Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Azrael: Die Wiederkehr - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Azrael: Die Wiederkehr

Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:

Azrael: Die Wiederkehr
1 ... 19 20 21 22 23 24 25 26 27 ... 101
Перейти на страницу:

»So, wie ich Sie einschätze, haben Sie keine«, antwortete West. »Für den Anfang würde es mir schon reichen, wenn Sie mir einen Kaffee spendieren. Oder ist das auch zu viel verlangt?«

6

Es war gerade acht; eigentlich noch nicht allzu spät, vor allem für einen Mittwoch. Trotzdem wirkte die Cafeteria wie ausgestorben. Der hintere, weitaus größere Teil des Raumes lag im Dunkeln, und die Panoramafront, die auf den Parkplatz im Innenhof hinausführte, hatte sich in einen kupferfarbenen Spiegel verwandelt.

Bremer saß an einem der billigen Plastiktische direkt an der Grenze zwischen dem beleuchteten und dem im Dunkeln daliegenden Teil des Raumes und starrte sein eigenes Spiegelbild an. Es kam ihm fremd vor; und ein bißchen erschreckend. Sein Gesicht war bleich wie die sprichwörtliche Wand, und wenn er seine Hände nicht damit beschäftigt hätte, seit mindestens zehn Minuten in einem Kaffee zu rühren, in dem sich nicht einmal die Spur von Zucker befand, dann hätte man ihr Zittern sehen können. Bremer schrieb die unnatürliche Blässe seines Gesichts wenigstens zum Teil der farbenveränderten Wirkung des Spiegelglases zu. Bei seinen zitternden Fingern galt diese Ausrede nicht mehr - und schon gar nicht bei dem Ausdruck in seinen Augen. Er war seinem eigenen Blick nur für Sekundenbruchteile begegnet und hatte den Kopf dann hastig wieder gesenkt. Aber dieser winzige Moment hatte gereicht. Irgend etwas war in seinen Augen, das ihn entsetzte. Sie hatten etwas gesehen, was kein Mensch jemals sehen sollte. Ein leises Klimpern riß ihn aus seinen Gedanken. Bremer sah auf und erblickte West, die mit einer Tasse Kaffee in der einen und einem Teller mit einem Stück Käsekuchen in der anderen Hand heranbalanciert kam. Bremer versuchte sich zu erinnern, ob es das zweite oder dritte Stück Kuchen war, das sie sich geholt hatte, war sich aber nicht sicher.

»Das dritte«, sagte West, als hätte sie seine Gedanken gelesen. Sie lud ihre Last scheppernd auf den Tisch ab, zog sich mit der Fußspitze einen Stuhl heran und setzte sich.

»Wie bitte?«

»Es ist das dritte Stück Käsekuchen«, sagte sie. »Man konnte die Frage deutlich auf Ihrem Gesicht lesen. Außerdem fragt sich das jeder, früher oder später. Käsekuchen ist mein großes Laster. Ich bin süchtig danach. Verstoße ich damit gegen irgendein Gesetz?«

»Solange man es Ihnen nicht ansieht, nicht«, antwortete Bremer lahm. Er hörte endlich auf, in seinem Kaffee zu rühren, nahm den Löffel heraus und legte ihn mit einer bedächtigen Bewegung auf die Untertasse. Dabei brachte er sogar das Kunststück fertig, daß seine Hände nicht zitterten.

»Im Moment jedenfalls noch nicht.« West schaufelte sich eine gewaltige Ladung Käsekuchen in den Mund und fuhr kauend und an der Grenze des Unverständlichen fort: »Wahrscheinlich werde ich in zehn Jahren jeden einzelnen Bissen bereuen. Aber das ist mir ehrlich gesagt egal.«

»Interessiert Sie Ihre Zukunft nicht?«

»Weiß ich, ob ich in zehn Jahren noch lebe?« West grinste und sah dadurch noch jünger aus, als sie war. »Außerdem bin ich in zehn Jahren vermutlich verheiratet und habe die statistischen anderthalb Kinder, einen Hund und ein Reihenhaus, an dem ich bis kurz vor meiner Pensionierung abbezahle. Wenn ich dann dick und fett bin, ist das eher das Problem meines Mannes.«

»Gibt es einen solchen?« fragte Bremer.

