Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
„Ich vertraue ihr völlig“, erwiderte Rich. „Aber sie ist eben doch noch ein Kind, und viele Erwachsene hätten an ihrer Stelle bereits einen Nervenzusammenbruch erlitten. Ich kann Ihnen sogar einen zeigen, der bald einen haben wird. Hören Sie nur, wie es dort unten zugeht!“
Aminadorneldos schrille Stimme drang aus dem Lautsprecher.
„Hier drüben ist etwas, Easy! Komm schnell, sonst verschwindet es wieder!“
„Sofort, ›Mina‹, ich komme schon.“ Das Mädchen eilte durch den Raum. „Wahrscheinlich ist es wieder nur eine dieser großen Pflanzen, die aus der Entfernung fast wie Nicks Leute aussehen.“
„Nein, ich habe deutlich eine Bewegung gesehen!“
„Wo?“ Aminadorneldo schien auf etwas zu zeigen, denn das Mädchen schwieg einen Augenblick, bevor sie sagte: „Ich sehe noch immer nichts; nur einige Büsche.“
„Es war aber neben den Büschen und sah genau wie Nick aus. Es hat einen Augenblick zu uns herübergestarrt, dann verschwand es wieder. Ich habe es deutlich erkannt.“
„Wenn du dich nicht geirrt hast, kommt es bestimmt wieder zurück. Am besten bleiben wir hier und halten danach Ausschau.“
Rich sah zu Raeker hinüber und schüttelte verwirrt den Kopf.
„Die beiden…“, begann er, konnte aber nicht zu Ende sprechen. Er wurde von einem lauten Schrei unterbrochen, der in diesem Augenblick aus dem Lautsprecher drang.
9
John und Nancy bewegten sich in westlicher Richtung. Bisher waren sie verhältnismäßig rasch vorangekommen, obwohl sie noch nie in dieser Gegend gewesen waren. Sie unterhielten sich angeregt miteinander, denn in den vergangenen Tagen hatten sie mehr über ihren Lehrer erfahren als in den sechzehn Jahren zuvor; aber gleichzeitig waren auch unzählige neue Fragen aufgetaucht. Sie waren noch jung genug, um darüber überrascht zu sein; deshalb die fortgesetzte Unterhaltung, die erst beendet wurde, als sie ein Gebiet erreichten, das auf ihrer Karte verzeichnet zu sein schien.
„Offenbar haben wir unsere Richtung ziemlich genau eingehalten“, stellte Nancy fest, nachdem sie das Gelände mit ihrer Karte verglichen hatte. „Wenn ich mich nicht irre, sind wir nur noch fünfzehn Kilometer von unserem Ziel entfernt.“
„Ausgezeichnet“, meinte John. „Ich bin allerdings der Meinung, daß wir schon hier mit der Suche beginnen sollten.“
Nancy schüttelte den Kopf. „Die zusätzliche Anstrengung ist kaum der Mühe wert. Die Maschine ist bestimmt schon aus größerer Entfernung erkennbar, wie Fagin uns erklärt hat. Meiner Auffassung nach konzentrieren wir uns lieber auf die Karte, bis wir bestimmt wissen, ob wir in der richtigen Gegend sind.“
„Fagin würde vielleicht anders darüber denken“, antwortete John, „aber du hast bestimmt wie immer recht. Los, gehen wir weiter!“
Drei Kilometer, zwanzig Minuten und ein Erdbeben später waren sie beide davon überzeugt, daß sie sich nicht geirrt hatten. Obwohl die Oberfläche des Planeten häufigen Veränderungen unterworfen war, konnte kein Zweifel mehr an dieser Tatsache bestehen. John und Nancy diskutierten einige Minuten lang darüber, ob sie bereits jetzt Holz sammeln, oder ihren Marsch fortsetzen sollten, um am nächsten Morgen sofort mit der Suche beginnen zu können. Sie entschlossen sich für die zweite Möglichkeit und setzten den Marsch zunächst fort.
Die Abenddämmerung stand unmittelbar bevor, als sie beide gleichzeitig stehenblieben. Sie brauchten kein Wort zu verlieren, weil sie offensichtlich beide die Erscheinung beobachtet hatten. Weit vor ihnen im Südwesten leuchtete ein Licht.
Sie beobachteten es einige Sekunden lang. Der Lichtschein war nicht übermäßig stark, sondern nur eben wahrnehmbar; aber auf Tenebra konnte jedes Leuchten außer dem Tageslicht nur eine Ursache haben. Fagins Schüler waren jedenfalls mit dieser Überzeugung aufgewachsen.
