Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Ich drehe mich auf die Seite und schaue Gale direkt in die Augen. Einen Augenblick lang weicht die Welt zurück, nur sein gerötetes Gesicht ist noch da, die pochenden Schläfen, seine leicht geöffneten Lippen, während er wieder zu Atem zu kommen versucht.
»Alles in Ordnung bei dir?«, fragt er. Seine Worte gehen fast in einer Explosion unter.
»Ja. Ich glaube nicht, dass sie mich gesehen haben«, antworte ich. »Sie verfolgen uns nicht.«
»Nein, sie hatten was anderes im Visier«, sagt Gale.
»Ich weiß, aber hier ist doch gar nichts außer …« Erst jetzt begreifen wir.
»Das Lazarett.« Gale springt auf und ruft den anderen zu: »Sie bombardieren das Lazarett!«
»Das ist nicht euer Problem«, sagt Plutarch bestimmt. »Macht, dass ihr zum Bunker kommt.«
»Aber da sind doch nur Verwundete!«, sage ich.
»Katniss.« Ich höre den warnenden Unterton in Haymitchs Stimme und weiß, was jetzt kommt. »Schlag dir den Gedanken gleich wieder aus dem Kopf…!« Ich reiße mir das Headset aus dem Ohr und lasse es am Kabel baumeln. Jetzt, da ich nicht mehr abgelenkt werde, höre ich ein anderes Geräusch. Maschinengewehrfeuer, das vom Dach des schmutzig braunen Lagerhauses auf der anderen Seite der Gasse kommt. Jemand erwidert das Feuer. Bevor irgendwer mich aufhalten kann, stürme ich auf eine Leiter zu und steige hinauf. Klettern. Wenn ich eins kann, dann das.
»Nicht stehen bleiben!«, höre ich Gale hinter mir sagen.
Dann das Geräusch seines Stiefels in irgendeinem Gesicht. Falls es das von Boggs war, wird Gale später teuer dafür bezahlen müssen. Ich erreiche das Dach, wuchte mich auf die Teerpappe und helfe Gale hoch. Dann rennen wir los, hin zu den MG-Nestern an der Straßenseite des Lagerhauses. Jedes wird offenbar von mehreren Rebellen besetzt. Wir werfen uns in eins der Nester und ducken uns hinter die Schutzwand.
»Weiß Boggs, dass ihr hier oben seid?« Links von mir hockt Paylor hinter einem der MGs und sieht uns skeptisch an.
Ich suche nach einer ausweichenden Antwort, ohne sie direkt anzulügen. »Kein Problem, er weiß, wo wir sind.«
Paylor lacht auf. »Bestimmt. Haben sie euch gezeigt, wie man damit umgeht?«, fragt sie und schlägt auf den Schaft ihres Gewehrs.
»Mir ja. Ich hab’s in Distrikt 13 gelernt«, sagt Gale. »Ich würde aber lieber meine eigene Waffe benutzen.«
»Ja, wir haben unsere Bogen dabei.« Ich halte meinen Bogen hoch und merke im selben Augenblick, wie niedlich er wirken muss. »Er ist gefährlicher, als er aussieht.«
»Das will ich hoffen«, erwidert Paylor. »Gut. Wir erwarten mindestens noch drei weitere Wellen. Bevor sie die Bomben fallen lassen, müssen sie den Sichtschutz ausschalten. Das ist unsere Chance. Bleibt unten!« Ich knie nieder und mache mich schussbereit.
»Als Erstes die Brandpfeile«, sagt Gale.
Ich nicke und ziehe einen Pfeil aus dem rechten Köcher. Falls wir danebenzielen, werden die Pfeile irgendwo landen, wahrscheinlich auf dem Lagerhaus gegenüber. Ein Feuer kann man löschen, aber der Schaden, den ein Sprengpfeil anrichtet, könnte irreparabel sein.
Plötzlich tauchen sie auf, zwei Blocks weiter unten, etwa hundert Meter über uns. Sieben kleine Bomber in V-Formation. »Gänse!«, schreie ich Gale zu. Ich bin sicher, er weiß sofort, was ich meine. Im Herbst, als wir Jagd auf Zugvögel machten, haben wir ein System entwickelt, wie wir die Vögel unter uns aufteilen, damit wir nicht beide auf dieselben zielen. Ich übernehme den fernen Schenkel des V, Gale den nahen, und den ersten Vogel ganz vorne beschießen wir abwechselnd. Es ist keine Zeit für weitere Absprachen. Ich berechne die Flugzeit des Pfeils und schieße. Der Pfeil trifft einen Flügel nah am Rumpf und setzt ihn in Brand. Gale verfehlt den Anführer. Auf dem leeren Dach eines Lagerhauses gegenüber steigt eine Stichflamme empor. Er flucht leise.
