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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Ich habe mich immer gefragt«, sagte Loial unsicher, »als ich darüber las, da habe ich mich immer gefragt, was es eigentlich sei. Warum? Warum haben sie das geschaffen? Und wie?«

»Niemand unter den Lebenden weiß das.« Moiraine blickte nicht mehr in den See. Sie beobachtete Rand und seine beiden Freunde eingehend mit abschätzendem Blick. »Weder weiß man, wie es geschaffen wurde, noch warum, außer daß es eines Tages benötigt werden würde und daß diese Not die größte und verzweifeltste sein würde, der sich die Menschheit bis zu dieser Zeit je gegenüber gesehen hatte. Vielleicht die größte Not, die es jemals geben würde.

Viele in Tar Valon haben sich bemüht, einen Weg zu finden, diese Macht zu verwenden, aber sie ist so unerreichbar für eine Frau wie der Mond für eine Katze. Nur ein Mann könnte sie beherrschen, aber der letzte männliche Aes Sedai ist seit fast dreitausend Jahren tot. Und doch war es eine verzweifelte Notwendigkeit, die sie dazu trieb. Sie arbeiteten sich durch das Gift des Dunklen Königs hindurch, das Saidin verdorben hatte, um es wieder zu heilen, obwohl sie wußten, daß ein Erfolg sie alle getötet hätte. Männliche und weibliche Aes Sedai gemeinsam. Der Grüne Mann hat die Wahrheit gesagt. Die größten Wunder des Zeitalters der Legenden wurden auf diese Art geschaffen, Saidin und Saidar zusammen. Alle Frauen in Tar Valon, alle die Aes Sedai an all den Königshöfen und in allen Städten, selbst die eingerechnet, die jenseits der Wüste leben, selbst die eingerechnet, die vielleicht noch jenseits des Aryth-Meeres leben, konnten nicht einen Löffel mit der Macht anfüllen, wenn sie keine Männer zur Zusammenarbeit hatten.«

Rands Kehle brannte, als habe er geschrien. »Warum hast du uns hierher gebracht?«

»Weil Ihr ta'veren seid.« Aus dem Gesichtsausdruck der Aes Sedai ließ sich nichts ablesen. Ihre Augen glänzten und schienen ihn zu ihr hinzuziehen. »Weil die Macht des Dunklen Königs hier zuschlagen wird und weil wir ihr gegenübertreten müssen und sie aufhalten, sonst wird der Schatten die Welt bedecken. Es gibt keine zwingendere Notwendigkeit als das. Gehen wir wieder hinaus ins Sonnenlicht, solange wir noch Zeit haben.« Sie wartete nicht, um zu sehen, ob sie ihr folgten, und ging mit Lan den Korridor wieder hinauf. Lans Schritt war vielleicht ein wenig schneller als sonst üblich. Egwene und Nynaeve eilten ihr hinterher.

Rand schob sich an der Wand entlang — er konnte sich nicht dazu zwingen, auch nur einen Schritt näher an das heranzutreten, was der See sein mochte — und stolperte zusammen mit Mat und Perrin auf den Korridor hinaus. Er wäre sogar gerannt, doch dann hätte er Egwene und Nynaeve, Moiraine und Lan überrannt. Sein Zittern hörte aber auch nicht auf, als er wieder draußen war.

»Mir gefällt das nicht, Moiraine«, sagte Nynaeve ärgerlich, als die Sonne wieder auf sie herunterschien.

»Ich glaube schon, daß die Gefahr so groß ist, wie du behauptest, sonst wäre ich nicht hier, aber das ist... «

»Endlich habe ich euch gefunden.«

Rand zuckte, als hätte sich ein Seil um seinen Hals zusammengezogen. Die Worte, die Stimme... einen Augenblick lang glaubte er, es sei Ba'alzamon. Aber die beiden Männer, die zwischen den Bäumen hervortraten, die Gesichter unter Kapuzen verborgen, trugen keine Umhänge von der Farbe getrockneten Blutes. Der eine Umhang war dunkelgrau, der andere von einem beinahe genauso dunklen Grün, und sogar an der frischen Luft wirkten sie muffig. Und die Männer waren keine Blassen; die Brise bewegte ihre Umhänge.

»Wer seid Ihr?« Lans Haltung sprach von Vorsicht. Seine Hand lag auf dem Griff seines Schwertes. »Wie seid Ihr hierhergekommen? Falls Ihr den Grünen Mann sucht... «

»Er führte uns.« Die Hand, die auf Mat deutete, war alt und verschrumpelt und fast nicht mehr menschlich zu nennen. Ein Fingernagel fehlte, und die Knöchel standen heraus wie Knoten in einem Stück Tau. Mat trat mit weit aufgerissenen Augen einen Schritt zurück. »Ein altes Ding, ein alter Freund, ein alter Feind. Aber er ist nicht derjenige, den wir suchen«, erklärte der Mann mit dem grünen Umhang. Der andere Mann stand da, als würde er niemals sprechen.

