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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Auch Perrin stand in den Steigbügeln, schweigend und ernst. Er hatte die Führung übernommen, und seine Axt hieb ihnen einen Pfad durch Holz und faulendes Fleisch, was auch immer sich vor ihnen befand. Um sich schlagende Bäume und jaulende Wesen scheuten vor dem stämmigen Axtträger zurück, sowohl vor den wilden goldenen Augen als auch vor der durch die Luft pfeifenden Axt. Er zwang sein Pferd entschlossen vorwärts, Schritt für Schritt.

Feuerbälle schossen aus Moiraines Händen hervor, und wo sie aufkamen, da wurde ein sich windender Baum zur Fackel, da schrie eine zahnbewehrte Gestalt auf und schlug mit menschlichen Händen auf sich ein, zerkratzte das eigene brennende Fleisch mit grimmen Klauen, bis es verendete.

Wieder und wieder lenkte der Behüter Mandarb zwischen die Bäume. Seine Klinge und Handschuhe trieften von blasenschlagendem, dampfendem Blut. Wenn er nun zurückkehrte, sah man häufiger Risse in seinem Schuppenpanzer und blutende Kratzer in seiner Haut, und auch sein Streitroß stolperte und blutete. Jedesmal hielt die Aes Sedai inne und legte ihre Hände auf seine Wunden, und wenn sie sie wieder wegnahm, war nur das Blut auf heiler Haut zurückgeblieben. »Ich entzünde Signalfeuer für die Halbmenschen«, sagte sie in bitterem Tonfall. »Weiter voran! Weiter voran!« Langsam, Schritt für Schritt, kamen sie vorwärts.

Wenn die Bäume nicht so blindwütig auf die gesamte Masse angreifenden Fleisches und nicht nur auf die Menschen eingeschlagen hätten, wenn die Kreaturen, von denen keine der anderen glich, nicht auch gegen die Bäume und die anderen ihrer Art gekämpft hätten, sondern ausschließlich gegen die Menschen, dann — da war Rand sicher — wären sie überwältigt worden. Er war aber keineswegs sicher, ob das nicht doch noch geschehen würde. Dann erhob sich hinter ihnen ein flötenartiger Schrei. Fern und dünn drang er durch das Fauchen der Bewohner der Fäule um sie herum. Das Fauchen und Knurren war mit einem Schlag beendet — wie mit einem Messer abgeschnitten. Die angreifenden Gestalten erstarrten; die Bäume verharrten bewegungslos. So plötzlich, wie die Dinge mit den vielen Beinen aufgetaucht waren, verschwanden sie auch wieder in den verkrüppelten Wald hinein.

Der schrille Ton erklang erneut, wie eine gesprungene Hirtenflöte, und wurde von einem ganzen Chor der gleichen Art begrüßt. Ein halbes Dutzend, die vor sich hin sangen — weit hinter dem ersten.

»Würmer«, sagte Lan grimmig, was Loial zum Aufstöhnen brachte. »Sie haben uns eine Pause verschafft, falls wir Zeit genug haben, sie zu nutzen.« Seine Augen maßen die Entfernung zu den Bergen. »Wenige Dinge in der Fäule werden sich einem Wurm entgegenstellen, wenn es vermieden werden kann.« Er grub die Fersen in Mandarbs Flanken. »Reitet!« Die ganze Gesellschaft galoppierte hinter ihm her durch eine Fäule, die ihnen plötzlich wirklich tot erschien, außer natürlich, was das Flöten hinter ihnen betraf.

»Sie wurden von den Würmern verscheucht?« fragte Mat ungläubig. Er hüpfte im Sattel auf und ab und versuchte, sich den Bogen über den Oberkörper zu hängen.

»Ein Wurm« — die Art, wie der Behüter das aussprach, klang ganz anders als bei Mat — »kann einen Blassen töten, falls der Blasse nicht alles Glück des Dunklen Königs auf seiner Seite hat. Wir haben ein ganzes Rudel auf den Fersen. Reitet! Reitet!« Die dunklen Gipfel waren nun näher. Eine Stunde, schätzte Rand, bei dem Tempo, das der Behüter anschlug.

»Werden uns die Würmer nicht in die Berge folgen?« fragte Egwene atemlos, und Lan lachte bitter.

»Das werden sie nicht. Die Würmer haben Angst vor dem, was auf den oberen Pässen lauert.« Loial stöhnte wieder.

Rand wünschte, der Ogier würde damit aufhören. Es war ihm durchaus klar, daß der Ogier mehr über die Fäule wußte als alle außer Lan, selbst wenn es nur aus Büchern stammte, die er in der Sicherheit des Steddings gelesen hatte. Aber warum muß er mich immer daran erinnern, daß noch Schlimmeres auf uns wartet als das, was wir bereits gesehen haben?

