Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
Bremer blieb mitten in der Bewegung stehen. »Suspendiert«, sagte er. »Schlechte Nachrichten sprechen sich offenbar ziemlich schnell herum.«
»Gute noch viel besser«, sagte Vürgels und zündete sich eine Zigarette an.
»Nördlinger hat uns angerufen«, sagte Meiler hastig. Er warf seinem Partner einen strafenden Blick zu und fuhr an Bremer gewandt und mit einer einladenden Geste auf einen der beiden freien Stühle an ihrem Tisch fort: »Keine Angst. Die Neuigkeit steht noch nicht am Schwarzen Brett, und wir werden es auch nicht herumerzählen.«
»Aber ihr wißt natürlich mal wieder alles.« Bremer blieb stehen, ohne seiner Einladung zu folgen.
»Nördlinger hat uns telefonisch genau informiert«, antwortete Meiler. »Vor zehn Minuten. Wir waren nämlich gerade vor dieser Kirche und haben Strelowskys Überreste aus seinem Wagen gekratzt. Nördlinger scheint dir nicht zu vertrauen, weißt du? Er hat uns in allen Einzelheiten erklärt, wohin sich unsere berufliche Laufbahn entwickeln könnte, wenn wir dir auch nur ein Sterbenswörtchen verraten. Ich wußte gar nicht, daß Kriminalrat Nördlinger ein so fantasievoller Mensch ist.«
»Kirche?« fragte Bremer. Irgend etwas klingelte bei diesem Wort in ihm, aber er wußte nicht, was. »Was für eine Kirche?«
»Keine Chance«, antwortete Meiler. »Nördlinger meint es wirklich ernst. Und er hat recht, weiß du? Laß die Finger von dem Fall.« Er lachte, leise, nervös und unecht. »Setz dich, ich spendiere dir ein Bier. Du bist ja jetzt nicht mehr im Dienst.« Die letzte Bemerkung, fand Bremer, hätte er sich auch verkneifen können. Er glaubte aber nicht, daß Meiler ihn damit wirklich verletzen wollte. Wie leider Gottes viel zu viele gehörte auch Meiler zu den Menschen, die nur zu oft erst redeten und dann ihr Gehirn einschalteten. Keine besonders gute Eigenschaft für einen Polizisten. Er schüttelte nur den Kopf, drehte sich mit einem Achselzucken herum und ging zu seinem Tisch zurück.
West saß bereits wieder an ihrem Platz und war mit großem Enthusiasmus damit beschäftigt, ihr viertes Stück Käsekuchen zu massakrieren. Ohne auch nur zu ihm aufzublicken, fragte sie: »Abgeblitzt?«
»Was ... meinen Sie damit?« fragte Bremer.
Noch immer ohne aufzublicken, machte West eine Kopfbewegung in Richtung des Tisches, an dem Meiler und Vürgels saßen. »Die beiden da. Sie haben Ihnen nichts gesagt, stimmt's?«
»Sie haben mir nichts gesagt.« Bremer setzte sich.
»Und bevor Sie jetzt anfangen, sich ernsthaft zu fragen, ob ich Gedanken lesen kann«, sagte West, »verrate ich Ihnen mein Geheimnis. Ich war dabei, als Nördlinger Kommissar Meiler angerufen hat. Er schien ziemlich sicher zu sein, daß Sie sich nicht an seine Anweisung halten würden, Ihre Finger von dem Fall zu lassen.« Bremer sah sie einen Moment lang nachdenklich an. Dann befeuchtete er die Kuppe des Mittelfingers mit der Zunge, langte über den Tisch und angelte einen Krümel ihres Kuchens von ihrem Teller. Sie hatte recht: Er schmeckte ausgezeichnet. Nicht süchtig machend, wie sie behauptet hatte, aber viel besser, als er erwartet hatte.
»Was haben Sie eigentlich gemeint, als Sie vorhin gesagt haben, daß Sie das meiste über mich sowieso schon wissen?« fragte er.
»Das wäre nicht fair«, sagte West.
»Was?«
»Wenn ich diese Frage beantworte, habe ich Ihnen schon zwei Antworten gegeben, und Sie mir noch gar keine«, sagte sie. »Das ist gegen die Spielregeln.«
»Ich kann mich gar nicht daran erinnern, daß wir welche aufgestellt hätten«, sagte Bremer. Er legte ganz bewußt einen schärferen Ton in seine Stimme, als nötig gewesen wäre. Der Gedanke, daß er sich in dieses Kind verliebt haben könnte, hatte sich mittlerweile als so lächerlich entlarvt, wie er auch war, aber Angela West war ihm sympathisch. Vielleicht reagierte er deshalb aggressiver, als ihm selbst angemessen schien. Er seufzte.
