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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Rennt!« befahl Moiraine. Ihr Gesicht war vor Anstrengung weiß. »Rennt alle weg!« Aginor schritt durch die Luft auf die Kante der Flammen zu.

Rand konnte am Rand seines Gesichtsfeldes erkennen, wie andere sich bewegten, wie Mat und Perrin weghetzten, wie Loials lange Beine ihn in den Wald hineintrugen, doch alles, was er wirklich sah, war Egwene. Sie stand starr da mit bleichem Gesicht und geschlossenen Augen. Es war nicht die Angst, die sie dort festhielt, erkannte er. Sie versuchte, ihre winzige, ungeübte Kraft in der Anwendung der Macht gegen den Verlorenen einzusetzen.

Grob packte er sie am Arm und zog sie herum, bis ihr Gesicht ihm zugewandt war. »Renn weg!« schrie er sie an. Ihre Augen öffneten sich, blickten ihn an. Zorn war darin zu sehen, weil er sich eingemischt hatte, und blinder Haß auf Aginor, aber auch Furcht vor dem Verlorenen. »Renn!« sagte er und schob sie in Richtung auf die Bäume. Er tat es so kräftig, daß sie losstolperte. Kaum daß sie sich in Bewegung gesetzt hatte, rannte sie auch schon.

Aber Aginors verwittertes Gesicht wandte sich ihm zu und auch der davonrennenden Egwene hinter ihm, während der Verlorene durch die Flammen wandelte, als ginge ihn das, was die Aes Sedai tat, überhaupt nichts an. Er blickte hinter Egwene her.

»Nicht sie!« schrie Rand. »Das Licht verbrenne Euch, aber sie bekommt Ihr nicht!« Er schnappte sich einen Felsbrocken und warf ihn. Er hoffte, damit Aginors Aufmerksamkeit zu erregen. Auf halbem Weg zum Gesicht des Verlorenen verwandelte sich der Stein in eine Handvoll Staub.

Er zögerte nur einen Augenblick lang, lang genug, um nach hinten zu blicken und zu sehen, daß Egwene zwischen den Bäumen verborgen war. Die Flammen umgaben Aginor immer noch, Fetzen seines Umhangs glimmten, aber er schlenderte einher, als habe er alle Zeit der Welt, und das Feuer war nah. Rand drehte sich um und rannte los. Hinter sich hörte er, wie Moiraine laut aufschrie.

51

Gegen den Schatten

Der Weg, den Rand gewählt hatte, führte stetig aufwärts, aber die Angst verlieh seinen Beinen Kraft, und er kam mit langen Schritten schnell voran. Er bahnte sich seinen Weg durch blühende Büsche und Gestrüpp von Heckenrosen, ließ abgefallene Blütenblätter hinter sich zurück und achtete nicht darauf, ob die Dornen seine Kleider zerrissen und vielleicht sogar seine Haut ritzten. Moiraine hatte aufgehört zu schreien. Es schien, als hätten die Schreie eine Ewigkeit angedauert, jeder durchdringender als der letzte, aber er wußte, daß sie zusammen nur wenige Augenblicke gedauert hatten. Augenblicke, bevor Aginor sich an seine Fersen heftete. Er wußte, daß Aginor gerade ihm folgen würde. Er hatte die Gewißheit in den hohlen Augen des Verlorenen erblickt, in dieser letzten Sekunde, bevor die Angst seine Füße zum Rennen zwang.

Der Abhang wurde noch steiler, aber er kletterte weiter, zog sich an Kräuterbüscheln hoch; Steine und Erdboden und Blätter wurden von seinen Füßen losgetreten und rollten den Hang hinunter. Schließlich kroch er auf Händen und Knien weiter, als es zu steil wurde. Vor ihm — über ihm — wurde das Land etwas ebener. Schnaufend krabbelte er die letzten paar Spannen hoch, stand auf und blieb stehen. Er hätte am liebsten ein lautes Heulen von sich gegeben.

Zehn Schritte vor ihm brach der Hügel an einer scharfen Kante abrupt ab. Er wußte, was er sehen würde, noch bevor er die Kante erreichte, aber er machte trotzdem die notwendigen Schritte, einen schwerfälliger als den anderen, in der Hoffnung, es gebe vielleicht einen Weg, einen Ziegenpfad oder was auch immer. Oben angekommen, blickte er einen dreißig Schritte tiefen Steilhang hinab, eine Steinmauer, so glatt wie abgeschliffenes Holz.

