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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Moiraine öffnete die Augen und blickte den Hügel hinunter. »Damit ich die letzten Überreste dessen beseitigen konnte, was ich gestern abend hier tat. Sie wären wohl auch im Verlauf eines Tages von allein verflogen, aber ich werde jetzt kein Risiko mehr eingehen, das ich vermeiden kann. Wir sind zu nahe, und der Schatten ist hier zu stark. Lan?«

Der Behüter wartete nur lange genug, damit sie sich in Aldiebs Sattel zurechtsetzen konnte, und führte sie dann nach Norden auf die Berge des Verderbens zu, die unweit von ihnen aufragten. Selbst im Sonnenaufgang wirkten die Gipfel schwarz und leblos wie Zahnstümpfe. Sie erstreckten sich wie eine riesige Wand nach Osten und nach Westen — soweit sie sehen konnten.

»Werden wir heute noch das Auge erreichen, Moiraine Sedai?« fragte Egwene.

Die Aes Sedai sah Loial von der Seite her an. »Ich hoffe schon. Als ich es damals entdeckte, befand es sich gleich auf der anderen Seite der Berge, am Fuß der hohen Pässe.«

»Er sagt, es bewegt sich«, sagte Mat und nickte in Richtung Loial. »Was ist, wenn es sich gar nicht dort befindet, wo du glaubst?«

»Dann werden wir weitersuchen, bis wir es finden. Der Grüne Mann fühlt die Not, und es kann wohl keine größere Not geben als die unsere. Unsere Not ist die Hoffnung der Welt.«

Als die Berge näherrückten, kamen sie auch der eigentlichen Großen Fäule näher. Wo vorher die Blätter schwarz und gelb gefleckt ausgesehen hatten, da fielen sie jetzt schwer und feucht unter ihrem eigenen Gewicht faulend zu Boden. Die Bäume selbst waren gequälte, verkrüppelte Dinge mit verdrehten Ästen, die sich dem Himmel entgegenstreckten, als bäten sie eine Macht um Gnade, die sich weigerte, ihre Bitte zu erhören. Schleim rann wie Eiter aus aufgesprungener Rinde. Die Bäume zitterten von der Erschütterung durch die vorbeitrabenden Pferde, als sei an ihnen nichts wirklich Festes mehr.

»Sieht aus, als wollten sie nach uns greifen«, sagte Mat nervös. Nynaeve sah ihn aufgebracht und zornig an, worauf er heftig hinzufügte: »Na ja, sie sehen eben so aus!«

»Und einige davon wollen das tatsächlich«, sagte die Aes Sedai. Einen Augenblick lang wirkten ihre nach hinten gerichteten Augen härter als die Lans. »Aber sie wollen absolut nichts von mir, und meine Gegenwart schützt euch.«

Mat lachte unsicher, als glaube er, sie habe gescherzt. Rand war sich da nicht so sicher. Dies war schließlich die Fäule. Aber Bäume bewegen sich nicht. Warum sollte ein Baum einen Menschen ergreifen, selbst wenn er es könnte? Wir bilden uns doch so was nur ein, und sie will uns lediglich wachsam halten.

Blitzschnell blickte er nach links hinüber, in den Wald hinein. Dieser Baum, kaum zwanzig Schritt entfernt, hatte gezittert, und das entsprang nicht seiner Einbildung. Er wußte nicht, welche Art von Baum das war oder gewesen war, so verdreht und gequält war seine Gestalt. Noch während er ihn betrachtete, ruckte der Baum wieder vor und zurück und neigte sich dann. Die Äste peitschten den Boden. Etwas schrie schrill und durchdringend. Der Baum richtete sich mit einem Ruck wieder auf. Seine Äste hatten sich um eine dunkle Masse geschlossen, die sich wand und fauchte und schrie.

Er schluckte heftig und bemühte sich, den Braunen wegzulenken, aber auf jeder Seite standen Bäume, und alle bebten nun. Der Braune rollte die Augen, bis man nur noch das Weiße darin sah. Rand befand sich inmitten eines wirren Knäuels von Pferden, da alle anderen dasselbe versuchten wie er. »Bewegt Euch!« befahl Lan und zog sein Schwert. Der Behüter trug nun seine stahlverstärkten Handschuhe und sein graugrünes Schuppenhemd. »Bleibt bei Moiraine Sedai!« Er riß Mandarb herum, nicht in Richtung des Baumes und seiner Beute, sondern in entgegengesetzter Richtung. Mit seinem farbverändernden Umhang wurde sein Anblick bereits von der Fäule verschlungen, bevor der schwarze Hengst außer Sicht war.

