Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
Er stand auf, bückte sich dann noch einmal, um das kleine Beil aufzuheben und drehte es einen Moment nachdenklich in der Hand. Es war keine Indio-Waffe, sondern eine ganz normale Axt mit kurzem Stiel, wie man sie in jedem Eisenwarengeschäft erstehen konnte. Enttäuscht zuckte er mit den Schultern und warf sie in den Liftschacht.
Das Beil prallte klirrend gegen das zertrümmerte Aufzugdach und sprang davon ab wie ein Querschläger, und im gleichen Moment ertönte ein mahlendes, knirschendes Geräusch, das helle Quietschen von Eisen und das Kreischen überanspruchter Nieten und Schraubverbindungen. Indiana hatte gerade noch Zeit genug, mit einem entsetzten Schritt zurückzuweichen, als das überlastete Stahlseil endgültig nachgab und die zerrissenen Enden wie eine stählerne Peitsche durch den Schacht fuhren und tiefe Gräben in den Stein rissen. Mit einem urgewaltigen Poltern und Krachen begann die Liftkabine, den Schacht herabzustürzen, wobei sie immer wieder gegen die Wände prallte und sich auf dem Weg nach unten bereits in ihre Bestandteile auflöste. Dann ertönte ein letzter, ungeheurer Schlag, der das gesamte Hotel in seinen Grundfesten zu erschüttern schien.
Jetzt, als alles vorbei war, begannen Indianas Hände und Knie plötzlich zu zittern. Er war in Schweiß gebadet, und seine Handflächen meldeten sich mit bohrenden, brennenden Schmerzen protestierend zu Wort und erinnerten daran, daß er sie über die Maßen grob behandelt hatte. Er griff in die Jacke, zog mit spitzen Fingern ein Taschentuch hervor und begann, mit zusammengebissenen Zähnen das Gemisch von Blut und Schmieröl von seinen Handflächen abzutupfen. Der Schmerz trieb ihm die Tränen in die Augen, und er machte es eher schlimmer als besser, so daß er es nach einigen Augenblicken auch aufgab und auch das Taschentuch zusammengeknüllt in den Aufzugschacht hinunterwarf. Dann sah er sich nach beiden Seiten um — so unglaublich es schien, aber auf dieser Etage schien niemand von dem Höllenlärm Notiz genommen zu haben — und wandte sich zur Treppe. Verständlicherweise war er im Moment nicht besonders erpicht darauf, den zweiten Aufzug zu benutzen.
Der Lärm schlug ihm bereits entgegen, als er auf der Höhe der ersten Etage war, und in der Empfangshalle angekommen, gewahrte er einen wahren Menschenauflauf vor den offenstehenden Türen einer der beiden Liftkabinen. Rasch, aber nicht so schnell, daß seine Hast aufgefallen wäre, durchquerte er die Halle, wandte pflichtschuldig den Kopf, um mit geschauspielerter Neugier nach dem Grund der Aufregung zu sehen, und näherte sich dabei unauffällig dem Ausgang. Ein paar von den Leuten, die sich um die Lifttüren drängten, blickten ihn erstaunt an. Natürlich fiel er in seiner zerfetzten, blut- und ölverschmierten Kleidung auf. Aber offensichtlich war das, was mit dem Aufzug geschehen war, noch interessanter als ein Mann in zerrissenen Hosen und mit blutenden Händen, denn niemand nahm wirklich Notiz von ihm, und Indiana nutzte die Gelegenheit, noch schneller auszuschreiten und sich dem Ausgang zu nähern. Aber dann blieb er doch noch einmal stehen. In dem aufgeregten Durcheinander aus Stimmen und Schreien hatte sich plötzlich etwas geändert. Mit einem Male wich die Menge mit einem überraschten Murmeln zurück und bildete eine Gasse, durch die Indiana die Lifttüren sehen konnte.
Sie — und die riesenhafte, blutige Hand, die sich um die Schwelle klammerte!
Plötzlich hatte er es sehr eilig, das Hotel zu verlassen. Ohne nach rechts oder links zu schauen, überquerte er die Straße und steuerte den Taxistand an der gegenüberliegenden Ecke an, als sich plötzlich die Glastüren von Josés Hotel öffneten und ein aufgeregter Portier herausgestürmt kam und ihm zuwinkte.
«Dr. Jones!«
Indiana verdrehte die Augen, sah aber ein, daß der Mann, wenn er nicht stehenblieb, höchstens noch lauter brüllen und seinen Verfolger damit unweigerlich auf seine Spur lenken würde. Resigniert wandte er sich um.
Der Portier kam mit weit ausgreifenden Schritten auf ihn zugerannt und blieb kurzatmig vor ihm stehen.»Dr. Jones! Ich hab’ die Information.«
Im ersten Moment wußte Indiana gar nicht genau, worauf der Mann hinauswollte. Dann begriff er: das Taxi.
