Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Das Licht blende Euch«, schrie sie und hieb nach Aginors Brust. Der andere der Verlorenen bewegte sich wie eine Viper. Noch während sie zuzuschlagen versuchte, schoß Balthamels in Leder gehüllte Hand heraus und ergriff ihr Kinn. Die Finger gruben sich in ihre eine Wange, während sich der Daumen in die andere bohrte. Durch den Druck preßten sie das Blut aus den Wangen und hinterließen blasse Schwielen. Ein Krampf schüttelte Nynaeve von Kopf bis Fuß, als habe man sie wie einen Kreisel gepeitscht. Ihr Messer fiel nutzlos aus kraftlosen Fingern, als Balthamel sie mit diesem Griff vom Boden hochhob, bis die Ledermaske in ihr immer noch zitterndes Gesicht starrte. Ihre Zehen zuckten einen Fuß hoch über dem Boden. Es regnete Blumen aus ihrem Haar.
»Ich hatte die fleischlichen Lüste schon beinahe vergessen.« Aginors Zunge fuhr über die geschrumpften Lippen. Es klang, als schleife Stein über rauhes Leder. »Aber Balthamel erinnert sich noch an vieles.« Das Lachen der Maske schien noch wilder zu werden, und Nynaeves klagender Aufschrei brannte in Rands Ohren wie Verzweiflung, die direkt aus ihrem lebendigen Herz gerissen wurde.
Plötzlich rührte sich auch Egwene, und Rand sah, daß sie Nynaeve zur Hilfe eilen wollte. »Egwene, nein!« schrie er, doch sie blieb nicht stehen. Seine Hand hatte sich bei Nynaeves Aufschrei zu seinem Schwert hin bewegt, aber nun gab er das auf und warf sich auf Egwene. Er prallte auf sie, bevor sie noch den dritten Schritt gemacht hatte, und beide fielen zu Boden. Egwene landete mit einem Japsen unter ihm und schlug sofort um sich.
Auch andere waren in Bewegung, wie er jetzt erkannte. Perrins Axt wirbelte in seinen Händen, und seine Augen glühten golden und wild. »Seherin!« heulte Mat, und er hielt den Dolch aus Shadar Logoth in der Faust.
»Nein!« rief Rand. »Ihr könnt nicht gegen die Verlorenen kämpfen!« Aber sie rannten an ihm vorbei, als hätten sie ihn nicht gehört. Sie hatten nur Augen für Nynaeve und die beiden Verlorenen.
Aginor sah sie unberührt an... und lächelte.
Rand fühlte, wie sich die Luft über ihm auflud und wie die Peitsche eines Riesen knallte. Mat und Perrin, die noch nicht einmal den halben Weg zu den Verlorenen zurückgelegt hatten, blieben so unvermittelt stehen, als seien sie auf eine Wand gerannt. Dann prallten sie zurück und fielen platt zu Boden.
»Gut«, sagte Aginor. »Der passende Ort für euch. Wenn ihr lernt, euch niederzuwerfen und uns anzubeten, wie es sich gehört, dann lasse ich euch vielleicht am Leben.«
Hastig rappelte Rand sich hoch. Vielleicht konnte er die Verlorenen nicht bekämpfen — das konnte kein gewöhnlicher Mensch -, aber er würde sie nicht eine Minute lang in dem Glauben lassen, er krieche vor ihnen. Er versuchte, Egwene beim Aufstehen zu helfen, doch sie schlug seine Hände zur Seite und stand allein auf. Zornig strich sie sich das Kleid glatt. Auch Mat und Perrin hatten sich trotzig, wenn auch unsicher, aufgerichtet.
»Ihr werdet es lernen«, sagte Aginor, »wenn ihr überleben wollt. Nun, da ich gefunden habe, was ich brauche« — sein Blick wandte sich dem Torbogen zu -»nehme ich mir vielleicht die Zeit, es euch beizubringen.«
»Das wird nicht geschehen!« Der Grüne Mann schritt aus dem Wald hervor. Seine Stimme klang, als schlage der Blitz in eine alte Eiche ein. »Ihr gehört nicht hierher!«
Aginor warf ihm einen kurzen, verächtlichen Blick zu. »Geht! Eure Zeit ist beendet. Alle von Eurer Rasse außer Euch sind längst Staub. Lebt, was Euch an Leben noch bleibt, und seid froh, daß es unter unserer Würde ist, Notiz von Euch zu nehmen.«
»Dies ist meine Heimstatt«, sagte der Grüne Mann, »und Ihr werdet hier nichts Lebendiges verletzen.«
Balthamel schleuderte Nynaeve weg wie einen alten Lumpen, und so fiel sie auch, mit leeren, offenen Augen, schlaff, als seien all ihre Knochen geschmolzen. Eine lederumhüllte Hand hob sich, und der grüne Mann brüllte auf, als sich aus den Ranken, aus denen er gewebt war, Rauch erhob. Der Wind in den Bäumen warf ein Echo seiner Schmerzen zurück.