»Näher«, forderte Moiraine die anderen auf. Sie ließ ihre weiße Stute den Schritt nicht verlangsamen, bedeutete aber den anderen, sich dicht bei ihr zu halten. »Haltet euch so nahe wie möglich bei mir.«

Ein Brüllen erhob sich aus der Richtung, in die der Behüter geritten war. Es ließ Luft und Bäume erzittern, und als es verflog, hallte ein Echo nach. Dann erklang das Brüllen wieder, erfüllt von Wut und Tod.

»Lan«, sagte Nynaeve. »Er... «

Der schreckliche Laut schnitt ihr das Wort ab, doch es lag ein neuer Klang darin: Angst. Mit einem Schlag verstummte er.

»Lan kann auf sich selbst aufpassen«, sagte Moiraine. »Reitet, Seherin!«

Zwischen den Bäumen tauchte der Behüter wieder auf. Er hielt das Schwert am ausgestreckten Arm — weg von sich und seinem Roß. Schwarzes Blut klebte an der Klinge, und Dampf stieg davon auf. Sorgfältig wischte Lan die Klinge mit einem Tuch ab, das er einer Satteltasche entnahm. Er betrachtete den Stahl eingehend, um sicher zu sein, daß er jeden Fleck erreicht hatte. Als er das Tuch fallenließ, zerfiel es, bevor es den Boden berührte, und selbst die einzelnen Fetzen lösten sich noch auf.

Lautlos sprang ein massiger Körper zwischen den Bäumen hindurch auf sie zu. Der Behüter riß Mandarb herum, doch in dem Moment, als sich das Streitroß aufbäumte, bereit, mit stahlbewehrten Hufen loszuschlagen, zischte Mats Pfeil an ihnen vorbei und durchbohrte das einzige Auge in einem Kopf, der im wesentlichen aus Rachen und Zähnen bestand. Das Ding fiel zuckend und schreiend einen Sprung weit von ihnen entfernt zu Boden. Rand betrachtete das Ding, als sie vorbeihasteten. Es war bedeckt von einem borstigsteifen Pelz, und es besaß entschieden zu viele Beine, die in eigenartigen Winkeln aus einem Körper hervorwuchsen, der so groß war wie der eines Bären. Einige dieser Gliedmaßen zumindest — die aus seinem Rücken herausragten — waren zum Laufen nicht zu gebrauchen, aber die fingerlangen Klauen an ihren Enden wühlten die Erde im Todeskampf auf.

»Guter Schuß, Schafhirte.« Lans Augen hatten bereits vergessen, was hinter ihnen lag, und suchten den Wald ab. Moiraine schüttelte den Kopf. »Es hätte eigentlich nicht freiwillig jemandem so nahe kommen sollen, der Kraft aus der Wahren Quelle schöpft.«

»Agelmar sagte, daß sich in der Fäule einiges rührt«, meinte Lan dazu. »Vielleicht spürt auch die Fäule, daß sich im Großen Muster ein neues Gewebe formt.«

»Beeilt euch!« Moiraine grub die Fersen in Aldiebs Flanken. »Wir müssen die oberen Pässe schnell überqueren.«

Doch noch während sie sprach, erhob sich die Fäule gegen sie. Bäume peitschten mit ihren Ästen, versuchten, sie zu erreichen, und sie kümmerten sich nicht darum, ob Moiraine die Wahre Quelle berührte oder nicht. Rand hielt sein Schwert in der Hand. Er erinnerte sich nicht daran, es gezogen zu haben. Er schlug immer wieder zu. Die Klinge mit dem Reiherzeichen durchschnitt faulende Zweige. Hungrige Äste zuckten als abgehackte, sich windende Stümpfe zurück — er glaubte beinahe, sie schreien zu hören -, aber immer neue kamen, wanden sich wie Schlangen, versuchten, sich um seine Arme, seine Taille, seinen Hals zu wickeln. Die Zähne in starrem Knurren gefletscht, suchte er das Nichts und fand es in dem steinigen, zähen Erdboden der Zwei Flüsse.

»Manetheren!« Er schrie es den Bäumen zu, bis sein Hals schmerzte. Die Klinge mit dem Reiherzeichen blitzte im kraftlosen Sonnenschein. »Manetheren! Manetheren!«

Mat stand in den Steigbügeln und sandte einen Pfeil nach dem anderen in den Wald, zielte auf verformte Gestalten, die knurrten und unzählige Zähne auf den Pfeilen zerbissen, die sie töteten, schoß auf die klauenbewehrten Umrisse, die sich über die Gestürzten hinwegquälten, um die berittenen Figuren zu erreichen. Auch Mat nahm die Welt um sich herum nicht mehr richtig wahr. »Carai an Caldazar!« schrie er, während er die Sehne an die Wange zog und losließ. »Carai an Ellisande! An Ellisande! Mordero daghain pas duente cuebiyar! An Ellisande!«

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