollenen Freund in einem Andendorf endlich findet, ist dieser dem Tod nahe und übergibt ihm ein mysteriöses goldenes Amulett. Bald stellt sich heraus, daß dieser Anhänger zum rituellen Schmuck des Oberpriesters der Maya gehört und seinem Träger gewaltige magische Kräfte verleihen kann. Doch das Geschenk bringt Indiana Jones kein Glück: Einige Indios heften sich an seine Fersen, die zu allem entschlossen scheinen …
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Als sie an diesem Abend in der Kabine der Cessna nebeneinandersaßen und das phantastische Schauspiel des Sonnenuntergangs beobachteten, überkam Indiana ein sonderbares Gefühl der Vertrautheit. Joana ähnelte ihrem Vater mehr, als er am Anfang geahnt hatte.

Sie sah ihm nicht nur ähnlich, sie war wie eine jüngere, naivere Ausgabe seines Freundes.

Sie hatte die gleiche forsche Art, Probleme anzugehen, wobei sie genau wie ihr Vater manchmal dazu neigte, sich selbst zu über- und die Gefahren, in die sie sich begab, zu unterschätzen.

Sie hatte die gleiche Art zu reden und ihre Worte mit kleinen nervösen Gesten zu begleiten, und sie hatte den gleichen verträumten Ausdruck im Blick, wenn sie von zu lösenden Rätseln, untergegangenen Kulturen und verschollenen Geheimnissen sprach.

Indiana hatte das Gefühl, dieses Mädchen nicht erst seit zwei Tagen, sondern bereits seit Jahren zu kennen. Und als sie sich schließlich an seine Schulter kuschelte und den Kopf gegen seinen Hals lehnte, da war es wie das Selbstverständlichste von der Welt, daß er den Arm ausstreckte und ihn Joana um die Schulter legte. Natürlich war er sich darüber im klaren, daß er Joana und vor allem sich selbst belog; aber für diese wenigen, kostbaren Momente gelang es ihm tatsächlich, weder an die überstandenen Gefahren zu denken, noch an die, die vielleicht noch vor ihnen lagen. Weder an die schießwütigen Indios, noch an die Polizei von New Orleans, die vermutlich darauf brannte, ihm gewisse Fragen zu stellen. Weder an seinen Freund José, von dem er gar nicht mehr sicher war, ob er wirklich jemals sein Freund gewesen war, noch daran, daß Joana ihn praktisch erpreßt hatte, sie hierher mitzunehmen. Er gönnte sich einfach den Luxus, all dies zu vergessen und nur die Schönheit des Moments zu genießen: den prachtvollen Sonnenuntergang draußen vor dem Kabinenfenster, das angenehme Gefühl, Joanas Gesicht und Wärme an der Schulter zu spüren, und die Schönheit des menschenleeren Sandstrandes, der im letzten Licht der untergehenden Sonne schimmerte, als wäre er mit flüssigem Gold überzogen.

Eine sonderbar angenehme Art von Müdigkeit überkam ihn, eine Entspannung, die er sich viel zu selten erlaubte und die ihm deshalb vielleicht um so angenehmer erschien. So spürte er im ersten Moment gar nicht, wie sich Joana an seiner Schulter bewegte und den Kopf so drehte, daß sie ihn ansehen konnte. Erst als sie die Hand hob und mit den Fingerspitzen fast spielerisch seine Wange berührte, öffnete er wieder die Augen und begegnete ihrem Blick.

Etwas Neues war darin, etwas, das Indiana bisher noch nicht bemerkt hatte. Sie lächelte, und sie tat es auf eine ganz bestimmte Art und Weise, und in das Gefühl wohliger Mattigkeit, das von Indiana Besitz ergriffen hatte, mischte sich eine vage Beunruhigung, ohne daß er ihren Grund im ersten Moment erkannte.

«Bist du nicht müde?«fragte er.

«Nicht besonders«, antwortete Joana.

«Du solltest versuchen, ein wenig zu schlafen«, riet Indiana.»Du hast den ganzen Tag hinter dem Steuer gesessen, und wir müssen morgen sehr früh raus. Es ist ein schönes Stück Weg bis Havanna.«

«Ich weiß«, antwortete Joana,»aber wir haben Zeit. Das Schiff kann frühestens in drei oder vier Tagen hier sein.«

Indiana seufzte.»Es wäre alles sehr viel einfacher, wenn du mir verraten würdest, was das alles zu bedeuten hat«, sagte er.

