Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
1 ... 262 263 264 265 266 267 268 269 270 ... 458
Перейти на страницу:

»Meines Erachtens, geehrter Herr, sind wir hier nicht einberufen worden, um darüber ein Urteil abzugeben, was für den Staat in diesem Augenblick vorteilhafter ist: die Aushebung von Rekruten oder die Einberufung von Landsturm. Wir sind hier versammelt worden, um auf das Manifest eine Antwort zu geben, das Seine Majestät der Kaiser gnädigst an uns zu richten geruht hat. Doch die Entscheidung darüber, was zweckmäßiger ist: Rekruten oder Landsturm, die überlassen wir ruhig der höchsten Instanz …«

Auf einmal wußte Pierre, wie er seiner Erregung Luft machen konnte. Er war erbost auf den Senator, der die Aufgaben, die dem Adel jetzt bevorstanden, von einem so niedrigen Gesichtspunkt aus ansah und so kühl urteilte. Pierre trat vor und unterbrach ihn. Er wußte selber nicht, was er sagen werde, aber er fing lebhaft an, mischte hin und wieder ein paar französische Brocken ein und bediente sich einer papiernen russischen Ausdrucksweise.

»Verzeihen Sie, Exzellenz«, fing Pierre an – er kannte den Senator zwar gut, hielt es hier aber für unumgänglich notwendig ihn in aller Form anzureden –, »wenn ich auch nicht einverstanden bin mit dem Herrn …« – Pierre stockte; er wollte sagen: mon très honorable preopinant – »mit dem Herrn … que je n’ai pas l’honneur de connaître, so bin ich dennoch der Ansicht, daß der Adelsstand heute nicht nur dazu hier zusammenberufen worden ist, seiner Sympathie und Begeisterung Ausdruck zu verleihen, sondern auch zu dem Zweck, über alle Mittel und Wege zu beratschlagen, mit denen wir dem Vaterland helfen können. Ich glaube«, fuhr er immer lebhafter fort, »der Kaiser selber wäre unzufrieden, wenn er in uns nur Besitzer von Bauern, die wir ihm hingeben, fände und vielleicht noch … chair à canon, wozu wir uns selber machen … wenn er nur das in uns fände und keine Be … Be … Berater.«

Viele entfernten sich von dem Kreis, nachdem sie das verächtliche Lächeln auf dem Gesicht des Senators gesehen und gemerkt hatten, daß Pierre freisinnige Ansichten äußerte. Nur Ilja Andrejewitsch gefiel Pierres Rede, wie ihm auch die Reden des Marineoffiziers und des Senators gefallen hatten, und wie ihm überhaupt stets diejenige Rede am besten gefiel, die er zuletzt gehört hatte.

»Ich bin der Ansicht«, fuhr Pierre fort, »daß, bevor wir über diese Fragen beraten können, wir den Kaiser bitten … Seiner Majestät untertänigst die Bitte unterbreiten müssen, uns mitzuteilen, wie groß unsere Streitkräfte sind und in welchem Zustand sich die Truppen befinden. Erst dann …«

Aber Pierre hatte seinen Satz nicht zu Ende gesprochen, als man plötzlich von drei Seiten über ihn herfiel. Heftiger als alle anderen griff ihn Stepan Stepanowitsch Adraxin an, ein alter Bekannter von ihm, der ihm immer sehr gewogen gewesen war und mit dem er manche Partie Boston gespielt hatte. Dieser Stepan Stepanowitsch trug heute auch Uniform. War es nun wegen der Uniform oder aus anderen Gründen – jedenfalls sah Pierre heute einen ganz anderen Menschen vor sich. Stepan Stepanowitsch, auf dessen Gesicht sich plötzlich eine greisenhafte Bosheit ausprägte, schrie Pierre an:

»Erstens möchte ich dazu bemerken, daß wir gar nicht das Recht haben, den Kaiser darüber zu befragen, und zweitens, selbst wenn dem russischen Adel ein solches Recht zustünde, so könnte uns der Kaiser doch keine Antwort darauf geben. Die Truppen sind, dem Vorwärts- oder Rückwärtsgehen des Feindes entsprechend, stets in Bewegung, sie nehmen bald ab, bald zu …«

Da fiel eine zweite Stimme über Pierre her und unterbrach Adraxin. Es war dies ein Mann von etwa vierzig Jahren, von mittlerer Statur, den Pierre früher manchmal bei den Zigeunern gesehen hatte und als unlauteren Kartenspieler kannte. Auch er sah heute in Uniform ganz anders aus.

»Zum Hin und her beraten ist jetzt nicht die Zeit«, sagte dieser Adlige, »handeln müssen wir! Der Krieg hat Rußlands Grenzen überschritten. Der Feind rückt vor, um unser Land zu verderben, um die Gräber unserer Väter zu entweihen, um unsere Frauen und Kinder wegzuschleppen.« Dabei schlug sich der Redner auf die Brust. »Wir alle werden uns erheben, Mann für Mann zur Fahne eilen und alle für unser Väterchen, den Zaren, einstehen!« schrie er, indem er die von Blut geröteten Augen weit herauspreßte. In der Menge wurden Beifallsäußerungen laut. »Wir sind Russen und schonen nicht unser Blut, wenn es Glauben, Thron und Vaterland[151] zu schützen gilt. Doch alles Reden muß jetzt vermieden werden, wenn wir wahre Söhne des Vaterlandes sind. Wir werden Europa zeigen, wie Rußland für Rußland einstehen wird!« schrie er.

