Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand fand keinen Schlaf, obwohl die Aes Sedai sich keine Spanne weit entfernt ausgestreckt hatte, um seine Träume zu beschützen. Die erdrückend schwüle Luft hielt ihn wach. Loials leichtes Schnarchen wurde zum Donnern, das Perrins Schnarchen übertönte, aber die anderen wurden trotzdem von der Erschöpfung übermannt. Der Behüter war noch wach und hatte sich unweit von ihm hingesetzt, das Schwert auf den Knien. Er blickte in die Nacht hinein. Zu Rands Überraschung hatte sich Nynaeve ihm angeschlossen.
Die Seherin betrachtete Lan schweigend eine Weile lang, dann goß sie ihm eine Tasse Tee ein und brachte sie ihm hinüber. Als er sie ihr mit einem gemurmelten Dankeschön aus der Hand nahm, wandte sie sich nicht gleich wieder ab. »Ich hätte wissen müssen, daß Ihr ein König seid«, sagte sie leise. Ihre Augen blickten dem Behüter ruhig ins Gesicht, doch ihre Stimme zitterte etwas.
Lan blickte sie genauso eingehend an. Es erschien Rand, als wiese sein Gesicht jetzt sanftere Züge auf. »Ich bin kein König, Nynaeve. Nur ein Mann. Ein Mann, der weniger sein eigen nennen kann, als selbst der erbärmlichste kleine Bauer, der wenigstens einen Hof besitzt.«
Nynaeves Stimme klang nun fester. »Manche Frauen fragen nicht nach Land oder Gold. Nur nach dem Mann.«
»Und der Mann, der von ihr verlangt, daß sie sich mit so wenig bescheidet, wäre ihrer nicht würdig. Ihr seid eine bemerkenswerte Frau, so schön wie der Sonnenaufgang, so wild wie ein Krieger. Ihr seid eine Löwin, Seherin.«
»Eine Seherin ist nur in seltenen Fällen verheiratet.« Sie schwieg einen Moment und holte tief Luft, als bereite sie sich innerlich auf etwas vor. »Doch wenn ich nach Tar Valon gehe, werde ich etwas anderes sein als eine Seherin.«
»Aes Sedai heiraten genauso selten wie Seherinnen. Kaum ein Mann kann mit einer so mächtigen Frau leben, die ihn mit ihrer Ausstrahlung derartig in den Schatten stellt, ob sie nun will oder nicht.«
»Einige Männer sind stark genug. Ich kenne einen solchen.« Falls noch irgendein Zweifel blieb, so wurde er durch ihren Blick ausgeräumt, der bewies, wen sie meinte.
»Alles, was ich habe, ist ein Schwert und ein Krieg, den ich nicht gewinnen kann, aber ich kann doch nicht aufhören, zu kämpfen.«
»Ich habe Euch gesagt, daß das für mich keine Rolle spielt. Licht, Ihr habt mich bereits mehr sagen lassen, als schicklich ist. Werdet Ihr mich so weit beschämen, daß ich Euch fragen muß?«
»Ich werde Euch niemals beschämen.« Der sanfte Tonfall, wie eine Liebkosung, klang für Rands Ohren ganz eigenartig, brachte aber Nynaeves Augen zum Strahlen. »Ich werde den Mann hassen, den Ihr erwählt, weil er es ist und nicht ich, und ich werde ihn lieben, wenn er Euch zum Lächeln bringt. Keine Frau verdient es, sicher sein zu können, daß sie statt des Brautschleiers einen Witwenschleier tragen wird — Ihr am wenigsten von allen.« Er stellte den unberührten Tee zu Boden und erhob sich. »Ich muß nach den Pferden sehen.«
Nynaeve kniete noch immer am gleichen Fleck, nachdem er längst weg war.
Schlaf oder nicht, jedenfalls schloß Rand die Augen. Er glaubte, die Seherin werde nicht wünschen, daß sie jemand beim Weinen beobachtete.
49
Der Dunkle König rührt sich
Rand erwachte in der Morgendämmerung. Trüber Sonnenschein hatte seine Augenlider zum Prickeln gebracht, als die Sonne zögernd über die Baumwipfel der Fäule hinwegspähte. Selbst zu dieser frühen Stunde lastete die Hitze wie eine schwere Decke auf dem gepeinigten Land. Er lag auf dem Rücken, den Kopf auf der Deckenrolle, und blickte zum Himmel hinauf. Der Himmel war immer noch blau. Selbst hier schien er unberührt geblieben zu sein.
