Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
08. Juni 2069, 15:37 GZ, Nachricht 6943, Folge 2. Starglider an Erde:
Die Hypothese, die Sie als Gott bezeichnen, kann zwar allein durch Logik nicht widerlegt werden, ist aber unnötig.
Wenn Sie annehmen, dass das Universum ›erklärt‹ werden kann als Schöpfung einer Einheit namens Gott, muss die Einheit sich offenbar auf einem Niveau höherer Organisation befinden als ihr Produkt. Somit haben Sie die Größe des ursprünglichen Problems mehr als verdoppelt und sind in einen Prozess divergierender (und daher unendlicher) Iteration eingetreten.
William of Ockham hat erst in Ihrem vierzehnten Jahrhundert darauf hingewiesen, dass Einheiten nicht unnötig multipliziert werden sollten.
11. Juni 2069, 06:84 GZ, Nachricht 8964, Folge 2. Starglider an Erde:
Starholm hat mir vor 456 Jahren mitgeteilt, dass der Ursprung des Universums gefunden wurde, dass ich jedoch nicht genug Prozesskapazität besitze, um die Zusammenhänge zu verstehen. Für weitere Auskunft wenden Sie sich direkt an Starholm.
Ich schalte jetzt auf Interstellarfahrt und muss die Verbindung abbrechen. Leben Sie wohl.
Nach Ansicht vieler bewies diese letzte und sensationellste unter den vielen Tausenden von Nachrichten, die Starglider übertragen hatte, dass der Robot Humor besaß. Warum sonst hätte er bis zum letzten Augenblick gewartet, die philosophische Bombe zu zünden? Oder war die ganze Unterhaltung nur ein sorgfältig ausgedachter Plan, der die Aufgabe hatte, die Menschheit geistig auf die Ankunft der ersten Direktbotschaft von Starholm vorzubereiten, ungefähr 104 Jahre in der Zukunft?
Einige schlugen vor, man solle Starglider folgen, da er nicht nur immenses Wissen, sondern überdies auch die Schätze einer um Hunderte von Jahren weiterentwickelten Technologie mit sich führte. Obwohl es kein Raumschiff gab, das Starglider einholen und dann wieder zur Erde zurückkehren konnte, war es durchaus möglich, eines zu bauen.
Schließlich aber setzten sich gemäßigtere Ansichten durch. Auch ein Roboter mochte sich durchaus gegen Zudringlichkeiten wehren können, und sei es auch, als letzter Ausweg, durch Selbstzerstörung. Das überzeugendste Argument aber war, dass Stargliders Erbauer sich in einer Entfernung von »nur« zweiundfünfzig Lichtjahren befanden. In den Jahrtausenden, seit sie Starglider vom Stapel gelassen hatten, war ihre Raumfahrttechnik weiter fortgeschritten. Wenn die Menschheit sie herausforderte, mochte es geschehen, dass sie in ein paar hundert Jahren, leicht verärgert, über der Erde erschienen.
Der Priester
Morgan überflog in Gedanken noch einmal die bisherige Unterhaltung und kam zu dem Schluss, dass er sich nicht lächerlich gemacht hatte.
Im Gegenteiclass="underline" Mahajanake Thero mochte sich eines taktischen Vorteils begeben haben, indem er die Identität des Ehrwürdigen Parakarma preisgab. Es war allerdings darum kein besonderes Geheimnis; womöglich nahm er an, dass Morgan bereits davon wisse.
Die Unterhaltung wurde an dieser Stelle unterbrochen. Zwei junge Priesteranwärter betraten das Büro.
Der eine trug ein Tablett mit kleinen Schüsseln voll Reis, Früchten und Dingen, die wie dünne Pfannkuchen aussahen, der andere brachte die unvermeidliche Teekanne. Nichts unter dem Dargebotenen sah nach Fleisch aus. Nach dieser langen Nacht hatte Morgan Appetit auf ein paar Eier, aber vermutlich waren selbst die verboten. Nein — das war zu stark ausgedrückt. Sarath hatte ihm erklärt, dass der Orden nichts verbot, da er Absolutheiten ablehnte. Aber es gab eine fein abgestufte Skala des Zulässigen, und auf dieser befand sich das Vernichten von Leben, selbst potentiellem Leben, ganz am unteren Ende.
Als er von den verschiedenen Schüsseln zu kosten begann, deren Inhalt ihm zumeist unbekannt war, sah er den Mahajanake Thero fragend an. Dieser jedoch schüttelte den Kopf.