Pierre wollte etwas erwidern, aber er brachte kein Wort heraus. Er fühlte, daß seine Worte, unabhängig davon, was für Gedanken sie enthielten, gegen die seines erregten Vorredners keinesfalls aufkommen würden.

Ilja Andrejewitsch äußerte seinen Beifall im Hintergrund. Einige andere Herren drehten sich bei Schluß dieser schwungvollen Rede hastig zur Seite und riefen: »Richtig! Ganz recht! So ist es!«

Pierre wollte erwidern, daß auch er nicht der letzte sei, wenn es gelte, Vermögen, Bauern und sich selber zum Opfer zu bringen, daß man aber trotzdem den Stand der Dinge kennen müsse, um Abhilfe schaffen zu können. Aber er kam nicht zu Wort. Viele Stimmen redeten und schrien durcheinander, so daß Ilja Andrejewitsch gar nicht mehr die Zeit hatte, allen beifällig zuzunicken. Die Gruppe wurde immer größer, teilte sich, ballte sich wieder zusammen und wälzte sich in ihrer Gesamtheit unter lautem Stimmengewirr in den großen Saal hinein auf den Tisch zu. Pierre kam nicht zu Wort, man unterbrach ihn auf unhöfliche Art, schob ihn beiseite und wandte sich von ihm ab wie von einem gemeinsamen Feind. Und das geschah nicht etwa aus Mißfallen über die Gedanken, die er in seiner Rede zum Ausdruck gebracht hatte – die hatte man nach der Unmenge von Reden, die seinen Worten gefolgt waren, schon lange wieder vergessen –, sondern nur aus dem Grund, weil die Menge in ihrer Begeisterung immer ein greifbares Etwas für ihre Liebe und ein greifbares Etwas für ihren Haß vonnöten hat. Diese letztere Rolle war nun Pierre zugefallen. Nach dem begeisterten Edelmann sprachen noch viele andere Redner, alle in demselben Ton. Viele sprachen sehr schön und brachten dabei auch eigne Gedanken zum Ausdruck.

Der Herausgeber des »Russischen Boten«, Glinka[152], den man erkannt hatte – »hört, hört! Der Vertreter der Presse!« tönte es aus der Menge –, führte aus, man müsse »die Hölle mit der Hölle besiegen«, und er habe ein Kind gesehen, das beim Aufzucken der Blitze und beim Grollen des Donners gelächelt habe, wir aber dürften es nicht so machen wie dieses Kind …

»Ja, ja, beim Grollen des Donners!« wiederholte beifällig eine Stimme im Hintergrund.

Die Menge drängte nach dem großen Tisch hin, wo, in ihren Uniformen und mit Ordensbändern geschmückt, die ergrauten, kahlköpfigen, siebzigjährigen Magnaten saßen, die Pierre fast alle zu Hause mit ihren Hausnarren oder im Klub beim Bostonspiel zu sehen gewohnt war. Die Gruppen wälzten sich bis dicht an den Tisch heran, ohne daß das Geschwirr einen Augenblick nachgelassen hätte. Ein Redner nach dem anderen sprach, manchmal auch zwei zugleich, wobei sie von der Menge bis dicht an die hohen Lehnen der Stühle herangedrängt wurden. Die Zuhörer paßten auf, ob der Redner vielleicht irgendeinen Gedanken nicht bis zu Ende ausführte, und beeilten sich dann, das Ausgelassene noch einzufügen. Andere wieder zerbrachen sich in der Hitze und in dem Gedränge den Kopf, um auf irgendeinen Gedanken zu kommen, und hatten es dann sehr eilig damit, ihn anzubringen.

Die Pierre so wohlbekannten alten Magnaten saßen auf ihren Stühlen und blickten bald den einen, bald den anderen Redner an, aber ihr Gesichtsausdruck besagte meist nichts anderes, als daß ihnen sehr heiß war. Pierre hingegen fühlte sich sehr erregt, denn der allgemeine Wunsch, zu zeigen, daß man vor nichts zurückschrecke, der mehr durch den Klang der Stimmen und im Mienenspiel als durch den Sinn der Reden zum Ausdruck kam, hatte sich auch ihm mitgeteilt. Er wollte seine Ansicht nicht widerrufen, aber er fühlte sich irgendwie schuldig und wollte das wiedergutmachen.

вернуться

151

Glauben, Thron und Vaterland: hier spielt Tolstoi auf die Werte an, die unter Nikolai I. von dessen Minister für Volksaufklärung Uwarow zu den drei Säulen erklart wurden, auf denen das russische Imperium ruhe Orthodoxie, Autokratie und ein volksverbundener Patriotismus.

вернуться

152

Glinka: S N Glinka (1776-1847), russischer Schriftsteller. Gab seit 1808 den »Russischen Boten« heraus, eine Zeitschrift, die sich dem Kampf gegen die Frankomanie des russischen Adels verschrieben hatte und 1812 besonders populär war.

1 ... 262 263 264 265 266 267 268 269 270 ... 458
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)