Moiraine richtete sich zu voller Größe auf. So reichte sie wohl immer noch den Männern nur bis zu den Schultern, aber sie erschien ihnen mit einemmal so groß wie die Hügel. Ihre Stimme klang wie eine Glocke. Sie verlangte zu wissen: »Wer seid Ihr?«

Hände schoben Kapuzen zurück, und Rand fielen fast die Augen aus dem Kopf. Der alte Mann war älter als alt; neben ihm hätte Cenn Buie wie ein vor Gesundheit strotzendes Kind gewirkt. Seine Gesichtshaut sah aus wie dünnes Pergament, das man fest über den Schädel gezurrt hatte und dann noch einmal etwas fester. Vereinzelte Büschel brüchigen Haares waren über seine vernarbte Kopfhaut verteilt. Seine Ohren waren verwitterte Bruchstücke wie Fetzen uralten Leders, die Augen eingesunken. Sie spähten aus seinem Kopf hervor wie vom hinteren Ende eines Tunnels her. Und doch sah der andere noch schlimmer aus. Ein enger schwarzer Lederüberzug bedeckte Kopf und Gesicht des Mannes vollständig, aber dessen Vorderseite war in Form eines Gesichts gearbeitet. Es war das Gesicht eines jungen Mannes, das wild, ja wahnsinnig lachte — ein für immer erstarrtes Lachen. Was verbirgt der, wenn der andere schon zeigt, was er da eben vorführt? Dann erstarrten sogar seine Gedanken, wurden zu Staub zermalmt und weggeblasen.

»Man nennt mich Aginor«, sagte der Alte. »Und er ist Balthamel. Er spricht nicht mehr mit seiner Zunge. Das Rad mahlt extrem fein, wenn man dreitausend Jahre lang im Gefängnis steckt.« Der Blick aus seinen eingesunkenen Augen glitt zum Torbogen hinüber. Balthamel beugte sich vor, die Augen unter seiner Maske auf die weiße Steinöffnung gerichtet, als wolle er geradewegs hineingehen. »So lange unfrei«, sagte Aginor leise. »So lange.«

»Das Licht schütze...«, begann Loial mit zitternder Stimme und brach dann schnell ab, als Aginor ihn anblickte.

»Die Verlorenen«, sagte Mat heiser, »sind in Shayol Ghul gefangen... «

»Waren gefangen.« Aginor lächelte; seine vergilbten Zähne wirkten wie Raubtierfänge. »Einige von uns sind nicht mehr gefangen. Die Siegel werden brüchig, Aes Sedai. Wie Ishamael wandeln wir wieder unter den Lebenden, und bald kommt der Rest von uns nach. Ich war dieser Welt in meiner Gefangenschaft zu nahe, ich und Balthamel, zu nahe dem Mahlen des Rads, aber bald wird der Große Herr der Dunkelheit frei sein und uns neues Fleisch verleihen, und die Welt wird wieder unser sein. Diesmal werdet ihr keinen Lews Therin Brudermörder mehr haben. Kein Herr des Morgens wird euch retten. Wir wissen nun, wen wir suchen, und den Rest von euch brauchen wir nicht mehr.«

Lans Schwert fuhr zu schnell aus der Scheide, als daß Rand die Bewegung hätte verfolgen können. Doch noch zögerte der Behüter, und sein Blick wanderte von Moiraine zu Nynaeve. Die beiden Frauen standen ein ganzes Stück voneinander entfernt. Hätte er sich zwischen eine von ihnen und die Verlorenen gestellt, hätte er sich damit weiter von der anderen entfernt. Das Zögern dauerte nur einen Herzschlag lang, doch als sich der Behüter bewegte, hob Aginor die Hand. Die Geste wirkte verächtlich — nur ein Schnippen seiner schwieligen Finger, wie um eine Fliege zu verscheuchen. Der Behüter flog nach rückwärts durch die Luft, als habe ihn eine riesige Hand geschleudert. Mit einem dumpfen Aufschlag prallte Lan gegen den steinernen Torbogen und hing einen Augenblick lang dort, bevor er zu einem schlappen Häufchen zusammensackte. Sein Schwert lag neben seiner ausgestreckten Hand.

»NEIN!« schrie Nynaeve.

»Sei ruhig!« befahl ihr Moiraine, aber bevor sich irgend jemand bewegen konnte, hatte das Messer der Seherin ihren Gürtel verlassen, und sie rannte auf die Verlorenen zu, die kleine Klinge hoch erhoben.

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