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Indiana Jones Die Gefiederte Schlange

Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:

Als Indiana Jones einen verschollenen Freund in einem Andendorf endlich findet, ist dieser dem Tod nahe und übergibt ihm ein mysteriöses goldenes Amulett. Bald stellt sich heraus, daß dieser Anhänger zum rituellen Schmuck des Oberpriesters der Maya gehört und seinem Träger gewaltige magische Kräfte verleihen kann. Doch das Geschenk bringt Indiana Jones kein Glück: Einige Indios heften sich an seine Fersen, die zu allem entschlossen scheinen …
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Indiana schrie erschrocken auf, als die Cessna einen regelrechten Satz machte und mit unerwartet hoher Geschwindigkeit durch das Wasser zu pflügen begann.»Bist du wahnsinnig geworden!?«kreischte er.»Was soll denn das?«

Zum ersten Mal sah Joana ihn an. Sie wirkte blaß und sehr erschrocken, aber sie lächelte trotzdem. Sie antwortete auch jetzt nicht, aber das, was sie tat, beantwortete Indianas Frage sehr viel besser, als sie selbst es gekonnt hätte: Das Flugzeug wurde immer schneller, und plötzlich begann sie sacht, das Steuerruder an sich heranzuziehen. Voller Entsetzen registrierte Indiana, wie der Rumpf der Cessna zu vibrieren begann, sich aus dem Wasser hob, nach ein paar Metern mit einem heftigen Ruck wieder zurückklatschte — und dann vollends abhob.

«Das ist doch nicht dein Ernst«, brüllte er.»Hör sofort mit diesem Unsinn auf, Kind.«

Aber Joana zog ganz im Gegenteil die Nase des Flugzeuges immer höher. Unter ihnen waren plötzlich fünf Meter Luft, dann zehn, fünfzig, hundert … Und schließlich lag der Hafen wie eine Spielzeuglandschaft unter dem Flugzeug.

Joana legte die Cessna in eine sanfte Linkskurve, ging wieder etwas tiefer und flog eine weitgezogene Schleife über das gesamte Hafenbecken, ehe sie den Propeller in südliche Richtung ausrichtete und ein wenig Gas zurücknahm. Aus dem zornigen Brüllen des Motors wurde ein gleichmäßiges Summen, und die Maschine hörte auf zu zittern und zu bocken.

«Du … kannst so ein Ding fliegen?«vergewisserte sich Indiana.

Joana nickte.»Ich habe keinen Pilotenschein, wenn du das meinst«, sagte sie,»aber mein Vater war ein begeisterter HobbyFlieger. Ich war elf Jahre alt, als ich das erste Mal hinter dem Steuer einer Maschine saß«, fuhr Joana ungerührt fort.»Und mit fünfzehn habe ich meine erste Landung geschafft.«

Indiana blickte sie ungläubig an.

«Sagte ich nicht, daß du mich noch brauchen wirst?«fragte Joana.

Indiana schüttelte grimmig den Kopf.»Nein«, knurrte er,»das sagtest du nicht.«

«Dann tue ich es jetzt«, antwortete Joana fröhlich.»Also, so wie ich die Sache sehe, willst du deinen Freund José einholen, um ihm die eine oder andere Frage zu stellen.«

«Stimmt«, sagte Indiana ärgerlich.»Und vielleicht auch, um ihm den einen oder anderen Knochen zu brechen. Aber du hast es ganz richtig gesagt: Ich will das tun.«

«Aber du weißt nicht, wo er ist?«vermutete Joana.

Indiana blickte sie böse an und nickte abermals.

«Siehst du«, sagte Joana fröhlich.»Ich weiß es.«

«Dann sag es mir«, antwortete Indiana,»und dann bring diese verdammte Kiste wieder nach unten. Wir sind jetzt weit genug vom Hafen entfernt.«

Joana schüttelte den Kopf, warf einen Blick auf die Instrumente und schüttelte noch einmal und heftiger den Kopf.»Das wäre ziemlich dumm«, sagte sie.»Die Tanks sind voll, der Treibstoff reicht allemal.«

«Wozu?«fragte Indiana mit einem sehr unguten Gefühl.

«Um nach Kuba zu kommen«, antwortete Joana.»Wenn wir nicht in einen Sturm geraten oder einen Motorschaden bekommen, dann sind wir zwei Tage vor deinem Freund dort.«

Indiana atmete tief ein.»Jetzt hör mir mal zu, Kleine«, sagte er, so ruhig und ernst er konnte.»Das hier ist kein Spaß. Diese Männer wollten mich umbringen, und sie werden keine Sekunde zögern, auch dich zu töten, wenn es sein muß.«

«Ich weiß«, sagte Joana.

