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Azrael: Die Wiederkehr

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Azrael: Die Wiederkehr
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»Haben Sie etwas anderes erwartet?« Bremer rührte in seinem Kaffee. Er brachte es nicht fertig, sie anzusehen, und natürlich war ihm klar, daß sie seine Unsicherheit bemerken mußte.

Statt seine Frage zu beantworten, sagte sie: »Ich bin übrigens im Computersystem - keine Angst, es wird keine Spuren geben, die zu Ihrem Computer zurückführen. Wir sollten die Leitung aber vielleicht nicht allzu lange blockieren. Es ist zwar unwahrscheinlich, aber es könnte ja immerhin sein, daß der legitime Besitzer des Paßworts versucht, sich in den Computer einzuloggen. Er wäre erstaunt, festzustellen, daß er schon drin ist.«

»Meiler?« fragte Bremer. Immerhin wußte er jetzt, was sie die ganze Zeit im Wohnzimmer gemacht hatte.

Angela schüttelte den Kopf. »Kriminalrat Nördlinger«, antwortete sie. »Es ist ziemlich witzlos, eine Tür aufzubrechen, wenn man den Generalschlüssel hat, finde ich.«

»Sie haben Nördlingers Paßwort?« ächzte Bremer.

»Nein«, antwortete Angela. »Aber der Computer glaubt, daß ich es habe. Versuchen Sie erst gar nicht, es zu verstehen. Es ist sehr kompliziert.« Sie stand auf. »Jubeln wir Ihre Telefonrechnung noch ein bißchen in die Höhe, oder betreiben wir ein wenig Datenklau?«

»Sie wissen, daß ich Sie jetzt eigentlich verhaften müßte«, sagte Bremer ernst.

»Sparen Sie sich die Mühe«, antwortete Angela. »Ich könnte jederzeit beweisen, daß ich in diesem Moment an einem Bankautomaten am anderen Ende der Stadt Geld abgehoben habe. Oder, am Frankfurter Kreuz durch eine Radarfalle gerast bin - samt Beweisfoto.« Zumindest das hielt Bremer für übertrieben. Aber er sah auch keinen Sinn darin, die Diskussion weiter fortzusetzen, also folgte er ihr. Was sie taten - was er tat! - war äußerst unvernünftig, mehr noch: Es war kriminell, im wortwörtlichen Sinne. Angela mochte ja tatsächlich von dem überzeugt sein, was sie sagte, aber das allein reichte nicht. Bremer selbst hatte schon eine Menge Leute verhaftet, die felsenfest davon überzeugt gewesen waren, daß man ihnen nicht auf die Schliche kommen konnte. Die Jungs und Mädels im Rechenzentrum des Präsidiums waren keine Dummköpfe.

Trotzdem begleitete er sie widerspruchslos. Er war mittlerweile in einer Verfassung, in der ihm im Grunde alles egal war.

Angela hatte sich tatsächlich bereits in die Datenbank des Präsidiums eingeklinkt und nahm mit einer schwungvollen Bewegung vor dem Monitor Platz. »Also?« fragte sie. »Was wollen wir wissen?«

»Ich«, korrigierte sie Bremer. »Sie sind gar nicht hier. Sie heben gerade Geld an einer Radarfalle in Frankfurt ab, schon vergessen?« Er machte eine Handbewegung auf den Monitor. »Strelowsky. Drucken Sie mir alles aus, was der Computer über seinen Tod weiß. Tatort, Uhrzeit, Zeugen...« Angelas Finger flogen über die Tastatur, und nur ein paar Sekunden später begann der Drucker zu summen. Parallel dazu erschienen die gleichen Daten auf dem Monitor. Bremer war ein bißchen enttäuscht. Zumindest bis jetzt wußte der Computer weniger über Strelowskys Tod, als er von Angela erfahren hatte. Mit einer Ausnahme. »Stop!« sagte er. »Das da! Was ist das?« Angelas Zeige- und Mittelfinger, die über der ENTER-Taste schwebten, um ein weiteres Datenpaket Informationen an den Drucker zu senden, erstarrten mitten in der Bewegung, aber Bremers eigene Erinnerung beantwortete seine Frage, bevor sie es tun konnte. Die Zeile, auf die er gedeutet hatte, beinhaltete die Straße, in der man Strelowskys Wagen gefunden hatte. Bremer machte sich nicht einmal die Mühe, sie sich zu merken; er wußte, daß Angela es tun würde, ganz davon abgesehen, daß sie jeden Buchstaben ausdruckte, den sie der Datenbank entlocken konnte. Aber da war noch etwas in dieser Adresse, eine unterschwellige Botschaft, auf die er im ersten Moment nicht einmal bewußt reagiert hatte; unbewußt aber dafür um so heftiger.

