Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
Aber jetzt sind andere gekommen. Sie befinden sich in einem großen Ding, das sie hergestellt haben; ihr kennt kein Wort dafür, weil ich euch nie davon erzählt habe. Wir haben dieses Ding gemacht, das uns von einem Ort zum anderen tragen kann, wie ihr einen Eimer oder einen Speer macht; denn meine Heimat liegt so weit von hier entfernt, daß man sie zu Fuß nie erreichen könnte, und sie ist so hoch über euch, daß nicht einmal eine Schwebepflanze in ihre Nähe käme.
Die Leute, die in diesem Ding kommen sollten, wären von Zeit zu Zeit zurückgekehrt, um neue Werkzeuge und andere Sachen für euch zu holen. Aber die Maschine funktionierte nicht richtig; sie war wie ein Speer, dessen Spitze einen Sprung aufweist. Sie kam bis in eure Nähe hinab, konnte aber nicht wieder nach oben schweben. Meine Leute können nur in ihr leben, ohne daß sie die Maschine selbst zu reparieren vermögen.
Deshalb brauchen wir die Hilfe von Nicks Gruppe — und vielleicht sogar die der Höhlenbewohner, falls sie sich dazu bereit erklären. Wenn ihr die Maschine findet, die meine Freunde nicht verlassen können, werde ich euch sagen, was ihr daran tun müßt, damit sie wieder zurückkehren und euch später viele wertvolle Dinge bringen kann. Wenn ihr das nicht wollt oder könnt, sterben meine Leute hier, und ihr werdet nicht einmal etwas lernen — denn ich muß eines Tages auch sterben, wie ihr wißt.
Ich möchte, daß Swift davon benachrichtigt wird, damit er einen seiner Leute zurückschicken kann, der seine Antwort überbringt. Ich möchte, daß er und die übrigen Höhlenbewohner bei der Suche nach der Maschine helfen; und wenn sie gefunden ist, können beide Gruppen gemeinsam die Reparatur vornehmen. Dann braucht es keine Kämpfe mehr zu geben.
Willst du ihm meine Botschaft überbringen?“
Nick hatte die Ansprache Wort für Wort übersetzt, obwohl seine Kenntnisse des fremden Dialekts sich an einigen Stellen als unzulänglich erwiesen hatten.
Der Späher schwieg fast eine Minute lang, als der Roboter verstummt war. Er hielt seine Speere noch immer wurfbereit, aber Raeker glaubte zu erkennen, daß seine Haltung weniger aggressiv war.
Dann begann der Höhlenbewohner Fragen zu stellen, und Raeker mußte seine Auffassung von der Intelligenz des Spähers revidieren; er hatte ihn anfangs für einen ziemlich primitiven Wilden gehalten.
„Wenn du weißt, was mit deinen Freunden und ihrer Maschine los ist, mußt du irgendwie mit ihnen sprechen können.“
„Richtig, wir — äh — ich kann mit ihnen sprechen.“
„Warum mußt du dann nach ihnen suchen? Warum können sie dir nicht sagen, wo sie sich befinden?“
„Sie wissen es selbst nicht. Sie sind irgendwo gelandet und fünf Tage lang auf einem See umhergetrieben. Vergangene Nacht wurden sie von einem Fluß fortgeschwemmt. Sie konnten nichts erkennen, weil sie sich völlig unter Wasser befanden — außerdem haben sie diese Gegend noch nie gesehen. Der Fluß ist verdunstet, aber das hilft ihnen auch nichts.“
„Wenn du sie hören kannst, mußt du sie auch finden können. Ich finde alles, was ich höre.“
„Wir sprechen durch Maschinen, die eine Art Geräusch machen, das nur eine andere Maschine versteht.
Ihre Maschine spricht mit einer, die dann wieder mit mir spricht; aber alle sind so weit voneinander entfernt, daß niemand genau weiß, wo sie sich wirklich im Augenblick befinden. Meine Leute können mir nur ihre Umgebung beschreiben; ich gebe die Beschreibung weiter, damit ihr die Suche aufnehmen könnt.“
„Du weißt also nicht einmal, wie weit sie entfernt sind?“
„Nicht genau. Aber wir nehmen an, daß die Entfernung nicht sehr groß ist — nicht mehr als zwei oder drei Tagesmärsche, wahrscheinlich sogar weniger.
