Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
»Ich schätze, ich komme in das System rein, wenn Sie mir sagen, wonach Sie suchen«, fuhr Angela fort. »Soll ich?« Nun war Bremer vollends verwirrt. Er war noch immer nicht ganz sicher, ob Wests ganzes aufdringliches Benehmen nicht in Wirklichkeit nur diesem einen Zweck diente, nämlich ihn zu verunsichern und ihm so jede Möglichkeit zu nehmen, sich gegen sie zu Wehr zu setzen. Wenn ja, hatte sie Erfolg. Statt zu antworten, beugte er sich vor und schaltete den Computer aus.
»Das sollten Sie nicht tun«, sagte Angela tadelnd. »Ihr ganzes System kann zusammenbrechen, wenn Sie es nicht ordnungsgemäß herunterfahren.«
»Es reicht«, sagte Bremer. Seine Stimme zitterte ganz leicht, war aber auch sehr leise. Er konnte nur flüstern - oder sie anschreien, und so weit war er noch nicht - wobei die Betonung auf dem noch lag. »Ich schlage vor, Sie erklären mir jetzt, wie Sie hierherkommen und was Sie von mir wollen, oder Sie gehen. Am besten beides.«
»In welcher Reihenfolge?« fragte Angela.
Bremer zog scharf die Luft ein, und Angela hob hastig die Hände und fuhr fort: »Entschuldigung. Das war albern. Ich bin eigentlich nur gekommen, um Ihnen etwas zu erzählen, von dem ich dachte, daß es Sie interessiert.«
»Was soll das sein?« fragte Bremer. »Daß Sie mit Computern umgehen können? Oder daß Sie eine etwas abenteuerliche Dienstauffassung haben? Stellen Sie sich vor, beides ist mir bereits aufgefallen.«
Angela seufzte. »Sie machen es mir wirklich nicht leicht, wissen Sie das? Ich stehe auf Ihrer Seite. Sie haben Nördlinger doch gehört - wir beide sind ein Team, ob es uns nun gefällt oder nicht. Also sollten wir auch zusammenhalten, oder?« Bremer wußte wirklich nicht mehr, ob er lachen oder einfach losbrüllen sollte. Er konnte auch beim besten Willen nicht mehr sagen, ob West all diesen Unsinn nun wirklich ernst meinte, oder ob das nur ihre ganz spezielle Art war, ihn auf den Arm zu nehmen.
»Sie haben zu viele amerikanische Krimiserien gesehen Kindchen«, sagte er. »So funktioniert die Wirklichkeit nicht. Und Sie sind mir auch nichts schuldig, nur weil wir beide zufällig den gleichen Beruf haben. Also hören Sie mit dem Quatsch auf.«
»Wollen Sie überhaupt nicht wissen, was ich herausgefunden habe?« fragte Angela.
»Ich will...« Bremer brach ab, ballte die Hände zu Fäusten und seufzte tief. »Was?«
»Es geht um diesen Anwalt«, sagte Angela. »Streblowski, oder wie er heißt.«
»Strelowsky«, korrigierte sie Bremer. »Was ist mit ihm?«
»Interessiert es Sie, zu erfahren, wie er gestorben ist?«
Angela stieß sich mit einer schwungvollen Bewegung von der Schreibtischkante ab und ging in Richtung Küche. Bremer fragte erst gar nicht, was sie nun schon wieder vorhatte, sondern fügte sich mit einem lautlosen Seufzen in sein Schicksal und folgte ihr. Angela schaltete das Licht ein, ging zum Herd und füllte Wasser in den Kessel. Der Gedanke erschien Bremer fast absurd, aber sie hatte ganz offensichtlich vor, Kaffee zu kochen!
»Der genaue Obduktionsbefund wird natürlich erst morgen im Laufe des Tages vorliegen«, fuhr sie fort, »aber so, wie es bis jetzt aussieht, ist er wohl ertrunken.«
»Ertrunken?« Bremer versuchte sich an das zu erinnern, was er von Meiler gehört hatte. »Ich dachte, man hätte ihn in seinem Auto gefunden?«
»Das hat man auch.« Angela schaltete die Herdplatte ein und drehte sich zu ihm herum. »Er saß hinter dem Steuer. In einem tadellos gebügelten, trockenen Anzug, perfekter Frisur und einer brennenden Zigarette in der rechten Hand. Und mit den Lungen voller Wasser. Also wenn das kein bizarrer Selbstmord ist, dann weiß ich nicht.«
Bremer fragte sich, warum er eigentlich nicht überrascht war. Vielleicht, weil er sich mittlerweile in einem Gemütszustand befand, in dem ihn im Grunde nichts mehr überraschen konnte. »Woher wissen Sie das?« fragte er. »Auch wieder weibliche Intuition?«
»Weibliche Überredungskunst«, sagte sie. »Ich habe mich ein bißchen mit Ihrem Kollegen unterhalten. Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht allzu übel, aber ich mußte ein paar häßliche Worte über Sie verlieren, bis er gesprächig wurde. Sie trinken Ihren Kaffee mit Zucker und Milch?«
Sie drehte sich wieder um und wollte die Schranktüren öffnen, aber Bremer war mit einem Schritt bei ihr, drückte die Türen mit der linken Hand wieder zu und schaltete mit der anderen den Herd aus.