»Pfarrei St. Peter«, las Angela stirnrunzelnd vor. Dann nickte sie. »Stimmt. Meiler hat erwähnt, daß der Wagen in der Nähe einer Kirche gefunden wurde. Aber das muß nichts bedeuten. Es gibt wahrscheinlich tausend Kirchen in Berlin. Mindestens.« Bremer beugte sich über ihre Schulter und betätigte die ENTER-Taste, in dem er ihre Finger darauf drückte. Der Drucker begann zu summen.

»Rosen«, sagte er. »Ich brauche das Protokoll von heute vormittag. Schnell«.

Angela sah ihn fragend an, hämmerte aber auch zugleich schon gehorsam auf die Tastatur ein, und auf dem Bildschirm begann sie das Tatortprotokoll des heutigen Morgens abzuspulen. Die Kollegen, die Rosens Tod protokolliert hatten, waren offenbar sehr viel gründlicher gewesen als Meiler und Vürgels. Der Computer hörte gar nicht mehr auf, Informationen auszuspucken, als hätte er die lückenlose Lebensgeschichte jeder einzelnen Schraube gespeichert, die auf dem improvisierten Schrottplatz gelegen hatte. Wie um alles in der Welt sollte er in diesem Wust von Informationen das eine Puzzleteil finden, nach dem er suchte? Sie würden Stunden brauchen, selbst wenn Angela eine Hardcopy machte und sie sich die Arbeit teilten.

Er dachte ein paar Augenblicke angestrengt nach, dann sagte er: »Thomas. Lassen Sie das Ding nach dem Begriff Thomas suchen. Vater Thomas.«

Angela tippte den Begriff gehorsam ein. Als sie die ENTER-Taste drückte, flackerte der Bildschirm, kaum sichtbar und vielleicht nur für eine Zehntelsekunde. Bremer hielt es allenfalls für eine Auswirkung des Suchbefehls, den sie eingegeben hatte, aber Angela runzelte die Stirn, warf einen raschen, fragend-verwirrten Blick in Richtung der heruntergelassenen Jalousien und stand dann auf. Bremer beachtete sie kaum. Der Computer hatte mittlerweile den gesuchten Begriff gefunden, und er war viel zu aufgeregt, um in diesem Moment auch nur einen Gedanken an irgend etwas anderes zu verschwenden.

»Volltreffer«, murmelte er. »Vater Thomas. Bürgerlicher Name Thomas Wellinghaus, Pfarrei St. Peter! Wenn das ein Zufall ist, arbeite ich ab sofort freiwillig wieder bei der Verkehrspolizei!«

»Falls Sie noch Gelegenheit dazu haben«, sagte Angela. Etwas in ihrer Stimme alarmierte Bremer. Er hob den Kopf und sah, daß sie wieder ans Fenster getreten war und mit der linken Hand die Lamellen der Kunststoffjalousie ein Paar Zentimeter weit auseinandergebogen hatte. »Sie haben uns erwischt, verdammt!«

»Erwischt? Was soll das heißen?« Bremer sah verwirrt auf den Schirm, fast als erwarte er, plötzlich Nördlingers Gesicht anstelle der sauber geordneten Datenkolonnen zu erblicken. Dann stand er auf und ging mit schnellen Schritten zu Angela hinüber. Kurz bevor er sie erreichte, machte sie eine warnende Geste, und er ging langsamer. Schließlich blieb er in einiger Entfernung vom Fenster stehen und sah, was sie gemeint hatte.

Die Zigarettenglut hinter der Windschutzscheibe des BMW war erloschen. Der rote Lichtpunkt bewegte sich jetzt in der Hand des Mannes, der den Wagen verlassen hatte und zusammen mit seinem Begleiter auf das Haus zukam. Es war zu dunkel, als daß Bremer die beiden deutlicher denn als Schatten erkennen konnte, aber er hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was er sehen würde, wenn die beiden näher kamen: Sie würden zwischen dreißig und vierzig Jahre alt sein, sportlich und durchtrainiert und elegant, aber nicht zu auffällig gekleidet. Außerdem würden die beiden Männer bewaffnet sein und ziemlich wenig Skrupel haben, diese Waffen im Notfall auch einzusetzen.

»Der Computer«, murmelte Angela. »Sie haben gemerkt, was wir tun. Aber ich verstehe das nicht!« Bremer schon. Er verstand höchstens Angelas Überraschung nicht. Bildete sie sich wirklich ein, sie wäre die erste, die versucht hatte, mit einem gestohlenen Paßwort ins Computersystem der Polizei einzudringen?

»Wir müssen weg«, sagte er. »Steht Ihr Wagen unten?«

»Um die Ecke«, antwortete Angela. »Was sind das für Kerle? Die sind doch nicht von unserer Truppe!«

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Главный герой
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