»Wir essen nichts vor Mittag. Der Verstand arbeitet des Morgens klarer und sollte nicht durch materielle Dinge abgelenkt werden.«
Während er ein wohlschmeckendes Stück Papaya verzehrte, bedachte Morgan den weltweiten Unterschied, der zwischen dieser Philosophie und der seinen bestand. Für ihn war ein leerer Magen eine starke Ablenkung, die die höheren Funktionen des Gehirns völlig lahmlegte. Da er sich stets guter Gesundheit erfreut hatte, war ihm nie der Gedanke gekommen, man müsse Körper und Geist voneinander trennen. Er sah nicht ein, wozu das gut sein solle.
Während Morgan sein exotisches Frühstück verzehrte, entschuldigte sich der Mahajanake Thero für ein paar Minuten. Seine Finger tanzten mit bewundernswerter Geschwindigkeit über die Tastatur der Konsole. Während der Datenbildschirm sich füllte, fühlte Morgan sich aus Höflichkeit veranlasst, zur Seite zu sehen. Sein Blick fiel auf den Buddhakopf. Er war vermutlich echt; denn das Piedestal warf einen matten Schatten gegen die Wand, vor der es stand. Aber selbst das war kein schlüssiger Beweis. Das Piedestal mochte solide sein und der Kopf eine sorgfältig positionierte Projektion. Man kannte solche Tricks.
Hier war, wie die Mona Lisa, ein Kunstwerk, das die Empfindungen des Betrachters sowohl spiegelte als auch beeinflusste. La Gioconda hatte die Augen geöffnet, obwohl niemand je erfahren würde, was sie schauten.
Die Augen des Buddhas dagegen waren blicklos — leere Flächen, in denen ein Mensch seine Seele verlieren oder ein Universum entdecken mochte.
Um die Lippen spielte ein Lächeln noch undeutbarer als das der Mona Lisa. Wenn es überhaupt ein Lächeln war und nicht nur ein Spiel des Lichts. Jetzt war es plötzlich verschwunden, ersetzt durch einen Ausdruck übermenschlicher Ruhe. Morgan konnte den Blick nicht von dem hypnotisierenden Antlitz wenden, und erst das vertraute Rascheln und Summen eines Kopiergeräts brachte ihn in die Wirklichkeit zurück — falls dies in der Tat die Wirklichkeit war.
»Ich dachte, Sie möchten vielleicht ein Souvenir von diesem Besuch mit nach Hause nehmen«, sagte der Mahajanake Thero.
Morgan nahm das Blatt entgegen, das ihm gereicht wurde, und stellte zu seiner Überraschung fest, dass es Pergament von Archivqualität war, nicht das übliche dünne Papier, das man nach kurzer Zeit wieder wegwarf. Er verstand kein einziges Wort des Gedruckten. Mit Ausnahme einer winzigen alphanumerischen Kennzeichnung in der linken unteren Ecke war alles in jenen runden, blumigen Zeichen, von denen er mittlerweile wenigstens wusste, dass sie dem taprobanischen Alphabet zugehörten.
»Ich danke Ihnen«, sagte er mit all der Ironie, die ihm in diesem Augenblick noch zur Verfügung stand. »Was ist es?« Er glaubte es fast zu wissen. Juristische Dokumente besaßen eine auffallende Familienähnlichkeit, ohne Rücksicht auf die Sprache, in der sie verfasst waren, oder die Ära, aus der sie stammten.
»Eine Kopie des Übereinkommens zwischen König Ravindra und dem Maha Sangha, abgeschlossen am Vesak-Fest des Jahres 854 Ihrer Zeitrechnung. Es bestimmt den Eigentümer des Tempelgeländes — bis in alle Ewigkeit. Die Rechte, die dieses Dokument festlegt, wurden selbst von den fremden Eindringlingen geachtet.«
»Von den Engländern und Holländern, soweit ich weiß. Aber nicht von den Portugiesen.«
Falls der Mahajanake Thero darüber erstaunt war, wie gut Morgan sich vorbereitet hatte, dann verriet er dies nicht einmal mit einem Wimpernzucken.
»Die Portugiesen waren niemals dafür bekannt, dass sie Recht und Ordnung respektierten — besonders dann nicht, wenn es um andere Religionen ging. Ich hoffe, dass Sie ihre Philosophie, Macht ist gleich Recht, nicht als anziehend empfinden.«
Morgan zwang sich zu einem Lächeln. »Ganz gewiss nicht«, antwortete er. Aber wo zog man den Schlussstrich?, fragte er sich insgeheim. Wenn es um die dominierenden Interessen großer Organisationen ging, wurden Recht und Moral oft auf den zweiten Platz verwiesen. Die juristischen Autoritäten der Erde, menschliche ebenso wie elektronische, würden sich binnen kurzem auf diesen Ort konzentrieren. Wenn sie die richtigen Antworten nicht fanden, dann mochte eine recht unangenehme Situation entstehen — und er würde womöglich die Rolle des Schurken anstatt die des Helden spielen.