Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Als Gale sich kurz darauf auf den Platz neben meinem Rollstuhl setzt, sage ich: »Na, Freundschaft geschlossen?«
Sein Blick huscht zu Coin und wieder zurück. »Einer von uns muss ja kommunikativ sein.« Er berührt mich leicht an der Schläfe. »Wie geht es dir?«
Zum Frühstück gab es offenbar irgendwas mit Knoblauch. Je mehr Leute hereinkommen, desto stärker werden die Ausdünstungen. Mir dreht sich der Magen um und das Licht ist mir auf einmal zu grell. »Ein bisschen wacklig auf den Beinen«, sage ich. »Und du?«
»Mir geht’s gut. Ein paar Granatsplitter. Nichts Wildes«, sagt er.
Coin erklärt die Sitzung für eröffnet. »Unser Medienangriff hat offiziell begonnen. Für alle, die gestern um 20 Uhr die Ausstrahlung unseres ersten Propos verpasst haben - und auch die siebzehn Wiederholungen, die Beetee seitdem gesendet hat -, werden wir ihn hier noch einmal zeigen.« Noch einmal zeigen? Dann haben sie also aus dem brauchbaren Filmmaterial schon einen ersten Propo zusammengeschustert und mehrfach ausgestrahlt. Bei der Vorstellung, mich selbst im Fernsehen zu sehen, bekomme ich feuchte Hände. Wenn ich nun immer noch so schlecht rüberkomme? Wenn ich immer noch so steif und dilettantisch wirke wie im Studio und sie nichts Besseres hingekriegt haben? Mehrere Bildschirme werden aus dem Tisch gefahren, das Licht wird leicht gedimmt, die Gespräche verstummen.
Zuerst ist der Bildschirm vor mir schwarz. Dann flackert in der Mitte ein winziger Funke auf. Er wird größer und heller, verdrängt das Schwarz, bis das ganze Bild von einem so echten, intensiven Feuer ausgefüllt ist, dass ich die Hitze zu spüren meine. Rotgoldglühend erscheint meine Spotttölpelbrosche. Dann ertönt die tiefe, hallende Stimme, die mich immer im Traum verfolgt. Claudius Templesmith, der Moderator der Hungerspiele, sagt: »Katniss Everdeen, das Mädchen, das in Flammen stand, brennt immer noch.«
Statt des Spotttölpels bin plötzlich ich zu sehen, wie ich in Distrikt 8 vor den Flammen und dem Rauch stehe. »Ich möchte den Rebellen sagen, dass ich am Leben bin. Ich stehe hier in Distrikt 8, wo das Kapitol soeben ein Lazarett mit unbewaffneten Männern, Frauen und Kindern bombardiert hat. Keiner da drin wird überleben.« Dann Schnitt zum einstürzenden Lazarett, zur Verzweiflung der Umstehenden, die machtlos zusehen müssen, während ich aus dem Off weiterrede. »Euch allen möchte ich sagen: Solltet ihr auch nur eine Sekunde lang glauben, dass das Kapitol uns im Fall einer Waffenruhe fair behandeln würde, dann macht ihr euch etwas vor. Ihr wisst, wer sie sind und was sie tun.« Dann wieder Schnitt auf mich, ich hebe die Hände und zeige auf das Grauen um mich herum. »Das tun sie! Und wir müssen zurückschlagen!« Jetzt kommt eine großartige Montage von Aufnahmen der Schlacht. Wie die ersten Bomben fallen, wie wir wegrennen, zu Boden gefegt werden - eine Großaufnahme von meiner Wunde, richtig schön blutig -, wie wir aufs Dach klettern, in die MG-Nester springen, dann einige beeindruckende Treffer der Rebellen. Gale, aber vor allem ich, ich und wieder ich, wie ich die Hoverplanes vom Himmel schieße. Ein harter Schnitt zurück zu mir, wie ich auf die Kamera zugehe. »Präsident Snow sendet uns eine Botschaft? Hier habe ich eine für ihn. Sie können uns quälen und bombardieren und unsere Distrikte niederbrennen, aber sehen Sie das hier?« Die Kamera zoomt die Hoverplanes heran, die auf dem Dach des Lagerhauses brennen. Nahaufnahme vom Wappen des Kapitols auf einem Flügel, Überblendung zu meinem Gesicht, wie ich den Präsidenten anschreie. »Das Feuer breitet sich aus! Und wenn wir brennen, brennen Sie mit!« Wieder füllen die Flammen den Bildschirm. Darüber wird in fetten schwarzen Buchstaben eingeblendet:
WENN WIR BRENNEN,
BRENNEN SIE MIT!
Die Worte fangen Feuer, und die ganze Bildfläche verbrennt, bis alles schwarz ist.
