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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Wärme stieg in Rand auf, die Wärme der Sonne, das Strahlen der Sonne, brach auf in einer wahnsinnigen Lichtexplosion: das Licht. Weg!

»Meins!« Flammen schossen aus Aginors Mund, brachen wie Feuerspeere aus seinen Augen, und er schrie.

Weg!

Und Rand befand sich nicht mehr auf der Spitze des Hügels. Er bebte mit dem Licht, das ihn durchdrang. Sein Verstand arbeitete nicht richtig; Licht und Hitze blendeten ihn. Das Licht. Mitten im Nichts blendete das Licht seinen Verstand, betäubte ihn mit Ehrfurcht. Er stand auf einem breiten Bergpaß, der von zerrissenen schwarzen Gipfeln, die wie die Zähne des Dunklen Königs waren, umgeben war. Es war echt; er befand sich wirklich dort. Er fühlte die Felsen unter seinen Stiefeln und den eisigen Wind in seinem Gesicht.

Eine Schlacht umtobte ihn, oder zumindest die Nachhut einer Schlacht. Gerüstete Männer auf gepanzerten Pferden — glänzender Stahl, mittlerweile von Staub verkrustet -schlugen und stachen auf fauchende Trollocs ein, die Dornenäxte und sichelgleiche Schwerter schwangen. Einige Männer kämpften zu Fuß, da ihre Pferde ums Leben gekommen waren, aber es rannten auch reiterlose, gepanzerte Pferde zwischen den Kämpfenden hindurch. Inmitten der Schlacht ritten Blasse umher. Ihre nachtschwarzen Umhänge hingen unbeweglich herunter, so schnell auch ihre Reittiere galoppierten, und wo immer auch ihre lichtfressenden Schwerter auftrafen, da starben Männer. Lärm drang auf Rand ein, schlug auf ihn ein und prallte zurück von der Fremdartigkeit, die ihn gepackt hatte. Das Aufklingen von Stahl auf Stahl, das schwere Atmen und Grunzen von kämpfenden Männern und Trollocs, die Schreie der sterbenden Menschen und Trollocs. Über dem Lärm flatterten Banner in der stauberfüllten Luft. Der Schwarze Falke von Fal Dara, der Weiße Hirsch von Schienar, andere. Und Trolloc-Flaggen. Im engsten Umkreis konnte er den gehörnten Schädel der Dha'vol erkennen, den blutroten Dreizack der Ko'bal, die eiserne Faust der Dhai'mon.

Und doch war es wirklich die Nachhut der Schlacht, ein Atemholen, als sich Menschen und Trollocs zurückzogen, um sich neu zu formieren. Keiner schien Rand zu bemerken. Sie wechselten ein paar letzte Schläge und lösten sich vom Gegner, galoppierten oder rannten oder taumelten fort zu den Enden des Passes.

Rand blickte direkt auf die Seite des Passes, wo sich die Menschen sammelten. Wimpel flatterten unter glitzernden Lanzenspitzen. Verwundete wankten in ihren Sätteln. Reiterlose Pferde bäumten sich auf und galoppierten umher. Klar ersichtlich waren sie einem erneuten Zusammentreffen nicht gewachsen, und genauso klar war es, daß sie sich auf einen letzten Angriff vorbereiteten. Einige von ihnen sahen ihn nun. Männer standen in den Steigbügeln und deuteten auf ihn. Ihre Rufe drangen wie leises Piepsen zu ihm herauf.

Leicht taumelnd drehte er sich um. Die Truppen des Dunklen Königs füllten das andere Ende des Passes. Wie Igel bedeckten schwarze Piken und Speerspitzen die Berghänge, die durch die große Anzahl von Trollocs schwarz überzogen schienen. Ihre Armee übertraf die von Schienar bei weitem. Hunderte von Blassen ritten vor der Horde einher. Die wilden Schnauzengesichter der Trollocs wandten sich furchtsam ab, während sie vorbeiritten. Riesige Körper schoben sich nach hinten und machten ihnen Platz. Obendrüber kreisten Draghkar mit ledrigen Schwingen. Ihre Schreie forderten den Wind heraus. Jetzt sahen ihn auch einige der Halbmenschen, deuteten auf ihn, und Draghkar kippten ab und stürzten auf ihn herunter. Zwei. Drei. Sechs davon stießen mit schrillen Schreien im Sturzflug zu ihm herunter.

Er blickte sie an. Hitze erfüllte ihn, die brennende Hitze der Sonne, die er berührt hatte. Er konnte die Draghkar klar erkennen: seelenlose Augen in blassen Menschengesichtern an geflügelten Körpern, die nichts Menschliches an sich hatten. Schreckliche Hitze. Funkensprühende Hitze.

