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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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»Da Sie das Übereinkommen von 854 zur Sprache gebracht haben, erlauben Sie mir, Sie daran zu erinnern, dass es sich nur auf das Land innerhalb der Tempelgrenzen bezieht, die durch die äußeren Mauern eindeutig definiert sind.«

»Richtig. Aber die Mauern umschließen den gesamten Gipfel.«

»Sie haben keine Kontrolle über den Grund und Boden außerhalb dieser Grenzen.«

»Wir haben die Rechte eines jeden Grundbesitzers. Wenn die Nachbarn eine Störung darstellen, können wir Beschwerde einlegen. Es wäre dies nicht das erste Mal.«

»Ich weiß. Es wurde bereits im Zusammenhang mit der Seilbahn getan.«

Der Maha Thero lächelte schwach. »Sie haben sich wirklich vorbereitet«, lobte er. »Ja, wir waren ganz und gar dagegen — aus einer Reihe von Gründen. Allerdings gebe ich zu, dass wir jetzt, da es die Seilbahn gibt, für ihre Existenz oftmals dankbar gewesen sind.« Er legte eine nachdenkliche Pause ein und fügte dann hinzu: »Es hat ein paar Probleme gegeben, aber wir bringen es fertig, nebeneinander zu leben. Schaulustige und Touristen begnügen sich mit der Aussichtsplattform. Echte Pilger dagegen heißen wir natürlich stets auf dem Gipfel willkommen.«

»Dann ließe sich für diesen Fall womöglich ein Kompromiss finden. Ein paar hundert Meter Höhenunterschied sind für uns unerheblich. Wir würden den Gipfel überhaupt nicht berühren, sondern uns ein eigenes Plateau einrichten wie das, auf dem die Bergstation der Seilbahn steht.«

Morgan fühlte sich unter den durchdringenden Blicken der beiden Mönche ausgesprochen unbehaglich. Er zweifelte nicht daran, dass sie das Absurde seines Vorschlags sofort durchschauten. Dennoch hatte er ihn unterbreiten müssen — der Vollständigkeit halber.

»Sie haben einen höchst eigenartigen Sinn für Humor, Dr. Morgan«, erwiderte der Mahajanake Thero schließlich. »Was würde aus dem Geist des Berges — aus der Einsamkeit, die wir dreitausend Jahre lang gesucht haben — wenn man Ihre ungeheuerliche Maschine hier errichtete? Erwarten Sie von uns, die Gläubigkeit der Millionen zu verraten, die zu diesem heiligen Ort gepilgert sind, oft auf Kosten ihrer Gesundheit, sogar ihres Lebens?«

»Ich empfinde mit Ihnen«, antwortete Morgan. (Tue ich das wirklich?, fragte er sich.) »Wir würden selbstverständlich nichts unversucht lassen, um die Belästigung so gering wie möglich zu halten. Die gesamte Anlage wird im Innern des Berges untergebracht. Nur der Fahrstuhl selbst wäre sichtbar, und auch er nur über eine geringe Distanz. Struktur und Aussehen des Berges blieben gänzlich unverändert. Selbst Ihr berühmter Schatten, den ich soeben bewundert habe, wäre so gut wie nicht betroffen.«

Der Mahajanake Thero wandte sich an seinen Kollegen, als erwarte er von ihm eine Bestätigung. Der Ehrwürdige Parakarma blickte Morgan herausfordernd an und sagte: »Was ist mit dem Geräusch?«

Verdammt, schoss es Morgan durch den Sinn, mein schwächster Punkt. Die Transporte würden den Berg mit einer Geschwindigkeit von mehreren hundert Kilometern pro Stunde verlassen — je mehr Anfangsgeschwindigkeit, desto geringer die Belastung des Turmes. Passagiere ertrugen natürlich nicht mehr als ein g oder so, aber die Fahrzeuge würden noch immer mit 30, 40 oder 50 Prozent der Schallgeschwindigkeit aus dem Berg hervorschießen.

»Es wird einen gewissen Betrag aerodynamischen Geräusches geben«, bekannte Morgan. »Aber weitaus weniger als in der Nähe eines großen Flughafens.«

»Sehr beruhigend«, sagte der Mahajanake Thero. Das war reiner Sarkasmus, daran gab es für Morgan keinen Zweifel, aber er konnte keine Spur der Ironie in des Priesters Stimme erkennen. Es erfüllte ihn entweder eine olympische Ruhe, oder er stellte die Reaktionen seines Besuchers auf die Probe. Der jüngere Mönch dagegen gab sich keine Mühe, seinen Ärger zu verbergen.

