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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Das soll ein Messer sein?«, wiederholte einer der Dorfobersten und hielt sich den langen Bart zurück, während er sich reckte, um einen Blick auf den Dorn zu erhaschen. »Es sieht stumpf aus!«

»Und das ist es«, erklärte Celdwyn. »Es wird kaum eine Brust durchbohren können. Und doch ist es die einzige Waffe, die den Träger der Halbkrone töten kann. Ich wüsste nicht, was dieser Dorn sonst sein sollte – einen ähnlichen Stein habe ich noch nie gesehen. Es kann nur Elfenmagie dahinter stecken.«

Lautes Stimmengewirr brach los.

»Ruhe – Ruhe!«, rief der Fürst von Lhorga und gebot der aufgebrachten Runde, wieder Platz zu nehmen. Dann erhob er sich feierlich. »Ich sage, das Messer ist durch den Willen der Götter in unseren Besitz gelangt. Ein Mensch hat die Krone der Moorelfen erobert, wir Hykaden finden das magische Messer – das sind Zeichen von Vater Himmel und Mutter Erde! Die Götter sagen uns, dass die Menschen das Elfenvolk erobern sollen!«

Nun erhoben sich mehrere Stammesfürsten und sprachen wild durcheinander – hatte der Fürst von Lhorga vielleicht Recht? War es ein Zeichen der Götter, dass die Menschen die Elfen unterwerfen sollten? »Mir ist das Messer nicht geheuer!«, rief schließlich ein junger Fürst. »Es ist das Werk elfischer Zauberkraft und wird so oder so nur Unheil über uns bringen. Werfen wir es in eine tiefe Schlucht!«

»Bist du des Wahnsinns?« Der Dorfoberste von Hegva sprang schneller auf, als man seinen alten Knochen zugetraut hätte. »Dieses Messer ist ein göttliches Geschenk!«

Eine Tochter von Yugg erhob sich. »Ihr habt beide Recht, edle Fürsten. Wir sollten das Messer loswerden, doch ohne den Göttern dabei undankbar zu sein. Schickt einen mutigen Krieger aus, um das Messer zu den Hainen der Elfen zurückzubringen.«

»Zu den Elfen?«, empörte sich ein anderer Fürst.

»Lieber weiß ich das Messer in den Händen von Mughor, dem Herrn der Toten, als bei den Wilden!«

»Das Messer gebührt dem König!«, rief eine Stimme. Verblüffte Stille trat ein. Die Streitenden wandten sich um und blickten auf einen jungen Stammesführer. Nun, da die Aufmerksamkeit der Versammelten ihm gehörte, stand er auf.

»Ich sage, das Messer gebührt dem König«, wiederholte er. »Vor zwei Jahren schickte ich meine ersten Späher aus, um mehr über den König in Erfahrung zu bringen. Von ihnen erfuhr ich, dass Gerüchte umgehen, Gerüchte, dass der König auch das Reich der Dunklen Wälder erobern und dessen Völker unterwerfen will. Doch der König von Korr ist ein Mensch und damit unser Bruder. Er wird uns verschonen, wenn wir ihm unsere Brüderlichkeit zeigen. Wenn wir aber das Messer den Freien Elfen zurückgeben, schenken wir damit dem Feind, der unseren Bruder erstechen will, den Speer! Lasst uns genau überlegen, was wir tun! Wenn wir das Messer für uns bewahren oder gar den Elfen geben, helfen wir vielleicht den Wilden, einen Menschenkönig zu stürzen. Geben wir dem König von Korr aber das Messer, sichern wir ihm die Macht über die Wilden – und uns seine ewige Freundschaft.«

Eine Weile schwiegen alle. Doch die Gesichter der Versammelten verrieten bereits, dass die gesagten Worte Zustimmung gefunden hatten. Schließlich klang es sehr sinnvoll, dem König gegen die Elfen beizustehen. Denn egal, wer er war, er war ein Mensch – und die Elfen waren feindlich.

»Und wer ist mutig genug, das Messer zu überbringen?«, fragte Celdwyn leise. Ihre Rabenstimme war während der letzten Minuten nicht erklungen.

Nun wurde die Stille nur noch beklemmender und das Feuer schien lauter zu knistern.

Wer war schon bereit für so eine waghalsige Aufgabe? Niemand wusste, wer der König war, und die Schauermärchen seiner Grauen Moorelfenkrieger waren bis in die Dunklen Wälder vorgedrungen. Angeblich lebte der König in einem mächtigen Turm tief in den Marschen, im Reich der Moorelfen versteckt, und der Weg von den Dunklen Wäldern bis nach Korr war auch ohne das magische Messer gefährlich genug.

