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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Auch der Raum entsprach seinen Erinnerungen: der wahnsinnige, streifige Himmel jenseits des Balkons, die geschmolzenen Wände, der glänzende Tisch, der furchtbare Kamin mit seinen tosenden, kalten Flammen. Einige der Gesichter, aus denen der Kamin bestand, die sich in Folter verzerrten und lautlos schrien, zupften an seinem Gedächtnis. Ihm war, als kenne er sie. Doch er hielt das Nichts um sich herum fest und trieb in sich selbst zurückgezogen in der Leere. Er war allein. Als er in den Spiegel an der Wand blickte, konnte er dort sein Gesicht so klar erkennen, als sei er es wirklich. Es ist Ruhe im Nichts.

»Ja«, sagte Ba'alzamon von einem Platz vor dem Kamin her, »ich dachte mir schon, daß Aginor seiner eigenen Gier zum Opfer fallen würde. Aber schlußendlich spielt das gar keine Rolle mehr. Eine lange Suche, doch jetzt ist sie zu Ende. Du bist hier, und ich kenne dich nun.«

Mitten im Licht schwebte das Nichts, und in der Mitte des Nichts schwebte Rand. Er fühlte nach der Erde seiner Heimat und erfaßte harten Fels, unnachgiebig und trocken, Stein ohne Mitleid, wo nur der Starke überleben konnte, nur derjenige, der ebenso hart war wie der Fels. »Ich bin des Rennens müde.« Er konnte selbst nicht glauben, daß seine Stimme so ruhig klang. »Ich habe es satt, daß meine Freunde bedroht werden. Ich werde nicht mehr weglaufen.« Auch Ba'alzamon hatte eine Schnur, wie er jetzt bemerkte. Eine schwarze Nabelschnur, weitaus dicker als seine, so dick, daß sie einen menschlichen Körper überragt hätte, doch statt dessen wurde sie von Ba'alzamon überragt. Jeder Pulsschlag dieser schwarzen Vene fraß Licht.

»Glaubst du, es macht einen Unterschied, ob du wegläufst oder bleibst?« Die Flammen aus Ba'alzamons Mund lachten. Die Gesichter des Kamins weinten über die Freude ihres Herrn. »Du bist oft schon vor mir geflohen, und jedesmal habe ich dich eingeholt und dich deinen eigenen Stolz fressen lassen — mit erbärmlichen Tränen als Gewürz. Viele Male hast du dich gestellt und mit mir gekämpft und bist dann besiegt vor mir gekrochen und hast um Gnade gebettelt. Du hast die Wahl, Wurm, und nur diese eine Wahl überhaupt: Knie vor mir nieder und diene mir gut, dann werde ich dir Macht verleihen, oder bleibe die närrische Marionette Tar Valons und schreie, während du zum Staub der Zeit zermalmt wirst.«

Rand trieb ein Stückchen weiter und blickte durch die Tür zurück, als suche er nach einem Fluchtweg. Sollte das doch der Dunkle König glauben! Jenseits der Tür befand sich immer noch die Schwärze des Nichts, nur von dem leuchtenden Faden aus seinem Körper unterbrochen. Und dort draußen war auch Ba'alzamons schwerere Schnur, so schwarz, daß sie sich vom Dunkel wie von Schnee abhob. Die beiden Schnüre pulsierten abwechselnd wie Adern voll Herzblut, gegeneinander gerichtet, und das Licht widerstand nur mit Mühe den Wellen von Dunkelheit.

»Es gibt noch andere Möglichkeiten«, sagte Rand. »Das Rad webt das Muster, nicht du. Ich bin aus jeder Falle entkommen, die du für mich gelegt hast. Ich bin deinen Blassen und Trollocs entkommen und deinen Schattenfreunden. Ich habe dich hierher verfolgt und auf dem Weg dein Heer zerstört. Du webst das Muster nicht.«

Ba'alzamons Augen loderten wie zwei Brennöfen. Seine Lippen bewegten sich nicht, aber Rand glaubte, einen Fluch an die Adresse Aginors zu hören. Dann erstarben die Feuer, und dieses gewöhnliche menschliche Gesicht lächelte ihn auf eine Art an, die ihn selbst durch die Wärme des Lichts hindurch erschauern ließ. »Neue Heere können zusammengezogen werden, du Narr. Heere, die du dir nicht erträumt hast, werden noch folgen. Und du hättest mich verfolgt? Du Larve unter einem Felsen -mich verfolgen? Ich fing an dem Tag an, deinen Weg zu bestimmen, als du geboren wurdest, einen Weg, der dich in dein Grab führen würde oder hierher. Aiel, denen die Flucht gestattet wurde, und einer sollte überleben, um die Worte auszusprechen, die ihr Echo durch die Jahre werfen sollten. Jain Fernstreicher, ein Held« — er zerrte den Namen höhnisch in die Länge — »den ich zum Narren machte und zu den Ogiern schickte, als er glaubte, er habe mich los. Die Schwarzen Ajah, die wie Würmer auf den Bäuchen um die Welt krochen, um dich zu finden. Ich ziehe an den Fäden und der Amyrlin-Sitz tanzt und glaubt, daß er die Ereignisse im Griff hat.«

