Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
„Ist es draußen jetzt dunkel?“
„Ja, Easy. Ich kann nichts erkennen.“
„Ich weiß, aber die Scheinwerfer müssen längere Zeit ausgeschaltet bleiben. Doktor Raeker, ist ›Minas‹ Vater bei Ihnen?“
„Ja, Miß Rich.“ Aminadabarlee antwortete selbst.
„Vielleicht erzählen Sie Doktor Raeker und mir lieber, wie lange die Augen eines Drommianers brauchen, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, Sir.“
Raeker wunderte sich wieder einmal über die erstaunliche Intelligenz des Mädchens. Er kannte Studenten, die zehn Jahre älter und doch erheblich langsamer waren — Easy dachte gelegentlich sogar rascher als er selbst, obwohl sie genügend andere Sorgen hatte …
Er beschäftigte sich wieder mit der Gegenwart, als das Mädchen seinen Namen rief.
„Doktor Raeker, ›Mina‹ hat nichts gesehen. Aber vielleicht waren die fünf Minuten zu kurz?“
„Vielleicht“, gab Raeker zu. „Andererseits sind die Tiere unter Umständen gar nicht an dem Bathyskaphen interessiert. Jedenfalls können wir vorläufig annehmen, daß Sie das Meer noch nicht erreicht haben. Wahrscheinlich stranden Sie irgendwo, wenn der Regen tagsüber verdunstet. In diesem Fall hätte ich gern eine möglichst genaue Beschreibung der Umgebung, in der Sie sich befinden.“
„Ich weiß. Wir werden unser Bestes tun.“
„Wir versuchen zu arrangieren, daß Sie mehr oder weniger direkt mit Nick in Verbindung treten können, sowie Sie ihm selbst Hinweise geben können.
Dadurch wird der Umweg über uns vermieden.“
„Das wäre gut. Aber kann ich denn nicht einfach mit ihm sprechen, ohne diese ganzen Geräte zu benützen? Sind an dem Bathyskaphen keine Außenmikrophone und Lautsprecher angebracht?“
„Natürlich. Mister Sakiiro wird Ihnen erklären, wie sie in Betrieb gesetzt werden. Die jetzige Lösung gilt nur vorläufig, bis Nick den Bathyskaphen gefunden hat.“
„Einverstanden. Wir setzen uns wieder mit Ihnen in Verbindung, wenn das Wasser verdampft ist. Im Augenblick sind wir beide hungrig.“
Raeker dachte an seinen knurrenden Magen und ließ sich ebenfalls einen Imbiß bringen. Unterdessen war er völlig übermüdet, aber dann erhielt er die Mitteilung, daß der angeforderte Bildschirm bereits angebracht worden war. Folglich mußte er ihn überprüfen und ging in seinen Kontrollraum zurück, den er erst einige Stunden später wieder verlassen konnte.
Nick und Fagin waren vor wenigen Minuten auf den Lagerplatz der Gruppe gestoßen, und Nick berichtete den anderen von den Ereignissen der letzten Nacht. Raeker mußte aufmerksam zuhören, denn leider bestand immer die Möglichkeit, daß ein Eingeborener die Dinge anders als die menschlichen Beobachter an Bord der Vindemiatrix beurteilte und beschrieb.
Das war schon öfters vorgekommen, denn selbst eine menschliche Erziehung hatte aus den Eingeborenen keine Menschen gemacht.
Diesmal hatte Raeker keine Einwände gegen Nicks Bericht aber er mußte noch erfahren, was die anderen in der Zwischenzeit unternommen hatten. Auf Nicks Vorschlag hin hatten sie genaue Karten der Umgebung angefertigt, die sie jetzt nacheinander erläuterten.
Wie üblich wurden die Karten dem Roboter gezeigt, so daß sie fotografiert werden konnten; dann folgten ausführliche Erklärungen, weil nicht alle Einzelheiten zeichnerisch festgehalten worden waren.
Diese Erläuterungen wurden auf Band gespeichert und den Geologen zur Auswertung und Übertragung auf größere Karten übergeben. Selbstverständlich nahmen die Berichte längere Zeit in Anspruch. Fast zu lange Zeit.
Raekers Ablösung war nicht ausreichend über die Gefahr informiert worden, die vielleicht noch immer von Swift ausging; und Raeker selbst hatte seit seiner Rückkehr in den Kontrollraum nicht mehr daran gedacht. Keiner von den beiden war auf den Gedanken gekommen, Nick zu empfehlen, einen Posten aufzustellen. Deshalb wurde die Gefahr nur zufällig rechtzeitig entdeckt.