Wir genießen jeder für sich den Moment, dann folgt Applaus, und Rufe nach einer Wiederholung werden laut. Gutmütig drückt Coin die Wiedergabetaste, und da ich jetzt schon weiß, was kommt, stelle ich mir vor, ich würde den Film auf unserem Fernseher zu Hause im Saum sehen. Ein Manifest gegen das Kapitol. So etwas hat es noch nie im Fernsehen gegeben. Jedenfalls nicht, seit ich lebe.
Als das Bild ein zweites Mal verbrennt, will ich mehr erfahren. »Ist das in ganz Panem gezeigt worden? Haben sie es im Kapitol gesehen?«
»Im Kapitol nicht«, sagt Plutarch. »Wir haben es bisher nicht geschafft, in ihr System einzudringen, aber Beetee arbeitet daran. In den Distrikten ist der Film gelaufen. Sogar in 2 und der ist zu diesem Zeitpunkt vielleicht mehr wert als das Kapitol.«
»Ist Claudius Templesmith auf unserer Seite?«, frage ich.
Darüber muss Plutarch herzlich lachen. »Nur seine Stimme. Aber an die sind wir leicht rangekommen. Wir mussten sie nicht mal bearbeiten. Genau diesen Satz hat er bei deinen ersten Spielen gesagt.« Er schlägt mit der Hand auf den Tisch. »Und jetzt noch mal einen Applaus für Cressida, für ihr großartiges Team und natürlich für unser Talent vor der Kamera!«
Ich klatsche mit den anderen, bis mir klar wird, dass ich das Talent vor der Kamera bin - vielleicht gehört es sich nicht, sich selbst zu beklatschen? Aber niemand achtet darauf. Mir fällt auf, wie angestrengt Fulvia aussieht. Es muss schlimm für sie sein zu sehen, wie erfolgreich Haymitchs Idee unter Cressidas Regie ist, nachdem ihre eigene Studioversion so ein Flop war.
Coin hat jetzt genug von der Selbstbeweihräucherung. »Alles gut und schön. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Aber ich muss mich doch wundern, dass ihr ein solches Risiko in Kauf genommen habt. Ich weiß, der Angriff kam überraschend. Doch unter den gegebenen Umständen halte ich es für geboten, dass wir über die Entscheidung sprechen, Katniss mitten ins Gefecht zu schicken.«
Entscheidung? Mich ins Gefecht zu schicken? Dann weiß sie also gar nicht, dass ich einfach die Befehle missachtet, mir das Headset vom Kopf gerissen und die Leibwächter abgehängt habe? Was hat man ihr noch alles verheimlicht?
»Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen«, sagt Plutarch und runzelt die Stirn. »Aber wir waren uns schnell einig, dass wir kein vernünftiges Material bekommen, wenn wir sie bei jedem Schuss in einen Bunker sperren.«
»Und du warst damit einverstanden?«, fragt Coin.
Erst als Gale mir unter dem Tisch einen Fußtritt verpasst, merke ich, dass ich gemeint bin. »Ach so! Ja, voll und ganz. Ich war froh, dass ich endlich mal was tun konnte.«
»Meinetwegen, aber ich finde, sie sollte sich trotzdem nicht so unvorsichtig in der Öffentlichkeit zeigen. Vor allem jetzt, da das Kapitol weiß, wozu sie imstande ist«, sagt Coin. Zustimmendes Gemurmel am Tisch.
Keiner hat Gale und mich verpfiffen. Nicht Plutarch, dessen Befehlsgewalt wir missachtet haben. Nicht Boggs mit seiner gebrochenen Nase. Nicht die Insektenmänner, die wir in die Schusslinie geführt haben. Und auch Haymitch nicht - obwohl, Moment mal. Haymitch lächelt mich eisig an und sagt zuckersüß: »Nein, wir wollen unseren kleinen Spotttölpel ja nicht verlieren, jetzt, wo er endlich angefangen hat zu singen.«
Ich nehme mir vor, mich nicht allein mit ihm in ein Zimmer zu begeben, denn er hat eindeutig Rachegelüste wegen dieses blöden Headsets.
»Was habt ihr noch alles geplant?«, fragt Coin.
Plutarch nickt Cressida zu, die auf ihr Klemmbrett schaut. »Wir haben ganz fantastisches Bildmaterial von Katniss im Lazarett von Distrikt 8. Das müsste einen weiteren Propo hergeben unter dem Motto: >Ihr wisst, wer sie sind und was sie tun.< Im Mittelpunkt steht Katniss, wie sie sich um die Patienten kümmert, vor allem um die Kinder, und anschließend zeigen wir die Bombardierung des Lazaretts und die Trümmer. Messalla schneidet das gerade zusammen. Außerdem denken wir an ein Stück über den Spotttölpel. Katniss’ beste Momente, zusammengeschnitten mit Szenen vom Aufstand der Rebellen und Bildmaterial vom Krieg. Den Film nennen wir >Das Feuer breitet sich aus<. Und dann hatte Fulvia noch eine geniale Idee.«