Überrascht stellte er fest, daß er tatsächlich geschlafen hatte. Eine Minute lang erschien ihm die verschwommene Erinnerung an ein belauschtes Gespräch wie der Teil eines Traumes. Dann sah er Nynaeves rotgeränderte Augen. Offensichtlich hatte sie nicht geschlafen. Lans Gesicht wirkte härter als je zuvor, als habe er sich wieder eine Maske aufgesetzt und denke nicht daran, sie je wieder abzunehmen.
Egwene ging hinüber und kauerte sich mit besorgtem Gesicht neben der Seherin nieder. Er konnte nicht verstehen, was sie sagten. Egwene sprach, und Nynaeve schüttelte den Kopf. Egwene sagte noch etwas, und Nynaeve bedeutete ihr mit einer Handbewegung, sie solle gehen. Statt dessen beugte sich Egwene noch weiter zu Nynaeves Kopf hinunter, und ein paar Minuten lang unterhielten sich die beiden Frauen ein wenig leiser als vorher. Nynaeve schüttelte wieder den Kopf. Die Seherin beendete die Unterhaltung mit einem kurzen Auflachen, umarmte Egwene und — nach ihrem Gesichtsausdruck zu schließen — beruhigte sie. Als Egwene sich dann erhob, sah sie den Behüter böse an. Lan schien es nicht zu bemerken; er blickte überhaupt nicht in Nynaeves Richtung.
Rand schüttelte den Kopf und las seine Siebensachen zusammen. Er wusch Gesicht und Hände hastig und putzte sich die Zähne mit dem wenigen Wasser, das ihnen Lan für solche Dinge zugestanden hatte. Er fragte sich, ob Frauen wohl die Gedanken der Männer erraten könnten. Der Gedanke war beunruhigend. Alle Frauen sind Aes Sedai. Dann sagte er sich, daß er wohl schon zu sehr unter dem Eindruck der Fäule stehe, spülte seinen Mund aus und beeilte sich, den Braunen zu satteln.
Es konnte einen erheblich durcheinanderbringen, wenn man bemerkte, daß ihr Lager verschwand, bevor er auch nur die Pferde erreicht hatte, aber als sein Sattelgurt festgezurrt war, erschien mit einem Schlag alles wieder, was sich auf der Hügelspitze befand. Jeder beeilte sich.
Die sieben Türme waren im Licht des Morgens klar zu erkennen, ferne, abgebrochene Stümpfe wie riesige, unregelmäßig geformte Hügel, die nur einen Schatten ihrer einstigen Größe darstellten. Die hundert Seen leuchteten in klarem, durch keine Welle unterbrochenen Blau. An diesem Morgen durchbrach nichts ihre Oberfläche. Wenn er die Seen und die Ruinen der Türme so betrachtete, war er fast in der Lage, die kränklichen Dinge zu ignorieren, die um den Hügel herum wuchsen. Lan schien den Anblick der Türme nicht zu meiden, genausowenig wie er den Anblick Nynaeves mied, aber irgendwie blickte er doch nie richtig hin und konzentrierte sich ganz darauf, ihren Aufbruch vorzubereiten.
Nachdem die Tragekörbe am Packpferd festgemacht waren, nachdem jeder Krümel und jeder Fleck und jede Spur beseitigt war und alle anderen auf ihren Pferden saßen, stellte sich die Aes Sedai mitten auf die Hügelspitze, schloß die Augen und schien nicht einmal mehr zu atmen. Es geschah nichts, das Rand hätte sehen können — nur Nynaeve und Egwene zitterten trotz der Hitze und rieben sich heftig die Arme, als wollten sie sich aufwärmen. Egwenes Hände erstarrten plötzlich auf ihren Unterarmen, und sie öffnete den Mund und sah die Seherin an. Bevor sie etwas sagen konnte, hörte Nynaeve ebenfalls mit dem Reiben auf und blickte sie scharf an. Die beiden Frauen sahen sich an, und dann nickte Egwene und grinste, und einen Moment später tat Nynaeve es ihr gleich, auch wenn ihr Lächeln eher halbherzig wirkte.
Rand fuhr sich mit den Fingern durchs Haar, das bereits mehr vom Schweiß durchnäßt war als von dem Wasser, das er daraufgespritzt hatte. Er war sicher, an diesem lautlosen Gedankenaustausch war etwas, das er verstehen sollte, aber die federleichte Berührung in seinem Geist verging, bevor er weiter darauf eingehen konnte.
»Worauf warten wir noch?« wollte Mat wissen. Er hatte sich den Schal wieder um die Stirn gewickelt. Sein Bogen war über das Sattelhorn gelegt, und einen Pfeil lag schußbereit auf der Sehne. Den Köcher hatte er an seinem Gürtel nach vorn gezogen, damit er ihn leichter erreichen konnte.