«Gut«, sagte er und griff in die Tasche. Der Blick des Portiers folgte der Geste. Sein Gesicht verzog sich überrascht, als er Indianas geschundene, blutige Hände sah und bemerkte, in welch desolatem Zustand sich dessen Kleidung befand. Aber das gierige Funkeln in seinen Augen wurde kein bißchen schwächer.
Wortlos wartete er, bis Indiana ihm eine Zehndollarnote ausgehändigt hatte, steckte sie ungeachtet des Schmieröls und Blutes daran in die Jackentasche und sagte:»Señor Perez ist heute morgen zum Hafen gefahren. Er hatte es ziemlich eilig.«
«Und das ist alles?«fragte Indiana enttäuscht.
Der Portier nickte, aber er lächelte weiter.»Das ist gar nicht so schlecht«, sagte er.»Ich habe mit dem Taxifahrer gesprochen, müssen Sie wissen. Señor Perez hat ihm ein hohes Trinkgeld geboten, wenn er vor sieben den Hafen erreicht.«
Indiana begriff. Es gab für diese Hast nur einen einzigen Grund: nämlich den, daß José ein Schiff erreichen mußte, das um sieben auslief. Wenigstens hoffte er, daß es so war; denn wenn nicht, dann hatte er seine einzige Spur in dieser immer undurchsichtiger werdenden Geschichte ebenso rasch verloren, wie er sie gefunden hatte.
Er bedankte sich mit einem Nicken bei dem Mann und wollte weitergehen, aber der Portier hielt ihn noch einmal zurück.»Ich habe all das bereits Ihrer Assistentin gesagt«, sagte er.
Indiana blieb wie vom Donner gerührt stehen.»Meiner was?«fragte er ungläubig.
«Ihrer Assistentin«, wiederholte der Portier.»Das war doch richtig, oder?«
Indiana zog die Augenbrauen zusammen.»Einer jungen Dame?«fragte er.»Siebzehn oder achtzehn, mit kurzgeschnittenem, blondem Haar?«
Das Gesicht des Portiers hellte sich auf.»Genau das war sie«, sagte er.
«Wie lange ist das her?«fragte Indiana.
«Nicht sehr lange. Fünf Minuten, allerhöchstens. Sie ist gleich in ein Taxi gestiegen, um zum Hafen zu fahren.«
Indiana fluchte halblaut, fuhr auf der Stelle herum und rannte, so schnell er konnte, zur Ecke. Wahllos stürzte er in das erste Taxi und bellte ein» zum Hafen!!!«, noch bevor er die Tür ganz hinter sich schließen konnte.»Und schnell!«fügte er im gleichen Tonfall hinzu.
Was er kaum eine Sekunde später schon bedauerte. Denn der Taxifahrer gab so rücksichtslos Gas, daß Indiana nach hinten geworfen und in die Polster gedrückt wurde, während der Ford mit durchdrehenden Reifen losschoß.
Mühsam rappelte er sich wieder auf, warf dem Mann hinter dem Lenkrad einen schrägen Blick zu und ballte seine blutigen Hände zu Fäusten, damit der sie nicht sah.
«Auf der Flucht oder hinter jemandem her?«fragte der Taxifahrer feixend. Indiana warf ihm einen feindseligen Blick zu und ersparte sich jede Antwort, aber der Mann gab so rasch nicht auf:
«Ich frag’ ja nur, weil es heute jedermann eilig zu haben scheint«, fuhr er fort.»Die Kleine, die vorhin mit dem Spanier in den Wagen gestiegen ist …«
Indiana richtete sich kerzengerade auf.»Welche Kleine?!«
Der Taxifahrer zuckte mit den Achseln und bog mit kreischenden Reifen in eine Seitenstraße ein. Ein Fußgänger brachte sich mit einem entsetzten Sprung in Sicherheit und schickte dem Wagen einen Fluch von Verwünschungen und Beschimpfungen hinterher, aber das schien er gar nicht zu bemerken.»Ein junges Ding eben«, antwortete er achselzuckend.»So sechzehn, vielleicht achtzehn Jahre alt. Schien es verdammt eilig zu haben.«
«Schlank? Blond?«vergewisserte sich Indiana.
Der Mann nickte.»Genau die. Kennen Sie sie? Sind Sie hinter ihr her? Oder hinter dem Kerl, der sie begleitet?«
Indiana blickte fragend.
«So ein riesiger Kerl«, sagte der Fahrer.»Muß ein Mexikaner oder Spanier gewesen sein, oder sonstwas.«
«An die zwei Meter groß? Schwarzes Haar und Maßanzug?«fragte Indiana mit klopfendem Herzen.