»Seit Jahren«, sagte er zornig, »protestieren wir gegen den teuflischen Lärm, der von einfliegenden Raumfahrzeugen verursacht wird. Und Sie wollen Schockwellen in unserem eigenen Hinterhof erzeugen!«

»Unsere Fahrzeugbewegungen sind in dieser Höhe nicht Überschall«, erwiderte Morgan hart. »Außerdem fängt die Struktur des Turmes den größten Teil der Schallenergie ab. Um genau zu sein«, fügte er hinzu, als er plötzlich erkannte, welchen Punkt er zu seinem Vorteil ausschlachten konnte, »werden wir auf lange Sicht den Einfluglärm eliminieren. Es wird auf diesem Berg in Wirklichkeit ruhiger zugehen.«

»Ich verstehe. Anstelle gelegentlicher Erschütterungen haben wir dann ein ständiges Dröhnen.«

Mit diesem Kerl ist nichts anzufangen, dachte Morgan; ich hatte gemeint, Mahajanake Thero sei das größte Hindernis!

Manchmal war es am klügsten, wenn man das Thema wechselte. Er entschloss sich, eine vorsichtige Zehe in das heiße Wasser der Theologie zu stecken.

»Sehen Sie denn nicht etwas Verwandtes in unseren Plänen?«, fragte er voller Ernst. »Unsere Beweggründe mögen verschieden sein, aber die Ergebnisse sind einander ähnlich. Was wir zu bauen vorschlagen, ist weiter nichts als eine Verlängerung Ihrer Treppe. Wir setzen sie fort, wenn ich mich so ausdrücken darf, bis zum Himmel hinauf.«

Eine Sekunde lang schien der Ehrwürdige Parakarma von so viel Unverschämtheit verblüfft. Bevor er sich von seiner Überraschung erholte, antwortete sein Vorgesetzter unbeeindruckt: »Ein interessantes Konzept, aber unsere Philosophie glaubt nicht an den Himmel. Wenn sich überhaupt eine Erlösung finden lässt, dann nur auf dieser Erde, die Sie anscheinend je früher desto lieber verlassen möchten. Haben Sie schon einmal die Geschichte vom Turm zu Babel gehört?«

»Irgendwann einmal, ja.«

»Ich schlage vor, Sie lesen sie noch einmal nach, in der alten christlichen Bibel, Schöpfungsgeschichte II. Auch jener Turm war ein Ingenieurunternehmen, das den Himmel erreichen wollte. Es schlug fehl, weil die Verständigung nicht funktionierte.«

»Unser Vorhaben hat seine Probleme, aber ich glaube nicht, dass dieses dazugehören wird.«

Andererseits war Morgan, wenn er sich den Ehrwürdigen Parakarma ansah, seiner Sache nicht so sicher. Es gab hier eine Verstehenslücke, die in mancher Hinsicht größer zu sein schien als die zwischen dem Menschen und Starglider. Sie sprachen dieselbe Sprache, aber es gab Weiten des gegenseitigen Nichtverstehens, die sich womöglich niemals überbrücken lassen würden.

»Darf ich fragen«, fuhr der Mahajanake mit unerschütterlicher Höflichkeit fort, »was Sie beim Ministerium für Wälder und Parks ausgerichtet haben?«

»Man war dort äußerst hilfsbereit.«

»Das nimmt einen nicht wunder. Sie leiden an einem chronischen Defizit. Die Seilbahn war ein warmer Regen, und man hofft ohne Zweifel, dass Ihr Vorhaben noch mehr Geld einbringen wird.«

»Die Hoffnung wird sich bewahrheiten. Man nimmt mir außerdem ab, dass der Turm keine Bedrohung darstellt.«

»Was, wenn er umfällt?«

Morgan erwiderte den Blick des ehrwürdigen Mönchs ohne Zaudern.

»Er wird nicht umfallen«, erklärte er mit der Autorität des Mannes, dessen Brücke zwei Kontinente verband.

Er wusste jedoch, und sicherlich wusste es der unversöhnliche Parakarma auch, dass es absolute Sicherheit in diesen Dingen nicht gab. Vor zweihundertundzwei Jahren, am 7. November 1940, war diese Lektion in einer Art und Weise gelehrt worden, dass kein Ingenieur sie je vergessen würde. Morgan hatte nur selten Albträume; aber jenes Ereignis war einer davon. Die Computer der Terran Construction Company waren in diesem Augenblick damit beschäftigt, ihn zu bannen.

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