Das Nichts erzitterte. Hastig festigte Rand es wieder. Er weiß alles. Er könnte das getan haben. Es könnte so gewesen sein, wie er behauptet. Das Licht erwärmte das Nichts. Zweifel erhob sich und wurde gestillt, bis nur noch ein Körnchen davon übrig war. Er kämpfte mit sich, wußte nicht, ob er das Körnchen begraben oder zum Wachsen bringen sollte. Das Nichts stand wieder fest und sicher, wenn auch kleiner als zuvor, und er trieb in einem Meer der Ruhe.

Ba'alzamon schien nichts davon zu bemerken. »Es spielt kaum eine Rolle, ob ich dich lebendig oder tot bekomme -außer natürlich für dich — und welche Macht du besitzen magst. Du wirst mir dienen, oder zumindest deine Seele wird mir dienen. Aber mir wäre es lieber, du würdest lebendig vor mir knien. Eine einzige Faust Trollocs, die ich zu deinem Dorf entsandte, obwohl ich tausend hätte schicken können. Ein Schattenfreund, der dir gegenüberstand, obwohl hundert dich im Schlaf überraschen könnten. Und du Narr erkennst sie nicht einmal alle, weder die vor dir, noch die hinter dir, noch diejenigen an deiner Seite. Du gehörst mir, hast mir schon immer gehört, ein Hund an der Leine, und ich brachte dich hierher, um vor deinem Herrn niederzuknien oder zu sterben und deine Seele niederknien zu lassen.«

»Ich widerstehe dir. Du hast keine Macht über mich, und ich werde weder lebendig noch tot vor dir knien.«

»Schau«, sagte Ba'alzamon. »Schau!« Unwillig drehte Rand den Kopf.

Da standen Egwene und Nynaeve, blaß und verängstigt, mit Blumen im Haar. Und eine andere Frau, wenig älter als die Seherin, dunkeläugig und schön, mit einem typischen Kleid von den Zwei Flüssen bekleidet, um dessen Kragen leuchtende Blüten gestickt waren. »Mutter?« hauchte er, und sie lächelte — ein Lächeln ohne Hoffnung. Das Lächeln seiner Mutter. »Nein! Meine Mutter ist tot, und die anderen beiden sind in Sicherheit, fern von hier. Ich glaube dir nicht!« Egwene und Nynaeve verschwammen, wurden zu verwehendem Dunst, lösten sich auf. Kari al'Thor stand immer noch mit ängstlich geweiteten Augen da.

»Zumindest sie«, sagte Ba'alzamon, »gehört mir, und ich kann mit ihr machen, was ich will.«

Rand schüttelte den Kopf. »Ich glaube dir nicht.« Er mußte die Worte aus sich herauspressen. »Sie ist tot und ruht, für dich unerreichbar, im Licht.«

Die Lippen seiner Mutter bebten. Tränen rannen ihr über die Wangen; jede davon brannte in ihm wie Säure. »Der Herr des Grabes ist stärker als früher, mein Sohn«, sagte sie. »Seine Reichweite ist größer. Der Vater der Lügen spricht mit einer Stimme wie Honig zu den nichtsahnenden Seelen. Mein Sohn! Mein einziger Lieblingssohn! Ich würde es dir gern ersparen, wenn ich nur könnte, doch jetzt ist er mein Herr, und sein Wunsch ist das Gesetz meiner Existenz. Ich kann nicht anders — muß ihm gehorchen und um seine Gnade winseln. Nur du kannst mich befreien. Bitte, mein Sohn! Bitte hilf mir!

Hilf mir! Hilf mir! BITTE!«

Der Schrei entriß sich ihr, während sie von Blassen mit bleichen, augenlosen, enthüllten Gesichtern flankiert wurde. Ihre Kleidung wurde von deren blutlosen Händen weggefetzt, Händen, in denen Zangen und Klammern und andere Dinge ruhten, die stachen und brannten und gegen ihre nackte Haut klatschten. Ihr Schrei wollte nicht enden.

Rands Aufschrei war ein Echo des ihrigen. Das Nichts kochte in seinem Geist. Sein Schwert war in seiner Hand. Nicht die Klinge mit dem Reiherzeichen, sondern eine aus Licht bestehende Klinge, eine Klinge des Lichts. Schon als er sie erhob, schoß ein feuriger, weißer Strahl aus ihrer Spitze, als habe die Klinge sich von selbst gestreckt. Er berührte den am nächsten stehenden Blassen, und eine blendende Lichtexplosion füllte den Raum, schien durch die Halbmenschen hindurch wie eine Kerze durch Papier, brannte durch sie hindurch und machte seine Augen blind für das, was sich abspielte.

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