Joana lachte leise und schüttelte den Kopf.»Keine Chance. Ich traue Ihnen nicht über den Weg, Dr. Jones«, sagte sie spöttisch.»Sie bringen es fertig und schleichen sich mitten in der Nacht weg und lassen ein armes, hilfloses Mädchen völlig allein hier in der Wildnis zurück.«

«Das stimmt«, gestand Indiana ernst.»Wenn du nur begreifen könntest, daß ich mir schlicht und einfach Sorgen um dich mache, Joana. Das hier ist kein Spiel.«

Joana lachte erneut.»Was ist los?«fragte sie.»Hat der berühmte Dr. Jones etwa plötzlich Angst?«

«Ja«, sagte Indiana ernst.»Aber nicht um mich, sondern um dich.«

«Ich kann schon auf mich aufpassen«, erwiderte Joana, aber Indiana fuhr unbeirrt fort:

«Daran zweifle ich nicht. Aber dein Vater war ein Freund von mir, weißt du? Ein sehr guter Freund. Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn dir etwas zustieße.«

Joana zog einen Schmollmund.»Ja, dann wirst du wohl auf mich aufpassen müssen, Onkel Indy«, sagte sie spöttisch und fügte nach einem sekundenlangen Zögern hinzu:

«Ich dachte immer, du fühlst dich in gefährlichen Situationen so wohl wie ein Fisch im Wasser?«

Indiana blieb ernst.»Es gibt auch Menschen, die behaupten, daß ich Ärger anziehe wie ein Magnet«, antwortete er.

«Ich hab’ keine Angst«, sagte Joana noch einmal.

Indiana seufzte wieder tief und schüttelte den Kopf. Er sah Joa-na sehr ernst an.»Joana, das ist kein Spiel! Und das ist auch keines von den Abenteuern, von denen dir dein Vater erzählt hat. Es gibt einen Unterschied.«

«Und welcher ist das?«

«Daß wir diese Abenteuer alle überlebt haben«, sagte Indiana ernst.»Sonst hätte dein Vater dir kaum davon erzählen können.«

Joana lachte.»Und du meinst, wir würden das hier nicht überleben?«

Indiana blieb ernst.»Das hier ist eine Geschichte auf Leben und Tod, und ich weiß, verdammt noch mal, noch nicht einmal, worum es überhaupt geht. «Er schwieg einen Moment.»Es hat mit diesen Anhängern zu tun, nicht wahr?«fragte er dann.»Und dem, den du hattest?«

Joana nickte.»Ja, und den …«

Sie sprach nicht weiter, sondern zog die Unterlippe zwischen die Zähne und biß sich kurz und heftig darauf. Die Worte waren ihr gegen ihren Willen herausgerutscht.

«Und den?«fragte Indiana.

Aber Joana schüttelte nur den Kopf.»Ich erzähle dir alles«, sagte sie.»Später. Vielleicht morgen. Und jetzt hör auf zu reden.

Der Abend ist viel zu schön, um sich Sorgen zu machen. In einem Moment wie diesem gibt es Besseres, was man tun kann.«

Und dann tat sie etwas, das Indiana so überraschte, daß er im ersten Moment völlig wehrlos war: Sie richtete sich ein wenig auf, nahm sein Gesicht in beide Hände und küßte ihn.

Im ersten Augenblick war Indiana völlig perplex. Ihre Lippen waren weich und warm, und er spürte, daß er ganz gewiß nicht der erste Mann war, mit dem sie das tat. Und für die ersten Sekundenbruchteile genoß er es sogar. Doch dann begriff er, was er tat, hob hastig die Arme und schob Joana grob von sich fort.

«Was hast du?«fragte sie verwirrt.»Hab’ ich irgend etwas falsch gemacht?«

«Nein«, sagte Indiana.»Das ist es nicht.«

Joana wirkte ein bißchen verletzt.»Hat es dir nicht gefallen?«fragte sie.

«Doch«, gestand Indiana.»Sehr. Das ist es ja gerade.«

Einen Moment lang sah Joana ihn verstört an. Da erlosch das Lächeln in ihren Augen und machte dem Ausdruck von kindlichem Zorn und verletztem Stolz Platz.

«Bin ich dir zu jung?«

«Nein«, antwortete Indiana und rutschte ein kleines Stück von ihr weg. Plötzlich fühlte er sich verlegen wie ein Primaner bei seinem ersten Rendezvous.»Oder doch«, fuhr er fort.»Du bist … Ich meine … Ich könnte immerhin dein Vater sein.«

«Aber du bist es nicht«, sagte Joana ernst. Sie streckte die Hand aus und berührte ihn an der Schulter. Indiana rutschte ein weiteres Stück von ihr fort, bis er gegen die Tür stieß, und Joana zog den Arm beleidigt zurück.

«Ich gefalle dir nicht«, vermutete sie.

«Du bist Gregs Tochter«, sagte Indiana halblaut und ohne sie anzusehen.

«Das ist doch Unsinn!«Joana schüttelte zornig den Kopf. Indiana sah sie nicht an, aber er sah die Bewegung als matte Reflexion in der Kanzelscheibe.»Ich meine, jede Frau ist irgend jemandes Tochter, oder?«

«Aber nicht alle Frauen sind die Töchter meines besten Freundes«, antwortete Indiana. Er kam sich immer hilfloser vor. Es fiel ihm schwer, überhaupt noch zu reden. Warum stellte sie solche Fragen? Warum tat sie das?

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