Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Sie sah so hübsch aus mit ihrem offenen, blumengeschmückten Haar, daß er zurücklächelte, bis sie errötete und die Augen niederschlug. Ich werde dich beschützen, dachte er. Was auch geschieht, ich werde dich doch in Sicherheit bringen. Das schwöre ich. Der Grüne Mann führte sie ins Herz des Frühlingswaldes zu einem Torbogen am Hang eines Hügels. Es war ein einfacher Steinbogen, hoch und weiß, und auf dem Schlüsselstein sah man einen Kreis, der von einer Schlangenlinie halbiert wurde. Die eine Hälfte war glatt, die andere rauh. Das uralte Symbol der Aes Sedai. Die Öffnung selbst lag im Schatten.
Einen Augenblick betrachteten alle schweigend den Torbogen. Dann entfernte Moiraine den Blütenkranz aus ihrem Haar und hängte ihn an einen Zweig eines Süßholzbusches neben dem Bogen. Es war, als löse diese Bewegung ihre Zungen.
»Ist es da drinnen?« fragte Nynaeve. »Weswegen wir gekommen sind?«
»Ich würde wirklich gern den Baum des Lebens sehen«, sagte Mat, der seinen Blick nicht von dem halbierten Kreis über ihnen wandte. »Solange können wir doch warten, oder?«
Der Grüne Mann sah Rand eigenartig an und schüttelte dann den Kopf. »Avendesora ist nicht hier. Ich habe seit zweitausend Jahren nicht mehr unter seinen rauhen Ästen geruht.«
»Der Baum des Lebens ist auch nicht der Grund unseres Kommens«, sagte Moiraine bestimmt. Sie deutete auf den Bogen: »Dort drinnen ist er.«
»Ich werde nicht mit euch hineingehen«, sagte der Grüne Mann. Die Schmetterlinge wirbelten um ihn herum, als teilten sie seine Erregung. »Es wurde mir vor langer, langer Zeit aufgetragen, es zu behüten, doch ich fühle mich nicht so wohl, wenn ich ihm zu nahe komme. Ich fühle, wie ich mich auflöse. Irgendwie hängt mein Ende damit zusammen. Ich kann mich noch daran erinnern, wie es geschaffen wurde. Ein wenig jedenfalls. Ein bißchen.« Seine Haselnußaugen blickten gedankenverloren ins Leeres und er fühlte nach seiner Narbe. »Es war in den ersten Tagen der Zerstörung der Welt. Die Freude ob des Sieges über den Dunklen König erhielt als bitteren Beigeschmack das Bewußtsein, daß immer noch alles durch die Last des Schattens zerstört werden konnte. Hundert von ihnen schufen es — Männer und Frauen gemeinsam. So wurden die größten Werke der Aes Sedai immer geschaffen, indem sie Saidin und Saidar zusammenfügten, so wie in der Wahren Quelle. Sie alle starben, damit es rein blieb, während die Welt um sie herum zerrissen wurde. Sie wußten, daß sie sterben würden, und so trugen sie mir auf, es für den Fall zu beschützen, daß es gebraucht wurde. Das war nicht das, wofür ich geschaffen worden war, aber alles zerbrach, und sie waren allein und ich war alles, was sie hatten. Es war nicht das, wofür ich geschaffen worden war, aber ich habe ihm die Treue gehalten.« Er sah Moiraine an und nickte in sich hinein. »Ich habe die Treue gehalten, bis es gebraucht wurde. Und jetzt geht diese Zeit zu Ende.«
»Ihr seid treuer gewesen als viele von uns, die Euch diese Aufgabe anvertrauten«, sagte die Aes Sedai. »Vielleicht wird alles nicht so schlimm, wie Ihr befürchtet.«
Der genarbte, blattbehangene Kopf schüttelte sich langsam. »Ich erkenne ein Ende, wenn es kommt, Aes Sedai. Ich werde einen anderen Ort finden, an dem ich Pflanzen züchten kann.« Nußbraune Augen blickten traurig in den grünen Wald hinein. »Vielleicht einen anderen Ort. Wenn ihr herauskommt, werde ich euch noch einmal begrüßen, falls noch Zeit ist.« Damit schritt er fort, Schmetterlinge im Schwarm hinter sich herziehend, und wurde in einem Maße eins mit dem Wald, wie es selbst Lans Umhang nicht vermochte.
»Was hat er gemeint?« wollte Mat wissen. »Falls noch Zeit ist?«
»Kommt«, sagte Moiraine, und sie durchschritt den Torbogen. Lan folgte ihr auf dem Fuß.