«Aber du weißt anscheinend nicht genug über mich«, antwortete Indiana ernst.»Ich werde José finden und ihn fragen, was das alles zu bedeuten hat. Aber das werde ich allein tun, hast du das verstanden?«

«Sicher«, antwortete Joana.»Wenn du darauf bestehst, dann lande ich und lasse dich von Bord. Aber du wirst verdammt lange suchen müssen, um deinen Freund zu finden. Und vor allem wirst du nach Kuba schwimmen müssen. Ich glaube nicht, daß du ihn findest, wenn er erst einmal von Bord des Schiffes ist.«

«Warum überläßt du das nicht mir?«knurrte Indiana böse.»Ich werde ihn schon irgendwo auftreiben.«

«Sicher«, nickte Joana.»Aber ich weiß, wohin er will — du auch?«

Indiana starrte sie eine geschlagene Minute lang zornig an.»Das ist Erpressung«, sagte er schließlich.

«Ich weiß«, antwortete Joana fröhlich.

KUBA

Entgegen dem, was Joana behauptet hatte, reichte das Benzin natürlich nicht für einen Nonstop-Flug von New Orleans nach Havanna. Sie mußten zweimal zwischenlanden, um die Tanks des Wasserflugzeugs wieder aufzufüllen, und zumindest einmal kostete es Indiana all seine Überredungskunst (und einen nicht unerheblichen Teil seiner ohnehin schon arg zusammengeschrumpften Barschaft), um einen sehr mißtrauischen Hafenmeister davon zu überzeugen, ihnen den nötigen Treibstoff auszuhändigen und außerdem den Umstand zu vergessen, daß am Steuer des Wasserflugzeuges ein Kind saß. Sie legten einen weiteren Zwischenstop ein, als Joana müde wurde, und Indiana bestand darauf, daß sie sich auf der hinteren Sitzbank der Cessna ausstreckte und acht Stunden ununterbrochen durchschlief.

Sie erreichten Kuba am frühen Abend des darauffolgenden Tages, und Joana erhob keine Einwände, als Indiana vorschlug, nicht direkt im Hafen von Havanna, sondern in einer kleinen Bucht wenige Meilen entfernt zu wassern und das Flugzeug zu verstecken. Immerhin war es gut möglich, daß sie die Maschine noch brauchten, um die Insel auf demselben Wege wieder zu verlassen, auf dem sie sie erreicht hatten.

Obwohl sie noch gut drei oder vier Stunden Tageslicht erwarten konnten, erhob sie keinerlei Einwände, als er vorschlug, die Nacht hier zu verbringen und erst am nächsten Morgen in die Stadt zu gehen. Trotz all seiner dementsprechenden Versuche hatte Joana sich bisher beharrlich geweigert, ihm das Ziel ihrer Reise zu verraten; ebenso, wie sie kein Sterbenswörtchen über das Geheimnis der Maya-Anhänger oder der beiden Indios verloren hatte. Obwohl Indiana sicher war, daß sie es zumindest zum Teil kannte.

Aber immerhin waren sie sich während des langen Fluges ein wenig nähergekommen. Sie hatten viel miteinander geredet: Joa-na über sich und ihren Vater und Indiana über sich und Joanas Vater. Indiana hatte bald gemerkt, daß Swanson tatsächlich soviel von ihm erzählt haben mußte, wie Joana anläßlich ihrer ersten Begegnung eher beiläufig gesagt hatte; und daß er, mit seiner gewohnten Art, das eine oder andere ein wenig übertrieben darzustellen, ein Bild von Dr. Indiana Jones gezeichnet hatte, dem eigentlich nur noch der blaue Strampelanzug fehlte, um ihn zu einer Art Superman zu machen. Es war ihm beinahe peinlich geworden, all die Übertreibungen richtigzustellen, die Swanson offensichtlich in seine Erzählungen über Indianas Abenteuer hatte einfließen lassen.

Aber irgendwann hatte er gespürt, daß Joana dies gar nicht wollte. Wahrscheinlich hatte sie ohnehin nicht die Hälfte von dem geglaubt, was ihr Vater über den berühmten Dr. Indiana Jones erzählt hatte; aber jetzt, nach seinem Tod, an seinen Worten zu zweifeln, das mußte für sie irgendwie sein, als versuchte Indiana, nicht sich selbst, sondern Swanson kleiner zu machen.

So hatte er es aufgegeben und schließlich nur noch mit einem Achselzucken, einem verlegenen Blick oder einem Lächeln auf ihre Fragen geantwortet. Davon abgesehen, war nichts von dem, was Swanson seiner Tochter über ihn erzählt hatte, wirklich gelogen gewesen — es war eben nur ein Unterschied, ob man an einer gefährlichen Expedition teilnahm und sich wochen-, wenn nicht gar monatelang durch den Dschungel, die Wüste oder eine Einöde aus Felsen und Eis schleppte oder ob man von dieser Zeit und all den Gefahren, die man währenddessen überstehen mußte, in wenigen Sätzen und Augenblicken berichtete.

Indiana hätte ihr sagen können, daß die meisten Abenteuer nur aus Mühe, Schweiß, Hunger, Durst und Verzweiflung bestanden und die meisten Heldentaten aus purer Angst begangen wurden. Aber vermutlich wußte Joana das genausogut wie er, und wahrscheinlich wollte sie es gar nicht hören.

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