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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Man hatte vorgehabt, im Lager an der Drissa zu bleiben, aber unerwarteterweise macht Paulucci, der den Posten eines Oberkommandierenden im Auge hat, mit der ihm eignen Energie seinen ganzen Einfluß auf Alexander geltend, und so wird Pfuels ganzer Plan umgestoßen und die Angelegenheit Barclay übergeben. Da man aber zu Barclay nicht das rechte Vertrauen hat, wird ihm seine Macht beschnitten. Das Heer wird zerstückelt; es gibt kein einheitliches Oberkommando; Barclay ist unbeliebt. Und diesem ganzen wirren Knäueclass="underline" Zerstückelung der Truppen und Unbeliebtheit des deutschen Oberkommandierenden entspringt einerseits dieses Schwanken und Vermeidenwollen einer Schlacht – der man sich nicht hätte zu entziehen brauchen, wenn die Armee vereint und Barclay nicht Oberkommandierender gewesen wäre – und andrerseits die immer größer werdende Mißstimmung gegen die Deutschen und das Aufleben des patriotischen Geistes.

Endlich reist der Kaiser von der Front ab, und als einzigen annehmbaren Vorwand dieser Abreise hat man den Gedanken ausgeheckt: der Kaiser müsse das Volk in den Hauptstädten für einen Volkskrieg begeistern. Und diese Reise des Kaisers nach Moskau verdreifacht auch die Streitkraft der russischen Truppen.

Der Kaiser reist deshalb von der Front ab, um dem Oberkommandierenden in seiner uneingeschränkten Macht nicht im Weg zu sein, und man hofft, daß nun entschiedenere Maßnahmen getroffen werden, aber die Lage der obersten Heeresleitung wird dadurch noch verwirrter und ihre Macht noch schwächer. Bennigsen, der Großfürst und ein Schwarm von Generaladjutanten sind bei der Armee geblieben, um alle Aktionen des Oberkommandierenden zu verfolgen und ihn zur Tatkraft anzuspornen, aber Barclay fühlt sich unter all diesen »Augen des Kaisers« noch unfreier, wird bei entscheidenden Operationen noch vorsichtiger und geht jeder Schlacht aus dem Wege.

Barclay ist für Vorsicht. Der Großfürst macht Anspielungen, als ob dies Verrat sei, und fordert eine Generalschlacht. Lubomirski, Bronnizkij, Wlozkij und noch andere mehr gießen noch Öl in dieses Feuer, so daß Barclay unter dem Vorwand, dem Kaiser Dokumente zustellen zu müssen, den polnischen Generaladjutanten nach Petersburg schickt und einen unverblümten Kampf gegen Bennigsen und den Großfürsten eröffnet.

Bei Smolensk werden die beiden Armeen endlich vereinigt, wie wenig das auch im Interesse Bagrations liegt.

Bagration fährt in einem Wagen an dem Haus vor, das Barclay bewohnt. Barclay bindet sich die Schärpe um, geht ihm entgegen und stattet ihm als Rangälterem Bericht ab. Nach diesem Wetteifer an Hochherzigkeit ordnet sich Bagration trotz seines höheren Ranges dennoch Barclay unter, stimmt aber, nachdem er dies getan hat, noch weniger mit ihm überein als früher. Auf Befehl des Kaisers muß Bagration persönlich Bericht darüber erstatten. Er schreibt an Araktschejew:

»Der Wille des Kaisers ist mir Befehl, aber ich kann nun einmal mit dem Minister (Barclay) nicht zusammenarbeiten. Schicken Sie mich um Gottes willen irgendwo anders hin, und wenn es nur ist, um ein Regiment zu kommandieren, aber hier kann ich nicht länger bleiben. Das ganze Hauptquartier ist mit Deutschen vollgepfropft, so daß für einen Russen das Leben hier rein unmöglich wird und gar keinen Sinn hat. Ich war in dem Glauben, meinem Kaiser und Vaterland ehrlich zu dienen, in Wahrheit aber stellt sich heraus, daß ich Barclay diene. Ich muß gestehen, das paßt mir nicht.«

Der Schwarm der Bronnizkijs, Wintzingerodes und anderer Berater vergiftet die Beziehungen der beiden Oberkommandierenden noch mehr, und so wird noch weniger Einigkeit erzielt. Man trifft Anstalten, die Franzosen vor Smolensk anzugreifen.

Ein General wird ausgeschickt, um die Stellung in Augenschein zu nehmen. Dieser General, der Barclay haßt, reitet jedoch zu einem Freund, der ein Korps kommandiert, verlebt einen Tag bei ihm, kehrt dann zu Barclay zurück und äußert sich in allen Punkten abfällig über ein Schlachtfeld, das er gar nicht gesehen hat.

Während über das künftige Schlachtfeld hin und her gestritten und Intrigen gesponnen werden, während wir den Feind suchen und uns über seine Stellung irren, stoßen die Franzosen auf die Division Newjerowskij und dringen bis zu den Mauern von Smolensk vor.