»Nein«, sagte er. »Und ich will jetzt auch keinen Kaffee trinken. Ich will jetzt endlich wissen, was dieses ganze Theater soll!« Er stand Angela jetzt ganz dicht gegenüber, vielleicht weniger als zehn Zentimeter, und vielleicht als Reaktion auf diese unmittelbare Nähe, vielleicht auch aus Schrecken über irgend etwas, was sie vielleicht auf seinem Gesicht las, hob sie in einer abwehrenden Bewegung die Arme, und Bremer griff ebenso instinktiv zu und hielt ihre Handgelenke fest.
Er hätte es besser nicht getan. Ihre Berührung war wie ein elektrischer Schlag, der kribbelnd durch seinen gesamten Körper fuhr. Plötzlich, von einem Sekundenbruchteil auf den anderen, war er sich ihrer Nähe mit fast schmerzhafter Intensität bewußt, der Tatsache, wie weich ihre Haut war, und wie schmal und zerbrechlich sich ihre Handgelenke in seinen Fäusten anfühlten.
Und wie sehr sie ihn faszinierte. Es hatte keinen Zweck, sich etwas vorzumachen. Angela war mehr für ihn als eine x-beliebige Fremde, und schon gar nicht die freche Göre, als die er sie gerne gesehen hätte. Er fühlte sich zu ihr hingezogen, auch und vielleicht sogar vor allem körperlich. Dabei war sie nicht einmal sein Typ. Die fast magische Sekunde verging, und plötzlich wurde sich Bremer der fast peinlichen Situation bewußt, in der sie dastanden.
Hastig ließ er ihre Handgelenke los und trat rasch einen Schritt zurück.
»Entschuldigung«, murmelte er. »Ich... Es tut mir leid. Ich habe die Beherrschung verloren.«
»Das wundert mich nicht«, antwortete Angela. »Schon eher, daß es nicht schon viel früher passiert ist. Sie wollen wirklich keinen Kaffee?«
»Nein!« sagte Bremer gereizt.
»Gut. Dann ... sehe ich einmal nach, ob unsere Freunde noch da sind.« Sie drehte sich herum und ging mit schnellen Schritten aus dem Zimmer. Bremer vermied es ganz bewußt, ihr nachzublicken. Er hatte den Schock, den ihre Berührung bei ihm ausgelöst hatte, noch lange nicht überwunden; im Gegenteil. Seine in Aufruhr geratenen Emotionen nahmen nur eine andere Qualität an. Nicht, daß es dadurch irgendwie besser wurde...
Mit klopfendem Herzen wartete er darauf, daß sie zurückkam, aber die Sekunden verstrichen, ohne daß er mehr als gedämpfte Laute aus dem Wohnzimmer hörte. Für einen kurzen Moment war er sogar nahe daran, ihr nachzugehen. Zugleich aber wagte er es nicht.
Statt dessen tat er etwas ziemlich Widersinniges: Er schaltete die Herdplatte wieder ein und kochte Kaffee. Er hatte immer noch keinen Appetit darauf, aber er mußte einfach irgend etwas tun, um seine Hände zu beschäftigen. Er war verunsichert und verstört wie nie zuvor, und das lag längst nicht nur an Angela. Irgend etwas war an diesem Tag geschehen, was ihn gründlich aus der Bahn geworfen hatte. Und das Schlimmste daran war, daß er im Grunde ganz genau wußte, was es war. Er gestattete sich nur noch nicht, den Gedanken konsequent bis zum Ende zu denken.
Angela kam erst zurück, als er den Kaffee fertig und zwei Tassen eingegossen hatte. Sie maß die beiden Tassen mit einem mißbilligenden Blick, ersparte sich aber jeden Kommentar, sondern setzte sich einfach und trank einen großen Schluck, ehe sie sagte: »Sie sind noch da.«