Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
Swifts Späher reagierte augenblicklich; er sprang auf und suchte sein Heil in der Flucht. Jim befand sich südwestlich von ihm, Fagin und die restliche Gruppe versperrten ihm den Weg nach Südosten; deshalb wandte er sich nach Norden. In diesem Augenblick tauchte Betsey vor ihm auf. Nick, der den Höhlenbewohner nicht aus den Augen gelassen hatte, deutete dessen Zögern richtig, obwohl er weder Jim noch Betsey sehen konnte. Er unterbrach Oliver ohne weitere Formalitäten und begann seine Anweisungen zu geben.
Die anderen waren einen Augenblick lang überrascht, aber dann rannten sie so rasch wie möglich in die angegebene Richtung. Als Raeker erkannte, daß niemand in der Aufregung auf seine Fragen antworten würde, setzte er den Roboter ebenfalls in Bewegung und gebrauchte dabei einige Ausdrücke, vor denen Easy erschrocken zusammenzuckte. Nick und seine Freunde waren unterdessen längst über dem ersten Hügel verschwunden.
Easy wandte sich aufgeregt an den Biologen, ohne zu erwähnen, daß sie seine Flüche gehört hatte.
„Doktor Raeker! Will Nicks Gruppe wirklich einen der Höhlenbewohner fangen? Wie kann er den Weg so rasch zurückgelegt haben? Ich dachte, Sie hätten Swifts Leute am Ufer des Flusses hilflos zurückgelassen?“ Raeker hatte sich mit dieser Frage bereits selbst beschäftigt, konnte sie aber nicht beantworten und wurde statt dessen aus Verlegenheit rot.
„Das habe ich auch gedacht, Easy. Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte. Wir müssen warten, bis Nicks Gruppe zurückkommt; vielleicht haben sie einen Gefangenen gemacht, den wir verhören können. Ich nehme an, daß Nick den Höhlenbewohner fangen will, denn er hat nichts von umbringen gesagt.“
„Richtig. Vielleicht sehen wir sie bald wieder, wenn der Roboter auf der anderen Seite des Hügels angelangt ist. Das kann allerdings noch einige Zeit dauern, denn die Maschine bewegt sich schrecklich langsam.“
Die Beobachter an Bord der Vindemiatrix und in dem Bathyskaphen saßen wie auf Kohlen, bis die Gestalten der Eingeborenen wieder auf den Bildschirmen auftauchten. Unterdessen umringten Nick und seine Freunde den Späher von allen Seiten, aber der Höhlenbewohner ließ sich vorläufig noch nicht einschüchtern und suchte offensichtlich nach einer Möglichkeit zur Flucht.
Nick schien jedoch einiges auf militärischem Gebiet aufgeschnappt zu haben, denn er ließ die Mitglieder seiner Gruppe ausschwärmen, bis sie einen lockeren Kreis bildeten, in dessen Mittelpunkt sich der Späher befand. Erst dann sprach er den Höhlenbewohner in seiner eigenen Sprache an.
„Glaubst du, daß du noch fliehen kannst?“
„Ich weiß es nicht, aber einige von euch werden es bedauern, wenn sie mich aufhalten wollen“, antwortete er.
„Was hast du davon, wenn du dabei umkommst?“
Der Späher schien um eine Antwort verlegen, offenbar war er sogar über die Frage erstaunt. Er überlegte noch immer, als Nick fortfuhr: „Du weißt, daß Fagin Swift versprochen hat, ihm alles beizubringen, was er wollte. Er will nicht, daß wir miteinander kämpfen.
Wenn du deine Speere fortwirfst und mit uns zu ihm gehst, geschieht dir nichts.“
„Wenn euer Lehrer so hilfsbereit ist, hätte er sich anders benehmen müssen. Warum ist er geflohen?“
fragte der andere.
„Weil ihr ihn uns fortgenommen habt, obwohl er uns weiterhin unterrichten sollte. Er hat mir gestern geholfen, als ich vor euch fliehen mußte; er hat mich durch den Fluß getragen, den ich allein nicht hätte durchqueren können. Als ihr unser Dorf angegriffen habt, wollte er, daß wir mit euch verhandeln; aber ihr habt uns keine Gelegenheit dazu gegeben.“
Nick schwieg, weil er glaubte, daß der andere Zeit zum Nachdenken brauchte. Die nächste Frage kam jedoch sofort.
„Tut ihr alles, was euer Lehrer euch sagt?“
„Selbstverständlich.“ Nick erwähnte nicht, daß er gelegentlich an Fagins Entscheidungen zweifelte; im Augenblick hatte er diese wenigen Ausnahmen allerdings tatsächlich vergessen.