Die Fäule flog an ihnen vorbei. Unkraut und Gras klatschte fauligzäh unter den galoppierenden Hufen. Bäume von der Art, die sie zuvor angegriffen hatten, zuckten noch nicht einmal, selbst wenn sie direkt unter ihren verdrehten Zweigen einherritten. Die Berge des Verderbens füllten den Himmel vor ihnen, schwarz und kahl und fast schon nahe genug, um sie zu berühren, so schien es. Das Flöten klang scharf und klar, und hinter ihnen erklangen matschige Geräusche, lauter als von den Dingen, die unter den Pferdehufen zerquetscht wurden. Zu laut; als würden die halbverfaulten Bäume von riesigen Körpern zerdrückt, die über sie hinwegglitten. Zu nahe. Rand blickte nach hinten. Dort hinten bäumten sich die Baumwipfel auf und wurden wie Gras niedergedrückt. Es ging langsam aufwärts, auf die Berge zu, in einem Winkel, der ihm sagte, daß ihr Aufstieg begann.

»Wir schaffen es nicht«, verkündete Lan. Er hielt Mandarbs Galopp nicht zurück, hatte aber plötzlich wieder sein Schwert in der Hand. »Sei auf den Paßhöhen besonders vorsichtig, Moiraine, dann kommst du durch.«

»Nein, Lan!« rief Nynaeve.

»Schweig, Mädchen! Lan, selbst du kannst kein Wurmrudel aufhalten. Ich lasse das nicht zu. Ich brauche dich am Auge.«

»Pfeile«, rief Mat atemlos.

»Die Würmer würden sie nicht einmal fühlen«, schrie der Behüter. »Man muß sie in Stücke hacken. Sie fühlen nicht viel — nur Hunger. Manchmal Angst.«

Rand klammerte sich furchtsam an seinen Sattel. Er zuckte die Achseln in dem Versuch, die Verspannung seiner Schultern zu lösen. Sein ganzer Brustkorb war im Griff einer eisernen Klammer, so daß er kaum atmen konnte, und seine Haut schmerzte unter heißen Nadelstichen. Die Fäule hatte sich zu einem niedrigen Vorgebirge gewandelt. Er konnte den Weg sehen, den sie emporklimmen mußten, sobald sie die Berge erreicht hatten; einen sich windenden Pfad und die Paßhöhe an seinem Ende. Der Paß sah aus, als habe eine Axt den schwarzen Fels gespalten. Licht, was ist dort droben, das sogar die hinter uns das Fürchten lehren kann? Licht, hilf mir, ich habe noch nie solche Angst gehabt! Ich will nicht weiter dort hinauf. Nicht weiter! Er suchte die Flamme und das Nichts und schimpfte dabei auf sich selbst. Narr! Angsthase! Feiger Narr! Du kannst nicht hierbleiben, und du kannst nicht zurück. Willst du Egwene im Stich lassen, damit sie alledem allein gegenüber steht? Das Nichts entwich ihm, formte sich, zerplatzte in tausend Lichtpunkte, formte sich erneut und zerbrach wieder. Jeder Lichtpunkt brannte sich in seine Knochen ein, bis er vor Schmerz zitterte und glaubte, er müsse zerbersten. Licht, hilf mir, ich kann nicht weiter! Licht, hilf mir!

Er straffte schon die Zügel des Braunen, um ihn wenden zu lassen und sich den Würmern und allem zu stellen, nur nicht dem, was vor ihm lag, als sich der Charakter der Landschaft veränderte. Zwischen einem Hügelabhang und dem nächsten, zwischen Kamm und Gipfel, war die Fäule verschwunden.

Grüne Blätter verdeckten friedlich sich ausbreitende Äste. Wildblumen bildeten einen bunten Fleckenteppich in Gras, das von einer süßduftenden Frühlingsbrise bewegt wurde. Schmetterlinge flatterten von Blüte zu Blüte, zusammen mit summenden Bienen, und Vögel zwitscherten ihre Lieder.

Mit offenem Mund galoppierte er weiter, bis ihm plötzlich zu Bewußtsein kam, daß Moiraine und Lan und Loial und die anderen angehalten hatten. Langsam brachte er den Braunen zum Stehen, das Gesicht in Erstaunen erstarrt. Egwene fielen beinahe die Augen aus dem Kopf, und Nynaeves Kinnlade hing herunter. »Wir sind in Sicherheit«, sagte Moiraine. »Das ist der Wohnort des Grünen Mannes, und das Auge der Welt befindet sich auch hier. Nichts aus der Fäule kann hier eindringen.«

»Ich dachte, es sei auf der anderen Seite der Berge«, nuschelte Rand. Er konnte die Gipfel noch sehen, die den Horizont im Norden füllten, und die Pässe dazu. »Ihr sagtet, es sei immer jenseits der Pässe.«

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