Es muß einen Weg geben. Ich gehe zurück und suche mir einen Weg außen herum. Gehe zurück und...

Als er sich umdrehte, war Aginor da. Er hatte gerade den Kamm des Hügels erreicht. Der Verlorene erklomm den Hügel ohne jede Schwierigkeit. Er schritt den steilen Abhang hinauf, als sei es ebener Boden. Tief eingesunkene Augen in diesem Pergamentgesicht glühten ihn an. Irgendwie schien es jetzt nicht mehr so verwittert wie vorher, ein wenig voller, als habe Aginor gut gegessen. Diese Augen waren auf ihn gerichtet, aber als Aginor sprach, war es mehr zu sich selbst.

»Ba'alzamon versprach eine Belohnung jenseits aller Träume sterblicher Menschen für den, der euch nach Shayol Ghul bringt. Aber meine Träume schweiften immer schon jenseits derer anderer Menschen, und die Sterblichkeit habe ich vor Jahrtausenden hinter mir zurückgelassen. Welchen Unterschied macht es schon, ob ihr dem Großen Herrn der Dunkelheit lebendig oder tot dient? Für die Ausbreitung des Schattens spielt das keine Rolle. Warum sollte ich meine Macht mit euch teilen? Warum sollte ich das Knie vor euch beugen? Ich, der in der Halle der Diener selbst Lews Therin Telamon gegenüberstand? Ich, der meine Macht gegen den Herrn des Morgens einsetzte und ihm Schlag für Schlag Pari bot? Ich denke, ich habe das nicht nötig.«

Rands Mund war staubtrocken. Seine Zunge fühlte sich so verschrumpelt an, wie Aginor aussah. Die Kante des Abgrunds knirschte unter seinen Absätzen. Steine fielen hinunter. Er wagte es nicht, zurückzublicken, doch er hörte, wie die Steinbrocken ein ums andere Mal von der Steilwand zurückprallten, genau wie es mit seinem Körper geschehen würde, wenn er sich auch nur ein paar Handbreit vorwärts bewegte. Er war sich vorher überhaupt nicht bewußt gewesen, daß er sich vor dem Verlorenen zurückgezogen hatte. Seine Haut prickelte, so daß er meinte, er könne sie Blasen schlagen sehen, wenn er nur hinsah, wenn er den Blick nur von dem Verlorenen wenden könnte. Es muß doch einen Weg geben, ihm zu entkommen. Irgendeinen Fluchtweg! Es muß einen geben! Irgendeinen Weg!

Plötzlich fühlte er etwas, sah es auch, obwohl er wußte, daß es gar nicht sichtbar vorhanden war. Ein glühendes Seil ging von Aginor aus, hinter ihm, weiß wie Sonnenschein, der durch eine hellstrahlende Wolke hindurch gesehen wird, schwerer als der Arm eines Schmieds, leichter als Luft, und verband den Verlorenen mit etwas unsagbar Fernem, etwas in Reichweite von Rands Händen. Das Seil pulsierte, und mit jedem Pulsschlag wurde Aginor stärker, sein Gesicht voller, wurde er zu einem Mann, der genauso groß und stark war wie er selbst, härter als ein Behüter, tödlicher als die Fäule. Doch neben dieser leuchtenden Nabelschnur schien der Verlorene kaum bestehen zu können. Die Schnur war alles. Sie summte. Sie sang. Sie lockte Rands Seele. Ein heller Fingerstrang trieb von ihr weg durch die Luft, berührte ihn, und er keuchte auf. Licht erfüllte ihn, und Hitze, die eigentlich hätte brennen sollen, wärmte ihn lediglich, als wolle sie die Grabeskühle aus seinen Knochen vertreiben. Der Strang verdickte sich. Ich muß entkommen!

»Nein!« schrie Aginor. »Ihr sollt das nicht haben! Es gehört mir!«

Rand bewegte sich nicht, genau wie der Verlorene, aber sie kämpften miteinander, als hätten sie sich im Staub gewälzt. Schweißtropfen rannen von Aginors Stirn, die nicht mehr verschrumpelt wirkte, sondern die eines starken Mannes in seinen besten Jahren war. Rand war vom Pulsschlag der Schnur erfüllt, als sei das der Herzschlag der Welt. Er erfüllte sein ganzes Wesen. Licht durchflutete seinen Geist, bis nur noch eine Ecke für seine wahre Persönlichkeit übrigblieb. Er wickelte das Nichts um diesen Haltepunkt, barg ihn in der Leere. Nur weg!

»Meins!« schrie Aginor. »Es gehört mir!«

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