Gegen unsere Erwartungen müssen wir eine Schlacht bei Smolensk annehmen, um unsere Verbindungen zu retten. Die Schlacht wird geschlagen. Sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite fallen Tausende von Menschen.

Smolensk wird gegen den Willen des Kaisers und des ganzen Volkes übergeben. Aber die von ihrem eignen Gouverneur Hintergangenen Einwohner zünden ihre Stadt an, wodurch sie für ganz Rußland zum Vorbild werden, ziehen gänzlich verarmt nach Moskau, denken nur an das, was sie verloren haben, und schüren dadurch den Haß gegen den Feind. Napoleon rückt vor, wir weichen zurück, und so wird erreicht, was Napoleons Niederlage herbeiführen sollte.

2

Am Tag nach der Abreise seines Sohnes ließ Fürst Nikolaj Andrejewitsch Prinzessin Marja zu sich rufen.

»Na, nun bist du wohl zufrieden?« sagte er zu ihr. »Hast mich nun mit meinem Sohn entzweit. Bist du nun zufrieden? Das hatte dir doch nur noch gefehlt. Nun wirst du wohl zufrieden sein … Aber mir tut das weh, sehr weh. Ich bin alt und schwach, aber das wolltest du ja eben. Na, freue dich, freue dich nur …«

Darauf sah Prinzessin Marja ihren Vater eine ganze Woche lang nicht. Er war krank und kam nicht aus seinem Zimmer.

Zu ihrer Verwunderung mußte sie die Beobachtung machen, daß während der ganzen Zeit seiner Krankheit der alte Fürst auch Mademoiselle Bourienne nicht zu sich ins Zimmer ließ. Nur Tichon ging zu ihm hinein.

Nach acht Tagen kam der Fürst wieder zum Vorschein und fing sein früheres Leben wieder an: er beschäftigte sich besonders eifrig mit seinen Bauten und Gärten, seine früheren Beziehungen zu Mademoiselle Bourienne nahm er jedoch nicht wieder auf Seine Miene und sein kalter Ton gegen Prinzessin Marja schienen ihr zu sagen: Siehst du, da hast du dir nun über mich etwas ausgeheckt, hast dem Fürsten Andrej vorgelogen, daß ich Beziehungen zu dieser kleinen Französin hätte, und nun siehst du daß ich weder dich noch sie brauche.

Die eine Hälfte des Tages verlebte Prinzessin Marja bei Nikoluschka, indem sie seine Lektionen beaufsichtigte, ihm selber Stunden in der russischen Sprache und Musik erteilte oder sich mit Dessalles unterhielt, die andere Hälfte verbrachte sie bei ihren Büchern, mit den alten Kinderwärterinnen oder Gottesleuten, die sich ab und zu über die Hintertreppe zu ihr stahlen.

Über den Krieg dachte Prinzessin Marja so, wie Frauen über Kriege zu denken pflegen. Sie schwebte in Angst um den Bruder, der mit dabei war, entsetzte sich über die ihr unbegreifliche Grausamkeit, die die Menschen dazu trieb, einander totzuschlagen, aber die Bedeutung dieses Krieges verstand sie nicht, er schien ihr ebenso sinnlos wie alle früheren Kriege. Sie hatte für diesen Kampf kein Verständnis, obgleich sich Dessalles, der ihr ständiger Gesellschafter war, leidenschaftlich für den Gang der Operationen interessierte und sich alle Mühe gab, ihr seine Mutmaßungen und Schlüsse auseinanderzusetzen, obgleich alle Gottesleute, die zu ihr kamen, ihr voll Entsetzen und jeder in seiner Art die Gerüchte zutrugen, die über den Einfall des Antichristen im Volk in Umlauf waren, und obgleich Julie, die jetzt Fürstin Drubezkaja hieß und wieder mit ihr in Briefwechsel getreten war, ihr aus Moskau äußerst patriotische Briefe sandte.

»Ich schreibe Ihnen auf russisch, meine liebe Freundin«, schrieb Julie, »weil ich alle Franzosen hasse, und ebenso ihre Sprache, die ich nicht mehr hören, nicht mehr sprechen kann … Wir in Moskau sind alle hingerissen von Begeisterung für unseren vergötterten Kaiser.

Mein armer Mann trägt die Strapazen und den Hunger in jüdischen Dorfschenken, aber die Nachrichten, die ich von ihm erhalte, begeistern mich noch mehr.

Sicherlich haben Sie schon von Rajewskijs Heldentat gehört: wie er die Arme um seine Söhne geschlungen und gesagt hat: ›Mit ihnen zusammen will ich untergehen, aber keinen Schritt weichen!‹ Und tatsächlich sind wir auch nicht zurückgegangen, obgleich der Feind noch einmal so stark war. Wir hier in Moskau verbringen die Zeit, so gut wir können, aber es ist eben im Krieg, wie es ist. Die Prinzessinnen Alina und Sophie sitzen ganze Tage bei mir, und wir unglücklichen Witwen von Männern, die noch am Leben sind, führen beim Scharpiezupfen

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