Wenn ihr mit der Suche beginnt, schalten meine Freunde ein sehr helles Licht ein, das aus weiter Entfernung erkennbar ist.“
Der Höhlenbewohner ließ seine Speere sinken, bevor er antwortete. „Ich bringe Swift deine Botschaft, und wenn er antworten will, komme ich wieder zurück. Bist du dann noch hier zu finden?“
Raeker zögerte unentschlossen, sah aber ein, daß er die Frage bejahen mußte. Dann fiel ihm noch etwas anderes ein.
„Würdet ihr lange nach uns suchen müssen, wenn wir weiterziehen würden?“ erkundigte er sich. „Wir waren erstaunt darüber, wie rasch du uns gefunden hast. Könnt ihr Flüsse durchqueren, bevor der Tag angebrochen ist?“
„Nein“, antwortete der Späher mit überraschender Offenheit. „Der Fluß beschreibt einen weiten Bogen nach Norden und fließt parallel zur Küste. Swift hat uns entlang des Flusses ausgeschickt, damit wir nach Tagesanbruch an verschiedenen Stellen mit der Suche beginnen konnten.“
„Dann müssen also auch andere unsere Spuren gefunden haben?“
„Selbstverständlich. Vielleicht beobachten sie uns jetzt — oder sie haben die Verfolgung gesehen und sind zurückgekehrt, um Swift zu benachrichtigen.“
„Wie kommt es, daß ihr diese Gegend so gut kennt, obwohl sie so weit von euren Höhlen entfernt ist?“
„Wir sind noch nie hier gewesen, aber schließlich weiß jeder, wie Flüsse normalerweise verlaufen und wo Hügel und Täler anzutreffen sind.“
„Ihr verlaßt euch also auf eure Erfahrung. Vielen Dank für die Auskunft, aber du gehst jetzt vielleicht lieber, bevor Swift mit seinen Kriegern auftaucht, um den Angriff auf einen seiner Männer zu rächen.“
„Einverstanden. Ich möchte nur noch eine Frage beantwortet haben. Manchmal sagst du ich und manchmal wir, selbst wenn du offenbar nicht dich und deine Leute meinst. Wie ist das zu erklären? Bist du nicht allein in diesem Ding?“
Nick übersetzte die Frage nicht, sondern beantwortete sie gleich selbst.
„Der Lehrer drückt sich immer so aus“, erklärte er dem Höhlenbewohner. „Wir haben uns schon oft darüber gewundert und ihn danach gefragt, aber er hat uns nie eine Erklärung dafür gegeben — das sei nicht wichtig, meinte er. Vielleicht wird Swift daraus schlau.“ Nick verhielt sich psychologisch geschickt, obwohl er das Wort nicht einmal kannte.
„Vielleicht.“ Der Späher marschierte ohne ein weiteres Wort nach Süden davon; Nicks Gruppe, die sich längst um Fagin versammelt hatte, sah ihm nach.
„Das klingt nicht schlecht, Doktor Raeker. Sollen wir von jetzt an die Scheinwerfer eingeschaltet lassen?“ Easy Richs Stimme durchbrach das Schweigen.
„Nein, lieber noch nicht“, antwortete Raeker nachdenklich. „Ich weiß vorläufig wirklich nicht, ob ich Swift nach euch suchen lassen soll, oder ob das Ganze nur ein gutes Ablenkungsmanöver war.“
„Was?“ Aminadabarlees Stimme klang schriller und lauter als gewöhnlich. „Geben Sie zu, daß Sie meinen Sohn als Köder benützen, um die Wilden von Ihren Lieblingen fortzulocken? Daß Ihnen diese lächerlichen Eingeborenen wichtiger als alles andere erscheinen, nur weil Sie sie ein paar Jahre lang ausgebildet haben? Das ist ja die Höhe! Councillor Rich, ich muß Sie bitten, sofort meinen Rückflug nach Dromm in die Wege zu leiten; ich werde dort veranlassen, daß unverzüglich Rettungsmaßnahmen aufgenommen werden. Bisher habe ich den Menschen vertraut, aber jetzt ist meine Geduld zu Ende — und die aller anderen zivilisierten Lebewesen der Galaxis ebenfalls!“
„Entschuldigung, Sir.“ Raeker wußte unterdessen, wie man mit dem Drommianer umzugehen hatte.
„Vielleicht hören Sie wenigstens auf Councillor Rich, dessen Tochter in der gleichen Lage wie Ihr Sohn ist.
Er kann Ihnen erklären, daß die ›lächerlichen Eingeborenen‹, um deren Sicherheit ich besorgt bin, als einzige dazu fähig sind, die beiden Kinder zu retten; und ihm ist vielleicht aufgefallen, daß ich dem Wilden nicht erzählt habe, wie die Gegend aussieht, die Easy und ›Mina‹ beschrieben haben.