»So, und jetzt Schluß mit dem Unsinn, Frau West.«
»Angela«, sagte West. »Oder Angie, wenn Ihnen das lieber ist.«
»Sie haben mich nicht zufällig gerade im Treppenhaus gefunden«, fuhr er fort. »Und Sie haben Nördlingers Gespräch mit Meiler auch nicht zufällig mit angehört. Sie haben mich gesucht.«
»Wäre es Ihnen lieber, er hätte Sie gefunden?« Angela deutete in Meilers Richtung, aber Bremer ignorierte auch diese Frage.
»Nördlinger hat Sie auf mich angesetzt, stimmt's? Es reicht ihm nicht, mich kaltzustellen. Er will ganz sicher gehen. Was hat er von Ihnen verlangt? Daß Sie sich in mein Vertrauen schleichen und aufpassen, daß ich auch wirklich ein lieber Junge bin?«
Angela ließ ihre Gabel sinken. Sie lächelte weiter, aber der fröhliche Glanz in ihren Augen wurde matter. »Das war jetzt nicht fair«, sagte sie.
»Was Sie tun, auch nicht«, antwortete Bremer grob.
»Sind Sie sicher? Ich meine: Haben Sie schon einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen, daß Nördlinger es wirklich gut mit Ihnen meint?«
»Keine Sekunde lang«, antwortete Bremer ehrlich.
»Ich glaube das aber«, sagte Angela. »Ich hatte ein ziemlich langes Gespräch mit ihm. Heute nachmittag, bevor ich zu Ihnen gekommen bin. Er macht sich Sorgen um Sie, und das meine ich ernst.«
»Nördlinger? Um mich? Er kann mich nicht leiden.«
»Das stimmt«, gestand Angela unumwunden. »Aber es ändert nichts. Sie gehören zu seinen Leuten, und Kriminalrat Nördlinger ist ein ziemlich altmodischer Mensch. Er steht zu seinen Leuten, ob er sie nun persönlich mag oder nicht. Wollen Sie wissen, was er von Ihnen hält?«
»Nein«, sagte Bremer.
»Ein guter Polizist«, fuhr sie fort. »Aber leider auch ein Eigenbrötler. Ein wortkarger Einzelgänger mit einem starken Hang zum Selbstmitleid.«
»Danke«, knurrte Bremer. »Genau das habe ich jetzt gebraucht.«
»Das sind nicht meine Worte«, erwiderte West gelassen. »Aber ich schätze, daß er der Wahrheit damit ziemlich nahe kommt. Er hatte gar keine andere Wahl, als Sie von diesem Fall abzuziehen. Sie haben heute ja offenbar weder Zeitung gelesen noch das Radio eingeschaltet, aber glauben Sie wirklich, daß ich Sie aus Langeweile wie Mata Hari aus Ihrem eigenen Haus geschmuggelt habe? Bestimmt nicht. Wenn Sie auch nur die Nase ins Freie stecken, dann wird sich die gesamte Presse dieser Stadt auf Sie stürzen und Sie in kleine Stücke reißen. Deshalb bin ich hier. Um zu verhindern, daß ganz genau das geschieht.«
»Wie rührend«, sagte Bremer spöttisch.
»Keineswegs«, antwortete Angela. »Wie gesagt: Er versucht nur, seine Leute zu schützen.«
»Und Sie helfen ihm dabei.«
»Ich mache meine Arbeit«, sagte Angela. »Ich bin Ihre Partnerin. In guten wie in schlechten Zeiten.«
»Sie verwechseln da etwas«, sagte Bremer. »Und ich arbeite nicht mit einem Partner.« Angela zuckte mit den Schultern. Ihr Spiegelbild auf der Fensterscheibe vollzog die Bewegung getreulich mit, und irgend etwas jenseits dieses Spiegelbildes schien mit einem trägen, sehr machtvollen Wogen darauf zu reagieren, wie ein zum eigenen Leben erweckter Schatten, der sich aus der gemeinsamen Bewegung löst, um fortan ein gespenstisches Eigenleben zu führen.
Bremer schloß mit einem Ruck die Augen. Vielleicht sollte er aufhören, sich Gedanken über Nördlinger oder irgendwelche Journalisten zu machen. Möglicherweise war der einzige Feind, über den er sich ernsthafte Sorgen machen sollte, seine eigene Fantasie.
»Ist das Verhör jetzt vorbei?« fragte Angela nach einer Weile. Sie lächelte noch immer, aber ihre Stimme klang ein bißchen spröde. »Wenn ja, dann hätte ich nämlich auch eine Frage.«
»Eine«, sagte Bremer. »Mehr nicht. Ohne Garantie, daß ich sie beantworte.«
»Azrael«, sagte Angela. »Was bedeutet das?«
Bremer starrte sie an. Fünf Sekunden. Zehn. Dreißig. Er wartete darauf, daß seine Hände zu zittern begannen oder sein Herz raste, aber das genaue Gegenteil war der Fall. Er fühlte sich wie betäubt. Selbst das Sprechen bereitete ihm plötzlich Mühe. »Woher ... kennen Sie diesen Namen?« fragte er stockend.