Dann warfen sie einen Blick auf ihre Karte, um nach Möglichkeit festzustellen, wo sich die Lichtquelle befand. Das erwies sich jedoch als ausnehmend schwierig, weil die Entfernung kaum zu schätzen war. Die Richtung war klar, aber dieses Leuchten schien aus der kaum erforschten Gegend zu kommen, die Nick nur einmal auf dem Weg zu den Höhlen von Swifts Leuten durchquert hatte. John und Nancy waren davon überzeugt, daß sie diese Stelle unmöglich erreichen konnten, bevor der nächtliche Regen einsetzte. Sie sprachen jedoch nur kurz darüber und einigten sich sofort, daß sie wenigstens den Versuch unternehmen würden.
Zunächst kamen sie gut voran, aber allmählich wurde das Gelände schwieriger. Dies stimmte mit dem überein, was Nick von dieser Gegend erzählt hatte. Die beiden erinnerten sich auch an die gefährlichen Raubtiere in den Höhlen, trafen aber zum Glück auf keine. Der Lichtschein wurde stärker, aber selbst einige Stunden später hatten sie noch keine Ahnung, wodurch er hervorgerufen wurde.
Dann schien sich herauszustellen, daß die Lichtquelle auf einem erhöhten Punkt lag, und nach einer weiteren halben Stunde waren John und Nancy fest davon überzeugt. Das war nicht leicht zu verstehen; Fagin hatte gesagt, der Bathyskaph sei am Fuße eines Hügels gestrandet.
Dann erinnerte sich John an einen bemerkenswert hohen Hügel, den Nick in dieser Gegend gesehen hatte. Der Karte nach war es nicht ausgeschlossen, aber auch keineswegs sicher, daß die Lichtquelle sich auf diesem Hügel befand. Aber falls dies zutraf, bestand keine Aussicht mehr, daß sie den Bathyskaphen entdeckt hatten. Allerdings bedeutete das ihrer Ansicht nach nichts anderes, als daß Swifts Leute dort oben ein Feuer angezündet haben mußten, wodurch sich einige neue Probleme ergaben.
Der Regen würde bald einsetzen, so daß sie nicht ohne Fackeln marschieren konnten. Wenn vor ihnen tatsächlich Swifts Leute lagerten, begaben John und Nancy sich praktisch freiwillig in Gefangenschaft, falls sie sich ihnen mit einer Fackel näherten. Selbstverständlich bestand die Möglichkeit, daß der Häuptling Fagins Angebot bereits angenommen hatte, so daß sie eigentlich Verbündete waren; aber weder John noch Nancy wollten dieses Risiko eingehen.
Im Grunde genommen hatten sie eigentlich keinen rechten Grund, sich der Lichtquelle überhaupt zu nähern; schließlich befanden sie sich auf der Suche nach dem Bathyskaphen und sollten keineswegs nach Swifts Leuten Ausschau halten. Auf diesen Gedanken kam jedoch keiner der beiden. Vermutlich hätten sie selbst dann darauf bestanden, daß sie nicht bestimmt wissen konnten, ob der Lichtschein nicht doch von der Maschine kam. Jedenfalls überlegten sie angestrengt, wie sie sich unbemerkt nähern konnten.
Nancy machte endlich einen Vorschlag, den John sofort ablehnte, weil er ihm nicht traute. Nancy wies darauf hin, daß sie in Physik und Chemie besser als er war, und daß er ihr ruhig glauben könne. John erwiderte, er sei vielleicht nur ein guter Mathematiker, aber trotzdem wisse er genug über den Regen, um mißtrauisch zu werden. Nancy beendete die Diskussion, indem sie einfach losmarschierte, ohne sich darum zu kümmern, ob John ihr folgte oder nicht. Natürlich kam er.
Raeker hätte sich über diese Diskussion gefreut. Er hatte seine Schüler völlig willkürlich benannt, nachdem sie aus den gestohlenen Eiern geschlüpft waren, und wußte noch immer nicht, wer von ihnen männlich oder weiblich war. Nancys weibliche Logik hätte ihn vermutlich davon überzeugt, daß er sich zumindest in ihrem Fall bestimmt nicht geirrt hatte.
John sah unruhig zum Himmel auf, während sie sich auf den Weg machten. Er wußte zwar genau, daß der Regen erst später zu erwarten war, aber seitdem Nancy sich so leichtfertig über seine Befürchtungen hinweggesetzt hatte, konnte er an nichts anderes mehr denken. Als die ersten Tropfen hoch über ihnen erschienen, hatten sie sich dem Licht soweit genähert, daß sie erkannten, daß etwas zwischen ihnen und der Lichtquelle lag — irgendein Hindernis, vermutlich ein Hügel.