Aginor wandte sich wieder Rand und den anderen zu, als sei er mit dem Grünen Mann fertig, doch ein langer Schritt, und kräftige, blättrige Arme schlangen sich um Balthamel, hoben ihn hoch, drückten ihn gegen eine Brust aus dicken Ranken. Die schwarze Ledermaske lachte in Haselnußaugen, die vor Zorn dunkel waren. Wie Schlangen entwanden sich Balthamels Arme dieser Umklammerung. Seine behandschuhten Hände ergriffen den Kopf den Grünen Mannes, als wollten sie ihn ausreißen. Flammen schlugen hoch, wo diese Hände des Grünen Mann berührten. Ranken verwelkten, Blätter fielen. Der Grüne Mann brüllte laut, als dichter, dunkler Rauch zwischen den Ranken seines Körpers herausquoll. Weiter und weiter brüllte er, als brülle er sich selbst aus sich heraus, zusammen mit dem Rauch, der zwischen seinen Lippen hervorquoll.
Plötzlich zuckte Balthamel im Griff des Grünen Mannes. Die Hände des Verlorenen versuchten, ihn wegzuschieben, statt ihn festzuhalten. Eine Hand flog zur Seite... und ein winziger, grüner Trieb brach durch das schwarze Leder. Ein Pilz, so wie er im tiefen Schatten des Waldes ringförmig um die Bäume wächst, umklammerte seinen Arm, wuchs aus dem Nichts zu voller Größe heran, schwoll an und bedeckte die ganze Länge des Arms. Balthamel schlug um sich, und ein Stinkkraut-Trieb riß seine Lederhülle auf. Flechten schoben ihre Wurzeln hinein und sprengten winzige Risse in das Ledergesicht.
Nesseln durchbrachen die Augen der Maske; Totenkopfpilze rissen den Mund auf.
Der grüne Mann schleuderte den Verlorenen zu Boden. Balthamel wand sich und zuckte, als all diese Dinge, die an düsteren Orten wuchsen, all die Dinge mit Sporen, all die Dinge, die Feuchtigkeit liebten, anschwollen und wuchsen, Stoff und Leder und Fleisch aufrissen — war es Fleisch, was man in diesem kurzen Augenblick pflanzlichen Zorns sehen konnte? -, bis nur noch zerlumpte Fetzen übrig waren; die ihn überwucherten, bis nur noch eine Erhebung übrigblieb, die man kaum von anderen in den schattigen Tiefen des Waldes unterscheiden konnte, und diese Erhebung bewegte sich genausowenig wie die anderen. Mit einem Aufstöhnen wie dem eines Astes, der unter seinem zu hohen Gewicht abbricht, krachte der Grüne Mann zu Boden. Die Hälfte seines Kopfes war schwarz verkohlt. Rauchfinger erhoben sich noch von ihm wie graue Fühler. Verbrannte Blätter fielen von seinem Arm herunter, als er schmerzerfüllt seine geschwärzte Hand ausstreckte, um sanft eine Eichel zu umschließen.
Die Erde grollte, als zwischen seinen Fingern ein Eichenschößling emporwuchs. Der Kopf des Grünen Mannes sackte herunter, doch der Schößling streckte sich der Sonne entgegen. Wurzeln schossen heraus und festigten sich, gruben sich in den Boden, schoben sich wieder heraus und wurden immer dicker, während sie wieder einsanken. Der Stamm verbreiterte sich und streckte sich nach oben. Die Rinde wurde grau und rissig und alt. Äste breiteten sich aus und wurden schwer, armdick, mannsgroß, erhoben sich, den Himmel zu liebkosen, dicht mit grünem Laub bewachsen, voll von Eicheln. Das massive Netzwerk von Wurzeln warf die Erde auf wie ein Pflug, während es sich vergrößerte; der sowieso schon riesige Stamm zitterte, verbreiterte sich erneut zum Durchmesser eines Hauses. Stille verbreitete sich. Und eine Eiche, die auch fünfhundert Jahre alt sein konnte, bedeckte den Fleck, an dem der Grüne Mann gelegen hatte. Sie war das Zeichen für das Grab einer Legende. Nynaeve lag auf den knorrigen Wurzeln, die krumm gewachsen waren, um ihre Gestalt zu umfassen, um ein Bett für sie zu bilden, auf dem sie ruhen konnte. Der Wind seufzte durch die Zweige der Eiche; er schien ein Lebewohl zu murmeln.
Selbst Aginor schien wie betäubt. Dann hob er den Kopf, und die Höhlenaugen glühten vor Haß. »Genug! Es ist höchste Zeit, dies zu beenden!«
»Ja, Verlorener«, sagte Moiraine mit einer Stimme, die so kalt klang wie das Eis im tiefsten Winter. »Höchste Zeit!«
Die Hand der Aes Sedai hob sich, und der Boden brach unter Aginors Füßen ein. Flammen erhoben sich prasselnd aus der Kluft, wurden von dem aus allen Richtungen heranheulenden Wind aufgepeitscht, saugten einen Strudel von Blättern in sich hinein, der sich zu einem rotgeäderten, flüssigen gelben Strahl purer Hitze verfestigte. In der Mitte stand Aginor, die Füße nur von Luft gehalten. Der Verlorene sah überrascht aus, doch dann lächelte er und trat einen Schritt vor. Es war ein langsamer Schritt, als versuche das Feuer, ihn am gleichen Fleck festzuhalten, aber er tat ihn, und dann noch einen.