Aus dem heiteren Himmel kamen Blitze, jeder einzelne kurz und scharf umrissen, fuhren ihm sengend in die Augen. Jeder Blitz traf eine geflügelte schwarze Gestalt. Aus Jagdrufen wurden Todesschreie, und verkohlte Gestalten fielen herab und ließen den Himmel wieder sauber hinter sich zurück.

Die Hitze. Die schreckliche Hitze des Lichts.

Er fiel auf die Knie nieder. Er glaubte, seine Tränen auf den Wangen zischen zu hören. »Nein!« Er klammerte sich an Büschel zähen Grases, um nicht den Kontakt mit der Wirklichkeit zu verlieren, doch das Gras ging in Flammen auf. »Bitte, neeeeeeiin!«

Der Wind erhob sich mit seiner Stimme, heulte mit seiner Stimme, brüllte mit seiner Stimme den Paß hinunter, peitschte die Flammen zu einer Feuerwand hoch, die sich von ihm weg bewegte und auf die Trollocs zu. Sie war schneller, als ein Pferd galoppieren konnte. Das Feuer brannte sich in die Trollocs hinein, und die Berge erzitterten vor ihren Schreien, Schreie, die fast so laut waren wie der Wind und seine Stimme. »Das muß aufhören!«

Er schlug mit der Faust auf den Boden, und die Erde klang auf wie ein Gong. Er schürfte sich die Hände auf steiniger Erde auf, und die Erde bebte. Wellen rollten durch die Erde vor ihm, stiegen immer höher, Wellen von Schmutz und Felsbrocken, die über den Trollocs und Blassen aufragten und über sie hereinbrachen und die Berge unter ihren Hufen und Füßen zerschmetterten. Eine kochende Masse von Fleisch und Schutt ergoß sich über die Trolloc-Armee. Was schließlich stehen blieb, war immer noch ein mächtiges Heer, aber nicht mehr als doppelt so groß wie das Heer der Menschen, und alle liefen in Angst und Verwirrung durcheinander.

Der Wind legte sich. Die Schreie erstarben. Die Erde bewegte sich nicht mehr. Staub und Rauch zogen sich zu einer Wolke zusammen, die den Paß heraufwirbelte und ihn umgab.

»Das Licht blende dich, Ba'alzamon! Das muß ein Ende finden!«

DAS ENDE IST NICHT HIER.

Es war nicht Rands Gedanke, der seinen Schädel vibrieren ließ.

ICH WERDE NICHT EINGREIFEN. NUR DER AUSERWÄHLTE KANN TUN, WAS GETAN WERDEN MUSS, WENN ER WILL.

»Wo?« Er wollte es nicht aussprechen, aber er konnte sich nicht davon abhalten. »Wo?«

Der ihn umgebende Dunst lichtete sich. Eine Kuppel klarer, reiner Luft formte sich, zehn Spannen hoch, von wogendem Rauch und Staub umrahmt. Stufen erhoben sich vor ihm — jede davon stand frei und ohne irgendeinen Halt — und erstreckten sich nach oben in die Trübe hinein, die die Sonne verbarg.

NICHT HIER.

Durch den Dunst kam ein Schrei wie vom fernen Ende der Erde her: »Das Licht wünscht es!« Der Boden grollte unter dem Donner von Hufen, als das Herr der Menschen zum letzten Angriff ritt.

Inmitten des Nichts verfiel sein Verstand einen Moment lang in Panik. Die angreifenden Reiter konnten ihn im Staub nicht erkennen; sie würden vielleicht über ihn hinwegtrampeln. Der größere Teil seines Ichs ignorierte den bebenden Boden als eine nichtige Sache unter seiner Würde. Stumpfer Zorn trieb seine Füße die ersten Stufen hoch. Es muß damit Schluß gemacht werden!

Dunkelheit umgab ihn — die absolute Dunkelheit im totalen Nichts. Die Stufen waren immer noch da, hingen in der Schwärze unter seinen Füßen und vor ihm. Als er zurückblickte, waren die hinter ihm weg, hatten sich im Nichts seiner Umgebung aufgelöst. Doch die Schnur war noch da, erstreckte sich hinter ihm. Das glühende Seil wurde in der Ferne immer dünner und verschwand schließlich. Es war nicht so dick wie zuvor, pulsierte aber immer noch, pumpte Kraft in ihn hinein, pumpte Leben, füllte ihn mit dem Licht. Er schritt weiter hinauf.

Er schien ewig weiterzuklimmen. Ewig, minutenlang. Die Zeit stand im Nichts still. Die Zeit lief schneller ab. Er kletterte weiter, und plötzlich stand ein Tor vor ihm, ein Tor mit rauher, gesplitterter und alter Oberfläche, ein Tor, an das er sich nur zu gut erinnerte. Er berührte es, und es zerbarst zu Splittern. Noch während die Teile herabfielen, schritt er hindurch. Splitter zerschmetterten Holzes fielen von seinen Schultern.

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