„Dann soll er euch in meiner Gegenwart sagen, daß ihr mir nichts tun dürft. Dort drüben kommt er bereits. Ich warte hier, aber ich behalte meine Waffen, bis ich sicher bin, daß ich sie nicht gebrauchen muß.“
„Aber du kennst seine Sprache nicht; du kannst also auch nicht beurteilen, was er zu uns sagt.“
„Während seines Aufenthalts bei uns hat er einige Wörter in unserer Sprache gelernt, obwohl er sie nicht gut aussprechen kann. Ich werde ihn selbst fragen, was er vorzuschlagen hat; er braucht nur ja oder nein zu sagen.“ Der Späher schwieg und beobachtete die Annäherung des Roboters, wobei er seine Speere weiterhin wurfbereit hielt.
Selbst Raeker verstand, was diese Geste bedeutete, und empfand ein gewisses Unbehagen; falls etwas Unerwartetes geschehen sollte, würde er zwei Sekunden zu spät reagieren. Wieder einmal wünschte er sich, die Vindemiatrix sei nicht so weit von Tenebra entfernt, sondern kreise innerhalb der Planetenatmosphäre.
„Was sagt er, Nick? Will er kämpfen?“
„Vielleicht nicht, wenn ich ihn davon überzeugen kann, daß ein Kampf unsinnig wäre“, antwortete Nick und faßte zusammen, was der Späher gesagt hatte. „Ich weiß selbst nicht recht, was wir mit ihm anfangen sollen, nachdem wir ihn erwischt haben“, schloß er.
„Eigentlich habt ihr ihn noch nicht“, stellte Raeker trocken fest, „aber ich sehe ein, daß du dich in einer schwierigen Lage befindest. Wenn wir ihn laufen lassen, erscheint Swift innerhalb der nächsten Stunden auf der Bildfläche. Behalten wir ihn aber hier, muß jemand ständig Wache halten — und am Schluß entkommt er vielleicht doch. Natürlich können wir ihn nicht einfach umbringen.“
„Obwohl Alice und Tom umgekommen sind?“
„Nein, trotzdem nicht, Nick. Ich glaube, wir müssen das Beste aus seiner unerwarteten Anwesenheit machen und uns mit der Tatsache abfinden, daß Swift unseren Aufenthaltsort erfährt. Augenblick, ich muß erst nachdenken.“ Der Roboter schwieg, aber die Männer, die ihn steuerten, begannen eifrig zu diskutieren; verschiedene Pläne wurden vorgeschlagen, besprochen und abgelehnt, während die Eingeborenen warteten. Selbst die beiden Diplomaten, die alle Ereignisse von der Nachrichtenzentrale aus verfolgt hatten, hielten ausnahmsweise den Mund.
Der Höhlenbewohner hatte der Unterhaltung zwischen Nick und Fagin selbstverständlich nicht folgen können, aber jetzt verlangte er eine Übersetzung. Er brachte diesen Wunsch so selbstverständlich vor, daß Nick keine andere Wahl blieb, als eine kurze Zusammenfassung zu geben.
„Fagin überlegt, was wir tun sollen. Er will nicht, daß wir dich töten.“
„Er soll es mir aber selbst sagen. Ich verstehe ihn bestimmt.“
„Niemand darf den Lehrer unterbrechen, während er nachdenkt“, wies Nick ihn zurecht. Der Höhlenbewohner schien beeindruckt; wenigstens schwieg er, bis der Roboter sich wieder meldete.
„Nick“, sagte Raeker, „ich möchte, daß du sehr sorgfältig übersetzt, was ich Swifts Späher zu sagen habe. Am besten dolmetschst du Wort für Wort und denkst selbst darüber nach, denn ich werde einige Tatsachen erwähnen, die ich euch aus Zeitmangel bisher nicht mitteilen konnte.“
„Gewiß, Lehrer.“ Die Aufmerksamkeit der Gruppe konzentrierte sich jetzt völlig auf den Roboter; der Höhlenbewohner schien dies entweder nicht zu bemerken oder nicht ausnützen zu wollen, denn er unternahm keinen Fluchtversuch, sondern hörte aufmerksam zu. Raeker sprach betont langsam, damit Nick genügend Zeit für die Übersetzung hatte.
„Wie ihr alle wißt“, begann er, „wollte Swift mich bei sich haben, damit ich seine Leute das lehren konnte, was ihr von mir gelernt habt. Ich war durchaus dazu bereit, aber Swift vermutete, daß meine Leute sich widersetzen würden, wodurch es zu einem Kampf kam, der zu vermeiden gewesen wäre.
Das spielt aber jetzt eigentlich keine Rolle mehr, bedeutet jedoch, daß ein anderes Ereignis verzögert wurde, das nicht nur für uns, sondern auch für Swift und seine Leute wichtig gewesen wäre. Bisher habe ich euch nur Wissen und Informationen geben können. Ich war allein hier und kann nie wieder zurück, so daß ich euch nicht mehr bringen kann, selbst wenn ich noch lange bleibe.