»Nicht einmal in spe«, antwortete West und rammte ihre Gabel zum drittenmal vehement in den Kuchen. Ihre Eßmanieren ließen zu wünschen übrig, dachte Bremer. Was jetzt noch auf ihrem Teller lag, sah eher nach etwas aus, was nach einem Flächenbombardement übriggeblieben war als nach etwas Eßbarem. »Aber rein statistisch wartet er natürlich schon auf mich ... irgendwo dort draußen.« Bremer lächelte flüchtig und nippte an seinem Kaffee. Er hatte so lange darin gerührt, daß er mittlerweile kalt war, stellte sie mit den gleichen behutsamen Bewegungen, mit denen er schon den Löffel gehandhabt hatte, auf die Untertasse zurück und sah West an. Die junge Frau schien voll und ganz auf ihren Kuchen konzentriert zu sein, und sein Blick irrte für einen Moment ab und traf die Fensterscheibe hinter ihr. Seine eigene und Wests Gestalt spiegelten sich als verzerrte Schatten mit unscharfen Rändern darauf, und für einen ganz kurzen Moment, vielleicht nur den Bruchteil einer Sekunde, glaubte er noch einen dritten, gewaltigen Umriß dahinter zu erkennen, der riesig und geflügelt über ihnen emporragte. Er wußte, daß er nicht wirklich da war. Es war nicht einmal eine Halluzination, sondern nur ein böser Streich, den ihm seine Nerven spielten. Trotzdem kostete es ihn beinahe seine gesamt Kraft, sich nicht herumzudrehen und sich davon zu überzeugen, daß er auch tatsächlich allein war.

»Geht es Ihnen wieder besser?« fragte West unvermittelt. »Als ich Sie vorhin da oben ... aufgelesen habe, sahen sie ganz schön fertig aus.« Bremer runzelte die Stirn. Er wußte nicht genau, was er von diesen Worten halten sollte; so wenig, wie er eigentlich wußte, was er von West halten sollte. Vielleicht war sie einfach nur nervös und plapperte drauflos, weil die Situation ihr mindestens genauso unangenehm war wie ihm. Vielleicht aber auch nicht.

»Es geht mir wieder gut«, sagte er und verfluchte sich praktisch im gleichen Moment selbst für diese Antwort. Wieder bedeutete, daß es ihm gerade nicht gut gegangen war. Aber das abzustreiten, wäre sowieso ziemlich albern. »Und um eines klarzustellen«, fuhr er fort. »Sie haben mich nicht aufgelesen. Ich hatte einen kleinen Schwächeanfall. So etwas kommt vor. Sie haben mich vor einer peinlichen Situation bewahrt, und dafür bin ich Ihnen dankbar. Das ist aber auch schon alles. Ich bin Ihnen nichts schuldig. Und ich werde gewiß nicht mein ganzes Leben vor Ihnen ausbreiten.«

»Vor allem nicht, weil wir uns erst seit ein paar Stunden kennen«, pflichtete ihm West bei. »Ich an Ihrer Stelle würde wahrscheinlich auch nicht anders reagieren. Aber das meiste davon weiß ich sowieso schon.« Sie stand auf. »Ich hole mir noch ein Stück Kuchen. Darf ich Sie auch zu einem einladen?« Bremer schüttelte den Kopf, und West schnappte sich mit einem wortlosen Achselzucken ihren Kuchenteller und marschierte zur Theke hinüber. Bremer blickte ihr mit gemischten Gefühlen nach. Er sollte wütend sein, aber er war einfach nur ... verwirrt.

Vielleicht lag es schlicht daran, daß West ihm gefiel, auf eine schwer in Worte zu fassende, direkte Art. Ihre Art, sich zu bewegen, war äußerst anmutig, selbst bei einer so banalen Tätigkeit wie dem Hochheben eines Tellers. Und ihm gefiel auch ihre Art, wie sie sich gab.

Vielleicht, weil er spürte, wie verunsichert und verletzbar sie hinter der aufgesetzten Extrovertiertheit war, hinter der sie sich versteckte. Außerdem hatte er das Gefühl, daß sie eine sehr kluge Person war.

Und daß sie - wenn er noch zwei Minuten so weiter machte - zumindest in seiner Vorstellung zu einer Mischung aus Brigitte Nielson, Claudia Schiffer und einem weiblichen Albert Einstein mutieren würde. Was war mit ihm los? Er war doch wohl nicht etwa dabei, sich in dieses halbe Kind zu verlieben? Großer Gott, sie war jung genug, um seine Tochter sein zu können!

Die Tür ging auf, und eine kleine Gruppe Männer kam herein: zwei, drei Streifenpolizisten in schwarzen Lederjacken, begleitet von Meiler und Vürgels. Bremer kannte beide und verstand sich mit beiden nicht besonders, aber das traf auf die meisten seiner Kollegen zu. Er hatte keine wirklichen Feinde hier im Präsidium, aber auch nur sehr wenige wirklich Freunde. Zur letzteren Kategorie gehörten Meiler und sein schwuler Partner ganz gewiß nicht.

Trotzdem wartete er gerade lange genug ab, bis sich die beiden gesetzt hatten, dann stand er auf und steuerte ihren Tisch an.

»Hallo, Bremer«, begrüßte ihn Meiler. »Was machst du denn noch hier? Ich dachte, Nördlinger hätte dich gefeuert.«

1 ... 19 20 21 22 23 24 25 26 27 ... 101
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)