»Ich weiß jemanden«, sagte plötzlich der unscheinbare Knabe, der neben dem Stammesführer von Lhorga saß. Der junge Fürstensohn blickte unruhig zu seinem Vater auf, als alle sich ihm zuwandten.

»Das Dornenmädchen. Der Bastard, ihr wisst schon ... Niemand wird um sie bangen.«

Unsichere Blicke wanderten umher.

»Unsinn«, sagte schließlich der Fürst von Lhorga. »Wir können kein Mädchen allein auf diese Reise schicken. Noch dazu hat sie elfisches Blut, man weiß also nie, ob man ihr trauen kann. Und ich habe gehört, dass sie schwachsinnig ist.«

»Ist das nicht ein Vorteil?«, erwiderte eine Tochter Yuggs zögernd. »Ein schwachsinniges Mädchen wird keine Aufmerksamkeit erregen. Sie wird bestimmt unbemerkt bis zum König gelangen, sofern sie nicht zu schwachsinnig ist, um den Weg zu finden ...«

»Oh, man kann ihr Angst machen«, schlug der Fürstensohn vor, durch die Zustimmung der Frau offensichtlich ermutigt. »Ja, ja, sie ist furchtsam! Wenn man ihr droht, dass sie aus dem Dorf verbannt wird und den Zorn der Götter auf sich zieht, wird sie tun, was man ihr sagt. Ich kenne sie. Ich habe sie oft genug mit meinen Freunden gesehen.«

Der Fürst von Hegva ergriff rasch das Wort: »Der Knabe hat Recht. Ein einfaches Mädchen wird am wenigsten Misstrauen erregen. Wir müssen ihr gar nicht sagen, was genau es mit dem Messer auf sich hat – erteilt ihr einfach den Befehl, so kann sie auch nichts verraten! Und keiner von uns muss um sein Kind bangen, wenn wir stattdessen sie ausschicken.« Sorgsam tätschelte er den Arm seines Sohnes. »Und wenn das Mädchen tatsächlich versagt und das Messer nicht zum König findet ... nun, dann ist auch das der Wille der Götter, will ich meinen. Und wir müssen nie wieder einen Gedanken an das Messer verschwenden. Unser Gewissen bleibt rein.«

Der Fürst von Lhorga schwieg nachdenklich.

Dann wandte er sich Celdwyn zu. Für einen kurzen Augenblick war die Ratlosigkeit in seinem Gesicht zu lesen.

»Was sagst du, Celdwyn?«, murmelte er.

Die Augen der Alten richteten sich auf den Fürstensohn. Wie gut, dass sie rechtzeitig für seine Anwesenheit in der Versammlung gesorgt hatte ...

»Schicke das Bastardmädchen«, sagte sie leise.

Celdwyns weises Wort

Es war bereits Abend, als es an der Tür klopfte. Agwin selbst erhob sich und legte ihr Nähzeug zur Seite, um nachzusehen, wer sie besuchte. Vielleicht war es die Seherin, die ihr das Geld für die Kohlköpfe bringen wollte. Oder, überlegte Agwin düster, ein anderer, der sich aus irgendeinem Grund über Nill beschweren wollte. Das Mädchen war zu nichts fähig, dachte Agwin, nicht einmal Kohlköpfe zu verkaufen gelang ihr.

Aber vor der Tür stand tatsächlich die Seherin Celdwyn. In der rechten Hand hielt sie eine Laterne, denn ihre Hütte stand abseits des Dorfes, und es war bereits so dunkel, dass sie den schmalen Trampelpfad ohne Licht nicht gefunden hätte.

»Die Götter seien mit dir, Agwin«, grüßte Celdwyn.

Agwin musterte argwöhnisch die Seherin, die vor ihr stand wie eine alte, krumme Krähe und sogar den Kopf auf vogelähnliche Weise schief gelegt hatte.

Dann verzog sie die verkniffenen Mundwinkel zu einem knappen Lächeln und trat zur Seite. »Sei gegrüßt, hohe Seherin«, erwiderte Agwin und schielte bereits auf den Leinenbeutel, den die Alte in der linken Hand hielt. »Was führt dich her? Tritt ein – sei willkommen.«

»Oh, vielen Dank.« Celdwyn stellte ihre Laterne ab und ging an Agwin vorbei ins Haus. Einen Augenblick hielt sie inne, das Gesicht erhoben, als wittere sie etwas in der Luft, dann erspähte sie Nill, die im Türrahmen der Küche erschien.

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