Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
Bremer zog eine Schublade in seinem Schreibtisch auf, nahm sein Notizbuch heraus und suchte nach der Seite, auf der er Meilers Paßwort notiert hatte. Er fand sie nicht auf Anhieb. Das schwache Licht vom Computerbildschirm reichte nicht aus, um seine winzige Handschrift zu entziffern.
Er stand auf, schaltete das Licht ein und ging zum Schreibtisch zurück. Als er die Seite mit Meilers Paßwort gefunden hatte, klingelte es an der Tür.
Bremer hielt überrascht mitten in der Bewegung inne. Es war fast Mitternacht. Und er kannte in dieser ganzen Stadt niemanden, der ihn um diese Zeit besuchen würde. Zumindest nicht, ohne vorher anzurufen. Wer zum Teufel...? Es klingelte wieder. Diesmal hielt der nächtliche Störenfried den Finger gute dreißig Sekunden lang auf dem Klingelknopf, um seiner Bitte um Einlaß den gehörigen Nachdruck zu verleihen. Bremer schüttelte verwirrt den Kopf, trat vom Schreibtisch zurück und machte sich auf den Weg zur Tür. Er hatte kein gutes Gefühl, aber er mußte wohl oder übel aufmachen, bevor dieser Irrsinnige dort draußen das ganze Haus wachklingelte. Vermutlich handelte es sich um einen Journalisten. Er hatte zwar auf dem Weg hierher nicht einen einzigen Vertreter der gewaltigen Reporter-Heerschar gesehen, die West mit so eindringlichen Worten heraufbeschworen hatte, zweifelte aber trotzdem keine Sekunde daran, daß sie da war. Sollte dort draußen wirklich irgendwo ein hoffnungsvoller junger Nachwuchsreporter stehen, der glaubte, ihn überrumpeln zu können, um sich auf diese Weise ein Exklusivinterview zu erschwindeln, dann würde er sein blaues Wunder erleben.
Mit einer wütenden Bewegung riß er die Tür auf, und West sagte: »Wissen Sie, daß Sie beschattet werden?« Bremer war im ersten Moment so perplex, daß er nichts anderes tun konnte, als dazustehen und sie mit offenem Mund anzustarren. Angela hatte weit weniger Hemmungen. Sie hob die Hand, schob die Tür hinter ihm vollends auf und ging ohne zu zögern an ihm vorbei in die Wohnung. Erst als sie die Diele schon fast durchquert hatte, überwand Bremer seine Überraschung und drehte sich herum.
»He!« rief er. »Moment mal! Was ... was soll denn das?« Angela reagierte genau so auf seine Worte, wie er erwartet hatte - nämlich gar nicht -, sondern beschleunigte ihre Schritte nur noch mehr und verschwand im Wohnzimmer. Bremer warf mit einem gemurmelten Fluch die Tür zu - laut genug, um nun auch noch den letzten Bewohner auf dieser Etage aufzuwecken - und folgte ihr.
»Frau West! Ich habe Sie etwas gefragt! Was soll das? Haben Sie den Verstand verloren?« Er war wirklich wütend. Es interessierte ihn nicht, warum West gekommen war. Es gab ein gewisses Maß an Unverschämtheit, das er akzeptierte, ja, mittlerweile fast schon von ihr erwartete, aber jetzt war sie eindeutig zu weit gegangen.
»Angela«, antwortete Angela. »Das Frau West haben wir doch wohl hinter uns, oder?« Sie stand am Fenster und blickte auf die Straße hinab. Bremer registrierte beiläufig, daß sie so dastand, daß sie von der Straße aus vermutlich nicht zu sehen war. »Sie sind da unten, sehen Sie? Der dunkle Wagen auf der anderen Straßenseite.« Bremer kochte immer noch innerlich vor Zorn, aber das hinderte ihn nicht daran, mit zwei schnellen Schritten hinter sie zu treten und in die Richtung zu blicken, in die ihr ausgestreckter Arm wies. Er sah sofort, was Angela meinte. Der Wagen stand nicht direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite, sondern gute fünfzig Meter versetzt, so daß er ihn nicht sofort entdeckt hätte, wenn er zufällig aus dem Fenster sah. Trotzdem konnte man aus dem Wagen heraus sowohl seine Wohnung als auch die Haustür genau im Auge behalten. Die Männer dort unten im Wagen waren gut.