Rand war sich nicht sicher, was er eigentlich erwartete, als er ihnen folgte. Die Haare an seinen Armen zuckten unruhig, und die in seinem Nacken sträubten sich. Aber es war nur ein Korridor, dessen mattglänzende Wände oben im gleichen Bogen wie das Tor zusammentrafen und sich in sanfter Neigung nach unten zogen. Selbst Loial hatte mehr als genug Platz nach oben; sogar der Grüne Mann hätte hereingepaßt. Der ebene Fußboden sah fürs Auge glatt aus wie geölte Platten, aber irgendwie bot er den Füßen genug Halt. Auf fugenlosen weißen Wänden glitzerten unzählige Lichtpunkte in ebenso vielen Farben und gaben ein mattes, sanftes Licht ab, obwohl der sonnenbeschienene Torbogen um eine Biegung hinter ihnen herum verschwunden war. Er war sicher, daß dieses Licht nichts Natürliches war, aber er fühlte auch, daß es gutartig war. Warum hast du dann dieses Kribbeln auf der Haut? Weiter und weiter hinunter ging es.
»Dort«, sagte Moiraine schließlich und zeigte nach vorn. »Vor uns.«
Der Korridor weitete sich zu einer enormen Kuppelhalle. Der rauhe, lebende Fels ihrer Decke war mit Gruppen von glimmenden Kristallen übersät. Darunter nahm ein See fast die ganze Höhlenfläche ein. Am Rand entlang war lediglich ein Rundweg von vielleicht fünf Schritten Breite übriggeblieben. Der See wies den ovalen Umriß eines Auges auf, und am Rand entlang zog sich ein niedriger, flacher Saum von Kristallen, die wohl in einem matteren, aber gleichzeitig drohenderen Licht leuchteten als die an der Decke. Die Oberfläche des Sees war so glatt wie Glas und so klar wie der Weinquellenbach. Rand hatte das Gefühl, sein Blick könne ihn bis in die Unendlichkeit durchdringen, und er konnte auch keinen Grund entdecken.
»Das Auge der Welt«, sagte Moiraine leise neben ihm. Als er sich voller Staunen umblickte, bemerkte er, daß die langen Jahre, seit es erschaffen wurde — dreitausend -, nicht spurlos an ihm vorübergegangen waren, und niemand war gekommen. Nicht alle Kristalle in der Kuppel glühten mit der gleichen Intensität. Einige glühten stärker, andere schwächer; einige flackerten, und andere waren nur noch kantige Brocken, die lediglich im Lichtschein schimmerten. Wären alle gleich hell gewesen, die Kuppel hätte so hell gestrahlt wie die Mittagssonne. Jetzt schien es nur wie das Licht am späten Nachmittag. Der Rundweg war von Staub überkrustet, auf dem kleine Steinchen und sogar einzelne Kristallsplitter lagen. Lange Jahre des Wartens, während sich das Rad drehte und mahlte. »Aber was ist das eigentlich?« fragte Mat unsicher. »Das sieht nicht aus wie Wasser, jedenfalls wie ich es kenne.« Er gab einem faustgroßen, dunklen Steinbrocken einen Tritt, daß er über den Rand rutschte. »Es... «
Der Stein durchschlug die glasige Oberfläche und glitt in den See, ohne zu klatschen, ohne auch nur die kleinste Welle hervorzurufen. Beim Sinken schwoll der Stein an, wurde größer und größer und zeichnete sich deutlich ab. Schnell war er kopfgroß. Rand konnte beinahe hindurchsehen. Dann sah er nur noch einen armlangen, verschwommenen Fleck, und auch der verschwand. Er hatte noch nie eine solche Gänsehaut gehabt.
»Was ist das?« wollte er wissen. Er war überrascht von der rauhen Härte seiner eigenen Stimme.
»Man könnte es das Wesen des Saidin nennen.« Die Worte der Aes Sedai wurden als Echo in der Kuppel zurückgeworfen. »Die Essenz der männlichen Hälfte der Wahren Quelle, die pure Essenz der Macht, die von den Männern vor der Zeit des Wahns beherrscht worden war. Die Macht, das Siegel an dem Gefängnis des Dunklen Königs zu erneuern oder es vollständig zu brechen.«
»Das Licht leuchte und beschütze uns«, flüsterte Nynaeve. Egwene klammerte sich an sie, als wolle sie sich hinter der Seherin verstecken. Selbst Lan bewegte sich unruhig, obwohl in seinen Augen keine Überraschung stand.
Rands Schultern prallten gegen Stein, und ihm wurde bewußt, daß er bis zur Rückwand zurückgetreten war, so weit vom Auge der Welt entfernt wie möglich. Wenn er gekonnt hätte, wäre er durch die Wand hindurch entkommen. Mat ging es genauso. Er drückte sich so platt gegen die Felswand, wie es nur ging. Perrin starrte mit halb gezogener Axt in den See. Seine Augen leuchteten gelb und wild.