Das Hoverplane, das ich getroffen habe, schert aus der Formation aus, wirft aber weiter Bomben. Immerhin wird es nicht unsichtbar. Und auch das andere nicht, das wohl von MG-Feuer getroffen worden ist. Offenbar verhindern die Treffer, dass der Sichtschutz reaktiviert wird.
»Guter Schuss«, sagt Gale.
»Den hatte ich gar nicht im Visier«, brumme ich. Ich hatte auf den davor gezielt. »Die sind schneller, als man denkt.«
»In Position!«, ruft Paylor. Schon kommt die nächste Hoverplanewelle.
»Feuer bringt’s nicht«, sagt Gale. Ich nicke und wir legen Pfeile mit Sprengspitzen ein. Die Lagerhäuser auf der anderen Straßenseite sehen sowieso verlassen aus.
Als die Hoverplanes lautlos heranschießen, fasse ich noch einen Entschluss. »Ich stelle mich hin!«, rufe ich Gale zu und stehe auf. In dieser Position kann ich am besten zielen. Ich justiere neu und reiße dem Anführer ein Loch in den Rumpf. Gale schießt einem anderen das Heck ab. Das Hoverplane kippt und stürzt auf die Straße, wo seine Fracht explodiert.
Ohne Vorwarnung taucht ein drittes Geschwader auf. Diesmal landet Gale einen Volltreffer beim Anführer. Ich schieße dem zweiten Bomber einen Flügel ab, sodass er sich in das nachfolgende Hoverplane hineindreht. Beide krachen in das Dach des Lagerhauses gegenüber dem Lazarett. Die MGs holen ein viertes vom Himmel.
»Okay, das war’s wohl«, sagt Paylor.
Flammen und dichter schwarzer Qualm aus den Wracks nehmen uns die Sicht. »Haben sie das Lazarett getroffen?«
»Vermutlich«, sagt sie finster.
Als ich zu den Leitern am anderen Ende des Lagerhauses renne, kommen zu meiner Überraschung Messalla und einer der Insektenmänner hinter einem Lüftungsschacht hervor. Ich hatte gedacht, sie würden noch unten in der Gasse kauern.
»Die wachsen mir allmählich ans Herz«, sagt Gale.
Ich klettere eine Leiter hinunter. Unten warten ein Leibwächter, Cressida und der zweite Insektenmann auf mich. Ich bin auf Vorwürfe gefasst, doch Cressida scheucht mich nur Richtung Lazarett. »Das ist mir egal, Plutarch!«, brüllt sie. »Nur fünf Minuten!« Ohne die Erlaubnis abzuwarten, renne ich los, auf die Straße.
»Oh nein!«, entfährt es mir leise beim Anblick des Lazaretts. Beziehungsweise dessen, was einmal das Lazarett gewesen ist. Ich haste an den Verwundeten vorbei, an den brennenden Wracks der Hoverplanes, und habe nur Augen für die Katastrophe vor mir. Menschen schreien, rennen wild durcheinander, unfähig zu helfen. Die Bomben haben das Dach des Lazaretts zum Einsturz gebracht und das Gebäude in Brand gesteckt. Jetzt sitzen die Patienten in der Falle. Eine Gruppe von Rettern hat sich zusammengeschart und versucht sich einen Weg ins Innere zu bahnen. Aber ich weiß schon, was sie dort vorfinden werden. Wenn die Insassen nicht durch herabstürzende Trümmer oder Flammen den Tod gefunden haben, dann durch den Rauch.
Gale steht jetzt hinter mir. Die Tatsache, dass er nichts unternimmt, bestätigt meine Vermutung. Bergleute verlassen einen Unglücksort erst, wenn keine Hoffnung mehr besteht.
»Los, Katniss. Haymitch sagt, sie können jetzt ein Hovercraft für uns schicken«, sagt er. Aber mir ist, als könnte ich mich nicht rühren.
»Warum haben sie das getan? Warum haben sie die Menschen bombardiert, obwohl sie schon im Sterben lagen?«, frage ich.
»Um andere abzuschrecken. Damit die Verwundeten keine Hilfe suchen«, sagt Gale. »Die Leute, die du heute besucht hast, waren verzichtbar. Jedenfalls für Snow Wenn das Kapitol gewinnt, was soll es mit einer Horde kriegsversehrter Sklaven anfangen?«
Ich denke an die vielen Jahre im Wald zurück, als ich Gale auf das Kapitol habe schimpfen hören und nicht weiter darauf geachtet habe. Damals habe ich mich eher gefragt, warum er sich überhaupt die Mühe machte, die Beweggründe des Kapitals zu analysieren: Was sollte es bringen, wie unser Feind zu denken? Heute hätte es eindeutig etwas gebracht. Als Gale die Existenz des Lazaretts hinter fragte, dachte er nicht an eine mögliche Epidemie, sondern an das hier. Weil er die Grausamkeit unserer Gegner niemals unterschätzt.