Aber so gut vielleicht nun auch wieder nicht. Hinter der getönten Frontscheibe glomm ein winziger roter Lichtpunkt auf und erlosch wieder. Einer der Männer rauchte. Bremer hätte seinen Partner massakriert, hätte er sich während einer Observierung eine Zigarette angezündet. Ganz davon abgesehen, daß man in einem geparkten Wagen spätestens nach der zweiten Zigarette zu ersticken begann, machte sich kaum jemand eine Vorstellung davon, wie weit die Glut einer Zigarette nachts zu sehen war.
»Kollegen von Ihnen?« fragte Angela. »In so einem Wagen?« Bremer schüttelte den Kopf.
»Wir sind ja schon froh, daß wir nicht wieder mit Fahrrädern auf Streife gehen müssen. Der Staat hat kein Geld.« Aber West hatte etwas angesprochen, was ihr selbst wahrscheinlich gar nicht bewußt war. Irgend etwas war an diesem Wagen. Etwas ... Wichtiges. Bremer hatte das Gefühl, daß er die Antwort praktisch auf der Zunge hatte. Es war ein sehr großer, sehr teurer Wagen, ein schwarzer oder vielleicht auch dunkelblauer oder -grüner BMW, und irgend etwas daran...
»Nein«, murmelte Bremer. »So dumm können sie nicht sein.« Er bekam keine Antwort - wie auch? Angela trat zur Seite und machte einen Schritt zurück, wodurch er einen etwas besseren Ausblick auf die Straße hatte. Jetzt, da das Licht brannte, mußte sich seine Silhouette deutlich hinter dem Fenster abzeichnen. Es war ihm egal. Er beobachtete den Wagen noch einige Sekunden lang weiter, dann ließ er seinen Blick aufmerksam in beiden Richtungen die Straße entlangwandern. Soweit er das beurteilen konnte, gab es kein zweites Team, das ihn observierte. Wozu auch? Es gab ja nicht einmal für dieses eine Team einen Grund, hier zu sein.
»Wie haben Sie es gemerkt?« fragte er.
»Daß sie da sind?« Angela lachte leise. »Weibliche Intuition.«
Ihre Stimme war weiter entfernt, als sie sollte. Bremer sah über die Schulter zurück und stellte fest, daß sie nicht mehr hinter ihm stand, sondern an seinen Schreibtisch getreten war und mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt in seinem Notizbuch blätterte. Er mußte für eine Sekunde die Augen schließen und in Gedanken bis drei zählen, um nicht einfach loszubrüllen.
Statt dessen ließ er mit übertrieben schnellen Bewegungen die Jalousien herunter, trat dann mit einem einzigen Schritt neben sie und klappte das Notizbuch zu. »Würden Sie mir verraten, was Sie da tun?« fragte er.
Angela deutete auf den Computer. »Das ist keine gute Idee«, sagte sie.
»Was?«
»Das Paßwort eines Ihrer Kollegen zu benutzen, um in das System zu kommen«, antwortete sie. »Es würde wahrscheinlich funktionieren, aber genauso gut können Sie Nördlinger auch gleich anrufen und ihm sagen, was Sie vorhaben. Das System protokolliert nicht nur alle Zugriffe, sondern registriert auch die Telefonnummern, von denen aus sie erfolgen. Wenn sie nicht mit der des legitimen Besitzers des Paßwortes übereinstimmen, dann schreien all die kleinen Bits und Bytes da drinnen ganz laut Alarm.« Das hatte Bremer nicht gewußt. Er wußte auch nicht, ob es stimmte, aber die Worte erfüllten eindeutig ihren Zweck: Seine Wut verrauchte und machte einer Mischung aus Verwirrung und Bestürzung Platz. Er schwieg.