Während Jane ihre Karte erläuterte, sah Betsey eine Bewegung auf einem der Hügel. Sie wollte schon die anderen warnen, schwieg aber doch, bis sie deutlich erkannt hatte, daß sich dort ein Eingeborener versteckt hielt. Da ihre eigene Gruppe vollzählig um Fagin versammelt war, konnte es sich nur um einen von Swifts Kriegern handeln, obwohl sie keine Erklärung dafür fand, wie er in so kurzer Zeit hierher gekommen war.
Betsey wandte sich leise an Jim und Nick, die neben ihr standen.
„Laßt euch nicht anmerken, daß ihr etwas sucht — aber dort drüben auf dem Hügel liegt einer der Höhlenbewohner und beobachtet uns. Was sollen wir tun?“
Nick dachte angestrengt nach.
„Ich sehe nur einen. Und ihr?“
„Ebenfalls.“
„Ihr kennt euch hier besser aus als ich. Kann man den Hügel dort drüben von beiden Seiten umgehen, ohne gesehen zu werden?“ Jim und Betsey überlegten und antworteten fast gleichzeitig.
„Ja, von beiden Seiten.“
„Ausgezeichnet, dann könnt ihr gleich aufbrechen.
Verschwindet möglichst unauffällig, als wolltet ihr nur auf die Herde aufpassen. Wenn er euch nicht mehr sehen kann, macht ihr einen weiten Bogen und bringt ihn lebend hierher. Ich möchte unbedingt wissen, wie er so rasch den Weg zurückgelegt hat — und Fagin ebenfalls, das steht fest.“
„Sollen die anderen oder er etwas davon erfahren?“
„Noch nicht. Sie benehmen sich unauffälliger, wenn sie nichts davon wissen. Außerdem stehen noch einige Berichte aus, und Fagin hat Unterbrechungen nicht gern.“
„Ich weiß, aber hier handelt es sich doch um einen Sonderfall.“
„Trotzdem überraschen wir ihn lieber mit einem Gefangenen. Am besten nehmt ihr Äxte mit; die Höhlenbewohner haben anscheinend Angst davor. Vielleicht läßt er sich dann eher gefangennehmen.“
„Wird gemacht.“ Jim und Betsey gingen in Richtung auf die Herde davon. Die anderen schienen nicht darauf zu achten, und Nick tat sein Bestes, um nicht aufgeregt zu wirken, als die beiden davonschlenderten.
8
Weder Raeker noch sein Assistent achteten darauf, daß Jim und seine Begleiterin verschwanden, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, die Berichte der anderen Mitglieder der Gruppe entgegenzunehmen. Easy und ›Mina‹ konnten die Eingeborenen zwar ebenfalls beobachten, aber beide wußten zu wenig über ihre Gewohnheiten, um die Veränderung wahrzunehmen. Zudem achteten sie lieber auf die Berichte, weil sie hofften, einen Teil der beschriebenen Gegend wiederzuerkennen.
Der Bathyskaph lag jetzt völlig auf dem Trockenen, denn der Fluß war verdunstet und hatte das Schiff am Fuß eines Hügels zurückgelassen, den Easy prompt Mount Ararat taufte. Die beiden Kinder waren ziemlich aufgeregt, weil sie zum erstenmal gleichzeitig Nicks Gruppe auf dem Bildschirm und die wirkliche Oberfläche von Tenebra aus den Bullaugen beobachten konnten. Easy saß vor dem Bildschirm, während Aminadorneldo an einem Bullauge stand; aber beide versuchten, dem anderen zu beschreiben, was sie sahen.
Ihre Stimmen waren in dem Kontrollraum der Vindemiatrix deutlich zu hören und trugen ihren Teil zu der allgemeinen Verwirrung bei, doch Raeker wollte die Verbindung nicht unterbrechen, solange Hoffnung bestand, daß die Kinder unter Umständen einen wertvollen Hinweis geben konnten.
Jane hatte unterdessen ihre Karte erläutert und einige Fragen beantwortet, die Raeker ihr zusätzlich gestellt hatte. Dann trat sie zurück, damit Oliver Bericht erstatten konnte. Die Karte wurde zunächst fotografiert, während Raeker sich davon überzeugte, daß das Tonbandgerät einwandfrei funktionierte. Eine Minute später war der Biologe fast davon überzeugt, daß seine Anwesenheit eigentlich nicht mehr unbedingt nötig war.
Allerdings hatte er noch nichts davon gesagt, als der Höhlenbewohner Jim entdeckte. Drei Sekunden später war Raeker wieder hellwach und hatte völlig vergessen, wie müde er gewesen war.